Freitag, 07.09.2018
15:45 - 17:00
Zelt
Poster: Geriatrie 8 (P089-P098)

Moderation: R. Püllen, Frankfurt a. M.; A. Kwetkat, Jena

15:45
HIOPP-3: Interprofessionelle Intervention zur Optimierung der Patientensicherheit bei Polypharmazie
P089 

R. Stolz, H. Haumann, H. Leibfritz, S. Joos, I.-M. Doyle, C. Kirsch, P. A. Thürmann, S. Bernard, A. Altiner, A. Wollny, S. Wilm, A. Fuchs, S. Kortekamp, B. Wiese, N. Schneider, J. Bleidorn, U. Junius-Walker, O. Krause; Tübingen, Hannover, Wuppertal, Rostock, Düsseldorf, Osnabrück

Hintergrund: Polypharmazie wird häufig als die Einnahme von mindestens fünf Dauermedikamenten definiert und findet sich häufiger bei Heimbewohnern als bei ambulant lebenden älteren Menschen. Zusätzlich ist bei Heimbewohnern eine sog. potenziell inadäquate Medikation (PIM) häufig verbreitet und mit einem erhöhten Risiko für Hospitalisierung assoziiert. Faktoren, die PIM in Heimen begünstigen, sind z.B. die verbreitete Gabe von Neuroleptika und unzureichend verzahnte Prozesse an der Schnittstelle der am Arzneimittelmanagement beteiligten Professionen (u.a. Ärzte, Pflegepersonal, heimversorgende Apotheker).  

Zielsetzung: Durch eine multimodale interprofessionelle Intervention sollen folgende Ziele erreicht werden:

1. Eine verbesserte und effizientere Arzneimitteltherapiesicherheit durch Reduzierung der Rate an Heimbewohnern mit potentiell inadäquater Medikation (PIM) und/oder Neuroleptika.

2. Eine nachhaltige Optimierung des Medikationsprozesses bei Pflegefachkräften, heimversorgenden Apothekern und Hausärzten durch Sensibilisierung für Polypharmazie und durch Etablierung interprofessioneller Kommunikationsstrukturen.

Primäres Zielkriterium ist die Rate der Heimbewohner mit PIM und/oder zwei Neuroleptika. Sekundäre Zielkriterien sind die Anzahl der Wirkstoffe, PIM, Neuroleptika, Stürze, Hospitalisierungen, Rettungsdiensteinsätze, ungeplanten Hausarztkontakte, Lebensqualität (QoL) und gesundheitsökonomische Outcomes.

Methodik: Auf Heimebene cluster-randomisierte kontrollierte Interventionsstudie (cRCT). Die multimodale, standardisierte Intervention (u.a. Medikamentenreview, Schulung) wird durch ein Change-Management-Konzept begleitet, das die Akzeptanz, Machbarkeit und nachhaltige Annahme der Intervention gewährleisten soll. Die Analyse des primären Endpunktes erfolgt mittels Multilevel-logistischer Regression. Zur Auswertung der sekundären Outcomes werden gemischte Regressionsmodelle angewandt. Der Change-Management-Prozess wird als partizipative Aktionsforschung durchgeführt und sowohl quantitativ als auch qualitativ evaluiert. Stichprobengröße: 760 Heimbewohner >65 Jahren, an vier Standorten in ca. 32 Heimen.

Ergebnisse: Es werden das Studienprotokoll, Erfahrungen mit dem komplexen Rekrutierungsverfahren sowie der partizipativen Aktionsforschung präsentiert.

Projektförderung durch den Innovationsfond, 01VSF 16017 Laufzeit: 1. Mai 2017 bis 30. April 2020

15:45
Pharmazeutische Interventionen bei interprofessionellen Visiten auf einer akutgeriatrischen Station
P090 

E. Kiesel, Y. Hopf, M. Drey; München

Hintergrund: Die Polymedikation von geriatrischen Patienten führt zu einer erhöhten Wahrscheinlichkeit von Interaktionen und Nebenwirkungen. Apotheker als Arzneimittelexperten können an dieser Stelle beratend tätig werden, um die Medikation geriatrischer Patienten zu verbessern. Diese Studie sollte herausfinden, welche arzneimittelbezogenen Probleme (ABP) Apotheker auf einer geriatrischen Station identifizieren und wie die Akzeptanz der vorgeschlagenen pharmazeutischen Interventionen (PI) durch die verantwortlichen Ärzte ist.

