Freitag, 07.09.2018
15:45 - 17:00
Zelt
Poster: Gerontologie 3 (P118-P127)

Moderation: S. Strumpen, Berlin

15:45
Informationsbroschüre für Patienten und deren Angehörige - Ein Modell zur Erleichterung der Kommunikation?
P118 

J. Sägenschnitter, M. K. Modreker; Wismar

In der Geriatrie befasst sich das interdisziplinäre Team aufgrund der Komplexität und der Dauer der Behandlung nicht nur intensiv mit dem Patienten sondern auch mit seinen Angehörigen. Um sowohl Missverständnisse und Spannungen als auch Verzögerungen der Behandlung zu vermeiden, müssen viele zunächst grundlegende Informationen ausgetauscht/erarbeitet werden.

Fragestellung: Kann eine Informationsbroschüre die Kommunikation zwischen Patienten bzw. deren Angehörigen und dem interdisziplinären Team einer geriatrischen Station erleichtern und sogar eine Verbesserung und Fokussierung auf das Wesentliche ermöglichen?

Material und Methoden: Erarbeitung einer umfassenden und kompakten Informationsbroschüre in Zusammenarbeit mit dem interdisziplinären Team der geriatrischen Station (Ärzte, Pflege, Therapeuten) mit dem Ziel der Mitteilung der wesentlichen Aspekte einer geriatrischen Behandlung benötigte Aktivitäten von Seiten der Patienten und deren Angehörigen und damit Erleichterung der Kommunikation

Ziel: zielgerichteter, unkomplizierter Informationsaustausch; Erleichterung der Kommunikation

Ergebnisse: In Zusammenarbeit mit dem interdisziplinären Team wurde eine Informationsbroschüre mit umfassendem Inhalt erarbeitet. Es sollen sowohl die Auswahl der Informationen als auch die Entwicklung der Broschüre bis zum gedruckten Exemplar dargestellt werden. Zudem wird über die Erfahrungen im klinischen Alltag berichtet werden.

Zusammenfassung: Die Broschüre hat zum Ziel, den Austausch der Informationen zu erleichtern und zu verbessern, die essentiell für das Verständnis der Arbeit in der Geriatrie, aber auch wichtig im Umgang mit den Patienten und für den stationären Aufenthalt sind.

15:45
Beratung und telefonische Therapie für pflegende Angehörige im Versorgungskontext (BerTA Studie)
P119 

A. Babac, G. Wilz, C. Reiter, G. Büchele, T. Schaile, K. Pfeiffer; München, Jena, Ulm, Stuttgart

Hintergrund: 1.86 Mio. Pflegebedürftige werden in Deutschland überwiegend von ihren Angehörigen Zuhause gepflegt. Die Pflege und Betreuung geht für die Angehörigen häufig mit zahlreichen psychischen und körperlichen Belastungen einher. Während in der Unterstützung von Pflegenden in den letzten Jahren zahlreiche Verbesserungen vom Gesetzgeber angestoßen wurden, werden Beratungsmethoden mit erwiesener Evidenz bislang wenig in Versorgungssettings aufgegriffen. Mit der BerTA Studie (engl. ReDiCare, 2017 – 2021, Förderung durch das BMBF) soll ein in seiner Intensität gestufter Beratungsansatz auf seine Wirksamkeit bei hochbelasteten pflegenden Angehörigen untersucht werden.

