Freitag, 07.09.2018
15:45 - 17:00
Zelt
Poster: Gerontologie 1 (P099-P108)

Moderation: L. M. Warner, Berlin

15:45
Veränderung der Motivation/Intention körperlich aktiv zu sein durch Fitness-Testung und Bewegungsberatung
P099 

I. Teckenburg, A. Ilg, C. Rott; Heidelberg

Hintergrund: Es ist unbestritten, dass Bewegung und Sport nicht nur Krankheiten verhindern, sondern auch die körperlichen Funktionen und damit die Selbstständigkeit im Alter fördern. Dennoch ist die Mehrheit der älteren Bevölkerung nicht regelmäßig körperlich aktiv. Es ist zu vermuten, dass hierbei die Motivation bzw. Intention für entsprechendes Handeln zu gering ist. Die vorliegende Studie erforscht daher die Motivation / Intention zur körperlichen Aktivität älterer Menschen und deren Einflussfaktoren, sowie insbesondere die Möglichkeit, diese Motivation durch eine kurzfristige Intervention, bei der die Teilnehmer ihre körperliche Fitness erleben und bezüglich Bewegung beraten werden, zu steigern.

Methoden: Über öffentliche Veranstaltungen und Anzeigen in einer regionalen Zeitung konnten 101 ältere Menschen (MAlter = 71,9 ± 6,8 Jahre, 56% Frauen) für die Studie gewonnen werden. Neben allgemeinen Angaben zur Person beantworteten die Teilnehmer auch Fragen des BIPA (Behavioral Intentions for Physical Acitivity Questionnaire, Ziegelmann et al., 2006) zur Erfassung der Motivation für körperliche Aktivität. Weiter wurden Gesundheit und der Umfang körperlicher Aktivität in letzter Zeit erfasst. Anschließend erfolgte eine 30-minütige individuelle Intervention in Form des Alltags-Fitness-Tests (deutsche Version des Senior Fitness Tests von Rikli & Jones, 2013) und einer Bewegungsberatung. Am Ende wurden erneut die Fragen des BIPA beantwortet.

Ergebnisse: Zu Beginn der Sitzungen hatten die Teilnehmer bereits eine hohe Motivation körperlich aktiv zu sein (M = 2,93 auf einer Skala von 0-4; SD = 1,00). Frauen wiesen tendenziell ein niedrigeres Motivationsniveau als Männer auf. Das Ausgangsniveau war unabhängig von Bildung und Gesundheit, hing aber deutlich mit der körperlichen Aktivität zusammen (r = .53, p < .01). Varianzanalysen mit Messwiederholung belegten eine signifikante Steigerung der Motivation auf M = 3,16; SD = 0,82 durch die Intervention (p < .001; ηp2 = .14). Die Zunahme der Motivation war unabhängig von Bildung und Gesundheit, fiel bei Frauen aber tendenziell höher aus als bei Männern (p = .07) und signifikant höher bei weniger Aktiven (p < .05).

Schlussfolgerung: Das Erleben der eigenen körperlichen Fähigkeiten und eine dem Fitness-Niveau entsprechende Beratung können ältere Menschen zu einem aktiveren Alltag und zu mehr Sport motivieren. Körperlich weniger Aktive scheinen stärker davon zu profitieren.

15:45
Das Projekt PSY-CARE: Kurzzeitpsychotherapie bei zuhause lebenden Pflegebedürftigen mit Depression.
P100 

A.-K. Beyer, P. Gellert, C. Tegeler, C. Vathke, J. Nordheim, A. Kuhlmey, E.-M. Kessler; Nürnberg, Berlin

Fragestellung: Pflegebedürftige Menschen stellen deutschlandweit eine bedeutsame und stark wachsende Patientengruppe dar, bei der Depression ein häufiges und kosten- sowie folgekostenintensives Gesundheitsproblem darstellt. Die Versorgungsrealität für diese Patientengruppe, gemessen an ihrem hohen, komplexen, sektorenübergreifenden Hilfebedarf, fällt derzeit aber noch stark defizitär aus. Die Ziele des Projektes PSY-CARE sind daher die Überprüfung der Implementierbarkeit sowie der Wirksamkeit ambulanter Kurzzeitpsychotherapie bei zuhause lebenden Personen ab 60 Jahren mit Pflegegrad und Depression in Berlin und angrenzende Regionen in Brandenburg.

