Freitag, 07.09.2018
15:45 - 17:00
Zelt
Poster: Gerontologie 2 (P109-P117)

Moderation: L. Fleig, Berlin

15:45
Wie wir über Einstellungen zu Sterben, Tod und der Endlichkeit des Lebens sprechen: Eine qualitative Studie zu Erfahrungen und Voraussetzungen aus Sicht von Versorgenden
P109 

B. Groebe, J. Strupp, C. Rietz, R. Voltz; Köln, Heidelberg

Hintergrund: Für die Planung personenzentrierter Versorgung am Lebensende ist es wichtig, individuelle Wünsche und Bedürfnisse des Einzelnen zu kennen. Bewusste Dialoge über eigene Einstellungen, Ziele und Sorgen gegenüber Sterben und Tod können dieses Wissen verdeutlichen. Studien zeigten, dass Fragen zur strukturierten Gesprächsführung als Türöffner zu Gesprächen dienen können. Doch wurden Methoden zur Einstellungserfassung meist nicht für den Einsatz im Versorgungsalltag entwickelt. Unsere Studie ermittelt nun spezifische Bedingungen und Voraussetzungen für Gespräche über Sterben, Tod und die Endlichkeit des Lebens für verschiedene Versorgungskontexte am Lebensende. Anhaltspunkte für die Gestaltung von Methoden für den Versorgungsalltag wurden abgeleitet.

Methode: In vier leitfadengestützten Fokusgruppen-Interviews wurden Erfahrungen und Sichtweisen von ExpertInnen aus der Versorgung und damit potentiellen AnwenderInnen von Methoden zur Gesprächsführung erörtert. 16 Frauen und 2 Männer aus pflegerischer, psycho-sozialer und ehrenamtlicher Versorgung aus zwei Altenpflegeeinrichtungen, einer Palliativstation und einem ambulanten Hospizdienst in NRW nahmen teil. Daten wurden inhaltsanalytisch ausgewertet.

Ergebnisse: Das Zustandekommen von Gesprächen sei primär von einer angemessenen Gesprächsatmosphäre, einem Vertrauensverhältnis der GesprächspartnerInnen und einer professionellen inneren Haltung abhängig. Vor allem MitarbeiterInnen der Altenpflege berichten von Erwartungen an sie, Gespräche proaktiv zu beginnen. Manche gaben an, sich darin unsicher zu fühlen. Wichtig seien eine frühzeitige Auseinandersetzung in kontinuierlich stattfindenden Gesprächen, die Verwendung alltagsnaher Gesprächsimpulse und das Einbinden von Angehörigen. Auch das Nutzen existierender Strukturen des Alltags, wie Biografiearbeit, zum Gesprächseinstieg schien förderlich.

Diskussion: Da alle MitarbeiterInnen, unabhängig der Profession, PartnerInnen in Gesprächen über das Lebensende sein können, einige sich dieser Aufgabe jedoch nicht gewachsen sahen, bedarf es Unterstützung bei der Kommunikation. So können Methoden, als eine Art Leitfaden, Gespräche im Versorgungsalltag dann fördern, wenn sie niederschwellige Einstiege ins Thema nutzen und sich von Impulsen des Befragten leiten lassen.

15:45
Selbstgesteuertes Lernen im Alter. Wie leichte und schwierige Sprache das Lernen in fortgeschrittenen Lebensphasen beeinflusst.
P110 

I. Neudek, A. Oliva y Hausmann; Köln

Fragestellung: Die heutige Wissensgesellschaft setzt mit ihren technischen und medizinischen Fortschritten auch bei alten Menschen ein lebenslanges Lernen voraus. Um den Lernerfolg zu optimieren muss untersucht werden, wie genau Menschen in unterschiedlichen Altersphasen lernen. Es stellt sich die Frage, ob leichte und schwierige Wörter das selbstgesteuerte Lernen (SGL) beeinflussen und ob sie sich auf den erwarteten und tatsächlichen Lernerfolg auswirken.

