Freitag, 07.09.2018
10:45 - 12:15
Hörsaal A2
S403
Update - Mikronährstoffe in der Geriatrie

Moderation: R. Wirth, Herne

Symposium der AG Ernährung und Stoffwechsel der DGG

Eine unzureichende Energie- und Proteinaufnahme im Sinne der Protein-Energie-Malnutrition ist inzwischen als geriatrisches Syndrom anerkannt und viele in der Altersmedizin Tätige sind diesbezüglich sensibilisiert. Inwieweit jedoch auch Mikronährstoffdefizite in der Altersmedizin eine Rolle spielen können, ist wenig bekannt. Im Allgemeinen gilt die Mikronährstoffversorgung mit Ausnahme von Vitamin D und Folsäure auch in der älteren Bevölkerung als gesichert. Inwieweit dies jedoch auch für geriatrische Patienten zutrifft, bleibt unklar. Einige Studien zeigen hier deutliche Mikronährstoffdefizite, die durchaus klinisch relevant sein könnten. Den Fragen der epidemiologischen und pathophysiologischen Relevanz für die Altersmedizin will die AG Ernährung und Stoffwechsel der DGG mit diesem Symposium nachgehen und diese anhand ausgewählter Mikronährstoffe beantworten.

10:45
Vitamin C
S403-1 

H. P. Willschrei; Krefeld

Epidemiologische Untersuchungen beschreiben eine Prävalenz von 5% für einen Vitamin C-Mangel und 13% für eine suboptimale Versorgung in der Allgemeinbevölkerung - auch in den Industrieländern. In einer 2018 veröffentlichten Studie konnten diese Ergebnisse bestätigt werden. Hier betrug die Prävalenz für eine insuffiziente Vitamin C-Versorgung 17,4% bzw. 3,3% für einen signifikanten Mangel bei den untersuchten Personen. Sowohl bei Bewohnern in Alteneinrichtungen als auch bei hospitalisierten älteren Patienten werden noch höhere Prävalenzwerte beschrieben. Die klassische Vitamin-C-Mangel-erscheinung ist Skorbut. Hierbei zeigen sich typische Haut- und Schleimhautblutungen im Unterschenkel- und Mundbereich, eine generell verzögerte Wundheilung sowie Gelenk- und Muskelschmerzen. Darüber hinaus werden auch Allgemeinsymptome wie Schwächegefühl, Leistungsabfall und Fieber beschrieben. Ursächlich wird ein erhöhter Vitamin C-Bedarf u.a. während der Schwangerschaft und Stllzeit, bei Rauchern, fieberhaften Zuständen, chronischen Infekten, Traumen und unter Hämodialyse beschrieben. Mangelzustände können in der Allgemeinbevölkerung auch durch eine unzureichende Zufuhr z.B. auf Grund einseitiger Diäten ohne Obst/Gemüseanteil bedingt sein. Bei Älteren besteht ein Vitamin C-Mangel häufig im Rahmen einer generellen Mangelernährung. Verstärkend oder auslösend sind darüberhinaus oftmals Krankenhausaufenthalte bei einer akuten Erkrankung, der Exazerbation einer chronischen Erkrankung oder einer weiterhin nicht bedarfsgerechten Ernährung. Klinische Zeichen eines möglichen Vitamin C-Mangels sollten bekannt sein; die Skorbut-Behandlung ist durch eine entsprechende Substitution billig und einfach durchzuführen.

11:00
Vitamin B1 in der Geriatrie
S403-2 

I. F. Cuvelier; Karlsruhe

Einleitung: Mit diesem Beitrag möchte wir auf die Bedeutung von VitB1 in der Geriatrie eingehen. Thiamin ist ein wasserlösliches Vitamin welches für den KH Stoffwechsel unentbehrlich ist. Thiaminmangel und deren Folgen sind Vielen ausschliesslich bei chronischem Alkoholabusus bekannt. Bei geriatrischen Patienten besteht ein erhöhtes Risiko für Thiaminmangel.

Methodik: Es erfolgte eine Literaturrecherche über Pubmed und Cochrane nach Studien und Reviews. Prävalenz: bei bis zu 30 % der zu Hause Lebenden Älteren, bei bis zu 40 % der Pflegeheimbewohner und bei bis zu 50 % der älteren Krankenhauspatienten wurde laborchemisch ein Vit B1 Mangel festgestellt. Als Ursachen wurden eine geringe  Aufnahme über die Nahrung (laut Nationale Verzehrsstudie NVS II bei 40 % unzureichend mit als Hauptquellen Fleisch, Wurst und Getreideprodukte), eine erhöhte Exkretion durch Gabe von Diuretika oder ein erhöhter Bedarf (z.B. Glukoseinfusionen in hospital Setting) identifiziert. Thiamin hat kein Speicher und bei einer HWZ von 10-20 Tagen muss es regelmäßig mit der Nahrung aufgenommen werden.  Klinische Mangelerscheinungen sind Verwirrtheit, periphere Neuropathie, Muskelatrophie, Ödeme, Schwäche, Müdigkeit, Tachykardien und Herzinsuffizienz. Thiamin wird nicht routinemäßig im Labor bestimmt. Bei V.a. Thiaminmangel sollte die Substitution vor der Gabe von Glukose erfolgen. Überdosierungen sind nicht bekannt. Thiamin sollte bei Risikopatienten in der Prävention (und Therapie) von Delir und Refeedingsyndrom mehr eingesetzt werden.

