Freitag, 07.09.2018
15:45 - 17:00
Zelt
Poster: Geriatrie 6 (P066-P077)

Moderation: K. F. Becher, Stralsund; M. Gogol, Heidelberg

15:45
Parkinson Syndrom und neurogene Sarkopenie
P066 

J. Krenovsky, K. Bötzel, A. Ceballos-Baumann, U. Fietzek, M. Drey; München

Fragestellung: Während die Prävalenz von Sarkopenie in der Allgemeinbevölkerung bei 5,7% liegt, gibt es Hinweise darauf, dass diese bei Patienten mit Parkinson-Erkrankung (PD) erhöht ist. Als mögliche Ursache hierfür könnte die Überlappung von Motoneuronenerkrankungen mit PD sein, da Motoneuronenverlust auch als Ursache der neurogenen Sarkopenie diskutiert wird. Die vorliegende Studie untersucht den Zusammenhang zwischen Motoneuronenverlust und neurogener Sarkopenie bei Patienten mit Parkinson Syndrom.

Methode: 74 Patienten mit PD und 30 alters- und geschlechtsgleiche gesunde Personen wurden hinsichtlich Handkraft, Ganggeschwindigkeit und Muskelmasse mittels bioelektrischer Impedanzanalyse untersucht. Per MUNIX – Motor Unit Number Index – wurde die Anzahl der Motoneurone des Kleinfingerabduktors geschätzt. Gruppenunterschiede wurden mittels multipler linearer Regression statistisch erfasst.

Results: 14 der 74 Patienten mit PD (18,9%) wiesen eine Sarkopenie auf. Drei dieser Patienten zeigten eine auffällig niedrige Anzahl von Motoneuronen im MUNIX und erfüllten somit die Kriterien einer neurogenen Sarkopenie. PD- und Kontrollgruppe unterschieden sich signifikant in den MUNIX-Werten 109 (SD: +/-39) vs 129 (SD: +/-45) (p=0,023). Dieser Effekt zeigte sich stabil, wenn für Geschlecht und Alter kontrolliert wurde.

Zusammenfassung: In unserer Stichprobe von Patienten mit Parkinson Syndrom zeigten sich verglichen mit der Normalbevölkerung deutlich mehr Teilnehmer sarkopen. Die Untersuchung liefert Hinweise darauf, dass eine Überlappung der neurogenen Sarkopenie und Motoneuronenverlust bei Patienten mit Parkinson Syndrom existiert.

15:45
Einfluss eines modifizierten Frailty-Scores auf die Entwicklung schwerwiegender Komplikationen bei älteren chirurgischen Patienten
P067 

R. Mörgeli, K. Scholtz, M. Olbert, C. Spies; Berlin

Hintergrund: Viele Studien zur Entwicklung postoperativer Komplikationen nach elektiven Eingriffen bei älteren Patienten werden durchgeführt ohne den Schweregrad von Komplikationen zu bedenken. Es konnte bereits ein Zusammenhang zwischen der Gebrechlichkeit (engl. frailty) und der Entwicklung postoperativer Komplikationen gezeigt werden. Ziel dieser Analyse ist es, den Einfluss eines modifizierten Frailty- Scores und damit verbundener Faktoren auf die Entwicklung schwerwiegender Komplikationen zu evaluieren.

Methoden: Es handelt sich um eine Zwischenanalyse der prospektiven Kohortenstudie „BioCog“ (EA2/092/14, NCT02265263). Insgesamt sollen 342 Patienten ≥65 Jahren mit elektivem Eingriff untersucht werden. Es werden demographische Parameter und präoperative Faktoren wie ein modifizierter Frailty-Score, das MNA®, die ASA-Klasse, der Charlson Komorbiditäts-Index, das Vorliegen einer Tumorerkrankung und die Operationsdauer hinsichtlich ihres Einflusses auf die Entwicklung schwerwiegender postoperativer Komplikationen im Krankenhaus in univariaten Voranalysen (Exakter Fisher-Test, exakter χ2 – Test) und einer binär logistischen Regressionsanalyse untersucht. Die Komplikationen werden nach der Clavien-Dindo eingeteilt; Grad IIIa bis V charakterisieren schwerwiegende Komplikationen.

Ergebnisse: Bis Januar 2018 konnten 342 Patienten ausgewertet werden (Alter zw. 65-91J., Median=73J.). Davon entwickelten 58% postoperative Komplikationen, bei 21% traten schwerwiegende Komplikationen auf. Es fand sich ein signifikanter Einfluss bzgl. des präoperativen Frailty-Status (pre-frail oder frail) (OR 2,157, 95% CI 1,049-4,437; p=0,037) sowie einer verlängerten Operationsdauer (OR 10,956, 95% CI 4,761-25,214; p< 0,0001) auf die Entwicklung schwerwiegender Komplikationen.