Methodik: Die Intervention greift mit einer Pflegeberatung und einer telefonisch-psychotherapeutischen Beratung zwei bereits in der Vergangenheit erfolgreich evaluierte Einzelkonzepte (PLiP Studie, Tele.TAnDem Studien) auf und überprüft diese im Rahmen einer randomisierten Translationsstudie in Zusammenarbeit mit der AOK Bayern und der AOK Baden-Württemberg. Die Pflegeberatung erfolgt durch Pflegeberater/innen der teilnehmenden Pflegekassen und wird je zur Hälfte telefonisch oder in einer Kombination aus Hausbesuch und telefonischen Nachkontakten innerhalb von 3 Monaten durchgeführt (mind. 3 Kontakte). Die optionale psychotherapeutische Unterstützung umfasst 12 telefonische Kontakte über 6 Monate durch Psychotherapeut/innen und erfolgt auf Basis eines Screenings. Die teilnehmenden Pflegeberater/innen erhalten ein monatliches Coaching, das die Umsetzung der Methode, den Umgang mit schwierigen Beratungssituationen und edukative Elemente zur Arbeitsgesundheit adressiert.

Insgesamt sollen 572 pflegende Angehörige eingeschlossen und über vier Messzeitpunkte evaluiert werden (Basiserhebung, nach 3, 9 und 15 Monaten). Hauptendpunkt sind depressive Symptome. Weitere Kooperationspartner in der Studie sind die Universitäten Hohenheim (Gesundheitsökonomie) und Ulm (Datenmanagement) sowie die Hochschule Esslingen (Coaching). Mit dem Poster werden das Studiendesign und erste Erfahrungen mit der Rekrutierung durch die Pflegekassen vorgestellt.

Diskussion und Ausblick: Mit den Studienergebnissen sollen neue zukünftige Beratungskonzepte angeregt und dadurch die häusliche Pflege insgesamt unterstützt und gestärkt werden.

15:45
Können problemorientierte Lernformen heterogene Lernausgangslagen in gerontologischen Einführungsveranstaltungen adressieren?
P120 

A. Oliva y Hausmann; Köln

Studierende humanwissenschaftlicher Studiengänge, die an einem gerontologischen Schwerpunkt teilnehmen, weisen oft heterogene Lernausgangslagen auf. Lehrende stehen vor der Herausforderung, Studierende mit unterschiedlichem Vorwissen gleichermaßen zu adressieren. Eine Lernform, der in der Hochschuldidaktik großes Potenzial zur Arbeit mit heterogenen Lernausgangslagen zugeschrieben wird, ist das Problemorientierte Lernen (POL). Aufbauend auf Grundlagenwissen, das in einer Vorlesung vermittelt oder als Selbststudienmaterial bereitgestellt wird, arbeiten Studierendengruppen selbstständig an vorgegebenen Fallbeispielen. Die Untersuchung geht der Frage nach, ob problemorientierte Lernformen in gerontologischen Einführungsveranstaltungen dazu beitragen können, Studierende ungeachtet unterschiedlicher Lernausgangslagen Lernerfolge zu ermöglichen. Datengrundlage ist die prozessbegleitende Evaluation der Einführung von problemorientierten Lernformen in zwei gerontologischen Einführungsveranstaltungen der Universität zu Köln. N=35 Studierende reflektierten mittels Lernportfolios ihre Mitarbeit an drei problemorientierten Arbeitsphasen, die jeweils zwei Sitzungen umfassten. Der Schreibanlass zielte darauf ab, individuelle Lernerfolge herauszuarbeiten und fördernde bzw. hemmende Aspekte zu identifizieren. Eine induktive qualitative Inhaltsanalyse fasste zentrale Themen der Portfolios zusammen. Im Ergebnis stellten Studierende Lernerfolge überwiegend in Relation zu ihrer persönlichen Lernausgangslage dar. Als prominenter förderlicher Aspekt wurde die Einsichtnahme in die Kenntnisse und Erfahrungen anderer Studierender genannt. Barrieren waren eine geringe Passung einzelner Fallbeispiele zu dem vermittelten Grundlagenwissen sowie organisatorische Probleme durch ausbleibende Teilnahme an der zweiten Sitzung einer POL-Arbeitsphase. Die Ergebnisse verdeutlichen das Potenzial problemorientierter Lernformen zur Berücksichtigung heterogener Lernausgangslagen. Allerdings sollte eine didaktische Weiterentwicklung der Lehrveranstaltungen darauf abzielen, Fallbeispiele mit geringer Passung zum Selbststudienmaterial zu überarbeiten und die Verbindlichkeit der Teilnahme an beiden Sitzungen einer POL-Arbeitsphase zu erhöhen.