Methodik: In einem kontrolliert-randomisierten Studiendesign wird die Praktikabilität, Akzeptanz und Wirkung einer regulären, leitliniengemäßen Versorgungsleistung bei Depression im Pflegesetting untersucht. Patienten der Interventionsgruppe (geplante Stichprobengröße n = 110) erhalten Richtlinien-Kurzzeitpsychotherapie, Patienten in der Kontrollgruppe (n = 110) ein alternatives psychosoziales Angebot, bestehend aus Schulungen und Selbsthilfeliteratur. Die Kurzzeitpsychotherapie wird von gerontologisch qualifizierten Psychologischen Psychotherapeuten durchgeführt.

Erwartete Ergebnisse: Die Evaluation des Projektes erfolgt quantitativ (auf Basis von Patientendaten) und qualitativ (aus Basis von Behandlerdaten und Kasuistiken). Zentrales Outcome ist die nachhaltige Reduktion von Depressivität, aber ebenso die Reduktion allgemeiner psychischer Belastung bei Patienten und deren Angehörigen, Erhalt der ADL und Lebenszufriedenheit sowie längerfristig die Verhinderung bzw. Verzögerung von Heimeinweisungen. Die Erfassung der Outcomes findet unmittelbar nach Ende der Intervention, sowie nach 3 und 12 Monaten statt.  

Zusammenfassung: Das Projekt PSY-CARE gibt Aufschluss über die Potentiale und Grenzen einer bedarfsangemessenen Versorgung älterer Pflegebedürftiger mit Depression im Rahmen der regulären Gesundheitsversorgung.

15:45
Technische Assistenzsysteme zur Vereinbarkeit von häuslicher Pflege und Erwerbsarbeit
P101 

K. Knauthe, B. Pottharst, D. Schwertfeger, A. Hoff; Görlitz

Eine der größten Herausforderungen für die deutsche Gesellschaft in den kommenden Jahrzehnten besteht darin, in einer zunehmend alternden und in ihrem Bestand schrumpfenden Bevölkerung Arbeitnehmer*innen mit Pflegeverantwortung weiterhin die Erwerbstätigkeit zu ermöglichen. Die deutsche Wirtschaft kann es sich ebenso wenig leisten, auf eine sinkende Zahl von Arbeitskräften zur Generierung ökonomischen Wohlstands zu verzichten, wie die deutsche Gesellschaft auf pflegende Angehörige verzichten kann, um die wachsende Zahl von Pflegebedürftigen zu betreuen. Technische Assistenzsysteme können einen Beitrag dazu leisten, dass dies in Zukunft besser gelingt als in der Vergangenheit. Aufgrund des exponentiell wachsenden Angebots solcher Technologien zum Einsatz in der häuslichen Pflege fällt es jedoch schwer technische Hilfsmittel zu identifizieren, die speziell der verbesserten Vereinbarung von Pflege und Beruf dienen. An dieser Wissenslücke setzt eine im Jahr 2017 im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) erstellte Expertise einer Forschungsgruppe der Hochschule Zittau/Görlitz an. Ausgehend von der Aufbereitung des aktuellen Forschungsstands zur Vereinbarkeitsproblematik einerseits und dem Einsatz technischer Assistenzsysteme in der häuslichen Pflege andererseits wird eine Klassifikation zur Eingruppierung von technischen Hilfen vorgeschlagen. Darauf basierend wird exemplarisch eine Reihe von technischen Assistenzsystemen präsentiert, welche die Situation pflegender Angehöriger erleichtern können. Das Poster fasst die wesentlichen Inhalte der Arbeit zusammen.