Methodik: 33 Teilnehmer werden in drei Altersgruppen unterteilt. In Trainingseinheiten lernen die Versuchspersonen selbstgesteuert eine leichte und eine schwiege Wortkette. Dabei dürfen die Teilnehmer ihre Lernstrategie selbstständig wählen und entscheiden, wie viele Wörter sie lernen möchten. Ziel ist es, dass die gewählte Anzahl an Wörtern nach einer kurzen Pause korrekt wiedergegeben werden kann. Zusätzlich werden die Probanden nach jedem Training gebeten ihre Lernleistung zu prognostizieren.

Ergebnisse: Varianzanalystisch zeigt sich, dass die leichten Wörter zu höheren erwarteten Lernleistungen, zu kürzeren Lernzeiten sowie zu höheren Zielsetzungen und zu deutlich besseren tatsächlichen Testleistungen führt als das schwierige Sprachmaterial. Im Altersgruppenvergleich zeigen die Probanden in den drei Altersgruppen unterschiedliche Lernstrategien im SGL. In der Wiedergabeperformance ist ein Alterseffekt zu verzeichnen, der sich durch allgemein schlechtere Lernleistungen mit fortschreitendem Alter auszeichnet.

Diskussion: Die Wahl der Lernstrategien und –ziele sowie der vorhergesagte und tatsächliche Lernerfolg variieren sowohl interpersonell als auch die Altersgruppen übergreifend sehr stark. Es verdeutlicht, dass auch das Lernen bis ins hohe Alter sehr vielfältig ist und auf ganz individuelle Bilanzen von Entwicklungsgewinnen und -verlusten schließen lässt.

15:45
„Kann ich wollen, was ich will?” Disziplinäre Unterschiede in der Beurteilung der Einwilligungsfähigkeit von Menschen mit Demenz
P111 

M. Schmidt, T. Müller, J. Haberstroh; Frankfurt a. M.

Hintergrund: In der Studie „Einwilligungsfähigkeit bei Demenz - Interdisziplinäre Perspektiven“ von Haberstroh und Müller (2017) wurden ExpertInnen der Disziplinen Medizin, Ethik und Recht gebeten, die Einwilligungsfähigkeit eines Menschen mit leichter Demenz (Fallvignette) einzuschätzen. Hierbei zeigte sich, dass die Beurteilung der Einwilligungsfähigkeit abhängig vom jeweiligen disziplinären Hintergrund stark divergierte. Während EthikerInnen die Person mit Demenz fast geschlossen als einwilligungsfähig beurteilten, stimmten JuristInnen fast einstimmig für einwilligungsunfähig. Bei den MedizinerInnen zeigten sich zudem deutliche disziplininterne Unterschiede. Hieraus ergibt sich die Forschungsfrage, wie sich die Unterschiede in der Beurteilung begründen lassen.

Methode: Um die Unterschiede zu kontextualisieren, wurden den einbezogenen ExpertInnen (N = 40) offene Fragen zu ihrem Beurteilungsprozess vorgelegt. Dies wurde mittels qualitativer Inhaltsanalyse nach Mayring ausgewertet. Insgesamt konnten 38 Befragungen ausgewertet werden, die die standardisierten Antworten um die persönliche Meinung und Einstellungen ergänzten.

Ergebnisse: ExpertInnen, die die Einwilligungsfähigkeit in situ und prozessual unter Rückgriff auf personenbezogene, rechtliche Kriterien begründeten, beurteilten die Person immer als nicht einwilligungsfähig. Die überwiegende Mehrheit der JuristInnen (83%) und ca. 50% der MedizinerInnen beurteilen die Einwilligungsfähigkeit nach diesen Kriterien. ExpertInnen, die die Einwilligungsfähigkeit unter Rekursion auf interpersonale und kontextuelle Kriterien beurteilten, bewerteten die Person mehrheitlich als einwilligungsfähig. Die Mehrheit der EthikerInnen (86%) und ca. 50% der MedizinerInnen folgten dieser Logik.

