Freitag, 07.09.2018
12:40 - 12:40
Zelt
Poster: Geriatrie 7 (P078-P088)

Moderation: J. M. Bauer, Heidelberg

15:45
Alltagsnahe Mobilitätstests in der gerontopsychiatrischen Klinik: Machbarkeit und Reliabilität bei Demenzpatienten und Patienten mit Depression
P078 

R. Trumpf, T. Morat, T. Fleiner, L. Lieber, T. Schnorr, A. Bachmann, W. Zijlstra, P. Häussermann; Köln

Eine nachlassende kognitive Leistungsfähigkeit im Alter geht häufig mit Defiziten in der Ausführung motorischer Aufgaben einher. Gangstörungen und damit verbundene Stürze treten bei Demenzpatienten häufiger auf als bei gesunden Älteren. Zuverlässige Messinstrumente sind essentiell, um effektive und zielführende Interventionen entwickeln zu können. Etablierte geriatrische Tests zur Beurteilung des Sturzrisikos und zur Einschätzung der Mobilität erfordern häufig höhere kognitive Verarbeitungsprozesse um die Instruktionen zu verstehen und die Tests standardisiert und nach den Vorgaben ausführen zu können. Der Multisurface Obstacle Test for Older Adults (MSOT) ist ein Messinstrument zur Erfassung der Mobilität älterer Menschen. Die 10-m-Strecke des MSOT besteht aus verschiedenen Hindernissen und unterschiedlichen Oberflächen, die alltägliche Bewegungssituationen abbilden. In dieser Studie werden die Machbarkeit und Reliabilität des MSOT und des Timed Up and Go Tests (TUG) bei Demenz- und Depressionspatienten in der gerontopsychiatrischen Klinik untersucht. In jeweils zwei Durchgängen absolvierten 46 gerontopsychiatrische Patienten mit Depression oder Demenz (>65 Jahre) den MSOT und den TUG. In einer ersten Analyse zur Machbarkeit der Tests wurden 24 Depressionspatienten (75 ± 7,4 Jahre, 79% Frauen) und 22 Demenzpatienten (81 ± 1,1 Jahre, 46% Frauen) eingeschlossen. Den MSOT haben 92% (1. Durchgang) bzw. 83% (2. Durchgang) der Depressions- und 68% bzw. 77% der Demenzpatienten instruktionsgemäß ausgeführt. Den TUG haben 96% bzw. 79% der Depressions- und 50% bzw. 9% der Demenzpatienten instruktionsgemäß ausgeführt. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass eine instruktionsgemäße Ausführung des TUG Tests für Demenzpatienten in der gerontopsychiatrischen Klinik nur schwer machbar ist. Der MSOT scheint hingegen für beide Patientengruppen besser machbar zu sein. Die Ergebnisse der Analyse zur Machbarkeit für die gesamte Stichprobe, sowie die Ergebnisse der Reliabilitätsuntersuchung werden auf dem Kongress präsentiert.