15:45
Vielfalt des Alterns - Vielfalt des Glaubens. Zum Umgang mit religiöser Pluralität in stationären Altenpflegeeinrichtungen
P121 

S. Stentenbach-Petzold; Bochum

Geht man davon aus, dass sich eine Vielfalt des Alterns auch in einer Vielfalt religiöser Deutungsmuster und Praktiken widerspiegelt, ist zu fragen, wie altenpflegerische Einrichtungen mit der religiösen Pluralität ihrer Bewohnenden umgehen. Einrichtungen in kirchlicher Trägerschaft versorgen längst nicht mehr nur christlich sozialisierte Bewohnende, sondern auch immer häufiger muslimische sowie vereinzelt Gläubige z.B. der Sikh-Religion. Aber auch weltanschaulich neutrale Altenpflegeeinrichtungen setzen sich im Zuge der Klientengewinnung mit dem Thema Religion auseinander, indem sie zum Beispiel ihr Personal entsprechend "kultursensibel" schulen, religiöse Speisegesetze berücksichtigen oder Gebetsräume einrichten. Der Posterbeitrag gibt einen Einblick in ein laufendes religionswissenschaftliches Dissertationsprojekt zu eben dieser Thematik, stellt das qualitative Untersuchungsdesign vor und präsentiert erste Untersuchungsergebnisse, die in Pflegeeinrichtungen im Ruhrgebiet und Münsterland gewonnen werden konnten.

15:45
Interprofessionelle Teambildung als Qualifizierungsprogramm
P122 

C. Kricheldorff, B. Heimbach; Freiburg

Mit der wachsenden Zahl alter Menschen im Akutkrankenhaus und mit der deutlichen Ausweitung der Langzeitpflege im ambulanten und stationären Bereich, steigen auch die Herausforderungen in den diversen geriatrischen und gerontologischen Versorgungssettings. Multimorbidität, kognitive Einschränkungen und das Phänomen Frailty sowie sich verändernde Familienstrukturen, verbunden mit brüchiger werdenden sozialen Netzwerken und Ressourcen, kennzeichnen zunehmend die Situation in der klinischen, pflegerischen und sozialen Fachpraxis. Diese Vielfalt der Anforderungen verlangt nach stärkerer Teambildung und Vernetzung der professionellen Akteure im Pflege- und Gesundheitswesen.       

Das auf dem Poster präsentierte, hochschulübergreifende und interprofessionelle Lehrprojekt mit Medizinstudent*innen der Uniklinik Freiburg, Studierenden der Angewandten Pflegewissenschaft, der Berufspädagogik im Gesundheitswesen und der Sozialen Arbeit der Katholischen Hochschule Freiburg verfolgt folgende Ziele:  

- Vermittlung einer aktiven „interprofessionellen Früherkennungsstrategie“, zur Identifikation des Geriatrischen Patienten und seiner relevanten alltagsrelevanten Einschränkungen auf der Basis verschiedener Instrumente (Geriatrie-Check, Geriatrisches Assessment).

- Verbesserung von Empathie, Ermöglichung von Selbsterfahrung und Entwicklung einer positiveren Einstellung gegenüber dem Alter durch den Einsatz von „Altersanzügen“ (Perspektivenwechsel), verbunden mit Reflexion, um verschiedene altersbedingte Einschränkungen erfahrbar zu machen.

- Vermittlung relevanter professioneller Fallstricke und Hürden, unter Berücksichtigung der häufigsten Geriatrischen Syndrome bei Multimorbidität, Fraility, Underreporting auf der Basis von Fallbeispielen.

