Freitag, 07.09.2018
15:45 - 17:00
Zelt
Poster: Gerontologie 5 (P139-P148)

Moderation: K. Hämel, Bielefeld

15:45
Social Health and Associated Factors for People Screened Positive in Dementia in primary care
P139 

F. Schumacher-Schönert, W. Hoffmann, J. R. Thyrian; Greifswald

The importance of social consequences of dementia have to receive as much attention as the cognitive consequences. Additional it is important to focus on how to deal with these social consequences to optimize quality of life for people with dementia (PwD). The concept of social health is not operationalized for dementia, although its three dimensions appear relevant for the social health of people with dementia in light of the difficulties they encounter in everyday life. Our topic focuses especially the social inclusion of cognitively impaired people, stratified by gender and dementia severity in the context of the DelpHi-MV study. Research has consistently shown that social isolation and loneliness are related to negative health outcomes and that social support of various types and from various sources is associated with positive health outcomes. It is a challenge to assess the importance and necessity of fostering social inclusion for PwD further to the need of social support by their caregivers. In this study we test the assumption that PwD need to be part of a functional social network. The analyses are based on cross-sectional data of the general practitioner-based, randomized, controlled intervention trial DelpHi-MV (Dementia: life- and person-centered help). 6,838 patients were screened for dementia in 136 GP practices; 17.1% were screened positive, 54.4% of those agreed to participate and cross-sectional data could be solicited in n?=?516 subjects. Among other things we assessed age, sex, living situation and the cognitive status. Social support was assessed using the “Fragebogen zur sozialen Unterstützung (FSozU)” a psychometric sound questionnaire with 22 items in short form. 512 valid assessments could be documented. We conducted descriptive analysis stratified by dementia severity and also gender, and fitted a multivariable regression model. We expect, that there is a specific coherence between the degree of social inclusion for PwD and their assessed dementia severity. Moreover, we expect a positive influence of a social wellbeing on the dementia severity and enclosed systematic differences between the gender and dementia severity with respect to the social inclusion of PwD. Our analyses contribute quantitative evidence on social support in dementia, raise awareness of the social dimension in wellbeing of PwD and give helpful hints on factors that could serve as targets for intervention.

15:45
Demenziell veränderte Raumwahrnehmung in Erzähltexten der Gegenwartsliteratur
P140 

M. Zirves, M. Eggers; Köln

Fragestellung: Die Literatur strebt seit den 1980er Jahren vermehrt danach, das subjektive Erleben von Demenzkranken nachzuvollziehen und zu kommunizieren. Veränderungen der räumlichen Wahrnehmung sowie sich verschlechternde Orientierung sind im Zuge dieser Erkrankung weitreichend. Das schwindende Bewusstsein für die eigene Situation kann von außen jedoch kaum erfasst und sprachlich wiedergegeben werden. Ziel der Studie ist, herauszustellen, wie demenziell veränderte Raumwahrnehmung in der deutschen Gegenwartsliteratur thematisiert und dargestellt wird.

Methodik: Die Erzähltextanalyse wird basierend auf Piagets Entwicklungsmodell zur Ausbildung räumlichen Wissens bei Kindern begrifflich vorbereitet. Zudem werden divergierende theoretische Möglichkeiten der Raumdarstellung und -analyse in der Literaturwissenschaft dargestellt (insb. Foucault, Bollnow, Assert). Im Fokus stehen die narratologische Beschreibung von Raum, dessen phänomenologische Betrachtung sowie der Einfluss von Erinnerung auf die Orientiertheit. Die erarbeiteten Grundlagen werden auf eine Auswahl gegenwartsliterarischer Texte übertragen und am Material überprüft.

Ergebnisse: In den neun Texten divergierender Art (Roman, Biographie, Erzählung) fungieren als Schauplätze das Eigenheim, die unmittelbar daran anschließende Umgebung sowie Krankenzimmer in Pflegeeinrichtungen. Erzählsituation und Fokalisierung finden aus Sicht eines Betroffenen, Angehörigen oder unbeteiligten Erzählers statt. Es wird durchweg ein subjektivierter Imaginations- und Vorstellungsraum beschrieben, der insb. zielloses Suchen, Fehlwahrnehmungen und Orientierungsverlust beinhaltet. Die Unmöglichkeit der real subjektiven Darstellung drückt sich über syntaktische Schwundstufen und Metamorphisierungen aus, die die abweichenden Wahrnehmungen der Erkrankten sprachlich stilisieren.