Methoden: Während eines sechsmonatigen Interventionszeitraums von Juni bis Dezember 2017 wurden einmal wöchentlich die ärztlichen Visiten auf der akutgeriatrischen Station des Klinikums der Universität München durch eine Apothekerin begleitet. Alle PI wurden nach der Klassifikation des Pharmaceutical Care Network Europe (PCNE V 8.01) dokumentiert und anschließend nach Art des ABP, Ursache und Lösung sowie Akzeptanz der PI ausgewertet.

Ergebnisse: Während des Interventionszeitraums wurden 211 Patienten visitiert und hierbei 204 PI bei 119 Patienten dokumentiert. Die potentiellen und manifesten ABP betrafen die Wirksamkeit der Behandlung (35%), die Sicherheit der Arzneimitteltherapie (22%) und andere Probleme (43%), wie beispielsweise unnötige Arzneimitteltherapie. Häufige Ursachen für ABP waren zu häufige Dosierungsintervalle (15%), fehlende Medikation trotz vorhandener Indikation (16%) und Arzneimittel ohne Indikation (15%). Die Vorschläge durch die Apothekerin reichten von Dosis- bzw. Dosisschemaänderungen (35%), Absetzen eines Medikamentes (29%) über Ansetzen eines neuen Medikamentes (17%) bis hin zu weiteren Maßnahmen, wie Hilfe bei der Beschaffung eines Arzneimittels über die Apotheke. Von den vorgeschlagenen PI wurden 92 % akzeptiert und 87 % auch vollständig oder teilweise umgesetzt. Dadurch konnten 85 % der ABPs komplett oder teilweise gelöst werden.

Diskussion: Durch den Einsatz einer Apothekerin auf der akutgeriatrischen Station konnten ABP identifiziert und behoben werden. Die hohe Akzeptanz der vorgeschlagenen PI unterstreicht ihre Relevanz. Die interprofessionelle Zusammenarbeit von Ärzten und Apothekern auf geriatrischen Stationen sollte zukünftig gestärkt werden, um die Arzneimitteltherapie der Patienten zu optimieren.

15:45
Antibiotic stewardship in der Akutgeriatrie
P092 

S. Langenfeld; Köln

In Zeiten von zunehmenden Resistenzen und Zunahme von Clostridium difficile assoziierten Diarrhoen ist eine differenzierte und kritische Anwendung von Antibiotika dringend geboten.

Als mögliche Ansatzpunkte zur Vermeidung von undifferenzierten Umgang mit Antibiotika ist die Bildung eines Antibiotic stewardship Teams, um zu kontrollieren, zu schulen und die Qualität der Verordnung antiinfektiver Substanzen sicherzustellen.

Hierzu finden entsprechend regelmäßig Fortbildungen statt, insbesondere für Berufseinsteiger, um eine Sensibilisierung zu erreichen.

Darüber hinaus haben wir im Frühjar 2018 eine Punkt Prävalenzstudie durchgeführt, die umfangreiche Qualitätsfaktoren der antibiotischen Therapie beurteilen konnte. Darunter fallen unter anderem: Anpassung an die Nierenfunktion, Stop orders, Materialgewinnung, Anpassung an das Antibiogramm und Therapiekontrolle nach 48 bis 72 Stunden.

Hierdurch konnte eine Auswertung der erhobenen Daten durchgeführt werden, die sich an der Punkt Prävalenzstudie des Nationalen Referenzzentrums aus dem Jaher 2016 anlehnt.

12:58
Korreliert ein niedriger Barthel-Index mit einer Ciprofloxacinresistenz bei geriatrischen Patienten mit Harnwegsinfektionen?
P093 

J. Kruppa, M. Blank, N. Scholtz, V. Aykac, U. Müller-Werdan, A.-S. Endres; Berlin

Harnwegsinfekte sind eine der häufigsten Infektionskrankheiten bei geriatrischen Patienten und Antibiotikaresistenzen spielen dabei eine zunehmend größere Rolle. Erfahrungsgemäß wird Ciprofloxacin im klinischen Alltag als häufigste kalkulierte Antibiose eingesetzt. Die vorliegende Studie untersucht, ob diese gängige Praxis auch bei geriatrischen Patienten eine geeignete Therapie darstellt. Mittels retrospektiver Analyse prüfen wir einen möglichen Zusammenhang zwischen der Höhe des Barthel-Index und einer Ciprofloxacinresistenz.