Diskussion: Es wird deutlich, dass die Wahl der jeweiligen Kriterien sowie die Gewichtung der Umweltfaktoren zentral für die Beurteilung der Einwilligungsfähigkeit sind. JuristInnen und EthikerInnen stützen sich dabei auf weitestgehend einheitliche, intradisziplinär geteilte Kriterien und Gewichtungen, MedizinerInnen variieren diesbezüglich hingegen in einer dem Zufall entsprechenden Wahrscheinlichkeit (50%).

15:45
SINQ- Service-Integration und Netzwerkmanagement zur Verbesserung des sozialen Zusammenlebens geriatrischer Patienten im Quartier
P112 

I. Peil, U. Sperling, T. Obenauer, R. Wacker, D. Wiench, G. Höfle, H. Burkhardt; Mannheim, Karlsruhe

Die meisten Menschen wollen auch im Alter möglichst selbständig in ihrer gewohnten Häuslichkeit bleiben und am Leben in ihrem Stadtquartier aktiv teilnehmen. Dienstleister und Ehrenamt bieten vielfältige Unterstützung an, die Herausforderung liegt jedoch in deren richtiger Auswahl, Kombination und Organisation. Es fehlt ein System, das den Klienten ganzheitlich und dauerhaft unterstützt, anstatt isolierte Probleme zu lösen. Diese Dienstleistungslücke zu schließen ist das Ziel der digitalen Plattform SINQ. Sie vernetzt Dienstleister untereinander und mit Klienten, bindet Sensorik ein und sorgt für datenschutzkonforme Interaktion. Im multidisziplinären Projektkonsortium arbeiten unter der Leitung der CAS Software AG, das Forschungszentrum Informatik FZI, die YellowMap AG, das Institut für Technik der Betriebsführung itb, das Quartiermanagement Mannheim e.V. und das Geriatrische Zentrum Mannheim UMM sowie assoziierte Partner zusammen.

Die dreijährige Projektlaufzeit begann im März 2017. Im ersten Jahr wurden im Mannheimer Stadtquartier Neckarstadt West Klientenbedarfe analysiert und ortsansässige Dienstleister zu ihren Angeboten und Vernetzungsstrukturen befragt. Unter Berücksichtigung dieser Daten werden gegenwärtig der Demonstrator einer Dienstleistungsplattform und die dazugehörigen Applikationen für die Nutzer entwickelt. Auf der digitalen Dienstleistungsplattform werden die Dienstleister und Akteure ihre Angebote übersichtlich darstellen. Über eine Applikation werden die älteren Menschen und ggfs. ihre Unterstützungspersonen Zugriff auf passgenaue Dienstleistungen erhalten. Durch die Auswertung der Anfragen und Bewertungen können die Dienstleister ihre Angebote zielgenau anpassen und neue Geschäftsmodelle entwickeln. Die Erprobung und Validation wird ab Herbst 2018 in der Mannheimer Neckarstadt West beginnen.

Bislang wurden auf der Basis der ermittelten Klientenbedarfe und Dienstleistungsstrukturen Szenarien für die Entwicklung der IT-Lösungen erstellt, Datenschutzerfordernisse intensiv geprüft und Vorbereitungen für Feldphase und Evaluation getroffen.

Im Projekt SINQ wird eine zukunftsweisende Form der Versorgung älterer Menschen mit bedarfsgerechten Dienstleistungen erforscht, wie sie durch den Einsatz einer innovativen digitalen Plattform ermöglicht wird.

