Freitag, 07.09.2018
15:45 - 17:00
Zelt
Poster: Geriatrie 5 (P055-P065)

Moderation: P. Bahrmann, Nürnberg; K. Hager, Hannover

15:45
Die Osteosarkopeniemessung mittels peripherer quantitativer Computertomographie am distalen Radius ist mit osteoporotischen Frakturen bei geriatrischen Patienten assoziiert.
P055 

M. Henkel, M. Drey, S. Petermeise, S. Weiß, U. Ferrari, M. Rottenkolber, R. Schmidmaier; München

Fragestellung: Der Verlust von Knochen- und Muskelmasse erhöht das Risiko für osteoporotische Frakturen im Alter. Insbesondere bei geriatrischen Patienten ist die duale Röntgen-Absorptiometrie-Messung (DXA) der Lendenwirbelsäule (LWS) oft nicht auswertbar (Hypersklerosierung, Osteophyten). Mittels peripherer quantitativer Computertomographie (pQCT) am distalen Radius kann mit einer einzigen Messung in sitzender Haltung sowohl die Knochendichte (BMD) als auch die Muskelquerschnittsfläche (MA) ohne wesentliche Beeinflussung durch degenerative Prozesse bestimmt werden. Ziel der Studie war die Untersuchung der Assoziation dieser Variablen mit aufgetretenen Frakturen bei geriatrischen Patienten.

Methodik: Bei 168 Patienten ab 65 Jahren (mittleres Alter 76,3±6,5 Jahre) wurde zusätzlich zu einem Osteoporose-Basisassessment (inkl. Anamnese, Basislabor, DXA LWS und Femur) mittels pQCT die BMD und die MA am Unterarm bestimmt. Zielvariable waren osteoporosebedingte Major Fractures (MF) von Wirbelsäule, Femur, Oberarm und Radius. Durch logistische Regression wurde der Zusammenhang der DXA-BMD von LWS und Femur bzw. der BMD und der MA der pQCT-Messung mit der Zielvariable untersucht. P-Werte unter 0,05 wurden als statistisch signifikant betrachtet.

Ergebnisse: Nur die pQCT-BMD und die pQCT-MA waren signifikant mit MF assoziiert (totale und trabekuläre BMD: OR 0,555 und 0,487, p≤0,001; MA: OR 0,701, p=0,031), wohingegen die DXA-BMD keine signifikanten Assoziationen aufwies. Diese Zusammenhänge blieben auch nach Adjustierung für Alter, Geschlecht, Body-Mass-Index, körperliche Aktivität sowie andere Risikofaktoren bestehen. Im adjustierten Regressionsmodell für die Patienten >75 Jahre war vor allem die pQCT-MA signifikant mit MF assoziiert (OR 0,187, p=0,026).

Zusammenfassung: Die Knochendichtemessung mittels pQCT scheint bei geriatrischen Patienten, v. a. in Anbetracht der eingeschränkten Auswertbarkeit der DXA, hinsichtlich der Frakturassoziation der DXA-Messung überlegen zu sein. Zusätzlich liefert das pQCT wichtige Informationen zur Einschätzung des Vorliegens einer Sarkopenie bzw. Osteosarkopenie. Diese Fragestellung muss zukünftig longitudinal in der geriatrischen Patientengruppe untersucht werden.

15:45
Der Einfluss von kognitivem und motorischem Training auf die Gangleistung älterer Menschen
P056 

E. Bourkel, C. Federspiel, J.-P. Steinmetz; Luxembourg/L

Zahlreiche Studien befassen sich mit den Auswirkungen präventiven Trainings auf die Gangleistung älterer Menschen. In der vorliegenden Untersuchung wird der Einfluss von zwei standardisierten Trainingsprogrammen auf die Gangleistung älterer Personen analysiert.

Die Teilnehmer (N=73, Durchschnittsalter: 78 Jahre) wurden in drei Trainingsgruppen eingeteilt: (1) Kognitives Training, (2) Mobilitätstraining oder (3) Kombiniertes Training (Kognition und Mobilität). Die Trainingseinheiten wurden ein- bis zweimal wöchentlich über einen Zeitraum von 12 Wochen von spezialisierten Therapeuten durchgeführt.