2016 hatte das Evangelische Geriatriezentrum Berlin zirka 2800 Patienten versorgt. Davon erhielten 1120 eine mikrobiologische Urinuntersuchung. Wir registrierten 641 verschiedene Patienten mit einer positiven Urinkultur. Von denen konnte bei 578 Patienten klinische und laborchemische Parameter aus Patientenakten analysiert werden. Besonderes Augenmerk wurde hierbei auch auf die Medley-Skala und den Barthel-Index gelegt.

Escherichia coli wurde von den insgesamt 733 Isolaten am häufigsten nachgewiesen (253 = 34,5%), gefolgt von Enterococcus faecalis (126 = 17,2%).

Dabei wurden 651 Keime auf Ciprofloxacinsensibilität getesteten, darunter waren 273 (41,9%) resistent, 366 (56,2%) sensibel und 12 (1,8%) intermediär sensibel.

Die Geriatrischen Assessments wurden bisher von 248 Patienten ausgewertet. Der durchschnittliche Barthel-Index betrug bei Aufnahme 35,02, bei Entlassung 46,75 Punkte. Die durchschnittliche Punktzahl der Medley-Skala betrug bei Aufnahme 16,01 und bei Entlassung 13,7.

Bisher zeigt sich eine hohe Rate an ciprofloxacinresistenten Erregern, was die gängige Praxis im Hinblick auf geriatrische Patienten in Frage stellt. Eine Analyse, ob ein niedriger Barthel-Index mit einer Ciprofloxacinresistenz korreliert, steht aktuell noch aus.

15:45
Assoziation von Harnwegsinfektionen und Harninkontinenz im Alter
P094 

N. Scholtz, M. Blank, J. Kruppa, U. Müller-Werdan, A.-S. Endres; Berlin

Sowohl Harninkontinenz als auch Harnwegsinfektionen sind häufige Erkrankungen alter Menschen.

Daher stellt sich die Frage, ob sich beide Erkrankungen gegenseitig beeinflussen, weswegen die Urinkulturen inkontinenter Patienten mit denen kontinenter Patienten verglichen wurden.

Hierfür konnten 559 Patienten mit positiven Urinkulturen, die sich 2016 stationär im Evangelischen Geriatrie Zentrum Berlin befanden, in unsere Studie eingeschlossen werden.
Die mikrobiologischen Urinkulturergebnisse stellte uns das Labor Berlin zur Verfügung.
Zur Detektion der Harninkontinenz wurden Daten aus der Medley Skala, dem Barthel Index und Informationen aus den Arztbriefen zu verschiedenen Zeitpunkten des klinischen Verlaufs erhoben.
Durch das Studium der Archivakten wurden die klinischen Daten der Patienten erfasst.
Hierbei wurde beachtet, ob während des stationären Aufenthalts eine Dauerkatheteranlage erfolgte oder nicht.

Somit wurden folgende Patientengruppen gebildet und ausgewertet:

  1. Patienten ohne Dauerkatheter (276)
    • Inkontinent (123)
    • Kontinent (103)
    • Ungewisser Kontinenzstatus (50)
  2. Patienten mit Dauerkatheter unabhängig ihrer Harninkontinenz (283)

Vergleicht man alle 283 Patienten, die während des stationären Aufenthalts einen Dauerkatheter trugen mit den übrigen 276 Patienten, so zeigt sich ein Verhältnis von 16,96% (48) an multiresistenten Urinkulturen zu 10,87% (30).
Die Odds Ratio an einem multiresistenten Keim im Urin zu erkranken beträgt für Dauerkatheterträger somit 1,68.