- Vermittlung relevanter sozialrechtlicher Aspekte, z.B. Kompetenzen zur Beratung bei Pflegebedarf, bei der Beantragung eines Pflegegrades, einer Reha- Maßnahme oder eines Behindertenausweises.   

Skizziert werden auf dem Poster auch die Ergebnisse der summativen und formativen Evaluation des Projekts, das vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg in der Sonderlinie Medizin - Förderlinie Lehre – für zwei Jahre finanziell unterstützt und ermöglicht wurde.      

15:45
Freiheitsentziehende Maßnahmen bei geriatrischen Patienten im klinischen Alltag
P123 

S. Ritzi; Heidelberg

Die Anwendung freiheitsentziehender Maßnahmen bei geriatrischen Patienten im klinischen Alltag ist von andauernder Aktualität. Aus einem unreflektierten Umgang mit solchen Maßnahmen erwächst die Gefahr, dass sie als medizinische bzw. pflegerische Selbstverständlichkeit gelten. Dabei ist sowohl die fachliche und rechtliche als auch die ethische Frage der Anwendung von freiheitsentziehenden Maßnahmen in der Pflege alter Menschen umstritten: Bei genauerem Hinsehen erweisen sich solche Maßnahmen als in vielerlei Hinsicht problematisch. Im Sinne des Artikel 2 Abs. 2 GG ist jede Maßnahme, die die körperliche Bewegungsfreiheit auch noch so kurzfristig einschränkt, ein Eingriff in die Grundrechte des Menschen. Freiheitsentziehende Maßnahmen sind davon nicht ausgenommen. Als spezielle Form von Gewalt sind Freiheitsentziehende Maßnahmen die ultima ratio. Die konkrete Forderung an die beteiligten Akteure besteht darin, im Sinne der Betroffenen stets das mildestmögliche Mittel anzuwenden, so dass eine Maßnahme, die dem Wortlaut entsprechend die (Handlungs-/ Bewegungs-) Freiheit entzieht, möglichst verhindert wird. Ethisch ist diese Suche nach alternativen Mitteln von dem Bewusstsein motiviert, dass den Pflegenden ein moralischer Anspruch trifft, den man mit Immanuel Kant als kategorischen Imperativ oder mit Emmanuel Lévinas als Antlitz des Anderen benennen kann. Im pflegebedürftigen Menschen begegnet uns ein freies Würdewesen, das Zweck an sich ist und deswegen nicht instrumentalisiert, heteronom bestimmt und paternalistisch bevormundet werden darf. Es ist dieser ethische Anspruch, der im Grundgesetz formuliert und in den einzelnen Gesetzessammlungen ausbuchstabiert wird. Vor dem Hintergrund einer Ethik, die sich dem Schutz der personalen Würde des Menschen, die sich in seinen Freiheitsrechten äußert, verschrieben hat, sind freiheitsentziehende und damit potentiell die Würde antastende Handlungen stets eine Grenzsituation. Nur in streng regulierten Ausnahmefällen kann ein Freiheitsentzug zugunsten der Gesundheit und des Wohlbefindens der Betroffenen in Kauf genommen werden. Unter Berücksichtigung von nationalen und internationalen Wissensbeständen wird im Rahmen dieser Forschung zunächst ein systematisches Review erarbeitet. Basierend auf den Ergebnissen desselben soll dann nach der laufenden Pilotphase eine interdisziplinär angelegte Mixed-Methods-Studie über die Anwendung freiheitsentziehender Maßnahmen bei Menschen mit Demenz im Akutkrankenhaus durchgeführt werden.