Vor und nach den Trainingsprogrammen wurden die räumlich-zeitlichen Parameter der Gangleistung (GAITRite ®) der Teilnehmer analysiert. Drei verschiedene Aufgaben wurden durchgeführt: (1) normales Gehen, (2) Dual-Task-Aufgabe A: Gehen und gleichzeitig rückwärts zählen, (3) Dual-Task-Aufgabe B: Gehen und Durchführung einer Wortflüssigkeitsaufgabe.

Die Ergebnisse zeigen eine Erhöhung der Ganggeschwindigkeit bei den drei Aufgaben nach der Absolvierung des Mobilitätstrainings und des kombinierten Trainings. Diese Resultate zeigen, dass präventive Trainingsmaßnahmen einen positiven Einfluss auf die Mobilität von älteren Menschen haben können.

15:45
”Life-Space”-Mobilität von geriatrischen Patienten mit motorischen und kognitiven Einschränkungen nach der Rehabilitation
P057 

P. Ullrich, T. Eckert, M. Bongartz, C. Werner, R. Kiss, J. M. Bauer, K. Hauer; Heidelberg, Bielefeld

Fragestellung: Studien zur Erfassung der „Life-Space“ Mobilität (LSM) bei älteren, multimorbiden Personen mit motorischen und kognitiven Einschränkungen fehlen bislang, obwohl diese besonders gefährdet sind, ihre Mobilität und Selbstständigkeit zu verlieren. Ein vorangehendes akutes Ereignis mit nachfolgendem Krankenhaus- /Rehabilitationsaufenthalt verstärkt das Risiko des Verlusts der Selbstständigkeit zusätzlich. Das Ziel dieser Studie war es, die LSM und potentielle Einflussfaktoren bei dieser hochgefährdeten Personengruppe zu beschreiben.

Methode: Die vorliegende Querschnittsanalyse untersuchte den LSM von geriatrischen Patienten mit motorischen und kognitiven Einschränkungen nach stationärer Rehabilitation im Rahmen einer randomisierten kontrollierten Studie. Die LSM wurde mit einem erfolgreich validierten Fragebogens „Life-Space Assessment in Persons with Cognitive Impairment“ erfasst. Zusammenhänge zwischen LSM und körperlichen, kognitiven, psychosozialen, umgebungsbedingten, finanziellen und demografischen Charakteristika wurden zunächst mittels bivariater Korrelationen analysiert. Charakteristika mit statistisch bedeutsamen Korrelationen ( p < 0.05) wurden anschließend in ein lineares Regressionsmodell eingeschlossen.

Ergebnisse: Der LSM wies bei 118 geriatrischen Patienten nach stationärer Rehabilitation (Alter: 82,3 ± 6,0 Jahre, Mini-Mental State Examination: 23,3 ± 2,4; Short Physical Performance Battery: 5,2 ± 2,3) starke Einschränkungen auf. Mehr als 30% der Teilnehmer verließen nicht ihre Nachbarschaft und die Hälfte war nicht in der Lage, das Schlafzimmer ohne Hilfsmittel/-person zu verlassen. Das Regressionsmodell zeigte mit einer Varianzaufklärung von R² = 42,4%, dass höhere körperliche Leistungsfähigkeit, mehr soziale Aktivitäten, höhere körperliche Aktivität und männliches Geschlecht unabhängige Einflussfaktoren für eine höhere LSM sind.

Zusammenfassung: Die Studie dokumentiert erstmals die stark eingeschränkte LSM von älteren, multimorbiden Personen mit motorischen und kognitiven Einschränkungen nach Entlassung aus der stationären Rehabilitation. Modifizierbare Einflussfaktoren (körperliche Leistungsfähigkeit, körperliche und soziale Aktivität) stellen potentielle Ziele für künftige Interventionsstudien zur Steigerung der LSM dar.

15:45
Psychopharmaka erhöhen das Risiko von Stürzen in der stationären geriatrischen Versorgung
P058 

F. Wedmann, W. Himmel, O. Hußmann, E. Hummers-Pradier, M. Djukic, R. Nau; Göttingen

Hintergrund: Zu den iatrogenen Risikofaktoren für Stürze werden zahlreiche Medikamente, insbesondere Benzodiazepine, Z-Substanzen und andere Psychopharmaka gezählt. Auch Polypharmazie spielt eine Rolle. Für die Analyse sturzbezogener Risikofaktoren ist eine umfassende Kontrolle von Kovariablen, die ebenfalls Einfluss auf das Sturzrisiko haben könnten, essenziell. Fragestellung: Ermittlung der Sturzhäufigkeit und Sturz-assoziierten Risikofaktoren bei älteren Menschen in einem Krankenhaus der Grund- und Regelversorgung.