Bei den Patienten ohne Dauerkatheter zeigten die inkontinenten Patienten in 10,57% (13) multiresistenste Keime in der Urinkultur, während bei den kontinenten Patienten 13,59% (14) Multiresistenzen aufwiesen.
Dies ergibt für das Auftreten multiresistenter Keime in der Urinkultur bei kontinenten Patienten eine Odds Ratio von 1,33.

Bisher zeigt sich, dass Harninkontinenz protektiv hinsichtlich einer positiven Urinkultur mit multiresistenten Keimen ist und das Vorhandensein eines Dauerkatheters Multiresistenzen begünstigt.

15:45
Zusammenhang zwischen postakutem Schlaganfall und multiresistenten Erregern im Urin bei geriatrischen Patienten - eine retrospektive Studie
P095 

M. Blank, N. Scholtz, J. Kruppa, U. Müller-Werdan, A.-S. Endres; Berlin

Harnwegsinfektionen sind eine häufige Komplikation nach akutem Schlaganfall, zum einen begünstigt durch eine verstärkte Immundepression in der postakuten Phase, zum anderen durch die Hospitalisierung und den damit einhergehenden Risikofaktoren für Infektionen. Die vorliegende Arbeit untersucht, ob Schlaganfall ein Risikofaktor für eine Besiedelung des Harntraktes mit multiresistenten Erregern ist.

Hierfür wurden Patientendaten des Evangelischen Geriatriezentrums Berlin (EGZB) aus dem Jahre 2016 ausgewertet. Insgesamt wurde bei 1120 Patienten eine Urinkulturuntersuchung durchgeführt, davon konnten wir 566 (w=385, m=183, mittleres Alter 80 Jahre) mit positivem Ergebnis in unsere Studie aufnehmen. Hierunter hatten 52 Patienten einen Schlaganfall in den letzten zwei Monaten, 35 ischämisch, 14 hämorrhagisch, einer ischämisch und hämorrhagisch, sowie zwei ungewiss. Diese wurden anhand des bei Aufnahme im Initialkrankenhaus erhobenen National Institutes of Health Stroke Scale (NIHSS) in vier Gruppen (G1-G4) eingeteilt (keine Angabe = G1 (11), <5 = G2 (9), 5 – 13 = G3 (19), >13 = G4 (13)).

Insgesamt hatten acht (15,38%) der Patienten mit postakutem Schlaganfall und 74 (14,40%) der Patienten ohne postakuten Schlaganfall mindestens einen multiresistenten Erreger im Urin. Betrachtete man die nach NIHSS sortierten Gruppen zeigte sich ein deutlicher Anstieg der Multiresistenzen in Abhängigkeit zum Schweregrad (G1: 9,09%, G2: 11,11%, G3: 15,79%, G4: 23,08%). Von den Patienten mit Schlaganfall und multiresistentem Keim waren sieben (87,5%) ischämischer und einer (12,5%) hämorrhagischer Natur.

Die Ergebnisse dieser Studie legen nahe, dass ein schwerer Schlaganfall mit einem erhöhten Risiko für eine Besiedelung des Harntraktes mit einem multiresistenten Erreger einher geht. Eine genauere Analyse weiterer Risikofaktoren steht zum aktuellen Zeitpunkt noch aus.

15:45
Statin induzierte Myopathie
P096 

I. Kandzia, M. Kowar, A. H. Jacobs; Bonn

Einleitung: Statine (HMG-CoA-Reduktasehemmer) sind in der Therapie verschiedener Formen der Hyperlipidämie und kardiovaskulärer Erkrankungen weit verbreitet und etabliert. Ihre Wirksamkeit wurde vielfach nachgewiesen. Allerdings birgt eine zu großzügige Verordnung die Gefahren von Myopathien, Hepatopathien, erhöhten Blutzuckerwerten, sowie Allgemeinbeschwerden, wie Magen-Darmbeschwerden, Kopfschmerzen oder Juckreiz. In der hier vorgestellten Kasuistik zeigt sich trotz einer langjährigen gut vertragenen Statintherapie nach Erhöhung der Dosierung eine Rhabdomyolyse mit entsprechenden Auffälligkeiten in Untersuchung, Labor und Elektromyografie (EMG).

