Samstag, 08.09.2018
08:30 - 10:00
Seminarraum 25
S612
Stürze – Welche neurologischen Ursachen können dahinterstecken?

Moderation: C. von Arnim, Ulm; H. F. Durwen, Düsseldorf

Stürze sind bei alten Menschen häufig. Ungefähr jeder Dritte Mensch über 65 Jahre stürzt einmal im Jahr. Einer von 5 Patienten benötigt nach einem Stutz medizinische Betreuung. Der Sturz als Syndrom selbst kann viele Ursachen haben. Häufig stecken neurologische Erkrankungen dahinter. In diesem Symposium wird die Sturzgefährdung bei spezifischen neurologischen Erkrankungen erläutert und Diagnostik sowie besondere Aspekte bei geriatrischen Patienten dargestellt. Als gesonderte Entität wird Schwindel aus der Sicht des Neurologen aufgezeigt und Ursachen sowie weiteres diagnostisches und therapeutisches Vorgehen bei älteren Patienten analysiert. Der Stand des diesbezüglichen Wissens wird zusammenfassend dargestellt. Neben spezifischen neurologischen Erkrankungen können Medikamente, insbesondere solche, die auf Herz und Hirn wirken, mit deutlich erhöhter Sturzgefährdung einhergehen. Eine differenzierte Darstellung, was hier beachtet werden sollte, erfolgt. Zuletzt werden Möglichkeiten und Grenzen moderner, digitaler Ansätze in der Sturzdiagnostik und Sturzprävention differenziert diskutiert. Es wird ein Überblick über den aktuellen Stand der diesbezüglichen Forschung gegeben.

08:30
Sturzgefährdung bei spezifischen neurologischen Erkrankungen
S612-1 

C. Renner; Bad Lausick

Neurologische Erkrankungen können zu einer Vielzahl von Einschränkungen im täglichen Leben führen. Paresen, Sensibilitätsstörungen, Gleichgewichtsstörungen, Wahrnehmungsstörungen und kognitive Einbußen können alle zu Gangstörungen führen, d. h. sie erhöhen das Sturzrisiko und schränken die Mobilität ein. In der Literatur wird beschrieben, dass die Polyneuropathie, die Parkinsonsyndrome, der Schlaganfall und die subkortikale arteriosklerotische Enzephalopathie die häufigsten Ursachen für eine neurologisch bedingte Gangstörung sind. Das Gehen erfordert drei wesentliche Komponenten; die Lokomotion, einschließlich Initiierung und Aufrechterhaltung des rhythmischen Schrittzyklus, das Gleichgewicht und die Fähigkeit der Anpassung an das Umfeld. Diese Komponenten bedingen wiederum ein intaktes motorisches und sensorisches System, eine intakte sensomotorische Integration sowie eine intakte zentrale Integration sowohl auf spinaler Ebene als auch im Kleinhirn, Hirnstamm und Kortex. Neurologische Erkrankungen beinträchtigen meistens mehrere Komponenten des Gehens. Hier soll ein Einblick in die komplexen Auswirkungen neurologischer Erkrankungen auf das Gehen bzw. die einzelnen Komponenten gegeben werden. Dabei wird besonders die Sturzgefährdung bei Polyneuropathie, Schlaganfall und subkortikaler arteriosklerotischer Enzephalopathie beleuchtet.

08:45
Digitales Assessment bei Stürzen - was bringt das?
S612-2 

W. Maetzler; Kiel

Es entwickeln sich immer mehr und komplexere digitale Detektionssysteme für Stürze. Insgesamt ist die Erfassung eines Sturzes mit digitalen Methoden jedoch immer noch eine grosse Herausforderung. Das liegt auch an der per definitionem hohen „Unberechenbarkeit“ des Events. Die EU-weite Initiative „Farseeing“ hat in den letzten Jahren wesentlich dazu beigetragen bzw. trägt immer noch dazu bei, dass die Erfassung von Stürzen und die Anwendung von digitalen Systemen besser wird. Dies ist z.B. mit einer strukturierten Datenbank zu digital erfassten Stürzen von Älteren mit und ohne Erkrankungen möglich geworden. Diese digitale Sturz-Datenbank kann bereits auf eine grosse Anzahl solcher Sturzdaten verweisen und eröffnet neue Möglichkeiten im Verständnis von Entstehung von Stürzen, und auch vom konkreten Sturzablauf. Der Vortrag wird Konzept, sowie Vor-und Nachteile von digitalen Sturz-Erfassungssystemen diskutieren.