15:45
Die Macht der Selbstseinschätzung: Zur Bedeutung der selbst-berichteten Gesundheit als Mediator für den Einfluss funktioneller Fortschritte auf das Affekterleben bei geriatrischen Patienten
P113 

S. Bordne, R.-J. Schulz, S. Zank; Köln

Hintergrund: In der geriatrischen Rehabilitation soll durch eine ganzheitliche Sichtweise die Lebensqualität (LQ) der geriatrischen Patienten gesteigert werden. Lebensqualität wird dabei jedoch häufig verkürzt auf die Verbesserung funktioneller Fähigkeiten, während Aspekte des subjektiven Wohlbefindens (SWB) wenig Beachtung finden. Ziel der vorliegenden Studie war es daher unter anderem herauszufinden, wie sich bestimmte LQ-Indikatoren während einer geriatrischen Rehabilitation verändern, welche Einflussfaktoren es für diese Indikatoren gibt und wie genau sich diese auswirken.

Methode: Es wurden insgesamt 104 Patienten bei Aufnahme und Entlassung mit Hilfe des geriatrischen Assessments (GA) gescreent und durch ein standardisiertes Interview zu biopsychosozialen Variablen sowie zu Indikatoren der Funktionalität und des SWB befragt. Die statistischen Analysen umfassten t-Tests und Cohen´s d als Effektstärkemaß für Mittelwertsvergleiche sowie auf einem Fixed-Effect Modell basierende Regressions- und Mediationsanalysen zur Vorhersage bestimmter LQ-Indikatoren.

Ergebnisse: Es zeigten sich im Verlauf der geriatrischen Rehabilitation deutliche Verbesserungen im funktionellen Bereich (z. B. Barthel-Index/ADL = + 8.4 P., Tinetti/Mobilität = + 4.4 P., p<0.001, dBI = 0.72, dTintetti = 0.85) und hinsichtlich des SWB (z. B. Positiver Affekt (1-5) = + 0.27, p<.01, Negativer Affekt (1-5) = - 0.27, p<.001, dPA = 0.33, dNA = 0.36), wenn auch mit niedrigeren Effektstärken. Kein Effekt zeigte sich hinsichtlich Lebenszufriedenheit und Lebensbewertung, welche auf einem stabilen mittleren bis hohen Niveau verblieben. Regressionsanalytisch zeigte sich, dass sich Verbesserungen im Positiven Affekt durch Verbesserungen in der selbst-berichteten Gesundheit (SRH) und in internalen Vergleichsprozessen vorhersagen ließen (korr.R2 = 15.2 %, p<0.001) und Verbesserungen im Negativen Affekt durch Verbesserungen in der SRH und den Kontrollüberzeugungen (korr.R2 = 28,1 % p<0.001). Während kein direkter Effekt funktioneller Veränderungen auf die Veränderung des Affekterlebens gefunden wurde, zeigten Mediationsanalysen, dass die SRH als Mediator fungiert und den Effekt von Verbesserungen in den ADL und der Mobilität auf das Affekterleben vermittelt.

Diskussion: In der geriatrischen Rehabilitation können hinsichtlich der LQ deutliche Fortschritte erzielt werden. Erste Ergebnisse sprechen dafür, dass psychologische Prozesse den Einfluss körperlicher Fortschritte auf das SWB vermitteln.

15:45
Bedürfnisse und Belastungen älterer und geriatrisch-onkologischer Patienten und ihrer Partner - eine qualitative Analyse teilstrukturierter Interviews
P114 

M. Dieke, A. Steckelberg, P. Michl, D. Vordermark, H. Schmidt; Halle (Saale)

Fragestellung: Eine Krebserkrankung bringt körperliche Symptome, Funktionseinschränkungen und psychosoziale Belastungen mit sich. Multimorbidität und altersbedingte Einschränkungen können diese verstärken. Von diesen Belastungen sind auch die Partnerinnen und Partner betroffen. Da in Studien ältere Krebspatientinnen und Patienten bislang noch wenig repräsentiert sind, ist nicht bekannt, inwiefern sich deren Bedürfnisse und Belastungen von denen jüngerer Menschen unterscheiden. In der vorliegenden Studie wurde untersucht, welche Belastungen und Bedürfnisse ältere Krebsbetroffene und deren Partnerinnen und Partner im Zeitraum Diagnose bis Nachsorge benennen und was sie als unterstützend erlebten.