Schlussfolgerung: Auf die präoperative Erhebung eines modifizierten Frailty-Index könnte ein größeres Augenmerk gelegt werden, um den postoperativen Therapieerfolg bei älteren Patienten zu verbessern. Diese ersten Zwischenergebnisse sollten durch Analysen in der Gesamtkohorte erweitert werden.

15:45
Einsatzmöglichkeiten des Alltags-Fitness-Test zur möglichen Feststellung einer Sarkopenie
P068 

A. Dunkel; Köln

Fragestellung: Der altersbedingte Muskelabbau (Sarkopenie) führt zu einem Verlust von Muskelmasse, -kraft und -funktion. Dies kann u.a. eine reduzierte Kraftausdauer, Probleme der Feinmotorik sowie Gleichgewichtsstörungen zur Folge haben und sich negativ auf die Bewältigung alltäglicher Aufgaben im Alter auswirken. Zur frühzeitigen Feststellung einer Sarkopenie werden derzeit diverse einfache Tests als Screening-Möglichkeiten diskutiert. Eine Testbatterie solch einfacher Tests stellt der Alltags-Fitness-Test (AFT) des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) dar. Dieser erfasst die Alltagsfitness von Personen im Alter von 60-94 Jahren und soll zukünftig möglichst flächendeckend in Sportvereinen implementiert werden. Um die hieraus entstehende große Reichweite des AFT nutzen zu können, stellt sich die Frage, ob dieser über seine ursprüngliche Intention hinaus Aussagen zu einer möglichen Sarkopenie treffen kann.

Methodik: 36 Personen zwischen 60 und 94 Jahren wurden mittels der so genannten Konsensmessung nach der "European Working Group on Sarcopenia in Older People" (EWGSOP) auf eine Sarkopenie hin getestet. Hierbei wurde die Skelettmuskelmasse mittels Bioimpedanzanalyse, die isometrische Handgriffkraft durch ein hydraulisches Dynamometer und die Ganggeschwindigkeit über eine Zeitmessung auf einer 4m langen Gehstrecke erfasst. Zusätzlich führten alle Personen den AFT durch. Dieser erfasst Armkraft, Beinkraft, Beweglichkeit, Ausdauer und Geschicklichkeit mittels einfacher Testungen.  

Ergebnisse: Es konnten signifikante Korrelationen zwischen Parametern der Konsensmessung und des AFT festgestellt werden. Die beiden höchsten Korrelationswerte wiesen Handgriffkraft und Armkraft (r = 0.621) sowie Ganggeschwindigkeit und Timed-Up-and-Go Test (TUG) (r = -0.595) auf. Die mittels Receiver Operating Characteristic neu errechneten Cut-Off Werte für diese Parameter erzielten eine Testeffizient von 62% bis 68%.  

Zusammenfassung: Es zeigten sich deutliche Hinweise, dass einzelne Parameter des AFT sinnvolle Aussagen über das Vorliegen einer Sarkopenie treffen können. Insbesondere Armkraft und TUG scheinen gute Prädiktoren zu sein. Eine Überprüfung der Ergebnisse an einer größeren, nach Geschlechtern differenzierten Stichprobe erscheint sinnvoll.

15:45
Differentialdiagnosen der Sarkopenie - Muskelschwund im höheren Lebensalter
P069 

F. Hofmeister, F. Tanganelli, S. Hintze, P. Meinke, U. Ferrari, B. Schoser, M. Drey; München

Einleitung: Die Sarkopenie bezeichnet den altersbedingten Verlust von Muskelmasse und Muskelfunktion. Jedoch können sich auch viele neuromuskuläre Erkrankungen erst im höheren Lebensalter durch eine verminderte Muskelmasse, Handkraft und/oder Ganggeschwindigkeit, ähnlich der Sarkopenie, äußern.

Methoden: Die klinisch-diagnostischen Kriterien der sporadischen Einschlusskörpermyositis (sIBM) gemäß European NeuroMuscular Centre (ENMC) von 2011, der sporadischen amyotrophen Lateralersklerose (sALS) gemäß World Federation of Neurology (WFN) von 1998 und der myotonen Dystrophien Typ1/Typ2 (DM1/DM2) werden denen der Sarkopenie gemäß der europäischen Konsensusdefinition gegenübergestellt.