09:00
Medikation und Stürze - Worauf muss ich achten?
S612-3 

U. Thiem; Essen

Bei älteren und geriatrischen Patienten werden schon seit langem Zusammenhänge zwischen verordneter Medikation und Stürzen diskutiert. Über unterschiedliche Pathomechanismen sind Assoziationen z. B. zwischen Antidepressiva, Anticholinergika oder Antihypertensiva und Stürzen bzw. Sturzfolgen bekannt. Verschiedene Instrumente werden empfohlen, um das unerwünschte Ereignis Sturz in der Medikation eines Patienten zu berücksichtigen, z. B. Listen mit sturzbegünstigender oder potenziell inadäquater Medikation oder Anticholinergika-Listen. Neben Patienten mit Herz- und Kreislauferkrankungen stehen auch solche mit neurologischen und / oder psychiatrischen Erkrankungen im Fokus.

Vor diesem Hintergrund diskutiert diese Übersicht die aktuelle Literatur zum Problem Medikation und Stürze, zeigt neuere Erkenntnisse der Forschung auf und gibt Hinweise zu typischen Problemen der klinischen Praxis.

09:15
Stürze bei „Parkinson” - auch mal an das atypische denken
S612-4 

R. Dodel, D. Mengel; Essen

Fragestellung: Die Störung der Halte- und Stellreflexe tritt bei Parkinson-Patienten bereits früh im Krankheitsstadium auf. Welche Rolle spielen Stürze bei Patienten mit idiopathischem Parkinson-Syndrom und bei Patienten mit atypischen Parkinson-Syndromen bezüglich der Sturz-Phänomenologie, dem Krankheitsverlauf und für die Differentialdiagnostik.

Methodik: In einer systematischen Literaturrecherche haben wir anhand vordefinierter Kriterien den Sturz bei IPS- und atypischen Parkinson-Patienten evaluiert.

Ergebnisse: Stürze sind bei Parkinson-Patienten häufig und können in der Differentialdiagnose zu atypischen Parkinson-Patienten verwendet werden. Die Phänomenologie des Sturzes unterscheidet sich deutlich von Stürzen bei Patienten mit anderen neurologischen Erkrankungen. Komorbiditäten, wie z.B. Demenz erhöhen das Risiko und die Schwere der Sturzfolge. Behandlungsansätze sind in der Literatur nur unzureichend evaluiert.

Zusammenfassung: Stürze in ihren unterschiedlichen Formen und bei den verschieden zugrunde liegenden Erkrankungen zu erfassen, ist bei Patienten mit Parkinson-Syndromen essentiell und eine adäquate Sturzprophylaxe kann die Lebensqualität bei dieser Patientengruppe signifikant verbessern.

09:30
Ursachen von Schwindel bei Älteren aus der Sicht des Neurologen
S612-5 

A. H. Jacobs, J. Krieger, M. Frackowiak, M. Kowar; Bonn

Schwindel, Gangstörungen und Stürze zählen zu den führenden geriatrischen Syndromen und finden sich häufig als Komorbiditäten im Alter. Insbesondere in der Alterstraumatologie ist eine genaue Schwindelanamnese und differentialdiagnostische Abklärung wichtig, um ein erneutes Sturzereignis mit Fraktur zu vermeiden. Schwindel ist eine Störung der räumlichen Orientierung mit fälschlicher Wahrnehmung einer Bewegung des Körpers (Drehen und Schwanken) und/oder der Umgebung. Die Ursache ist ein „mismatch“ zwischen zentralen, vestibulären, optischen und propriozeptiven Impulsen zur Steuerung der Körperlage im Raum. Klinische manifestiert sich Schwindel mit Übelkeit, Nystagmus und Ataxie. In dem Vortrag werden die wichtigsten Differentialdiagnosen besprochen und speziell auf den benigne paroxysmale Lagerungsschwindel (BPLS) eingegangen, zu dem aktuell eine prospektive Untersuchung bei geriatrischen Patienten durchgeführt wird.

Methoden: Seit 2015 werden stationär geriatrische Patienten nach Stürzen gezielt auf anamnestische Hinweise und das Vorliegen eines BPLS hin untersucht. Bei Nachweis pathologischer Lagerungsmanöver werden Befreiungsmanöver durchgeführt.

Ergebnisse: Bei ca. 5 % der stationär behandelten Patienten finden sich anamnestisch Hinweise auf einen BPLS. Bei ca. 30 % kann in Lagerungsmanövern ein BPLS bestätigt werden. Durch Befreiungsmanöver kann bei allen Patienten Beschwerdefreiheit erzielt werden.

Schlußfolgerung: Eine gezielte Schwindelabklärung nach Sturz mit oder ohne Fraktur ist wichtig, um weitere Verletzungsfolgen zu vermeiden. Der BPLS sollte bei geriatrischen Patienten mit anamnestischen Hinweisen für eine lagerungsbedingte Schwindelgenese bedacht und entsprechend untersucht werden. Durch Befreiungsmanöver kann Beschwerdefreiheit erzielt und dadurch Polymedikation vermieden werden.

Zurück