Methode: Es wurde ein Hypothesen generierendes exploratives Vorgehen gewählt, um die subjektive Sicht der Teilnehmenden zu erkunden. Eingeschlossen wurden ältere Krebsbetroffene (>65) nach abgeschlossener Behandlung und deren Partnerinnen und Partner (Dyaden). In teilstrukturierten Interviews wurden Belastungen und Bedürfnisse während und nach der onkologischen Behandlung erfragt. Die Dyaden wurden getrennt voneinander befragt. Die Auswertung erfolgte inhaltsanalytisch nach Mayring.

Ergebnisse: Bei den 9 befragten Paaren (Männer und Frauen) waren die Betroffenen im Mittel 74 Jahre (max. 81), die Partnerinnen und Partner 73 Jahre (max. 79) alt. Tumorlokalisationen waren Prostata n=4, Gastrointestinal n=3 und Brust n=2 und andere; häufigste Komorbidität: Hypertonus n=9. Die Therapien umfassten Operationen (n=10), Strahlentherapie (n=6), Chemotherapie (n=4). Die Inhaltsanalyse der Interviews (Dauer MW 50 Min. ± 18) ergab 6 Schwerpunkte mit jeweils positiven und negativen Erfahrungen: 1.Aufklärung, Information und Einbeziehen der Partner, 2.adressatengerechte empathische Kommunikation, 3.Sektoren-übergreifende Versorgung, 4.Belastung durch Symptome und Krankheitsfolgen wie Inkontinenz, Impotenz und Fatigue, 5.Auswirkungen von Krankheit und Behandlung auf Beziehung und Sexualität, emotionale Belastung der Partnerinnen und Partner und deren Unterstützungsbedürfnisse 6.partnerschaftliche Krankheitsbewältigung.

Zusammenfassung: Die Ergebnisse weisen auf Optimierungsbedarfe hin und sollten in Folgestudien geprüft werden, um konkrete Konsequenzen für die Versorgung älterer Krebsbetroffener abzuleiten.

15:45
Eine biographische Perspektive auf Generativität bei kinderlosen Älteren
P115 

K. Alert, S. Zank, F. Oswald; Köln, Frankfurt a. M.

Bisherige Untersuchungen zeigen, dass kinderlose Ältere ein kleineres, dafür breiteres soziales Netzwerk (vgl. Albertini und Kohli 2009) und nicht signifikant weniger intergenerationale Beziehungen als ältere Eltern haben (vgl. Deindl & Brandt 2016; Schnettler & Wöhler 2015). Allerdings sorgen sie sich um ihre eigene Generativität (vgl. Schnur 2011).Vor dem Hintergrund der zunehmenden Zahl kinderlos alternder Menschen (vgl. Statistisches Bundesamt 2013) stellt sich daher die Frage nach der konkreten Ausgestaltung von Generativität als Verantwortungsübernahme und Sorgebeziehung sowie Weitergabe von Erfahrungen und Wissen von Älteren an Jüngere (Erikson, 1950). Das freiwillige oder unfreiwillige Leben ohne Kinder im höheren Alter erweist sich als äußerst vielschichtig, weshalb Kinderlosigkeit in dieser Arbeit als Abfolge biographischer Entscheidungen anstatt einer einmaligen Entscheidung verstanden wird (Konietzka & Kreyenfeld 2013). Datengrundlage des vorliegenden Beitrags sind 15 narrative Interviews mit kinderlosen, alleinlebenden älteren Frauen und Männern (Ø 70,9Jahre alt), die mit der biographischen Fallrekonstruktion (vgl. Rosenthal 2014) ausgewertet wurden. Am Beispiel von drei Fallrekonstruktionen werden drei unterschiedliche Typen ausgestalteter Generativität aufgezeigt. Beim ersten Typ werden intergenerationale Kontakte nicht aktiv gesucht und der Austausch von Wissen und Erfahrungen mit Jüngeren hat einen funktionalen Charakter. Insgesamt ist das soziale Netzwerk bei diesem Typ eher klein. Ein zweiter Typ übernimmt im mittleren oder höheren Erwachsenenalter zeitlich begrenzt Verantwortung für Kinder, wobei die Freiwilligkeit der Sorgebeziehung hervorgehoben wird. Hier sind intergenerationale Beziehungen inner- und/oder außerhalb der Familie vorhanden. Der dritte Typ übernimmt zwar zu keinem Zeitpunkt eine aktive Rolle für einen heranwachsenden Menschen, konstatiert aber eine „Lücke“ im eigenen Leben durch das Fehlen von eigenen Kindern und Enkelkindern. Die unterschiedliche Ausgestaltung von Generativität bei den drei Typen hat jeweils Auswirkungen auf die Zusammensetzung und Gestaltung weiterer sozialer Beziehungen. Die Ergebnisse werden in Bezug auf die Bedeutung von Generativität aus biographischer Perspektive kinderloser Älterer diskutiert.