15:45
Die Hausgemeinschaft als Wohnumfeld für Menschen mit Demenz
P079 

J. Schramm; Dresden

Die Hausgmeinschaft als Wohnumfeld für Menschen mit Demenz- Übersichtsarbeit zu bewohnerbezogenen Outcome-Parametern Hintergrund: Neben der stationären Versorgung werden zunehmend neue Wohnformen, wie die der ambulanten Hausgemeinschaften, von den an Demenz erkrankten Menschen und ihren Angehörigen genutzt. Ziel ist es, in einem häuslichen Umfeld den im Krankheitsverlauf zunehmenden kognitiven und körperlichen Einschränkungen entgegenzuwirken und die noch vorhandene Funktionsfähigkeit und soziale Teilhabe zu erhalten. Zur Evaluation der ambulanten und stationären Wohnformen für Menschen mit Demenz in Deutschland bedarf es an der Zielsetzung ausgerichteter bewohnerbezogenen Outcome-Parameter. Methodik: Es erfolgte eine elektronische Literaturrecherche in den Datenbanken PubMed®, LIVIVO® und CINAHL® nach klinischen Studien, die Effekte zu ambulanten und stationären Wohnformen für ältere Menschen mit (primärer) Demenz (> 65 Jahre) mittels bewohnerbezogener Outcome-Parameter berichterstatteten. Eingeschlossen wurden nach 2006 veröffentlichte Studien in deutscher oder englischer Sprache. Die in den einzelnen Studien vorgefundenen bewohnerbezogenen Outcomes wurden im Anschluss zur Vergleichbarkeit der untersuchten Themenkreise den Oberbegriffen der ICF Kategorien in Bezug auf Funktionsfähigkeit, Aktivität und Partizipation [Teilhabe] zugeordnet. Ergebnisse: Initial wurden 693 Publikationen identifiziert. Nach Entfernung der Dubletten und Sichtung von Titel, Abstract und Volltext wurden zwei klinische Studie eingeschlossen. Die identifizierten Outcome-Parameter von Menschen mit Demenz in ambulant betreuten Wohngemeinschaften versus der stationären Versorgungsform bezogen sich auf psychische Störungen und Verhaltensauffälligkeiten, als auch auf die Aktivitäten des täglichen Lebens und ernährungsbezogene Aspekte. Die Studien waren aufgrund ihrer Heterogenität bezüglich der Outcome-Parameter und methodischen Limitierungen nicht miteinander zu vergleichen. Daher konnten keine Rückschlüsse auf eine zu favorisierende Wohnform gezogen werden. Schlussfolgerung: Im Unklaren bleibt, ob der Schweregrad der Demenz einen Einfluss auf die dargelegten Ergebnisse hat. Die vorgefunden Outcome-Parameter für Menschen mit Demenz in der ambulanten Hausgemeinschaft und stationären Wohnform lassen als wesentliche Merkmale den Einfluss von architektonischen Gestaltungs- und Umgebungsfaktoren auf die Funktionalität wie auch auf soziale Teilhabe unberücksichtigt.

15:45
Identifikation und Konzeptualisierung komplexer Delir-Interventionen im akut-geriatrischen Setting in aktuellen Leitlinien
P080 

C. Eckstein, H. Burkhardt; Heidelberg, Mannheim

Hintergrund und Fragestellung: Detektion, Prävention und Management des Delirs sind bedeutsame Themen besonders für die Behandlung von älteren Patienten im Akutkrankenhaus. Obwohl Wirkungen und Zusammenspiel einzelner Interventionskomponenten noch weitgehend unerforscht sind, haben sich prinzipiell multikomponente, nicht-pharmakologische Interventionen als effektiv erwiesen. Unbekannt ist bisher aber, wie Leitlinien diese Thematik aktuell aufgreifen und abbilden.

Methodik: In die Analyse eingeschlossen wurden 10 relevante, medizinische Delir-Leitlinien aus dem internationalen Kontext, die zu hohen Anteilen konvergierende und teils divergierende Empfehlungen für die definierte Klientel enthielten. Auf der Basis einer qualitativ-vergleichenden Inhaltsanalyse wurden alle Leitlinienempfehlungen tabellarisch gelistet, miteinander abgeglichen und in Kategorien überführt. Auf der Grundlage dieser Kategorien erfolgte eine systematisierte Erfassung und Zuordnung von Einzelkomponenten.

Ergebnisse: Insgesamt konnten 18 verschiedene Kategorien respektive Interventionsbereiche identifiziert werden. Die Bereiche Detektion, Medikamenten Review und Monitoring waren bspw. konsistent in allen Leitlinien beinhaltet, während bspw. Aspekte wie Ernährung und Infektbekämpfung weniger repräsentiert waren. Auf der Basis der Analyse kann auf ein breiteres Repertoire an evidenzbasierten Interventionsbereichen und differenzierten Beschreibungen von Interventionskomponenten als bisher für die definierte Klientel rekurriert werden.

Zusammenfassung und Ausblick: Die Identifikation und Konzeptualisierung komplexer Delir-Interventionen ermöglicht einen Überblick über verschiedene Interventionsbereiche und -komponenten und damit über die Reichweite der Evidenzbasierung. Darüber hinaus kann diese Darstellung multikomponenter, nicht-pharmakologischer Interventionen bei der Generierung oder Adaption von Interventionsprogrammen als Referenzrahmen hinsichtlich Leitlinienkonformität/-adhärenz dienen.