15:45
Alter und Internetnutzung. Eine Trendanaylse
P102 

D. Reinwand, M. Candel, R. Crutzen; Köln, Maastricht/NL

Hintergrund: Unterschiedliche Internetnutzung birgt das Risiko, dass Nichtnutzern wichtige Informationen und Vorteile des Internets unzugänglich bleiben. Inzwischen nutzt zwar die überwiegende Mehrheit der Menschen, das Internet jedoch für unterschiedliche Zwecke. Das Ziel dieser Studie ist es durch eine Trendanalyse die Nutzung unterschiedlicher Onlineaktivitäten und über deren Dauer eine Prognose über ein Schließen oder Weiten der digitalen Kluft unterschiedlicher Altersgruppen vorhersagen zu können.

Methode: Längsschnittliche Daten von sechs Erhebungszeitpunkten (2009-2014, N=20.763) eines Online-Panels wurden mittels generalisierten linaren/ logistischen gemischten Modellen (GLMM) ausgewertet. Im ersten Schritt wurden Trends im Zeitverlauf von sieben Onlineaktivitäten (Informationen suchen, Nachrichten lesen, Bloks / Foren nutzen, E-Mails schreiben, soziale Netzwerke nutzen, Filme sehen, online spielen) bezüglich Nutzung und Dauer analysiert. Anschließend wurden Veränderungen in vier Altersgruppen (<29, 30-44, 45-65, >65 Jahr) in Bezug auf das Internetverhalten analysiert.

Ergebnisse: Allgemein festzustellen ist, dass, je jünger die Teilnehmer sind, desto häufiger und desto länger sind sie online. Betrachtet man die Aktivitäten einzeln, sind signifikante Unterschiede festzustellen. Beispielsweise nimmt die Häufigkeit des online Nachrichtenlesens in den Altersgruppen <29, 30-44 und 45-65 Jahre im zeitlichen Verlauf gleich stark zu, mit Ausnahme der über 65-jähringen. In der ältesten Gruppe ist die Zunahme an Menschen die online Nachrichten lesen weniger stark im Zeitverlauf. Jedoch fällt auf, dass über 65-jährige, die online sind, genauso viel Zeit für diese Aktivität aufwenden, wie die jüngeren Altersgruppen. Die Zeit, die für diese Aktivität verbracht wird, steigt in allen Altersgruppen gleich stark an.

Fazit: Internetnutzung steigt allgemein in allen Altersgruppen im Laufe der vergangenen Jahre an. Informationen suchen und Emails schreiben sind die beliebtesten online Aktivitäten bei allen Altersgruppen. Ältere Menschen, die online sind, unterscheiden sich kaum in Bezug auf die Dauer der genutzten online Aktivitäten im Vergleich zu jüngeren Altersgruppen. Dennoch wird sich die digitale Kluft zwischen jungen und älteren Menschen zukünftig kaum verändern.

15:45
Plastizität sozialer Netzwerke von älteren Menschen mit Krebs - ein Scoping Review
P103 