Methoden: Retrospektive Fall-Kontroll-Studie nach Auswertung aller Sturzprotokolle von über 65 Jahre alten Patienten (n = 481) des Jahres 2013 im gesamten Krankenhaus. Kontrollgruppe (n = 481), zugeordnet nach den Variablen Alter, Geschlecht und Krankenhausabteilung. Univariate und multivariable logistische Regression mit Odds Ratios (OR) und ihren 95%-Konfidenzintervallen (KI) als Effektgrößen.

Ergebnisse: Die Sturzinzidenz betrug 4,4 (Geriatrie 10,5)/1000 Behandlungstage. In der Altersgruppe 65-75 ereigneten sich 78 (16,2%) der Stürze, 206 (42,8%) in der Gruppe 75-85 und 197 (40,1%) in der Altersklasse 85+. Leichte Verletzungen waren mit 30,7% relativ häufig, schwere Verletzungen mit 3,7% und Operationsbedürftigkeit mit 1,7% eher selten. Ein Patient verstarb nach operativer Versorgung der Sturz-bedingten Schenkelhalsfraktur. Lang wirksame Benzodiazepine hatten unter den Medikamenten den stärksten Einfluss auf das Sturzrisiko (adjustierte OR = 3,5; 95%-KI=1,2-10,5). Weitere im multivariaten Modell statistisch signifikante Risikofaktoren waren: Serotonin-Noradrenalin-Reuptake-Inhibitoren (SNRI), Z-Substanzen, sedierende Neuroleptika, ACE-Hemmer/Sartane, Hyponatriämie, Leukozytose, Neubildungen, Delir, Exsikkose und Parkinson-Syndrome. Digoxin (0,32; 0,11-0,99) und Aldosteronrezeptor-Antagonisten (0,54; 0,33-0,88) hatten einen protektiven Effekt. Sturz-und Kontrollgruppe unterschieden sich signifikant in der Anzahl eingenommener Psychopharmaka (p<0,001). Von den geriatrischen Assessments zeigte lediglich eine Punktzahl <20 im Tinetti-Test (POMA) in univariater Analyse (2,3; 1,0-5,3) eine signifikante Assoziation mit Stürzen. Folgerung: Benzodiazepine mit langem Wirkungsprofil, SNRI, Z-Substanzen und sedierende Neuroleptika erhöhten das Sturzrisiko, unter Kontrolle für medizinischen Diagnosen und verordnete Medikamente. Das in der Studie am häufigsten verordnete Antidepressivum Mirtazapin hatte keinen das Sturzrisiko erhöhenden Effekt.

15:45
Sensorbasierte Sturzprävention bei deliranten Patienten
P059 

T. Zimmermann, R.-J. Schulz; Köln

Frage: Wie ist die Praktikabilität von sensorbasierten Devices auf geriatrischen Stationen zur Sturzprävention?

Methodik: Auf der Demenzstation wurden bei uns mehrere ViciOne Multi Ceiling Sensoren verbaut. Es erfolgt die Aufzeichnung von Temperatur, relativer Luftfeuchte, Helligkeit, Luftdruck und Luftqualität. Der integrierte Präsenzmelder ermöglicht die Erkennung von Personen innerhalb des Überwachungsbereiches und deren körperlicher Aktivität.

Ergebnisse: Aktuell erfolgt als Pilot eine 24h-Überwachung auf unserer Demenzstation. Neben den Aktivitäten werden auch die Patientenkontaktzeiten erfasst. Zudem erfolgt die Kombination mit der Überwachung der Nebenräume ( z.B. Bad/Toilette), somit lassen sich die Bewegungsprofile erstellen. Daraus ergaben sich neue Aspekte unter Berücksichtigung der Daten von C. Becker et. al. 2017 zum Thema Sturzprävention und Raum/Luftbedingungen.