15:45
Wie werden eigene Werte gegenüber dem Leben und Sterben in zeitlicher Nähe zu einer Demenzdiagnose erlebt?
P081 

H. Voß; Heidelberg

Hintergrund: In den letzten Jahren hat Advance Care Planning (ACP) in Deutschland an Bedeutung gewonnen und kann als erweiterte Patientenverfügung betrachtet werden. Das Konzept ACP ist in Deutschland bislang unzureichend beforscht, jedoch erscheint die Evidenzlage zu diesem Thema in Verbindung mit dem Krankheitsbild Demenz noch gravierender. Die Bedeutung eines solchen Gesprächsprozesses steigt mit dem Umstand der Diagnosestellung Demenz exponentiell für den Betroffenen, aber auch für seine Angehörigen und weiteren Begleiter an.

Methode: In der Hauptstudie soll herausgefunden werden, wie die eigenen Werte gegenüber dem Leben und Sterben von Menschen mit Demenz erleben werden. In dieser Langzeitstudie werden dazu semi-strukturierte Experteninterviews durchgeführt und mithilfe der Qualitativen Inhaltsanalyse analysiert. Forschungsschwerpunkt In Hinblick auf Menschen mit Demenz wurden die deutschen ACP-Dokumente als inkompatibel detektiert. Das erste Ziel dieser Studie war es, einen häufig verwendeten Fragebogen über persönliche Werte und die Einstellung zum Leben und Sterben zu modifizieren. Die finale Version dieses Fragebogens wurde mithilfe verschiedener Experteninterviews (n= 20) und im letzten Schritt mit den Menschen mit Demenz selbst erstellt. Diese Pilotstudie bestand aus vier geführten Interviews mit Menschen im frühen Stadium der Demenz. Ziel der Hauptstudie ist es, darzustellen, wie persönliche Werte gegenüber dem Leben und Sterben von Menschen mit Demenz erlebt werden und wie sie sich im Zeitverlauf darstellen. Die Stichprobe umfasst 10-15 Interviews mit einer Follow-up-Phase nach sechs bis acht Monaten. Die Interviews finden im häuslichen Umfeld statt. Methodisch und theoretischer Fokus Ein qualitativer Ansatz zeigt sich in diesem wenig erforschten Bereich als angebracht, da subjektive Erfahrungen der Personen untersucht werden. Die Daten können helfen, Theorien im Bereich der Demenz und der zukünftigen Arbeit mit ACP zu generieren. Der theoretische Hintergrund der Studie basiert auf philosophischen und ethischen Diskussionen über Autonomie, Tod und Sterben, Werte und Einstellungen.

Ergebnisse: Die Studie basiert auf der Annahme, dass die fundamentalen Werte stabil bleiben, aber gleichzeitig Veränderungen in spezifischen Lebensthemen auftreten werden. Ziel dieser Forschung ist es, Behandlungs- und Pflegeempfehlungen für den ACP-Prozess mit Menschen mit Demenz zu entwickeln, welcher wichtige praktische Auswirkungen auf die Pflege haben kann.

15:45
Die Versorgung von Menschen mit Demenz im Akutkrankenhaus - Eine Studie basierend auf GKV-Daten sächsischer Versicherter
P082 

T. Motzek, A. Werblow, F. Tesch, G. Marquardt, J. Schmitt; Dresden

Hintergrund: In Deutschland leben etwa 1,6 Millionen Menschen mit einer Demenz (MmD). Dies stellt die akutstationäre Versorgung vor Herausforderungen. Anhand von Routinedaten soll die administrative Prävalenz der Demenz im Krankenhaus geschätzt werden, die Häufigkeit und Determinanten von Krankenhauseinweisungen sowie die Versorgungssituation von MmD im Krankenhaus untersucht werden.

Methodik: Es wurden Routinedaten der gesetzlichen Krankenversicherung AOK PLUS (Sachsen) für das Jahr 2014 ausgewertet. Eine Demenz lag vor, wenn in mindestens 3 von 4 Quartalen eine ambulante oder stationäre Demenzdiagnose identifiziert werden konnte. Es wurden 61.239 Personen mit und 183.477 Personen ohne eine Demenz eingeschlossen. Die Auswahl der Kontrollgruppe erfolgte gematched nach Alter, Geschlecht und Wohnort im Verhältnis 1:3. Um Personen zu berücksichtigen, die im Jahr 2014 verstarben oder aus der Versicherung austraten, wurde bei der Auswahl der Kontrollgruppe zwischen durchgängig und nicht-durchgängig Versicherten unterschieden.