S. Roggendorf, H. Schmidt, D. Vordermark, A. Steckelberg, O. Arránz Becker; Halle (Saale)

Fragestellung: Krebserkrankungen belasten die Betroffenen und deren soziales Umfeld. Menschen mit vorbestehenden altersbedingten Einschränkungen sind oft stärker von krankheits- und therapiebedingten Folgeerscheinungen betroffen, die Alltagsfunktionalität und Teilhabe gefährden. Studien mit jüngeren KrebspatienInnen zeigen die Bedeutung sozialer Netzwerke und sozialer Unterstützung z.B. für Krankheitsbewältigung und Lebensqualität und den Wandel sozialer Beziehungen im Krankheitsverlauf. Um gezielte Unterstützungsangebote zu entwickeln, sind Erkenntnisse zu Funktion und Entwicklung sozialer Netzwerke älterer Krebspatientinnen und Patienten und zu möglichen Einflussfaktoren notwendig. Im Rahmen eines Scoping review soll diesbezüglich ein Überblick qualitativer und quantitativer Forschungsergebnisse erstellt werden. Methode: Die systematische Literatursuche erfolgte mittels Suchbegriffen zu „older people“, „cancer“ und „social network (support)“ in MEDLINE, CINAHL, PubPsych, Web of Science und der Cochrane Library ohne zeitliche Eingrenzung und Beschränkung der Studientypen. Eingeschlossen wurden Publikationen in Englisch oder Deutsch, die soziale Beziehungen oder soziale Unterstützung von Krebsbetroffenen Alter Ø ≥ 60 Jahre untersuchten. Das Durchschnittsalter wurde nach Sichtung der Titel und Abstracts auf ≥ 65 Jahre erhöht, um spezifischere Ergebnisse für die Zielgruppe zu bekommen.  Ergebnisse: Die 9820 Treffer wurden nach Titel und Abstracts gesichtet. Volltextanalyse erfolgte bei 3005 Publikationen. Für das Alter ≥ 65 Jahre wurden 228 Publikationen eingeschlossen, die inhaltlich drei Hauptthemenbereichen zugeordnet wurden: Soziale Netzwerke und soziale Unterstützung älterer Krebsbetroffener und 1. Mortalität, 2. Lebensqualität einschl. Sexualität, 3. Coping einschl. dyadisches Coping. Während potentielle Zusammenhänge von sozialen Beziehungen mit den entsprechenden Zielgrößen für Brust- und Prostatakrebs am häufigsten untersucht wurden, waren Entwicklung und Plastizität sozialer Netzwerke und Faktoren, die diese Entwicklung beeinflussen, nur in einem kleinen Teil der methodisch sehr heterogenen Studien Forschungsgegenstand. Zusammenfassung: Erste Ergebnisse zeigen die Bedeutung und Funktion sozialer Netzwerke aber auch methodischen und inhaltlichen Forschungsbedarf zu deren Entwicklung.

15:45
‚Kartenspielen als Ritual‘ - Die Bedeutung von Ritualen am Beispiel einer selbstorganisierten Freizeitaktivität älterer Spätaussiedlerinnen
P104 

N. Schulz; Köln

Im Zuge des demografischen Wandels und der Zunahme älter werdenden Menschen mit Migrationshintergrund wird seitens der Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft gleichermaßen diskutiert, wie sich das Leben dieser Menschen im Alter gestaltet. Insbesondere wenn der Lebensverlauf durch spezifische Bedingungen, wie Fremdheitsgefühl, kulturelle Unterschiede oder sozial benachteiligte Wohnlage beeinflusst wird, sind Fragen nach Prozessen und Anforderungen eines ‚gelingenden‘ Altern von hoher Relevanz.

In diesem Beitrag geht es darum, wie das Kartenspielen von älteren Frauen aus der ehemaligen Sowjetunion genutzt und sozial organisiert werden, um ihr alltägliches Wohlbefinden zu fördern und zu erhalten. In Anlehnung an die lebensweltanalytische Ethnographie nach Honer und Hitzler (2016) habe ich über ein Jahr lang mit einer Gruppe von acht Frauen im Alter zwischen 77 und 88 Jahren in einer ehemaligen Gaststätte das Kartenspiel „Elfer raus“ mitgespielt. Dabei nahm ich beobachtend an den ‚sozialen Praktiken‘ (Reckwitz 2003) teil und erlangte auf diese Weise Einblicke in ihre Wissensordnung und damit ihr Welterleben. Denn die Art und Weise, wie das Kartenspiel innerhalb der Gruppe praktiziert wird, spiegelt zugleich die Regeln und Ordnungen ihrer Sinnwelt wider, um in ihr  handlungsfähig zu sein.