Diskussion: Es gibt folgende Punkte bei diesen Überwachungs- und Dokumentationsmöglichkeiten zu bedenken:
1. Wie ist die Auswertung aufgrund des Datenschutzes möglich?
2. Wie kann man die auch mögliche Mitarbeiterüberwachung verhindern?
3. Ziel ist es aus den gewonnenen Daten einen Algorithmus zur Sturzprävention zu entwickeln und diesen mit den Stationsärzten und Pflegekräften in strukturgebende Maßnahmen umzusetzten

15:45
Sturzhäufigkeit im Pflegeheim - Einfluss von soziodemografischen Faktoren, Mobilität und Erkrankungen
P060 

N. Strutz, J. Kiselev, N. Lahmann; Berlin

Es gibt vielfältige Forschungsergebnisse zu Sturzhäufigkeiten und Sturzfolgen junger alter Menschen (65 – 84 Jahre) und hochbetagter Menschen (ab 85 Jahre). Jedoch ist wenig darüber bekannt, welche Faktoren mit Stürzen in Pflegeheimen assoziiert sind. In einer deutschlandweiten Prävalenzerhebung wurde daher untersucht, welche soziodemografischen Merkmale (z.B. Alter, Geschlecht, BMI), Erkrankungen wie Demenz oder Herzkreislauferkrankungen und Charakteristika der Mobilität (z.B. personelle Abhängigkeit im Stand, Zeitspanne vom Sitzen in den Stand, Hilfsmitteleinsatz) die Sturzhäufigkeit in deutschen Pflegeheimen am stärksten beeinflussen.

Seit 2001 nahmen deutschlandweit über 800 Pflegeheime an Prävalenzerhebungen zu Pflegeproblemen, wie Pflegeabhängigkeit, Sturz etc. teil. In diesem Kontext wurden in den Jahren 2014 bis 2016 Daten zu Mobilität, Sturzereignissen, Hilfsmittelversorgung, BMI und anderen möglicherweise assoziierten Faktoren erhoben. Die Daten wurden deskriptiv und mittels logistischer Regression ausgewertet.

Die untersuchten Pflegeheime erwiesen sich bezogen auf Geschlecht, Erkrankungen und Hilfsmitteleinsatz als repräsentativ für stationäre Pflegeeinrichtungen in Deutschland. Es wurden knapp 2.400 Sturzereignisse betrachtet. Pflegeheimbewohner mit eingeschränkter Mobilität, genauer mit einer Abhängigkeit in personeller Unterstützung vom Sitzen in den Stand stürzten 4,5 Mal häufiger als Personen, die personell unabhängig waren oder einen noch größeren Unterstützungsbedarf hatten. Weiterhin stürzten Alte und Hochbetagte mit einem geringen BMI häufiger als Menschen mit einem BMI im Normbereich. Besonders häufig sind Personen mit geringem BMI betroffen, die zudem Unterstützung bei dem Erreichen von Gegenständen benötigen.

Neben weiterer Zusammenhänge wie demenzielle Erkrankung und Gangvermögen, sind Mobilitätsparameter wie die Ausprägung der personellen Unterstützung sowie die Höhe des BMI deutlich mit der Häufigkeit von Sturzereignissen in deutschen Pflegeheimen assoziiert.

15:45
Zusammenhänge zwischen motorischer Leistungsfähigkeit und körperlicher Alltagsaktivität bei älteren Personen mit kognitiver Einschränkung nach geriatrischer Rehabilitation
P061 

M. Bongartz, P. Ullrich, T. Eckert, C. Werner, R. Kiss, B. Abel, J. M. Bauer, K. Hauer; Heidelberg, Bielefeld

Fragestellung: Geriatrische Patienten mit kognitiver Einschränkung zeigen Defizite in ihrer körperlichen Leistungsfähigkeit und ein geringes körperliches Aktivitätsverhalten im Alltag. Ziel der Querschnittsstudie war die Überprüfung der Zusammenhänge von körperlicher Leistungsfähigkeit und habituellem Gangverhalten mit körperlicher Aktivität im Alltag sowie die Identifikation modifizierbarer, motorischer Determinanten der körperlichen Alltagsaktivität bei älteren Personen mit kognitiven Einschränkungen nach geriatrischer Rehabilitation.

Methodik: Von 110 multimorbiden, geriatrischen Patienten mit kognitiver Einschränkung (Alter = 82,3 ± 5,9 Jahre, Mini-Mental State Examination = 23,3 ± 2,4) wurde die körperliche Leistungsfähigkeit mittels Short Physical Performance Battery (SPPB) erfasst. Ein neu entwickelter und validierter, ambulanter Bewegungssensor (uSense) wurde zur Erfassung innovativer, qualitativer Gangparameter und der Dauer körperlicher Aktivität im Alltag verwendet. Bivariate Zusammenhänge wurden mittels Spearman Korrelationen (rho) berechnet. Körperliche Leistungsfähigkeit sowie qualitative Gangparameter mit signifikanten Korrelationen wurden in ein lineares Regressionsmodell aufgenommen, um unabhängige, motorische Determinanten der körperlichen Alltagsaktivität zu identifizieren.