Ergebnisse: Die Hochrechnung der administrativen Ein-Jahres-Prävalenz bzw. Diagnosehäufigkeit der Demenz im Krankenhaus ergab für die über 65-jährigen Patienten eine Rate von 16,7%. Die Chance für mindestens eine Einweisung war für MmD 1,49-mal größer als für Personen ohne Demenz (Odds Ratio = 1,49 KI 1,46 – 1,52). Des Weiteren hatten MmD ein um 18% höheres Risiko für Wiedereinweisungen (Risk Ratio = 1,18 KI 1,15 – 1,20). Höhere Einweisungsrisiken ergaben sich für MmD, wenn sie eine Pflegestufe aufwiesen, außerhalb einer Großstadt lebten oder eine erst kürzlich diagnostizierte Demenz aufwiesen. Die um 36% längere Pro-Kopf-Verweildauer und die um 18% höheren Pro-Kopf Kosten von MmD je Jahr konnten überwiegend auf die höhere Einweisungshäufigkeit von MmD zurückführt werden. MmD hatten im Krankenhaus – im Vergleich zu Patienten ohne Demenz – eher pflegerische und betreuende, als therapeutische und diagnostische Inanspruchnahmen.

Schlussfolgerungen: Zukünftig sind Verbesserungen in der Versorgung notwendig, um die Versorgungslage der Betroffenen zu verbessern und den Herausforderungen für die Akutkrankenhäuser zu begegnen. Maßnahmen umfassen insbesondere die demenzsensible Ausrichtung der Krankenhäuser und die Reduktion vermeidbarer Krankenhauseinweisungen.

15:45
Wirksamkeit von Schulungsprogrammen für Klinikpersonal zu Betreuung, Pflege und Behandlung von Menschen mit Demenz im Akutkrankenhaus - ein systematisches Review
P084 

J. Schneider, M. Gkioka, B. Teichmann; Heidelberg

Schätzungsweise ein Viertel der Krankenhauspatienten weist als Nebendiagnose eine Demenz auf. Wie die GHoSt-Study zeigte liegt die Prävalenzrate zwischen 5% und 60%. Menschen mit Demenz werden zudem häufiger in ein Krankenhaus eingewiesen als Patienten gleichen Alters, die keine Demenz aufweisen. Die Aufenthaltsdauer ist länger und der physisch-psychische Gesundheitszustand entwickelt sich während des Aufenthaltes überwiegend negativ. Der Mangel an Wissen bezüglich der Betreuung und Pflege von Menschen mit Demenz wurde als einer der Hauptfaktor der Pflegequalität im Krankenhaus charakterisiert. Auf Grund dessen nehmen die Forderungen nach speziell geschultem Krankenhauspersonal zu. Das Ziel des systematischen Reviews war es, alle Studien, welche sich mit der Entwicklung und Implementierung eines Schulungsprogrammes für Mitarbeiter eines Krankenhauses beschäftigt haben, zu betrachten.

Im Gesamten wurden vier Datenbanken systematisch zur Literaturfindung durchsucht. Das Auswahlverfahren der Studien wurde mit Hilfe von festgelegten Ein- und Ausschlusskriterien von zwei unabhängig voneinander agierenden Gutachtern durchgeführt. Ebenso die Datenextraktion, welche einem vordefinierten Set von Kategorien folgte. Anschließend wurde die methodische Qualität der Studien beurteilt, die Studien wurden Kategorien mit unterschiedlichen Schwerpunkten zugeordnet und die Effektivität der Trainings anhand der Ergebnisse überprüft.

26 Studien konnten in die Analyse eingeschlossen werden, welche in ihrer Qualität eine große Heterogenität aufwiesen. Die Konzeption, wie auch Länge und Häufigkeit der Schulungen wiesen eine große Variabilität auf. Am häufigsten wurden in den Schulungen Mixed-Methodiken angewendet. Konzipiert wurden die Schulungen in mehr als 2/3 der Fälle für Professionen der Pflegeberufe. Unter gleichzeitiger Betrachtung der Studienqualität und –effektivität scheinen Multiplikatoren-Ansätze und personen-zentrierte Pflege wichtige Elemente für ein gelungenes Schulungsprogramm zu sein.