Anhand von Beobachtungsprotokollen, die mittels der Grounded Theory codiert und analysiert wurden, wird aufgezeigt, wie dieser Treffpunkt sozial organisiert und ritualisiert wird. So fungiert das Kartenspiel als ein immer wiederkehrendes Ritual, welches durch Kooperations- und Solidaritätsverhältnisse geprägt ist. Indem immer wieder die gleichen gewinnen und verlieren, werden vorhersehbare und verlässliche Strukturen geschaffen, die sowohl Routine als auch sozialen Halt bieten. Zudem ist das verbindende Element dieser Spielerinnen die gemeinsame Migrationsgeschichte, welche als kollektiver Rahmen zu verstehen ist, indem sie sich verorten und ihre soziale Identität und Traditionen ausleben Entsprechend wird durch das Kartenspielen eine Form von ‚Sicherheit‘ geschaffen, die den alltäglichen Unsicherheiten außerhalb der Spielgemeinschaft entgegnen soll. Insofern organisieren und stellen die älteren Frauen Wohlbefinden im alltäglichen Leben her.

15:45
Lebenslagen hochalter Menschen in Haan: Methodische Aspekte und empirische Befunde
P105 

M. Kühnel, F. Luschei, E. Olbermann; Dortmund

Der zunehmende Anteil von Personen, die ein hohes oder sogar sehr hohes Alter erreichen, rückt die Bedarfe dieser am schnellsten wachsenden Personengruppe stärker in den Fokus kommunaler Planungs- und Gestaltungsprozesse. Um die Lebenslagen von hochalten Menschen in den Kommunen erfassen zu können, muss (1.) die Bereitschaft in Kommunen vorhanden sein, sich des Themas Hochaltrigkeit anzunehmen, und es müssen (2.) angemessene methodische Vorgehensweisen und entsprechende Erhebungsinstrumente entwickelt werden, um diese Bevölkerungsgruppe adäquat erfassen und erreichen zu können.

Die Stadt Haan (Kreis Mettmann, NRW) hat auf diese Herausforderung reagiert und auf Initiative des Seniorenbeirates eine Befragung der in Privathaushalten und Seniorenheimen lebenden Einwohner*innen im Alter von 80 Jahren und älter durchgeführt (Vollerhebung). Das Institut für Gerontologie an der TU Dortmund hat die Konzeption, Durchführung und Auswertung der Befragung wissenschaftlich begleitet. Ziel der Befragung war es, fundierte Informationen über die Bedarfe und Potenziale der 80-jährigen und älteren Bevölkerung in Haan zu gewinnen sowie Handlungsempfehlungen zur Förderung der Lebensqualität und des Verbleibs in der eigenen Häuslichkeit im hohen Alter abzuleiten. Hierzu wurde ein standardisierter Fragebogen mit 35 Fragen entwickelt. Dieser umfasste unter anderem die Themen Wohnen und örtliche Nahversorgung, Freizeitgestaltung, Mobilität sowie Gesundheit und Pflege.

Die Forschungsergebnisse und der hohe Rücklauf von über 42 Prozent zeigen, dass die Zielgruppe mit dem Befragungsinstrument sehr gut erreicht werden konnte und dass ein hohes Interesse seitens der Zielgruppe bestand, sich zu ihren Lebenslagen zu äußern. Für die Kommune sind die so gewonnenen Informationen eine wichtige Grundlage, um die Bedarfe von hochalten Menschen zielgerichteter zu adressieren.

Anhand des Posters werden die methodische Vorgehensweise, ausgewählte Ergebnisse und Schlussfolgerungen für zukünftige Befragungen von hochalten Personen auf der kommunalen Ebene vorgestellt.

15:45
Nachbarschaftlichkeit im Alter - tägliche Nachbarschaftskontakte und -bewegungen
P106 

A. Seifert; Zürich/CH

Altern findet in einem räumlich-sozialen Kontext statt. Für die Bewältigung des Alltags im Alter können soziale Nachbarschaftsbeziehungen und das unmittelbare Wohnumfeld als Ressourcen verstanden werden. Die Forschung zeigt hierbei auf, dass eine gute Nachbarschaft gerade im Alter eine wichtige Ressource ist und zum Wohlbefinden beiträgt. Jedoch fehlt es an Studien, welche die sozialen und räumlichen Dimensionen der Nachbarschaft im Alltag älterer Menschen mikrolängsschnittlich untersuchen.