Schlussfolgerung: Mit diesem Beitrag möchten wir die besondere Bedeutung von Vit B1 in der Geriatrie betonen.

11:15
Magnesium
S403-3 

R. Schäfer; Bergisch Gladbach

11:30
Zink
S403-4 

M. K. Modreker; Wismar

Einleitung: Zink gehört zu den Spurenelementen und erfüllt im menschlichen Organismus vielfältige Aufgaben.

Material und Methoden: Durch Literaturrecherche werden die Funktionen, Aufgaben und Bedeutung von Zink für den menschlichen Organismus und der aktuelle Stand der Wissenschaft in Bezug auf die Bedeutung für geriatrische Patienten erörtert.

Fragestellung: Welche Aufgaben erfüllt Zink, insbesondere bei älteren Menschen? Gibt es spezielle Dosisempfehlungen für ältere Menschen? Wie häufig sind Mangelzustände, welche Symptome zeigen sich? Wie sind die Daten bzgl. Präventionseffekten?

Ergebnis: Während Zinkmangel mit den klassischen Symptomen in Deutschland eher selten zu beobachten ist, werden in der Weltbevölkerungen bei ca. 40% der Menschen von Zinkmangelsymptomen berichtet.

Schwierig gestaltet sich jedoch eine Beziehung zwischen Zinkstatus und Symptomen herzustellen, da die Ermittlung des Zinkstatus Problemen unterworfen ist (unzuverlässige Messungen in Serum, Plasma, tageszeitliche Schwankungen).

Neben dem bekanntesten Einsatz, der Unterstützung des Immunsystems, gibt es mittlerweile zahlreiche weitere Gebiete, in denen Studien zum Effekt von Zink erfolgen. So wird ein positiver Effekt bzgl. Makuladegeneration, Demenz, Depression, Wundheilung insbesondre bei Dekubitalulcera und auch Sarkopenie diskutiert.

Die einzelnen Studienergebnisse sowie die hieraus resultierenden Empfehlungen werden im Detail dargestellt werden.

Zusammenfassung: Während schwere Zink-Mangelzustände in Deutschland eher selten sind, ist eine ausreichende Versorgung jedoch sicherzustellen, insbesondere bei Risikogruppen (ältere Menschen), eine Überdosierung ist zu vermeiden.

Zink erfüllt neben dem Immunschutz zahlreiche weitere Funktionen, sowohl in der Therapie als auch in der Prävention.

11:45
Update Selen - in Geriatrie und Akutmedizin
S403-5 

I. Gehrke; Donaueschingen

Unter den Spuren-Elementen nimmt Selen eine Sonderrolle ein, weil bisher noch keine Therapie-Empfehlung für die Substitution des Selens in der Ernährung allgemein erarbeitet werden konnte. Neben gut beschriebenen Krankheitsbildern, die mit Selen-Mangel in Verbindung gebracht werden, kommen aktuell zahlreiche weitere Symptome und Syndrome bei Patienten hinzu. Viel diskutiert wird etwa der Einfluss eines Selenmangels auf die Prävalenz der Anämie in Mangelgebieten. Auch in der Intensivmedizinischen Ernährung hat sich Selen als relevanter Einflussfaktor erwiesen Der aktuelle Stand der Selen-gebundenen Krankheitsbilder wird anhand der Ergebnisse von neueren klinischen Studien dargestellt. Gut untersucht sind die regionalen und geografischen Abweichungen der Werte der Selen-Konzentration im Serum der Patienten. Hier sind Selen-Mangel-Regionen, z.B. in Schottland und England hervorzuheben. Aber ebenso sind in Kontinental-Europa, sowie insbesondere in Deutschland und Österreich Selen-Mangel-Gebiete bekannt. Entsprechend dieser regionalen Verteilung wird auf Basis neuerer klinischer Studien eine analoge Verteilung von Patienten mit Selen-Mangel-Symptomen und -Syndromen dargestellt. Das Monitoring der Konzentration des Selens bei den metabolischen und physiologischen Prozessen im Patienten ist immer noch auf die Bestimmung der Selen-Konzentration im Serum fokussiert. Unter Berücksichtigung aktueller Ergebnisse der Biochemie zu Aufbau, Generierung, Degradation und Kinetik der Seleno-Proteine haben sich die Methoden der Labor-Analytik weiterentwickelt. Bei geriatrischen Patienten und ihrer häufig manifestierten Multimorbidität, ist der Ausschluss eines Selen-Mangels von besonderer Bedeutung. Die Medikation des Selen-Mangels ist häufig noch auf die Applikation von Natrium-Selenit [ Na2SeO3 ], Natrium-Selenat [ Na2SeO4 ] oder auch z.B. von Seleno-Methionin beschränkt. Allerdings besteht die Problematik der biochemischen Degradation dieser Selen-Substituenten, weshalb aktuell neuere Substanzen in der Erprobung sind. Zusammenfassend spielt Selen im Stoffwechsel eine weithin unterschätzte Rolle. Selenmangel kann sowohl bei fehlender Zufuhr, etwa im Rahmen einer Mangelernährung bei geriatrischen Patienten oder einer parenteralen Ernährung, etwa in der Intensivmedizin, an Bedeutung gewinnen. Besonders relevant ist dieser Faktor in geographischen Selenmangelregionen.  

12:00
Multivitamin-Supplemente
S403-6 

D. Volkert; Nürnberg

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