Ergebnisse: Körperliche Leistungsfähigkeit zeigt eine hohe Korrelation mit körperlicher Alltagsaktivität. Qualitative Gangparameter beim Geradeaus- und Kurvengehen im Alltag korrelierten überwiegend moderat bis hoch mit körperlicher Alltagsaktivität. Das lineare Regressionsmodell identifizierte die durchschnittliche Geschwindigkeit beim Kurvengehen, Gangsymmetrie, Kadenz und die SPPB als unabhängige Determinanten, die insgesamt 45% der Varianz (R² = 0,45) des körperlichen Aktivitätsverhaltens aufklärten.

Zusammenfassung: Die Ergebnisse weisen auf die große Bedeutung der körperlichen Leistungsfähigkeit auf das habituelle Bewegungsverhalten bei multimorbiden, geriatrischen Patienten mit kognitiver Einschränkung hin. Neben etablierten motorischen Assessmentverfahren wie der SPPB stellen innovative habituelle Gangparameter wichtige Indikatoren für die körperliche Aktivität dieser vulnerablen Patientengruppe dar, die ggf. auch als Rehabilitationsziele Aufmerksamkeit verdienen.

15:45
Mundgesundheit bei geriatrischen Sturzpatienten- ein interdisziplinärer Ansatz
P062 

G. Röhrig-Herzog, A. G. Barbe, M. Bussmann, P. Schmidt; Köln, Bremen

Die Prävalenz von Stürzen steigt mit höherem Lebensalter, wobei der altersbedingte Verlust an Muskelmasse und Muskelfunktion (Sarkopenie) einen wesentlichen Risikofaktor für Stürze darstellt (Schoene D et al 2017). Sarkopenie steht auch in engem Zusammenhang mit Dysphagie (Maeda K et al. 2016) und eingeschränkter Kaufunktion (Takagi D et al. 2017). Mundgesundheit ist eine wesentliche Voraussetzung für eine intakte Kaufunktion im Alter. Die Zusammenhänge zwischen Kaufunktion, Malnutrition und Sarkopenie konnten bereits wissenschaftlich belegt werden: Eine eingeschränkte Kaufunktion führt zu einer mangelhaften Nahrungsaufnahme und damit zu einer defizitären Ernährung, da bestimmte Nahrungsmittel nicht oder nur unzureichend die orale Phase der Nahrungsaufnahme passieren können. Dies kann zu gastrointestinalen Beschwerden und Mangelernährung führen (Altenhoevel et al. 2012). Ein mangelhafter Ernährungsstatus geht oft mit einer katabolen Stoffwechselsituation einher, die zum Ausgleich der Energiegewinnung Muskelprotein heranzieht was zu einem sukzessiven Muskelabbau führt, der den ohnehin altersbedingten Abbau der Muskelmasse (Sarkopenie) zusätzlich fördert (Hu X et al. 2017).  Eine Muskelkraftminderung ist sowohl direkt als auch indirekt über eine reduzierte Mobilität mit einer erhöhten Sturzprävalenz verbunden (Schoene et al 2017). Bis heute ist jedoch unklar, in wie fern auch ein direkter Zusammenhang besteht zwischen verschiedenen Parametern der oralen Gesundheit wie z. Bsp. Kaufunktion und Sturzprävalenz.  In der hier vorgestellten interdisziplinären, kontrollierten klinischen Studie wurde neben geriatrischen Assessment- und Laborparametern auch ein umfassender Befund der Mundgesundheit und  der mundgesundheitsbezogenen Lebensqualität von geriatrischen Sturzpatienten erhoben, um dieses spezielle Patientenkollektiv interdisziplinär besser zu charakterisieren. Die Erkenntnisse sollen dazu beitragen, Risikofaktoren zu identifizieren, die bei der interdisziplinären Zusammenarbeit die ganzheitliche geriatrisch-alterszahnmedizinische Erfassung von Sturzpatienten erleichtern sollen. Zudem soll es die Aufmerksamkeit im jeweils anderen Fachgebiet schärfen, auch für Problematiken aus anderen Gebieten, die aber Einfluss haben auf den eigenen Fachbereich. Langfristig wird durch frühzeitige Überweisung an die jeweils andere Fachdisziplin ein präventiver Effekt erwartet, der die Gesundheit und Lebensqualität von älteren Sturzpatienten verbessern soll.  