Zusammenfassung: Literatur ermöglicht seit jeher, sich in die Gedankenwelt eines anderen Subjekts einzufühlen und sich mit Schicksalsgefährten zu identifizieren. Auf diese Weise kann sie die seelische Gesundheit der Pflegenden von Demenzerkrankten unterstützen. Ob sie jedoch dem Anspruch des Nacherlebens der dementen Raumwahrnehmung gerecht werden kann, steht weiterhin zur Debatte. Die Ergebnisse der Studie bilden so die Grundlage für weitere Analysen.

15:45
Probleme beim Eintritt in Altenheime - Soziale Strategien und Lebensqualität
P141 

B. P. Mann; Unkel a. Rhein

Der Altenheimeintritt ist eher unerwünscht in der Biographie. Subjektiv kann er als Ausgrenzung, Identitäts- und Sinnkrise (G. Wiswede) erlebt werden. Identitätskrise wird definiert als ein gebrochener Bezug zu sich selbst, zu anderen, zur Gesellschaft und zur Natur (Johan Galtung). Pädagogisch-psychologisch wird von der Erfahrung „auf der Grenze“ (P. Tillich) gesprochen; dieses Erleben kann persönlichkeitsbildend sein. Jenseits dieser Erfahrung stellt sich im Kontext der „Interventionsgerontologie“ (U. Lehr) die Frage nach dem „Einblick in die inneren Abläufe“ der Krisenbewältigung zur „Mitgestaltung und Mitverantwortung des Lebens in der Gesellschaft“ (K.G. Specht). Es wird davon ausgegangen, daß die Qualität der Altenheime und der Heimalltag als „sinnhaftes Handeln“ (M. Weber) im Erleben eine individuelle und institutionelle Qualität aufweisen (K.G. Specht), zumal Altern facettenreich ist (Wolf D. Oswald, H. Thomae). Methodik: Die Basis sind Studien des Autors zur „institutionellen Qualität“ mit Blick auf die Angebote Nürnbergs (n = 35 Altenheime) wie zum „individuellen Coping“ mit Blick auf die Identitätsförderung im Kontext von Aktivitätstheorie und Logotherapie, Salutogenese und Resilienz. Ergebnisse: Das Altenheimangebot zeigt, daß es sich um differenzierte Offerten handelt (geographisch-ökologische Umgebung, Innenarchitektur mit Farbgebung, Funktionsräume, Gemeinschäftsräume und Sozialhygiene, Pflege wie der Schutz der Privatheit). Insofern ist die alternssoziologische Evaluation vor dem Heimeintritt (D. Platt) ein Beitrag zum „Coping“, so neuerdings die Stiftung Warentest. Durchaus wird anwendungsorientiert „Probewohnen“ erörtert. Zum Schutz vor Distanzierungs-, Kontakt- und Orientierungsstörungen gewinnt ein subjektiv erwünschtes Aktivitätsniveau salutogene Bedeutung. Ansätze wie die Kontinuitätsthese, Logotherapie (V. Frankl), Förderung von „Ich-Du-Beziehungen“ (M. Buber) mit Freundschaften im Alter (G. Wurzbacher) wie die Psychotherapie (H. Radebold) mit der Überwindung von „erlernter Hilflosigkeit“ (M. Seligman) sind Stützen für die Resilienz bei Identitätskrisen (E. Olbrich). Zusammenfassung: Sozialphänomenologisch zeigt die Untersuchung, daß die soziale Gerontologie Ansatzpunkte aufdecken kann, um personale und soziale Hilfestellungen (R. Schmitz-Scherzer) anzubieten, die Gesundheit zu stärken und salutogene Situationen (A. Antonovsky) zu schaffen. Das Ziel bleibt die Zufriedenheit (U. Lehr) im Prozess eines facettenreichen Alterns.     