15:45
9xOfra - Selbstbestimmt Wohnen in Oberfranken: Der Familienrat als Instrument für nachhaltige Lösungen zum selbstbestimmten Wohnen für Personen mit Hilfebedarf.
P124 

F. Damm, A. Beyer, M. Schulz, J. Hauffe, A. Zahneisen, F. R. Lang; Nürnberg, Bamberg

Ziel des multidisziplinären Projekts „9xOfra - Selbstbestimmt Wohnen In Oberfranken“ ist es, älteren Familienangehörigen mit Hilfebedarf das selbstbestimmte Wohnen im eigenen Heim zu ermöglichen. Um dies zu erreichen, wird der bislang nur in der Jugendarbeit eingesetzte Familienrat angepasst und weiterentwickelt, um die beteiligten Familiensysteme fachkundig zu unterstützen, die für sie passenden, alltagsnahen Lösungen zu identifizieren und gemeinsam innerhalb der Familie umzusetzen. In dem im Januar 2018 begonnenen Projekt werden zunächst unter psychogerontologischer Anleitung die individuellen Bedürfnisse, Ressourcen aber auch Sorgen des hilfsbedürftigen Angehörigen und seines sozialen Netzwerks erfasst. Auf der Basis dieser Erhebungen werden gemeinsam Lösungen im Familienrat erarbeitet und die Verantwortlichkeiten für die Umsetzung dieser Lösungen geklärt und umgesetzt. Neben sozialen, beratenden, baulichen und medizinischen Maßnahmen, liegt ein Fokus darauf, den Zugang zu technischen Assistenzlösungen zu begleiten und zu erleichtern.  Zusätzlich werden im Rahmen des Projekts neben den psychologischen, sozialen und objektiven Wohn- und Lebensbedingungen der umsorgten Person auch der Prozess des Familienrats sowie die Art der gewählten Lösungen und deren Umsetzung und Akzeptanz aus Sicht aller beteiligten Akteure über den Zeitraum von mehreren Monaten wissenschaftlich evaluiert. Erste Ergebnisse weisen darauf hin, dass sich die heterogenen Problemstellungen und Bedürfnisse der einzelnen Familiensysteme in der Bandbreite und Anzahl der vereinbarten Maßnahmen widerspiegeln. Weiterhin ist eine hohe und zeitnahe Umsetzrate der Maßnahmen zu beobachten. Während teilnehmende Familien den Familienrat als positiv bewerten, sind jedoch nicht alle interessierten Familien bereit, sich darauf einzulassen. Weitere Grenzen zeigen sich in der Dynamik der oft schon sehr belasteten Situationen - Bedürfnislagen ändern sich mitunter kurzfristig und maßgeblich. Die Erkenntnisse über das Zusammenwirken von heterogenen sozialen Netzwerken in Versorgungssituationen, sowie die Befunde zur Akzeptanz und Wirksamkeit der erarbeiteten Lösungen werden den beteiligten Projektpartnern aus Gesundheit, Wohnen und Handwerk zur Verfügung gestellt.

15:45
Alleinlebende ältere Menschen mit Pflegebedarf - Determinanten nachhaltiger und bedarfsorientierter Pflegeverläufe
P125 