15:45
Biomechanical gait analysis of frail geriatric inpatients using four wheeled walker
P063 

J. Batista Junior, L. Schmidt, T. Laurentius, B. Markert, C. Bollheimer; Aachen

Introduction: Four wheeled walkers (FWW) have been widely employed in geriatric patients with mobility and balance deficits for many years. Biomechanical parameters such as distance, cadence and velocity have been shown to be improved when elderly walk with a FWW, whereas changes in a full body kinematic and kinetic walking movement patterns of frail geriatric patients have not yet been quantified.

Aim: To investigate the effects of a FWW on a full body biomechanical walking pattern of frail geriatric patients.

Methods: Fifty geriatric inpatients FWW-users versus fifty geriatric inpatients without usage of FWW will be invited to participate in this study. A full body marker set (42 skin markers) will be used to measure three-dimensional kinematic and kinetic parameters with a 10–camera motion capture system integrated with two force plates. Participants should walk ten times at self-selected speed along a 10-meter pathway. Joint angles and moments, trunk sway, spatiotemporal parameters and the displacement of the center of mass will compared between groups.

Expected Results and Clinical Relevance: Considering the results of a pilot study comprising four young healthy women (age ± 27,2 years), we expect a more reduced range of motion as well as more reduced joint moments of the lower limbs in geriatric FWW-users compared with Non-FWW-Users. For the FWW-users we also expect less movement of the upper limb as well different center of mass trajectory patterns. The characterization of the lower and upper limbs movements of frail geriatric patients during walking with FWW may be clinically relevant in the decision-making process about the need and the development of specific rehabilitation strategies.

15:45
Quantitative Gangparameter als Progressionsmarker bei M. Parkinson
P064 

M. A. Hobert, S. Nussbaum, T. Heger, D. Berg, W. Maetzler, S. Heinzel; Kiel, Tübingen

Fragestellung: Die im Verlauf der Erkrankung auftretende Progression der Gangstörung bei Parkinsonpatienten (PP) wird aktuell hauptsächlich durch semiquantitative Assessments und Fragebögen erhoben. Nachteile sind Subjektivität und Untersucherabhängigkeit. Durch die aktuelle technische Entwicklung können sogenannte „Wearables“ eingesetzt werden, die Gangparameter objektiv und relativ Untersucher-unabhängig messen können. Die hier vorgestellte Studie untersucht das Potential von derartigen Wearables für die Erfassung von Progression bei PP.

Methodik: In der prospektiven MODEP-Kohorte wurden 22 PP im frühen Krankheitsstadium (F-PP), 18 PP im mittleren Krankheitsstadium (M-PP) und 24 Kontrollen (KO) halb-jährlich über fünf Jahre untersucht. Quantitative Gangparameter wurden mit einem Wearable am unteren Rücken erfasst. Die Studienteilnehmer gingen 20 m geradeaus mit normaler und schneller Gehgeschwindigkeit. Die Änderung der Gangparameter über den Verlauf der longitudinalen Studie wurde mittels Allgemeiner Schätzungsgleichungen statistisch analysiert.

Ergebnisse: Bei normaler Gehgeschwindigkeit zeigten F-PP gegenüber KO eine signifikant stärkere Zunahme der Schrittzahl über 5 Jahre, sowie signifikante Unterschiede in der longitudinalen Änderungen der Gangvariabilität (Gangasymmetrie, Schrittvariabilität und Phasen-Koordinations-Index; jeweils Abnahme bei KO, leichte Zunahme bei F-PP). M-PP zeigten gegenüber KO eine signifikante Zunahme des Phasen-Koordinations-Index. Die Gehgeschwindigkeit zeigte in F-PP und KO eine signifikante Reduktion über die Zeit, ohne signifikante Gruppen-Unterschiede im Verlauf. Bei schneller Gehgeschwindigkeit fanden sich jedoch keine signifikanten Gruppenunterschiede im Verlauf der Gangparameter.