Die vorliegende Studie untersuchte mit einem Ambulatory-Assessment-Ansatz die tagtäglichen Kontakte zu Nachbarn, die Nutzung der räumlichen Nachbarschaft sowie deren Zusammenhang mit der täglichen Stimmung und subjektiven Wahrnehmung der eigenen Lebensqualität. Es wurden 78 Personen ab 60 Jahren (Ø-Alter: 73 Jahre) in drei Quartieren der Stadt Zürich für die Dauer von 20 Tagen untersucht, und die Probanden konnten mittels einer App auf dem Smartphone dreimal am Tag Fragen zu ihrer Nachbarschaft, ihrer Stimmung und ihrem Wohlbefinden beantworten.

Die ersten Ergebnisse zeigen, dass nur bei etwa 20% der Probanden Nachbarschaftskontakte während der Feldphase stattgefunden haben. Der durchschnittliche Kontakt zu den Nachbarn dauerte 22 Minuten; hierbei wurden nur Kontakte, die über eine Minute dauerten, berücksichtigt. 30% der Probanden gaben nachbarschaftliche Hilfen und 19% erhielten nachbarschaftliche Hilfen in der Beobachtungsphase. Zwischen dem Wohlbefinden und den als positiv wahrgenommenen Nachbarschaftskontakten besteht ein schwacher, aber positiver und signifikanter Zusammenhang. Etwa 2/3 der Befragten halten sich länger in ihrer Nachbarschaft auf, sind dabei vorwiegend zu Fuß unterwegs und nutzen diverse Anlaufstellen der Nachbarschaft.

Die vorläufigen Ergebnisse zeigen einen relativ geringen Kontakt mit Nachbarn im Alltag. Dennoch kann auch festgestellt werden, dass die Nachbarschaft aufgesucht wird und sich – im subjektiven Wahrnehmen – positiv auf die Alltagsbewältigung auswirkt. Es zeigen sich aber auch Barrieren der Nachbarschaftskontakte und gegenseitigen Nachbarschaftshilfe. Zukünftige Studien sollten diese Barrieren näher untersuchen und Empfehlungen zum Aufbau von nachbarschaftlichen Interaktionen formulieren.

15:45
Erlebte Barrieren und Ressourcen bei der Alltagsbewältigung mit einer Sehbehinderung im Alter
P107 

A. Seifert, J. Köberlein-Neu; Zürich/CH, Wuppertal

Mit der Zunahme des Anteils älterer Menschen in der Bevölkerung steigt auch die Zahl jener Personen, die im Alter neu mit einer Sehbeeinträchtigung konfrontiert sind. Die damit verbundenen Krankheitsbilder werden in den nächsten Jahren sowohl medizinisch als auch gesellschaftlich an Bedeutung gewinnen. Aber wie bewältigen ältere Menschen mit einer Sehbehinderung ihr Alltagsleben, welche Einschränkungen erleben sie und welche Ressourcen setzen sie ein?

Grundlage der Analysen sind zwei Studien, einmal aus Deutschland (DE) (N = 683, Alter: 18-96) und einmal aus der Schweiz (CH) (N = 1.299, Alter 70-98). Innerhalb der deutschen Studie wurden ausschließlich Personen mit einer wesentlichen oder hochgradigen Sehbehinderung sowie Blindheit eingeschlossen, in der Schweizer COVIAGE Studie konnten sowohl Personen mit einer Sehbehinderung als auch Personen ohne eine Sehbehinderung zu ihrer Lebenssituation und den eingesetzten Ressourcen befragt werden.