A. Drewniok; Mönchengladbach

Ziel des multidisziplinären Projekts „9xOfra - Selbstbestimmt Wohnen In Oberfranken“ ist es, älteren Familienangehörigen mit Hilfebedarf das selbstbestimmte Wohnen im eigenen Heim zu ermöglichen. Um dies zu erreichen, wird der bislang nur in der Jugendarbeit eingesetzte Familienrat angepasst und weiterentwickelt, um die beteiligten Familiensysteme fachkundig zu unterstützen, die für sie passenden, alltagsnahen Lösungen zu identifizieren und gemeinsam innerhalb der Familie umzusetzen. In dem im Januar 2018 begonnenen Projekt werden zunächst unter psychogerontologischer Anleitung die individuellen Bedürfnisse, Ressourcen aber auch Sorgen des hilfsbedürftigen Angehörigen und seines sozialen Netzwerks erfasst. Auf der Basis dieser Erhebungen werden gemeinsam Lösungen im Familienrat erarbeitet und die Verantwortlichkeiten für die Umsetzung dieser Lösungen geklärt und umgesetzt. Neben sozialen, beratenden, baulichen und medizinischen Maßnahmen, liegt ein Fokus darauf, den Zugang zu technischen Assistenzlösungen zu begleiten und zu erleichtern.  Zusätzlich werden im Rahmen des Projekts neben den psychologischen, sozialen und objektiven Wohn- und Lebensbedingungen der umsorgten Person auch der Prozess des Familienrats sowie die Art der gewählten Lösungen und deren Umsetzung und Akzeptanz aus Sicht aller beteiligten Akteure über den Zeitraum von mehreren Monaten wissenschaftlich evaluiert. Erste Ergebnisse weisen darauf hin, dass sich die heterogenen Problemstellungen und Bedürfnisse der einzelnen Familiensysteme in der Bandbreite und Anzahl der vereinbarten Maßnahmen widerspiegeln. Weiterhin ist eine hohe und zeitnahe Umsetzrate der Maßnahmen zu beobachten. Während teilnehmende Familien den Familienrat als positiv bewerten, sind jedoch nicht alle interessierten Familien bereit, sich darauf einzulassen. Weitere Grenzen zeigen sich in der Dynamik der oft schon sehr belasteten Situationen - Bedürfnislagen ändern sich mitunter kurzfristig und maßgeblich. Die Erkenntnisse über das Zusammenwirken von heterogenen sozialen Netzwerken in Versorgungssituationen, sowie die Befunde zur Akzeptanz und Wirksamkeit der erarbeiteten Lösungen werden den beteiligten Projektpartnern aus Gesundheit, Wohnen und Handwerk zur Verfügung gestellt.

15:45
Erwachsenenschutz im Landkreis Tuttlingen - Auf dem Weg zum sorgenden Landkreis
P126 

F. Wernicke; Freiburg

Budesweit einzigartig wird derzeit im Landkreis Tuttlingen die Entwicklung und anschließende Implementierung eines Konzeptes zum Schutz erwachsener Personen mit besonderem Schutzbedarf erarbeitet. Auf Initiative des Landkreises und unter Beteiligung praxisrelevanter Akteur*innen (u.a. Sozialamt, Pflegestützpunkt, ambulante & stationäre Pflegedienste Polizei, Kranken- & Pflegekassen) entstehen innerhalb sog. Themen-Tische spezifische Konzepte zum Schutz von Menschen in vulnerablen Lebenslagen.  Das Projekt „Erwachsenenschutz im Landkreis Tuttlingen – Entwicklung und Umsetzung eines Konzepts im Sinne der Caring Community“ wird vom Land Baden-Württemberg mit insgesamt 110.000 € unterstützt.

In ersten Arbeitstreffen konnten anhand von Fallanalysen und moderierten Diskussionen bereits vier für den Landkreis relevante Themenbereiche identifieziert werdem. Diese werden durch speziell gegründete Arbeitsgruppen (Themen-Tische) über die kommenden 2,5 Jahre weiter bearbeitet.

Ziel ist es, einen demütigungsfreien Alltag  - frei von Fixierung, Freiheitsentzug, Gewalthandlungen und sozialer Isolation - für vulnerable erwachsene Menschen zu ermöglichen. Unter dem Leitmotiv guten Lebens (Nussbaum, 1999) wird so ein eigenes tragfähiges Schutzinstrument [analog zum Kinder- und Jugendschutz] entwickelt.

Inhaltlich und wissenschaftlich werden alle Beteiligten dabei von AGP Sozialforschung (Freiburg) begleitet. In regelmäßigen Workshops und Schulungen werden Grundlagen des Case Managements vermittelt, projektrelevante Rechtsfragen sowie jene mit ethischer und sozialer Tragweite diskutiert. Ziel ist es, eine landkreisweite Netzwerkstruktur mit spezifischen, konzertierten Handlungs- und Kooperationsmustern zu etablieren, die die besonderen Bedarfe betroffener Personen selbstverstänndlich in den Blick nimmt.

