Donnerstag, 06.09.2018
15:30 - 17:00
Seminarraum 16
S210
Universitäre Lehre in der Geriatrie - Beispiele, Evaluation, Ergebnisse und Position innerhalb des Fächerkanons

Moderation: K. Hager, Hannover

Mit den Beiträgen zum Symposium sollen Beispiele zur universitären Lehre in der Geriatrie, zu Evaluation, Qualität der Lehre sowie zur Einordnung in den Fächerkanon an der jeweiligen Universität dargestellt werden.

15:30
Evaluation des Querschnittsfaches „Medizin des Alterns und des alten Menschen” (Q7) an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH)
S210-1 

K. Hager, O. Krause, N. Schneider, S. Steffens, I. Just; Hannover

Hintergrund: Das Querschnittsfach Medizin des Alterns und des alten Menschen wird seit 2003 als Modul an der MHH gelehrt, seit 2005 im Rahmen des Modellstudienganges HannibaL. Das Lehrmodul umfasst eine Woche, in der jeweils 20 Stunden Vorlesung sowie 10 Stunden Unterricht in Kleingruppen am Krankenbett angeboten werden, dies dreimal imJahr im Rahmen der jeweiligen Tertiale. Nach der MC-Prüfung erhalten die Studierenden die Möglichkeit eine Evaluation des Moduls abzugeben.

Ziel: Es soll der aktuelle Stand der Organisation der Lehre im Querschnittsfach Q7 an der MHH, vor allem im Hinblick auf die Evaluation der Studierenden dargestellt werden.

Ergebnisse: Die Hälfte der Vorlesungen wird von Geriatern des Zentrums für Medizin im Alter (DIAKOVERE Henriettenstift) bestritten, die andere Hälfte von Dozenten der MHH. Die Dozenten der MHH stammen aus neun Kliniken bzw. Instituten. Die Themen umfassen geriatrische Syndrome sowie vertiefende Kenntnisse aus den einzelnen Fachbereichen. Im Wintertertial 2017/2018 waren 78 Studierende für das Querschnittsfach vorgesehen, 76 Studierende nahmen an der MC-Prüfung teil, an der Evaluation 65 Studierende. Eine Gesamtbewertung wurde von 60 Studierenden abgegeben. Es wurde eine Durchschnittsnote von 13,18 ±1,35 (Notenskala 0-15 Punkte, 15 bestmögliche Punktzahl) erzielt. Ein Kritikpunkt bestand in der praktischen Vertiefung der theoretischen Themen, d.h. in der fehlenden „Verzahnung“ der theoretischen Inhalte mit dem Unterricht am Krankenbett. Die Verortung des Moduls im 4. Studienjahr wurde im Wesentlichen als angemessen eingeschätzt. Der Patientenbezug wurde als besonders gut, hingegen die Lehr- und Lernmaterialien (Vorlesungsfolien) als weniger gut eingeschätzt.

Diskussion: Die Lehre im Querschnittsfach weist im Verlauf von nunmehr 15 Jahren einen wechselvollen Verlauf auf. Die Lehre wird von den Studierenden regelmäßig als gut bzw. sehr gut erlebt und bewertet. Durch Veränderungen der Vorlesungsschwerpunkte sowie des Unterrichts am Krankenbett wurde im Verlauf immer wieder versucht, die Lehre zu optimieren. Wichtig für diesen Prozess ist die fortwährende Evaluation der Studierenden. Eine noch bessere Verzahnung von Theorie und Praxis, z.B. in Form von Vorgaben für den Unterricht am Krankenbett, scheint in der Lehre der Geriatrie essentiell zu sein.

16:00
Kompetenzorientierung im Modul Geriatrie an der Medizinischen Hochschule Hannover am Beispiel des NKLM
S210-2 

T. Pohlmann, K. Hager, S. Steffens; Hannover

Hintergrund: Seit 2015 gibt es den Nationalen Kompetenzbasierten Lernzielkatalog Medizin (NKLM) als Empfehlung an alle Medizinfakultäten, um die Qualität von Lehre und Studium zu verbessern und die Kompetenzausrichtung in der Lehre umzusetzen.

Ziel dieser Arbeit war es, die curricularen Lehrinhalte im Modul Geriatrie an der Medizinischen Hochschule Hannover mit denen im NKLM formulierten Lernzielen zu vergleichen, ihre Umsetzung zu evaluieren und sie in den Gesamtkontext des Fächerkanons am Standort Hannover zu setzen.