15:45
Informelle Pflege und Unterstützung bei altersassoziierten Einschränkungen. Ergebnisse aus zwei bundesweiten repräsentativen Studien
P142 

A. Teti, S. Nowossadeck, E. Nowossadeck, A. Rommel; Vechta, Berlin

Hintergrund: Der Anteil an älteren Menschen mit alters- bzw. krankheitsbedingten Einschränkungen steigt in Deutschland stetig. Viele von diesen sind vorübergehend oder dauerhaft auf professionelle und informelle Unterstützung und Pflege angewiesen. Nach amtlicher Pflegestatistik wird von knapp 3 Mio. anerkannten Pflegebedürftigen ausgegangen, von denen über 70 % zu Hause durch Angehörige und/oder ambulante Pflegedienste betreut werden. Die Pflegestatistik erfasst allerdings nur Pflegeleistungen, die im Rahmen des SGB XI erfolgen. Demnach bleibt bisher unklar, wieviel informelle Unterstützung und Pflege von Privatpersonen an nicht-anerkannt pflegebedürftigen, jedoch hilfsbedürftigen Menschen, geleistet wird. Dieser Beitrag liefert eine systematische Schätzung der Zahl von pflege- und unterstützungsleistenden Privatpersonen in Deutschland.

Methode: Die vorliegende Analyse basiert auf GEDA- und DEAS-Daten: Die Studie Gesundheit in Deutschland aktuell (GEDA) ist ein telefonischer Survey zur Gesundheit von Erwachsenen (15 bis 80 Jahre). Der Deutsche Alterssurvey (DEAS) ist eine Quer- und Längsschnittbefragung von Personen (40 Jahre und älter), die sich in der zweiten Lebenshälfte befinden. Zum Zweck der Vergleichbarkeit beider Surveys wurde ein Subsample von Befragten im Alter zwischen 40 und 79 Jahren gebildet und der Anteil an Privatpersonen eruiert, die regelmäßige Pflege und Unterstützung leisten. Die alters- und geschlechtsspezifische Darstellung der Ergebnisse liefert differenzierte Aussagen über den geleisteten Umfang an Pflege und Unterstützung.

Ergebnisse: Für das Referenzjahr 2014 beträgt der Anteil an Privatpersonen, die informelle Pflege für Pflegebedürftige leisten, bei 4,5 % bis 7,8% der deutschen erwachsenen Bevölkerung. Als deutlich größer erweist sich allerdings die Gruppe der Pflege- und Unterstützungsleistenden von nicht-anerkannt pflegebedürftigen, jedoch hilfebedürftigen Menschen mit einem Bevölkerungsanteil von rund 11,0 %. Basierend auf der alters- und geschlechts­adjustierten Prävalenzschätzung von Pflege- und Unterstützung wird abschließend eine Hochrechnung der tatsächlichen numerischen Größe dieser unterschiedlichen Gruppen nach verschiedenen Entwicklungsszenarien vorgenommen.

15:45
Kleinigkeiten machen den Unterschied: Eine Nutzerstudie mit GPS-Geräten in der häuslichen Pflege bei Demenz
P143 

H. Megges, S. D. Freiesleben, C. Rösch, L. Wessel, O. Peters; Berlin

Hintergrund: Im Bereich assistive Technologien bei Demenz, gelten GPS-Geräte als vielversprechende Hilfen für Menschen mit Demenz und pflegende Angehörige. Bereits verfügbare Produkte werden jedoch selten genutzt. Das von der deutschen Alzheimer Gesellschaft geförderte Forschungsprojekt „Validierung und Optimierung des individuellen Nutzens von Ortungssystemen bei Demenz–VODINO“ untersuchte im Rahmen einer Nutzerstudie die Anwendung zweier GPS-Uhren im Pflegealltag.

Methodik: 20 Dyaden testeten zwei ähnliche GPS-Uhren, A und B, über jeweils vier Wochen im häuslichen Umfeld. Ein 2x2 Crossover-Design (Sequenz AB|BA) mit zwei Studienphasen (T1-T2.1 und T2.2-T3) wurde angewendet. Es wurden die Benutzerfreundlichkeit (ISONORM 9241/10), die Bewertung der Funktionen (Telefon, Ortung) sowie der Designeigenschaften (Farbe, Schrift, Größe, Gewicht, Knöpfe, Akkulaufzeit) und die Produktzufriedenheit (zu Hause und im klinischen Setting) mit Likert-Skalen erfasst. Die Lebensqualität (EUROHIS-QOL) und die Belastung der pflegenden Angehörigen (ZBI) wurden erfasst. Abhängige und unabhängige t-Tests sowie einfaktorielle ANOVAs wurden durchgeführt.