Die deutsche Studie identifizierte 219 Personen, welche der Alterspopulation der Schweizer Studie entsprechen. Hiervon gaben 109 Teilnehmer (49,8%) an, erst im Alter von einer Sehbehinderung oder Blindheit betroffen zu sein. Für die Schweiz konnten von den 1299 Personen 110 Personen (8.5%) als im Alter sehbehindert identifiziert werden. Mehr als 17% (DE) bzw. 35 % (CH) der betroffenen Personen gaben auch eine zusätzliche Hörbeeinträchtigung an. Es zeigte sich, dass die Seheinbußen direkten oder indirekten Einfluss auf das psychische Wohlbefinden und die Alltagsbewältigung haben und auch Umweltfaktoren wie soziale Kontakte oder das Zu-Hause-Wohnenbleiben beeinflussen. Es wurde zudem deutlich, dass Personen, welche sich proaktiv und frühzeitig mit den Beeinträchtigungen auseinandersetzen und informelle sowie formelle Unterstützungsangebote und Hilfsmittel annehmen, ihren Alltag besser bewältigen können.

Die Ergebnisse zeigen, dass der Alltag mit einer Sinnesbeeinträchtigung mit tagtäglichen Einschränkungen und Neubewertungen der eigenen Lebensqualität verbunden ist. Durch die Nutzung persönlicher, sozialer, medizinischer und technischer Ressourcen können Betroffene allerdings auch trotz einer Sehbeeinträchtigung ein selbstbestimmtes und gutes Leben im Alter führen.

15:45
Herausforderungen und Ansätze im Gesundheitstourismus für Menschen im mittleren und höheren Lebensalter
P108 

S. Krümberg, L. Naegele, F. Frerichs; Vechta

Fragestellung: Durch den demographischen Wandel erfährt die Bundesrepublik Deutschland eine zunehmende Alterung der Bevölkerung, die viele Herausforderungen mit sich bringt. Ein bedeutender Aspekt ist die individuelle und kollektive Gesundheit und damit ein steigender Anteil von Gesundheitsdienstleistungen. In diesem Forschungsbeitrag wird das Segment "Gesundheitstourismus" näher betrachtet, wobei insbesondere die Frage nach den Herausforderungen und Potentialen des Gesundheitstourismus für Menschen im mittleren und höheren Erwachsenenalter thematisiert wird.

Methoden: Basierend auf einer Literaturanalyse von existierenden Angebots- und Nachfragestrukturen wurden zunächst die Motive hinter und die Relevanz von gesundheitstouristischen Angeboten für Touristen im mittleren und höheren Lebensalter herausgearbeitet. Ausgehend von einer Intensivfallstudie, durchgeführt in einer gesundheitstouristischen Einrichtung in Norddeutschland, wurden in einem zweiten Schritt die zielgruppenspezifische Aspekte tiefergehend analysiert und mit dem bestehenden Angebot der untersuchten gesundheitstouristischen Einrichtung abgeglichen. 

Ergebnisse: Die heterogenen Bedarfe zu unterschiedlichen Aspekten (z.B. Tourismusdestination und Serviceangebot) der hier untersuchten Zielgruppe stellen schon heute große Herausforderungen an die Anbieter, die sich in Zukunft zudem noch verschärfen dürften. Trotz festgestellter Defizite weist das hier ausgewählte Praxisbeispiel bereits gute Ansätze eines bedarfsgerechten gesundheitstouristischen Angebots für die analysierte Zielgruppe auf. Auch lässt sich festhalten, dass Angebote zum Gesundheitstourismus bereits in vielfältiger Reiseform vorliegen. Anbieter, die sich im Sinne des innovativen Gesundheitstourismus zukünftig entwickeln wollen, werden große Chancen am Markt eingeräumt, wenn Aspekte wie Spezialisierung, Verbindung von Urlaub und gesundheitlichen Anwendungen, Nachhaltigkeit und weitere Faktoren berücksichtig werden.

 

Posterhinweis

Bitte erstellen Sie das Poster in folgendem Format:
120 cm × 90 cm (~ DIN A 0, Hochformat)

Für jedes Poster wird es vor Ort eine eigene Posterwand und an der Registrierung ausreichend Befestigungsmaterial geben. Eigenes Befestigungsmaterial ist nicht gestattet.

Geführte Postersession:
Freitag, 07.09.2018 15:45 - 17:00 Uhr

Wir bitten alle Posterautoren sich an ihrem Poster für Fragen bereit zu halten. Die Poster werden während des gesamten Kongresszeitraums ausgestellt sein.

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