Noch immer ist mehr Evidenz in diesem Wissenschaftsfeld vonnöten. Die Qualifizierung von Klinikpersonal ist ein wichtiger Bestandteil hin zu einer neuen, personen-zentrierten Pflegekultur im Setting Krankenhaus. Jedoch darf die Qualifizierung nur als ein Bestandteil betrachtet und keines Falls als Patentrezept angesehen werden. Strukturelle Veränderungen, welche eine demenz-freundliche Pflege, Betreuung und Behandlung ermöglichen sind notwendig.

15:45
Wirksamkeit und Sicherheit von Arzneimitteln zur Therapie der Alzheimer Demenz, mit und ohne behaviorale und psychologische Symptome (BPSD) bei körperlich gebrechlichen Patienten: Eine systematische Übersichtsarbeit
P085 

M. Seibert, V. Mühlbauer, S. Brefka, D. Dallmeier, A. Kiene, S. Voigt-Radloff, C. Bollig, S. Klöppel, C. Schönfeldt-Lecuona, M. Denkinger, C. von Arnim; Ulm, Freiburg, Bern/CH

Hintergrund: Evidenzbasierte Leitlinien sind in der Regel Grundlage für medizinische Entscheidungen. Sie sind meist auf ausschließlich eine Erkrankung ausgerichtet, zunehmend nach Alter stratifiziert und berücksichtigen bei älteren Patienten die Symptomatik der körperlichen Gebrechlichkeit nicht. Trotz Hinweise auf erhöhte Risiken und folglich eventuell verändertem Nutzen-Risiko-Verhältnis bei der Anwendung in diesem Patientenkollektiv blieb die körperliche Gebrechlichkeit auch in systematischen Übersichtsarbeiten zur Pharmakotherapie der Alzheimer Demenz (AD) nahezu unbeachtet.

Zielsetzung: Die aktuelle Evidenz zur Wirksamkeit und Sicherheit von Medikamenten aus der S3-Leitlinie „Demenzen“ bei Patienten mit AD und körperlicher Gebrechlichkeit sowie mit oder ohne behavioralen und psychologischen Symptome (BPSD) soll überprüft werden.

Methodik: Es wurde eine systematische Literaturrecherche nach randomisierten kontrollierten Studien (RCTs) zur Pharmakotherapie der AD und BPSD in den Datenbanken Medline, Embase und CENTRAL durchgeführt. Eingeschlossen wurden RCTs mit Patienten, die zu Baseline im Durchschnitt ein Alter ≥ 70 Jahre und eine mindestens moderate körperliche Gebrechlichkeit aufwiesen. Die Gebrechlichkeit wurde mit Hilfe der Empfehlungen der Medication and Quality of Life in frail older persons (MedQoL) Research Group bewertet. Die Auswahl, Datenextraktion und Risiko für Bias Bewertung der Studien wurden jeweils von zwei Reviewern unabhängig voneinander durchgeführt. Die Darstellung der Ergebnisse erfolgte entsprechend der Cochrane-Standards und GRADE-Empfehlungen.

Ergebnisse: Die Suche erzielte 40.452 Treffer, davon wurden, nach Überprüfung der Abstracts, 177 Volltexte analysiert. Aus diesen erfüllten 10 RCTs die Einschlusskriterien. Nach der systematischen Auswertung der Daten wird deutlich, dass die körperliche Gebrechlichkeit in RCTs zur Pharmakotherapie der AD und BPSD bisher kaum berücksichtigt wurde; daher ist eine evidenzbasierte Therapie bei körperlich gebrechlichen Patienten bisher nicht sicher möglich.

Schlussfolgerung: Um Leitlinien zur Versorgung geriatrischer Menschen mit Demenz zu erstellen, ist die Berücksichtigung der körperlichen Gebrechlichkeit in den CONSORT Guidelines für klinische Studien notwendig. RCTs, die dies berücksichtigen, sind wünschenswert um eine evidenzbasierte Therapie durchführen zu können.

15:45
Beeinträchtigte intrinsische Alertness bei Patienten mit nigrostriataler Degeneration und Verdacht auf Demenz mit Lewy-Körpern
P086 

L. Frings, B. Heimbach, S. Klöppel, P. T. Meyer, S. Hellwig; Freiburg

Hintergrund: Defizite in Aufmerksamkeit und Konzentration gehören zu den Kernkriterien der Demenz mit Lewy-Körpern (‚dementia with Lewy bodies’, DLB). Diese Defizite sind allerdings nicht klar definiert; die DLB gilt als unterdiagnostiziert. Die DLB ist durch eine Reduktion des präsynaptischen Dopamintransporters (DAT) im Striatum charakterisiert, welcher mittels [123I]FP-CIT-SPECT quantitativ dargestellt werden kann. Hier wurde bei Patienten mit V.a. DLB untersucht, ob sich die Aufmerksamkeitsleistung zwischen Patienten mit versus ohne nigrostriatale Degeneration unterscheidet.