Ergebnisse: 17 Dyaden wurden analysiert (Dropoutrate 10%). Insgesamt wurde die Benutzerfreundlichkeit von beiden getesteten Systemen als „gut“ bewertet und B wurde zu allen Erhebungszeitpunkten besser als A bewertet. Des Weiteren wurde die Telefonfunktion zu T2.1, die Designeigenschaften Schrift und Knöpfe zu T2.1 und T3 sowie die Akkulaufzeit zu T3 von B signifikant besser bewertet als A. Alle Designeigenschaften zusammengenommen zu T3 von B erzielten signifikant höhere Werte als von A. Menschen mit Demenz der Sequenz AB bewerteten alle Designeigenschaften zusammengenommen von A signifikant besser als Angehörige. Die Beurteilung der Produktzufriedenheit zu Hause war signifikant niedriger als im klinischen Setting. Lebensqualität und Belastung wurden durch die Nutzung nicht beeinflusst. Sequenzeffekte konnten nicht festgestellt werden.

Diskussion: Diese Nutzerstudie mit zwei ähnlichen GPS-Uhren konnte zeigen, dass spezifische Produkteigenschaften die Nutzung beeinflussen und von Menschen mit Demenz und Angehörigen unterschiedlich beurteilt werden. Zukünftig könnte eine Optimierung der Produkteigenschaften ermöglichen, dass durch Nutzung von assistiver Technologie im getesteten Bereich Lebensqualität gesteigert und Belastung gesenkt werden kann.

15:45
Zur pflegerischen und gesundheitlichen Versorgung von älteren Menschen mit einer sogenannten geistigen Behinderung aus Sicht der Betroffenen: Ein partizipatives Vorgehen zur Entwicklung eines bedarfsorientierten Einschätzungsinstrumentes
P144 

L. Stölting, J. Greskötter, M. Hasseler; Wolfsburg, Heidelberg

Einleitung: In Deutschland wächst die erste Generation von älteren Menschen mit geistiger Behinderung heran. Eine angemessene bedarfsgerechte und bedürfnisorientierte gesundheitliche und pflegerische Versorgung des älterwerdenden Personenkreises ist zurzeit im Spannungsfeld der Kostenträger, aufgrund fehlender Strukturen und Ressourcen im Versorgungssystem nicht möglich. Menschen mit geistiger Behinderung erfahren nachweislich umfassende Einschränkungen im Gesundheitssystem.
Fragestellung: Wie werden förderliche und hemmende Bedingungen in Hinblick auf die gesundheitliche und pflegerische Versorgung aus Sicht der Bewohner/innen verschiedener Wohneinrichtungen der Eingliederungshilfe und der Mitarbeiter/innen wahrgenommen? Welche Implikationen ergeben sich für die Entwicklung eines speziellen Einschätzungsinstruments zur Erfassung der pflegerischen und gesundheitlichen Bedarfe des Personenkreises?
Methodik: Es wurden offene leitfadengestützte Interviews entwickelt. Für die Befragung der Bewohner/innen kamen zusätzlich Piktogramme und Skalierungen als Gesprächsimpulse zum Einsatz.
Die Interviewanalyse findet auf Grundlage der qualitativen Inhaltsanalyse nach Kuckartz statt. Die weiterführende Auswertung wird mit Hilfe des Lebenslageansatzes und der Person-Umfeld-Analyse durchgeführt.
Ergebnisse: Es werden die relevanten Wirkungsräume, förderliche und hemmende Faktoren in Bezug auf die Versorgungsstrukturen identifiziert und Erkenntnisse für die Entwicklung eines speziellen Einschätzungsinstrumentes zur Erfassung der gesundheitlichen und pflegerischen Bedarfe von Menschen mit geistiger Behinderung gewonnen.
Zusammenfassung: Menschen mit geistiger Behinderung haben das gleiche Recht auf eine bestmögliche gesundheitliche und pflegerische Versorgung. Allerdings sind die Zugänge aufgrund mangelnder finanzieller, zeitlicher und personeller Ressourcen in den einzelnen Sektoren erheblich einschränkt und führen zu umfassenden Benachteiligungen des Personenkreises. Die Entwicklung eines adäquaten Einschätzungsinstrumentes sowie die Realisierung von bedarfs- und bedürfnisspezifischen Unterstützungsangeboten in den Wohneinrichtungen und bei sektorenübergreifenden Maßnahmen sind Beiträge, um dieser gesundheitliche Ungleichheit entgegenwirken zu können.