Das Poster zeigt die inhaltlichen und methodischen Grundlagen des Projektes und gibt einen Einblick in die bisherigen Arbeitsergebnisse.

15:45
IBH-Lab AAL: Technische Assistenz in schon stark mobilisierten Quartieren verstärken - ein 3-Länderprojekt
P127 

U. Otto, A. Hegedüs, G. Kempter, A. Kofler, E. Maier, C. Kunze; Zürich/CH, Dornbirn/A, Wädenswil/CH, St. Gallen/CH, Furtwangen

Ausgangslage: Die Expertengruppe, die das EU-AAL-Programm von 2008-13 evaluierte, bescheinigte zwar gute Fortschritte im Bereich der Forschung, Entwicklung und Innovation. Aber die sozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen sowie eine breite Marktdurchdringung liessen noch auf sich warten. Das fordert F+E-Konzepte sehr grundsätzlich heraus. Das „IBH-Lab AAL“ stellt sich der Herausforderung, die AAL-Technologien und die angeschlossenen Dienste (Technik-Service Kombinationen) in der Bodenseeregion einer nachhaltigen Nutzung zuzuführen. Grenzüberschreitend und im Einklang mit den länderspezifischen Versorgungssystemen und technischen Standards. Die Konfrontation mit Realbedingungen ist zentral: In drei Vertiefungs- und dem Rahmenprojekt werden die Benutzenden-, Technik-, Netzwerk- und Marktbarrieren identifiziert und Massnahmen zu deren Überwindung ausgearbeitet und getestet.

Projekt/USPs: Im Projekt wird untersucht, wie Quartiersentwicklungskonzepte und technische Assistenzsysteme wechselseitig von einer integrierten Betrachtung profitieren können. Da nachhaltige Quartiersentwicklung nur in langfristigen Prozessen entstehen kann, bieten gerade bereits stärker bürgerschaftliche mobilisierte Quartiere hier besonderes Potenzial. Explizit wird – als USP des Vertiefungsprojekts – mit Quartieren kooperiert, die bereits fortgeschrittene Quartiersprozesse durchlaufen haben.

Projektziele: Das Projekt erarbeitet auf der Basis der Pilotierung und der systematisch initierten Lernprozesse auf Basis des internationalen Vergleichs Anforderungen an AAL-Lösungen (Produkte und Dienstleistungen) spezifisch für den Einsatz im Quartierskontext. Handlungsempfehlungen sollen eine breite und länderübergreifende Übertragung der Erfahrungen auf andere Kommunen im Bodenseeraum ermöglichen. Und in den beteiligten Kommunen besonders nachhaltige technikunterstützte Quartiersentwicklung weitertreiben.

Projektangaben: Finanzierung: Interreg-Programm «Alpenrhein-Bodensee-Hochrhein»; Laufzeit: 2017-2021; Beteiligte Hochschulen des Vertiefungsprojekts: HS Furtwangen (Lead), FH Vorarlberg, FHS St.Gallen, Kalaidos FH/Careum Forschung Zürich, Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften; diverse Sozialdienst- und Technologieanbieter als F+E- und Umsetzungspartner. Das Poster stellt die ambitionierte Projektanlage, das F+E-Vorgehen des Teilprojekts und seine Einbettung ins Mantelprojekt IBH-Lab AAL dar.

 

Posterhinweis

Bitte erstellen Sie das Poster in folgendem Format:
120 cm × 90 cm (~ DIN A 0, Hochformat)

Für jedes Poster wird es vor Ort eine eigene Posterwand und an der Registrierung ausreichend Befestigungsmaterial geben. Eigenes Befestigungsmaterial ist nicht gestattet.

Geführte Postersession:
Freitag, 07.09.2018 15:45 - 17:00 Uhr

Wir bitten alle Posterautoren sich an ihrem Poster für Fragen bereit zu halten. Die Poster werden während des gesamten Kongresszeitraums ausgestellt sein.

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