15:45
Entlasten und stabilisieren - Die Wirkung Betreuter Urlaube auf ambulante Pflegesettings.
P116 

J. Heusinger, J. Bartkowski; Magdeburg, Berlin

Häusliche Pflegearrangements von Menschen, die an Demenz erkrankt sind, gehen für Pflegende und Gepflegte mit vielfältigen Belastungen einher, die schließlich die häusliche Versorgung gefährden können. In einem Kooperationsprojekt mit der Alzheimer Gesellschaft Brandenburg e. V. und der Alzheimer Gesellschaft Hamburg e. V. unter Leitung des Instituts für Gerontologische Forschung e. V. (ESPRIT, gefördert vom BMG April 2016 – März 2018) wurde daher untersucht, ob und welche entlastenden Wirkungen Betreute Urlaube für pflegebedürftige Menschen und ihre Pflegepersonen (sog. Tandems) entfalten. Dazu wurden sieben von den kooperierenden Alzheimer Gesellschaften organisierte und durchgeführte Urlaube evaluiert. Beide Alzheimer Gesellschaften verfolgten bei der Durchführung der Urlaube ein eigenes Konzept, jeweils mit verschiedenen (Präventions-) Angeboten für alle (Sport, Entspannung, Information, Spaß usw.) sowie unterschiedlichen Betreuungsangeboten für die Pflegebedürftigen. In einem Mixed-Methods-Design wurden die Wirkungen der Urlaube sowie der Aufwand für die Durchführung empirisch abgebildet: - Während der Urlaube wurden teilnehmende Beobachtungen, Interviews mit Betroffenen und Gruppendiskussionen mit Angehörigen durchgeführt. - Mittels Fragebogenerhebungen zu vier Zeitpunkten über zwölf Monate wurden quantitativ Daten zur Wirkung der Urlaube und zur Entwicklung der Pflegearrangements erfasst. - Der Arbeitsaufwand auf Seiten der Urlaubsanbieter wurde computergestützt dokumentiert und ausgewertet. Den Ergebnissen zufolge erleben die Teilnehmenden die Urlaube ganz überwiegend als entspannend und erholsam. Beide Konzepte verbessern die Kompetenzen der Pflegenden zur Bewältigung des Pflegealltags, wenngleich auf unterschiedliche Weise. Mehr individuell gestaltete Beratung bei einer Bezugsbetreuung förderte den Informations- und Kompetenzerwerb der pflegenden Angehörigen ebenso wie der mehr den Effekten von Selbsthilfe entsprechende Peer-to-peer-Austausch mit anderen Betroffenen. In der Folge nahm die Nutzung entlastender professioneller Angebote zu. Erholung, Kompetenzzuwachs und Anpassungen im Care-Mix tragen zur Entlastung und somit zur Stabilisierung der ambulanten Pflegesettings bei. Eine Förderung der Urlaubsanbieter bei der bislang nicht refinanzierten Organisation erscheint daher gerechtfertigt. Im Poster werden die Urlaubskonzepte einander gegenübergestellt, Stärken und Schwächen identifiziert und Qualitätskriterien für Betreute Urlaube abgeleitet.