Zusammenfassung: Von den untersuchten Bedingungen erwies sich die normale Gehgeschwindigkeit der schnellen Gehgeschwindigkeit für die Progressionsmessung bei M. Parkinson überlegen. Innerhalb der normalen Gehgeschwindigkeit fand sich letztendlich nur die Schrittanzahl als robuster Progressionsmarker, und das auch nur bei F-PP. Es bleibt unklar, ob die Verlaufsunterschiede der Gangvariabilitäts-Parameter auf eine Parkinson-spezifische Progression oder auf die Abnahme der Gangvariabilität bei KO, evtl. aufgrund von Kompensationsmechanismen bei KO, zurückzuführen sind. Die Verlangsamung der Gehgeschwindigkeit über den Untersuchungszeitraum stellt vermutlich einen unspezifischen Alterseffekt dar.

15:45
Funktionelle Bewegungsstörungen auf einer neurogeriatrischen Station einer Universitätsklinik
P065 

S. Mätzold, J. Geritz, A. Alpes, B. Möller, K. Schachtner, R. Seliger, A. Wulff, M. Weiß, M. A. Hobert, W. Maetzler; Kiel

Hintergrund: Der Anteil von Patienten mit funktionellen Bewegungsstörungen ist vor allem im neurologischen Fachgebiet erheblich. Therapeutische Optionen sind nicht konsequent entwickelt und nicht gut evaluiert. Dies gilt auch für die geriatrische Klientel. Die hier vorgestellte Analyse präsentiert erste Daten zu Prävalenz und Therapieansprechen von Patienten mit funktioneller Bewegungsstörung, die im Rahmen der frührehabilitativen geriatrischen Komplexbehandlung auf der neurogeriatrischen Station des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein, Campus Kiel, behandelt wurden.

Methoden: Es wurde über den Zeitraum von Oktober 2016 bis März 2018 der Anteil; die durchschnittliche Aufenthaltsdauer; die Schwere der körperlichen Beeinträchtigung (Barthel-Index) und der Therapieerfolg (Delta Barthel-Index Entlassung – Aufnahme) von Patienten mit einer funktionellen Bewegungsstörung, die sich auf der Station einer frührehabilitativen geriatrischen Komplexbehandlung (OPS-Ziffer 8-550.1) unterzogen, bestimmt.

Resultate: Der Anteil von Betroffenen am Gesamtkollektiv (N=258) lag bei 5.6 % (6.2% aller Komplexbehandlungen), bei denen es sich um geriatrische Patienten (Alter ≥ 70 Jahre) handelt. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer war vergleichbar mit dem nicht-funktionellen Patientenkollektiv (17 versus 19 Tage). Es zeigten sich keine Unterschiede im Barthel-Index zu Beginn (44 (21) versus 50 (15) Punkte, M (SD); p=0.16) bzw. vor Entlassung (60 (24) versus 69 (21) Punkte; p=0.12). Der Delta Barthel-Index war mit +15 (20) versus +19 (13) Punkten (p=0.36) ebenfalls vergleichbar.

Interpretation: Der Anteil von Patienten mit funktionellen Bewegungsstörungen innerhalb eines stationären Patientenkollektivs auf einer neurogeriatrischen Station eines Universitätsklinikums zeigt sich überraschend hoch. Erste Analysen deuten darauf hin, dass diese Patienten von der angebotenen Struktur und Behandlung profitieren. Dies ist aufgrund der bestehenden Literatur nicht selbsterklärend und bedarf weiterer wissenschaftlicher Aufarbeitung. Als Beitrag zum besseren Verständnis der zugrundeliegenden Mechanismen und der Identifizierung spezifisch relevanter Therapieparameter, planen wir im Rahmen der laufenden multizentrischen ComOn-Studie (https://www.neurologie.uni-kiel.de/de/neurogeriatrie-kiel/projekte) eine detaillierte Analyse dieses Patientenkollektivs.

 

Posterhinweis

Bitte erstellen Sie das Poster in folgendem Format:
120 cm × 90 cm (~ DIN A 0, Hochformat)

Für jedes Poster wird es vor Ort eine eigene Posterwand und an der Registrierung ausreichend Befestigungsmaterial geben. Eigenes Befestigungsmaterial ist nicht gestattet.

Geführte Postersession:
Freitag, 07.09.2018 15:45 - 17:00 Uhr

Wir bitten alle Posterautoren sich an ihrem Poster für Fragen bereit zu halten. Die Poster werden während des gesamten Kongresszeitraums ausgestellt sein.

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