15:45
Pflegeabhängigkeit und Lebensqualität bei Bewohner*innen in Pflegeheimen mit und ohne Demenz - eine Querschnittstudie
P145 

A. Buss, P. Marijic, J. Klein, A. Herold-Majumdar; München, Mainz

Hintergrund: Studien über den Zusammenhang zwischen Pflegeabhängigkeit und Lebensqualität im Pflegeheimsetting sind überschaubar, die Ergebnisse nicht eindeutig. Ziel dieser Querschnittstudie war es, den Zusammenhang zwischen der Pflegeabhängigkeit und der Lebensqualität bei Pflegeheimbewohner*innen mit und ohne Demenz zu untersuchen.

Methoden: Es wurden Bewohner*innen aus zwei Pflegeheimen im Großraum München untersucht. Zur Erfassung der Pflegeabhängigkeit wurde die Pflegeabhängigkeitsskala (PAS) herangezogen. Die Lebensqualität wurde mit dem WHOQOL-BREF und dem WHOQOL-OLD (bei Bewohner*innen ohne Demenz) bzw. dem QUALIDEM-Instrument (bei Bewohner*innen mit Demenz) gemessen. Zur statistischen Datenanalyse wurden deskriptive sowie induktive Methoden (Pearson-Korrelation; Regressionsanalyse) angewandt.

Ergebnisse: Insgesamt nahmen 75 Bewohner*innen an der Studie teil. Die meisten Teilnehmer*innen (76%) waren Bewohner*innen mit Demenz. Die Pflegeabhängigkeit lag in einem vergleichsweise geringem, die Lebensqualität in einem mittleren Bereich. Bei Bewohner*innen mit schweren Demenzgraden zeigten sich negative Korrelationen zwischen einzelnen Skalen sowie des Gesamtscores des QUALIDEM und der Pflegeabhängigkeit.

Schlussfolgerung: Die im Rahmen dieser Studie festgestellte Korrelation zwischen einer geringeren Pflegeabhängigkeit und einer niedrigeren Lebensqualität bei Bewohner*innen mit (schwerer) Demenz, kann ein Hinweis auf eine Zunahme der Lebensqualität bei steigender Pflegeabhängigkeit sein. Allerdings muss in diesem Zusammenhang die Eignung des verwendeten Instrumentariums betrachtet werden. Es bedarf weiterer Studien zur eingehenderen Untersuchung der Fragestellung.