Anamnese: Ein 86-jähriger Patient wurde mit lumbalen Rückenschmerzen und rechtsseitiger Beinschwäche mit konsekutiver Gangstörung durch den Hausarzt zur geriatrischen Therapie eingewiesen. Er berichtete, die Beinschwäche habe sich kurzfristig innerhalb der letzten zehn Tage entwickelt; insgesamt litt er seit einem Bandscheibenprolaps von vor zehn Monaten unter Lumbalgien und Gangunsicherheit. Aufgrund eines ausgeprägten kardiovaskulären Risikoprofils und hohen LDL-Spiegeln wurde die Simvastatindosis vor ca. sechs Monaten von 40 mg auf 80 mg erhöht.

Diagnostik: Die Creatinkinase (CK) war im Aufnahmelabor deutlich erhöht (7470 U/l bei Normbereich bis 200 U/l). Klinisch zeigte sich eine proximal betonte Parese des rechten Beines (Kraftgrad 3/5) ohne Hinweis auf Atrophie. Das EMG zeigte pseudomyotonen Entladungen der Muskulatur beidseits als Zeichen einer neuromuskulären Schädigung.

Diagnose: Simvastatin-induzierte Myopathie mit Rhabdomyolyse und funktionsbeeinträchtigender Muskelschwäche und Sturzgefahr. Die Osteochondrose in Segment L5/S1 konnte die proximale Beinschwäche nicht hinreichend erklären.

Diskussion: Eine unerwünschte Wirkung von HMG-CoA-Reduktasehemmern sind Muskelprobleme und sie sind auch der häufigste Grund für ein Abbrechen der Therapie. In randomisierten klinischen Studien zeigen sich Symptome der Muskulatur in 1-5% der Fälle, in Beobachtungsstudien allerdings deutlich häufiger (9-20%). Die muskuläre Toxizität ist dabei in der Regel dosisabhängig. Dies stellt sich auch in unserem Fallbeispiel dar, so zeigte sich unter der Dosis von 20 bis 40 mg über mehrere Jahre keine Symptomatik, erst nach Erhöhung der Simvastatin-Dosierung auf 80 mg traten die Beschwerden auf. Interessanterweise zeigte sich hierbei eine Latenz von 6 Monaten.

 

15:45
Reduktion von Infektionen mit Toxin-bildenden Clostridium difficile in geriatrischen Kliniken (ReToCdiff)
P097 

J. Seele, V. Meier, M. Kaase, M. Wappler, J. Sasse, S. Unkel, T. Friede, W. Brück, U. Reichard, H. Eiffert, S. Scheithauer, R. Nau; Göttingen, Hofgeismar, Kaufungen

Infektionen mit Toxin-bildenden Clostridium (C.) difficile-Bakterien (TCD) können lebensbedrohlich sein und stellen bei der Behandlung alter Menschen eine große krankenhaushygienische Herausforderung dar. Insbesondere in der Geriatrie sind TCD-Infektionen schwer zu kontrollieren und verursachen erhebliche Probleme. Ziel von ReToCdiff ist es, die Ansteckung mit und Ausbreitung von TCD in geriatrischen Kliniken zu verringern. Hierfür werden folgende Interventionen auf unterschiedlichen geriatrischen Stationen, zunächst in einer Klinik, durchgeführt (Vollerhebung, Crossover-Design, Gesamtdauer 3 Jahre): A) intensivierte Schulung der Reinigungskräfte, zweimal tägliche Flächendesinfektion in Zimmern mit TCD-Infizierten, tägliche Desinfektion der übrigen Zimmer mit einem sporoziden Desinfektionsmittel, B) Angebot eines Lactobacillus-haltigen Trinkjoghurts an alle Patienten, C) tägliches Wechseln der Bettwäsche bei Erkrankten, Angebot der kostenlosen desinfizierenden Wäsche der Patientenkleidung nach überstandener TCD-Infektion, D) Kontrolle – Standardhygieneplan des Evangelischen Krankenhauses Göttingen-Weende (EKW). Die Intervention „Flächendesinfektion“ führt zu einem Aufrauen desinfizierter Flächen im Vergleich zu herkömmlich gereinigten Flächen. Nach Beratung mit dem Hersteller des Flächendesinfektionsmittels wird aus diesem Grund eine Bodenpflege alle 2 bis 4 Wochen aufgebracht, die dieses Problem beheben soll. Die Intervention „probiotischer Joghurt“ wird von den Patienten gut angenommen, die Annahmerate beträgt ca. 80%. Die Intervention „professionelle Wäschereinigung“ stößt auf Akzeptanzprobleme bei den Patienten. Während der monozentrischen Phase (Zeitraum 27 Monate) werden von allen Patienten bei Aufnahme und danach wöchentlich Stuhlproben gesammelt, auf C. difficile untersucht und asserviert, um Infektionswege aufzudecken und bei Bedarf Isolate molekular zu typisieren. Die Zahl von TCD-Infektionen nahm im Geriatrischen Zentrum des EKW im Jahr 2017 gegenüber den Vorjahren nicht zu. Dies ist als Erfolg zu werten, da die dem Robert Koch-Institut gemeldeten TCD-Infektionen bundesweit in den vergangenen Jahren angestiegen sind. Durch die Untersuchung wird das Thema TCD-Infektionen und die damit verbundenen Hygienemaßnahmen stärker in den Blickpunkt aller Mitarbeiter gerückt.