Methoden: Zum Erfassen der Lernziele im NKLM wurde die in Tübingen entwickelte und durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte webbasierte MERLIN-Datenbank verwendet. Das NKLM Mapping der Geriatrie erfolgte durch den Lehrverantwortlichen (KH).

Ergebnisse: Insgesamt werden im Modul Geriatrie 42 explizite Teilkompetenzen und 62 explizite Lernziele abgedeckt, von denen 34 geprüft werden. Der größte Anteil der Lernziele wird auf Kompetenzebene 2 mit 55% abgedeckt, gefolgt von Kompetenzebene 1. Der Schwerpunkt der Verteilung von den Lernzielen in Kapitel 5 bis 11 liegt eindeutig auf der Rolle des Medizinischen Experten (Kapitel 5). Die meisten Überschneidungen findet sich mit dem Modul Neurologie mit 28 Lernzielen, welches laut Curriculum auch im 4. Studienjahr gelehrt wird. Danach folgen absteigend die Module Pharmakologie/Toxikologie (21 Lernziele, 3. Studienjahr), Diagnostische Methoden (17 Lernzielen, 2. Studienjahr), Allgemeinmedizin (16 Lernziele, 3. Studienjahr) und Palliativmedizin (16 Lernziele, 5. Studienjahr).

Schlussfolgerung: Das Mapping der geriatrischen Lehrinhalte ermöglichte erstmalig eine Bewertung der fachbezogenen Lehrinhalte entlang eines standardisierten Referenzwerks. Weiterhin ermöglicht die oben dargelegte Methodik den Vergleich der geriatrischen Inhalte mit anderen Fachbereichen innerhalb der eigenen Fakultät. Die Ergebnisse stellen die Grundlage für die Weiterentwicklung der Lehre im Bereich der Geriatrie dar.

16:30
Einfluss eines strukturierten, schriftlichen Feedbacks auf Inhalt, Qualität und Aufbau auf die Vorlesungsreihe in der Geriatrie
S210-3 

T. Pohlmann, K. Hager, S. Steffens; Hannover

Hintergrund: Hinsichtlich der demografischen Veränderungen innerhalb unserer Gesellschaft obliegt auch der Lehre der Geriatrie ein immer größer werdender Stellenwert innerhalb des Curriculums des Medizinstudiums. Dabei sind Vorlesungen die Grundlage der Wissensvermittlung im Studium und sollten deshalb auch hinsichtlich inhaltlicher und struktureller Punkte genauer analysiert werden.

Ziel dieser Arbeit war daher die Evaluation der Geriatrievorlesungen sowie der Auswirkungen eines strukturierten Feedbacks auf Inhalt, Struktur und Qualität der Vorlesungsreihe.

Methoden: Es handelt sich um eine prospektive Längsschnittstudie. Die Vorlesungen wurden in zwei aufeinander folgenden Tertialen anhand eines standardisierten, validierten Evaluationsbogen von einer studentischen Reviewerin (TP) analysiert. Die Bewertung erfolgte mithilfe eines Evaluationsbogen mit 22 Items hinsichtlich Inhalt, Aufbau, Medien, Visualisierung und Präsentation auf einer 5-stufigen Likert-Skala. Nach der ersten Vorlesungsreihe erhielt jeder Dozent ein persönliches Feedback mit vergleichender Item-Einzelauswertung sowie Stärken und Verbesserungsvorschlägen. Die Meinungen der Dozenten wurden nach den erhaltenden Feedbacks mit einem webbasierten Fragebogen ermittelt. Im darauffolgendem Tertial wurde die Vorlesungsreihe erneut evaluiert und individuelle Feedbacks verschickt.

Ergebnisse: Es wurden insgesamt 36 Vorlesungen von 13 Dozenten in die Studie mit eingeschlossen. Die Dozenten erreichten am ersten Messzeitpunkt (MZP) eine Gesamtbewertung von 3,79, am zweiten MZP von 4,4. In allen bewerteten Unterkategorien wurde nach dem ersten Feedback eine Verbesserung erzielt. Die signifikanteste Verbesserung erfolgte in der Kategorie Inhalt und Aufbau von 3,36 auf 4,35. 82,35% der Dozierenden gaben an, das schriftliche Feedback für sinnvoll zu halten.

Schlussfolgerung: Ein persönliches Feedback an Dozenten auf Grundlage einer strukturierten Evaluation führt insgesamt zu einer deutlichen Verbesserung der Vorlesungsreihe und zu einer verbesserten Qualität der Lehre durch eine strukturiertere Vermittlung des Wissens an die Studenten.

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