15:45
Herausforderndes Verhalten bei Menschen mit Demenz im Akutkrankenhaus
P146 

C. Hambloch, W. Teschauer; Ingolstadt

Aus der General Hospital Study geht hervor, dass bei 40 % der über 65-jährigen Patienten in Krankenhäusern kog. Störungen und Demenzen vorlie­gen. Menschen mit Demenz (MmD) stellen an das pflegerische und medizinische Personal im Krankenhaus besondere Anforderungen und verursachen einen erhöhten Zeitaufwand (H. Bickel et al., 2016). Herausforderndes Verhalten (HV) war bei MmD (76%) höher als ohne (38%). Die häufigsten Symptome bei MmD waren nächtliche Störungen (38%), Depression (29%) und abweichen des motorisches Verhalten (HV, 28%) und die belastetsten Symptome für das Pflegepersonal waren Wahnvorstellungen, Aggressionen und nächtliche Störungen (J.B. Hessler et al., 2017). Im Rahmen der 3. Projektphase „Demenz im Krankenhaus (2014-2017)“ haben sich der Landesverband Bayern der Deutschen Alzheimer Gesellschaft e.V. und die Ingenium-Stiftung mit dem Themenschwerpunkt HV auseinandergesetzt, der bisher kaum Gegenstand der Pflegeforschung war. Der Projektbaustein wurde in Handlungskompetenz und Übertragbarkeit unterteilt und parallel an neun Krankenhäusern in Bayern bearbeitet. Vor allem Angst, Unsicherheit, Schmerz und eine ungewohnte Umgebung sind Auslöser für HV, die in vielen Fällen modifiziert werden können (NDB-Modell). Die häufigste Eintragung zur Einschätzung des Beitrags von pers. Ursachen zur Entstehung des HV in der Testphase (TP) war „Delir“ (N=8; 16 %), die in der Pretestphase (PP) eine untergeordnete Rolle spielte (N=2; 2%). Der Anteil der Nennungen hat sich von der PP zur TP damit etwa verzehnfacht (1,5 % nach 15,7 %), was durch die intensive Auseinandersetzung mit dem Thema Delir bei Demenz in den Fallbesprechungen begründet sein könnte. Zur Entstehung von HV wurden am häufigsten mit 21% (N=96) die Pflegemaßnahmen, gefolgt von den Folgen eines Eingriffs (N=70; 16 %) in der PP genannt. In der TP war die Antwort „Nein“ – in der PP nicht vorhanden - die am häufigsten gewählte Option. Danach folgt die Pflegemaßnahme mit 16 % (N=45), dann die Medikation mit 12 % (N=33). Diese Ergebnisse zeigen, dass es insbesondere beim Umgang mit MmD einerseits noch Optimierungspotenziale im Bereich der Kommunikation und der pflegerischen und medizinischen Prozesse (z.B. Schmerzassessment und –behandlung) gibt.

15:45
Die Versorgung an Demenz erkrankter Menschen in der Häusöichkeit verbessern! Ergebnisse, Implikationen und Translation der DelpHi-Studie
P147 

J. R. Thyrian, J. Hertel, T. Eichler, D. Wucherer, A. Dreier-Wolfgramm, B. Michalowsky, I. Zwingmann, I. Kilimann, S. Teipel, W. Hoffmann; Greifswald, Rostock

Hintergrund: Dementia Care Management (DCM) ist ein innovatives Versorgunsgmodell, welches patientenzentriet die Versorgung verbessern zu Hause lebender Menschen mit Demenz verbessern könnte. Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist die Darstellung der Wirksamkeit von DCM in der Optimierung der Behandlung und Versorgung von zu Hause lebenden Menschen mit Demenz und deren Angehörigen.

Methode: Grundlage ist die pragmatische, hausarzt-basierten, cluster-randomisierten Interventionsstudie DelpHi. In 136 Hausarztpraxen wurden insgesamt 6.838 Menschen über 70 Jahre auf ihren kognitiven Status untersucht. Bei 1.167 Patienten zeigte sich der Verdacht auf eine Demenz, 634 von diesen gab ihre schriftliche Einverständnis an der Studie teilzunehmen. Die Probanden wurden alle von spezifisch qualifizierten Studienschwestern zu Hause aufgesucht und nahmen an einem umfangreichen, computergestützten Baseline assessment der medizinischen, pflegerischen, psychosozialen Bedarfe teil. Ebenso erfolgte eine Medikamentenanamnese in der Häuslichkeit. Je nachdem, ob der behandelnde Arzt zufällig der Interventions-oder Kontrollgruppe zugewiesen wurde, erhielten Probanden der Interventionsgruppe für mind. 6 Monate Unterstützung durch in DCM qualifizierte Studienschwestern. Probanden der Kontrollgruppe erhielten die Standardversorgung durch ihren Hausarzt. DCM beinhaltet die Bedarfserhebung. Diese erfolgte mit Hilfe eine Interventionsmanagementsystems (IMS). Anhand durch Leitlinien und Expertenwissen vorab definierter Algorithmen, sowie eine interdisziplinäre Fallkonferenz wurde ein standardisierter, individualisierter Hausarztinformationsbrief erstellt, der Empfehlungen zur Versorgungsgestaltung erhielt, die im Gespräch mit dem behandelnden Hausarzt von diesem oder der Studienschwester initiiert, überprüft und umgesetzt wurde. Nach 12 Monaten wurden bei allen Probanden die Wirksamkeitsparameter Lebensqualität, neuropsychiatrische Symptome,  Einnahme von Antidementiva, potentiell inadäquate Medikation und Angehörigenbelastung erhoben.