15:45
Entwicklung der sozialen Beziehungen im Krankheitsverlauf von älteren Menschen, die an Krebs erkrankt sind. - Eine retrospektive, qualitative Untersuchung mit teilstrukturierten Interviews und Familienbrettaufstellungen
P117 

S. Roggendorf, S. Weise, O. Arránz Becker, P. Michl, D. Vordermark, A. Steckelberg, H. Schmidt; Halle (Saale)

Hintergrund und Fragestellung: In der geriatrischen Onkologie gelten schwache soziale Bindungen oder fehlende soziale Unterstützung als Risikofaktoren für eine Krebsbehandlung. In der aktuellen Literatur finden sich Nachweise zu Zusammenhängen von sozialen Beziehungen mit Mortalität und Morbidität und zu Auswirkungen einer schweren Erkrankung auf die sozialen Beziehungen, jedoch wenig zur Entwicklung sozialer Beziehungen im Krankheitsverlauf insbesondere älterer Krebsbetroffener. Daher ist Ziel dieser Studie, die Entwicklung des familiären und sozialen Beziehungsgefüges im Krankheitsverlauf zu explorieren, um Hypothesen als Basis für quantitative Folgestudien zu generieren.

Methode: Es wurde ein retrospektiver Ansatz mit einer Kombination qualitativer verbaler (Einzelinterviews) und non-verbaler Methoden (Familienbrettaufstellungen) gewählt Eingeschlossen werden 10 Personen, die ≥ 65 Jahre alt und an Krebs erkrankt sind, deren Akutbehandlung seit mindestens 6 Monaten abgeschlossenen ist. Diese werden mittels Leitfaden-Interview zu ihren sozialen Beziehungen befragt und gebeten, retrospektiv die Entwicklung ihrer sozialen Beziehungen im Krankheitsverlauf mit dem Familienbrett darzustellen. Die Interviews werden audio aufgezeichnet und transkribiert. Die qualitativ inhaltsanalytische Auswertung erfolgt  nach Mayring.

Ergebnisse: Aktuell wurden 5 Interviews (4 Frauen, 1 Mann, Alter 68 - 83 Jahre; Diagnosen: Prostata-, Magen-, Lymphdrüsenkrebs und Hirntumor) durchgeführt und vorläufig ausgewertet. Die Rekrutierung soll bis Ende Mai abgeschlossen sein. Alle bisherigen Aufstellungen zeigten Veränderungen. Beispielsweise gewann nach der Diagnose die engere Familie an Bedeutung im Vergleich zu anderen Kontakten, die sich entfernten. Die dabei entstandene Nähe blieb in der Folgezeit erhalten. Trotz erlebtem Rückzug wurde die Bedeutung außerfamiliärer Beziehungen zum Ausdruck gebracht.

Fazit: Vorläufige Ergebnisse zeigen deutliche Veränderungen des sozialen Gefüges der Betroffenen. Die Familie spielt eine entscheidende Rolle besonders in der Akutphase. Dennoch wurde der Wert eines sozialen Netzes, das über die Familie hinausgehen sollte, betont.

 

Posterhinweis

Bitte erstellen Sie das Poster in folgendem Format:
120 cm × 90 cm (~ DIN A 0, Hochformat)

Für jedes Poster wird es vor Ort eine eigene Posterwand und an der Registrierung ausreichend Befestigungsmaterial geben. Eigenes Befestigungsmaterial ist nicht gestattet.

Geführte Postersession:
Freitag, 07.09.2018 15:45 - 17:00 Uhr

Wir bitten alle Posterautoren sich an ihrem Poster für Fragen bereit zu halten. Die Poster werden während des gesamten Kongresszeitraums ausgestellt sein.

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