15:45
Ringelröteln im Alter - ein Fallbericht
P098 

C. Schinköthe, F. Mickley, I. Bogner; Leipzig

Hintergrund: Das humane Parvovirus B19 wurde 1974 entdeckt (Cossart et al. 1975). Es wird durch Tröpfcheninfektion übertragen. Die Inkubationszeit beträgt 3-14 Tage. Die Infektion tritt mit meist leichtem grippalem Verlauf und oft typischem Exanthem im Kindesalter auf. Für Immunsupprimierte und Schwangere gibt es besondere Risiken (aplastische Krise, Spontanabort, Hydrops fetalis). Etwa 75% der über 65-Jährigen in Deutschland sind seropositiv. Fallberichte aus der Geriatrie sind rar und beschreiben ein Lupus-ähnliches Bild.
Kasuistik: Wir berichten über eine 88-Jährige mit schwerer hämolytischer Anämie (Hkt 0,25; MCV 84 fl; LDH 8,6 µmol/l*s; Haptoglobin <0,01g/l; Coombstest negativ; SLE-Serologie negativ; keine Fragmentozyten), resultierendem Nierenversagen (Krea 194 µmol/l) und plötzlich aufgetretenen, flächigen Hämatomen aller Extremitäten. Als Ursache der Hämolyse konnte serologisch eine frische Infektion mit Parvovirus B19 (IgM (CLIA) 1,4; norm<0,9) gefunden werden. Eine medikamentöse, maligne und autoimmune Genese wurde ausgeschlossen. Die Hämatome sind retrospektiv durch derangierte Gerinnungsparameter (INR >10, PTT>300s, AT III, Thrombozyten und Fibrinogen normal, Fibrinmonomere negativ) unter Phenprocoumon zu erklären. Nach Absetzen des Vitamin K-Antagonisten, iv Gabe von Gerinnungsfaktoren (PPSB) und Vitamin K sowie Transfusion von 2 Erythrozytenkonzentraten erholte sich die Patientin vollständig.
Zusammenfassung: Bei akuter hämolytischer Anämie und ineffektiver Erythropoese sollte bei geriatrischen Patienten trotz hoher Durchseuchung auch an eine Infektion mit Parvovirus B19 gedacht werden. Der Verlauf kann durch eine vorhandene Multimorbidität und entsprechende Medikation beeinflusst und aggraviert werden. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Hämostaseologie und Serologie ist dabei wichtig und zielführend.

 

Posterhinweis

Bitte erstellen Sie das Poster in folgendem Format:
120 cm × 90 cm (~ DIN A 0, Hochformat)

Für jedes Poster wird es vor Ort eine eigene Posterwand und an der Registrierung ausreichend Befestigungsmaterial geben. Eigenes Befestigungsmaterial ist nicht gestattet.

Geführte Postersession:
Freitag, 07.09.2018 15:45 - 17:00 Uhr

Wir bitten alle Posterautoren sich an ihrem Poster für Fragen bereit zu halten. Die Poster werden während des gesamten Kongresszeitraums ausgestellt sein.

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