Ergebnisse und Diskussion: Es zeigten sich signifikant weniger neuropsychiatrische Symptome, eine signifikant geringere Angehörigenbelastung und signifikant höhere Einnahme demenzspezifischer Medikation. Bei den nicht allein lebenden zeigte sich eine höhere Lebensqualität. Weitere Analysen, auch der teilnehmenden Hausärzte, legen eine Implementierung in die Routineversorgung nahe. Aktuelle Implementationsoptionen werden diskutiert.

15:45
Die psychosoziale Gesundheit von Pflegebedürftigen in (teil-)stationären Pflegeeinrichtungen stärken
P148 

M. Preuß, B. Wolff; Hannover

Ein großer Anteil der Pflegebedürftigen, die in (teil-)stationären Pflegeeinrichtungen versorgt werden, weist psychische Erkrankungen auf (z. B. Depressionen, Demenz, Sucht und Angststörungen). Diese bestehen entweder schon vor Eintritt in die Einrichtung oder werden erst hier - mitunter auch begünstigt durch die Lebensbedingungen im stationären Versorgungskontext - manifest. Der Umgang mit diesen Krankheitsbildern stellt die Betroffenen aber auch die Mitarbeiter*innen vor große Herausforderungen. Das Projekt „Leben in Balance“, das finanziert durch die AOK N und der SVLFG von 2018 bis 2020 durchführt wird, befasst sich mit der Fragestellung, wie im anforderungsreichen Arbeitsalltag einer (teil-)stationären Pflegeeinrichtung die psychosoziale Gesundheit der Bewohner*innen bzw. der Gäste erhalten bzw. verbessert werden kann. Impulsgebend war die Einführung des Präventionsgesetzes im Jahr 2015, das die Pflegekassen zur Durchführung von präventiven Maßnahmen in stationären Pflegeeinrichtung verpflichtet. Bisher besteht noch kaum gesichertes Wissen dazu, wie gelingende Präventionsangebote in diesem Setting ausgestaltet sein können, insbesondere, wenn nicht die Prävention physischer sondern psychischer Erkrankungen intendiert ist. Um Erkenntnisse über psychische Belastungsfaktoren in (teil-)stationären Pflegeeinrichtungen, belastungsbegünstigende Rahmenbedingungen sowie mögliche Handlungsansätze zu sammeln, werden in einer ersten Projektphase zunächst Literatur recherchiert sowie Interviews mit Bewohner*innen (teil-)stationärer Pflegeeinrichtungen und ihren Angehörigen geführt, Expertendiskussionen abgehalten und diese inhaltsanalytisch ausgewertet. Aufbauend auf diesen Erkenntnissen wird ein Beratungsansatz für (teil-)stationäre Pflegeeinrichtungen zur Konzeption und Umsetzung von präventiven Maßnahmen erarbeitet und erprobt. Außerdem wird ein Qualifizierungsprogramm entwickelt, mit Hilfe dessen die Fachexpertise der Einrichtungen in diesem Themenfeld ausgebaut werden soll. Ziel des Projekts ist, mehr gesichertes Wissen über die Entstehungszusammenhänge psychischer Erkrankung im Setting (teil-)stationärer Pflegeeinrichtungen zu generieren und Einrichtungen zur Umsetzung von präventiv wirksamen Maßnahmen zu befähigen. Ergebnis des Projekts wird unter anderem eine Datenbank mit Beispielen guter Praxis sein.

 

Posterhinweis

Bitte erstellen Sie das Poster in folgendem Format:
120 cm × 90 cm (~ DIN A 0, Hochformat)

Für jedes Poster wird es vor Ort eine eigene Posterwand und an der Registrierung ausreichend Befestigungsmaterial geben. Eigenes Befestigungsmaterial ist nicht gestattet.

Geführte Postersession:
Freitag, 07.09.2018 15:45 - 17:00 Uhr

Wir bitten alle Posterautoren sich an ihrem Poster für Fragen bereit zu halten. Die Poster werden während des gesamten Kongresszeitraums ausgestellt sein.

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