Methoden: Sechsunddreißig Patienten mit klinischem Verdacht auf DLB und vorliegender [123I]FP-CIT-SPECT wurden eingeschlossen. Die visuelle und auditorische intrinsische Alertness wurden mittels Wiener Testsystem (Untertest ‚WAFA’) überprüft. Die Leistungen wurden zwischen den Patientengruppen (mit versus ohne nigrostriatale Degeneration) verglichen (ANCOVA, adjustiert für Geschlecht, Alter, Bildung und Handtremor). Die Genauigkeit der Trennung zwischen den Patientengruppen wurde mittels logistischer Regression und der Fläche unter der ROC-Kurve bestimmt.

Ergebnisse: Die Reaktionszeit auf auditorische Stimuli war signifikant länger bei Patienten mit nigrostriataler Degeneration verglichen mit Patienten ohne nigrostriatale Degeneration (p < 0.05). Es zeigten sich keine Unterschiede zwischen den Gruppen hinsichtlich der Reaktionszeit auf visuelle Stimuli oder hinsichtlich der Variation der Reaktionszeiten (jeweils p > 0.1). Mittels Reaktionszeit auf auditorische Stimuli konnten Patienten mit von jenen ohne nigrostriatale Degeneration mit einer Sensitivität und Spezifität von 0.83 und 0.56 (Fläche unter der ROC-Kurve: 0.72) getrennt werden.

Schlussfolgerungen: Die computerisierte Erfassung der Aufmerksamkeit ist ein vielversprechendes, ubiquitär verfügbares, wenig belastendes und günstiges Verfahren zur Diagnostik der DLB. Beeinträchtigungen der intrinsischen Alertness können bei Verdacht auf DLB einen Hinweis auf das Vorliegen einer nigrostriatalen Degeneration geben. Die Ergebnisse bedürfen der Überprüfung anhand einer größeren Stichprobe.

15:45
Versehentliche Blister Ingestitationen im Rahmen hypoaktiver Delirformen - Zwei Fallbeispiele
P087 

J. Weckenbrock, G. Kolb; Lingen

Zusammenfassung: Häufig werden im geriatrisch - stationären Bereich verblisterte Medikamente gestellt [1]. Beide Fallbeispiele zeigen ein erhöhtes Risiko für ältere Patienten, insbesondere im Rahmen von hypoaktiven Delirformen, versehentlich Blister mit zu verschlucken. Das kann dabei zu nicht absehbaren Komplikationen wie gastrointestinalen Blutungen oder Perforationen führen [2]. Häufig, aber nicht ausschließlich handelt es sich dabei um Patienten, die sich in einem kognitiv oder neurologisch kompromittierten Zustand befinden.

Fall 1 G.R., männlich, 82 Jahre:

Im Verlauf eines stationären Aufenthaltes verschluckte der Patient (versehentlich) einen scharfkantigen Plastikblister mitsamt seiner weiteren Medikation. Darauf angesprochen verneinte der Patient die Einnahme, bzw. konnte sich nicht erinnern. Im Verlauf berichtete er über keinerlei Beschwerden. Es wurde eine Notfall Oesophago-Gastro-Duodenoskopie durchgeführt. Im Rahmen dieser wurde der im mittleren Ösophagus eingeklemmte Blister mittels Greifzange entfernt. Hierbei und im Verlauf traten keine Komplikationen auf.

Fall 2 H. P., männlich, 85 Jahre:

Während eines stationären Aufenthaltes gab der Patient an, seit dem Verschlucken „einer Tablette“ Schluckbeschwerden zu haben. Bei logopädischer Unauffälligkeit erfolgte die weitere endoskopische Abklärung. Hierbei wurde ein Tablettenblister (Omeprazol) im proximalen Ösophagus, mittels Greifzange entfernt. Der weitere Verlauf blieb Komplikationslos.

Diskussion: Beide Fallbeispiele zeigen, dass insbesondere bei älteren, hospitalisierten Patienten ein nicht zu unterschätzendes Risiko für unerkannte Fremdkörper Ingestitationen, im Rahmen von unerkannten Delirformen, insbesondere den hypoaktiven, vorliegen kann.

Fazit: Um die Diagnose zu stellen, ist eine genaue Anamnese und Beobachtung der Patienten notwendig. Es sollte sehr gut abgewogen werden, ob bei „geriatrischen Patienten“ überhaupt orale Medikation mit Blistern erfolgen sollte. Patienten, welche sich während eines stationären Aufenthaltes in einem neurologisch auffälligen Zustand befinden, die ein dementielles Syndrom oder anamnestisch eine delirante Episode aufweisen, sollten Medikamente nur unter Aufsicht einnehmen.

Literatur:

[1] Klie, Thomas: Apotheken „stellen“ die Medikamente für die Pflegeheimbewohner. In: Altenheim 2001 (10), 10-11

[2] https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S2211568413001344?via%3Dihub

15:45
Eine Analyse der Adhärenz an einem motivationsgestützten Heimtraining bei geriatrischen Patienten mit kognitiver Einschränkung
P088 

T. Eckert, M. Bongartz, P. Ullrich, R. Kiss, J. M. Bauer, K. Hauer; Heidelberg, Bielefeld

Fragestellung: Obwohl die Adhärenz an motivationsgestützten  Trainingsinterventionen zur Steigerung der körperlichen Aktivität entscheidenden Einfluss auf den Interventionserfolg hat, wurde sie bei motorisch und kognitiv eingeschränkten geriatrischen Patienten bisher kaum untersucht. Ziel dieser Studie ist die Beschreibung der Adhärenz an ein 12-wöchiges motivationsgestütztes Heimtraining bei kognitiv eingeschränkten geriatrischen Patienten nach Entlassung aus der stationären Rehabilitation.

Methoden: Untersucht wurden Studienteilnehmer der Interventionsgruppe (n=54) einer randomisierten-kontrollierten Interventionsstudie (Heimtraining unterstützt durch vielfältige Motivationsstrategien) bei kognitiv eingeschränkten (Mini Mental State Examination: 23,5±2,5), hochbetagten (81,5±5,9 Jahre) geriatrischen Patienten nach stationärer Rehabilitation. Um eine tägliche Ausführung des Trainings (Kräftigung, Balance) und eine Steigerung der körperlichen Aktivität zu fördern, wurden motivationale Komponenten (u.a. Übungsposter, individueller Gehparcours, Hausbesuche, Telefongespräche, Trainingstagebuch, individuelle Trainings-Zielerreichung, Pedometer-Monitoring) implementiert. Die Adhärenz am Training und an den motivationalen Komponenten Gehparcours, Zielerreichung und Pedometer-Monitoring wurde auf Basis der Trainingstagebücher (% der maximal möglichen Durchführung) ermittelt. Mittels Wilcoxon-Tests wurde auf Unterschiede der Adhärenz in Bezug auf Training und motivationalen Komponenten zwischen Woche 2 und 12 geprüft. Ergebnisse: In Woche 2 betrug die Adhärenz an die Übungen 76,7%, Gehparcours 61,6%, Zielerreichung 43,4% und Pedometer-Monitoring 66,7%. Zu Woche 12 waren die Adhärenz an die Übungen (51,5%), Gehparcours (46,7%) und Pedometer-Monitoring (51,5%) signifikant niedriger (p<.01) als in Woche 1, mit Ausnahme von Zielerreichung (34,2%, p<.05).

Diskussion: Die insgesamt moderate bis hohe Adhärenz, insbesondere zu Beginn unterstreicht, dass der innovative Ansatz eines motivationsgestützten Heimtrainings bei kognitiv eingeschränkten Personen umsetzbar ist. Die abnehmende Adhärenz über den Interventionsverlauf deutet darauf hin, dass für eine langfristig hohe Adhärenz und somit eine Steigerung der körperlichen Aktivität, eine professionelle Supervision erforderlich ist.

 

Posterhinweis

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120 cm × 90 cm (~ DIN A 0, Hochformat)

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Geführte Postersession:
Freitag, 07.09.2018 15:45 - 17:00 Uhr

Wir bitten alle Posterautoren sich an ihrem Poster für Fragen bereit zu halten. Die Poster werden während des gesamten Kongresszeitraums ausgestellt sein.

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