Ergebnisse: Bei der milden DM1 (mDM1) und sIBM steigt die Inzidenz ab dem Alter von 50 Jahren. Das Auftreten erster Symptome von sALS und mDM1/DM2 ist bis zum 70. Lebensjahr möglich. Im Gegensatz zur hydraulischen Handkraftmessung bei der Sarkopenie-Diagnostik ist im klinischen Alltag bei neuromuskulären Erkrankungen eine Kraftgradmessung nach Medical Research Council-Klassen gebräuchlich. Während die Sarkopenie, die sIBM, sowie die mDM1/DM2 mit langsam progredienter Muskelschwäche klinisch apparent werden, zeichnet sich die sALS durch einen rapideren Krankheitsverlauf und den parallelen oder späteren Befall des ersten Motoneurons (dann mit zentraler Spastik) aus. Bei der Sarkopenie tritt die Muskelatrophie generalisiert auf, bei der sIBM und sALS häufig auch mit einem asymmetrischen Befallsmuster. Histopathologische Unterschiede erlauben es die sIBM von der sALS abzugrenzen. Bezüglich der Diagnosestellung der DM1/DM2 können eine Elektromyographie sowie spezifisch auftretende Komorbiditäten wegweisend sein, die Diagnosesicherung erfolgt jedoch durch eine genetische Untersuchung.

Diskussion: Zur Abgrenzung neuromuskulärer Erkrankungen von der Sarkopenie sind eine erweiterte Anamnese, neurologisch-neuromuskuläre Funktionsprüfungen und die Beurteilung der Krankheitsprogression nötig. Eine genetische Diagnostik, eine elektrophysiologische Untersuchung bzw. eine Muskelbiopsie können im Zweifel helfen, Differentialdiagnosen der Sarkopenie auszuschließen. 

15:45
P070Ein kamerabasiertes photoplethysmographisches Verfahren zur kontaktlosen Messung der Herzratenvariabilität mit möglicherweise Relevanz für die klinische Evaluation von Frailty
P070 

X. Yu, C. Hoog Antink, S. Leonhardt, J. Batista Junior, C. Bollheimer, T. Laurentius; Aachen

Frailty ist als zentrales geriatrisches Syndrom mit einer verminderten Belastbarkeit gegenüber externen Stressoren vergesellschaftet und dabei ein starker Morbiditäts- und Mortalitätsprädiktor. Frailty soll nach einer Pilotstudie mit einer geringeren Herzratenvariabilität vergesellschaftet sein (Katayama: Cardiac autonomic modulation in non-frail, pre-frail and frail elderly women: a pilot study, 2015).

Der aktuelle Goldstandard in der Bestimmung der Herzratenvariabilität ist das Langzeit-EKG mit der Notwendigkeit des Aufbringens von Elektroden auf die Haut und den damit – insbesondere für geriatrische (scl. delirgefährdetete) Patienten – verbundenen Problemen mit der Akzeptanz. Vor diesem Hintergrund ist es das Ziel der vorliegenden Entwicklungsarbeit an der Schnittstelle zwischen Technik und Geriatrie, ein kontaktloses Verfahren zur Messung der Herzratenvariabilität beim geriatrischen Patienten zu etablieren. Methodisch griffen wir dabei auf das Photoplethysmographie-Imaging (PPGI) zurück, welches die kontaktlose und kamerabasierte Weiterentwicklung der Photoplethysmographie („Fingerclip“) darstellt und somit eine kontaktlose Erfassung des Pulswellensignals ermöglicht. Zur Re-Evaluation, ob tatsächlich relevante Unterschiede der Herzratenvariabilität bei Vorliegen des Frailty-Syndroms existieren, erfolgte zunächst die vergleichende Bestimmung bei gesunden Probanden ab 70 Jahren und bei geriatrischen Patienten mit Vorliegen einer Frailty ab 70 Jahren. Dabei wurde die kontaktlose Messung der Herzratenvariabilität bei den Probanden zunächst während einer zehn-minütigen Ruhephase in liegender Position durchgeführt. Anschließend erhielten die Probanden eine Physiotherapieeinheit zur Anregung des Herz- und Kreislaufsystems, bevor eine Folgemessung über 15 Minuten in liegender Position durchgeführt wurde. Als Referenz für die kontaktlos gemessene Herzratenvariabilität wurde parallel das EKG eines Patientenmonitors aufgezeichnet. Frailty wurde nach den Fried-Kriterien klassifiziert und umfasste ungewollten Gewichtsverlust, Ganggeschwindigkeit, Handkraft, subjektive Erschöpfung sowie physische Aktivität.

15:45
Sarkopenie und Ernährungsdefizite bei älteren Osteoporose Patientinnen - Erste Ergebnisse der SaNSiBaR-Studie
P071 

E. Bätz, F. Genest, S. Achtziger, E. Schorling, E. Nagel, L. Seefried; Bayreuth, Würzburg

Einleitung: Osteoporose und Sarkopenie sind altersassoziierte Erkrankungen die durch eine verminderte Knochendichte bzw. den Verlust der Muskelmasse (MM), -kraft (MK) und/ oder -funktion (MF) gekennzeichnet sind. Beide Erkrankungen weisen gemeinsame Risikofaktoren auf, u.a. Ernährungsdefizite. Patienten mit Sarkopenie und Osteoporose gelten als Hochrisikogruppe für Frakturen und funktionelle Einschränkungen. Die Wechselbeziehungen der genannten Entitäten sind nicht abschließend verstanden und entsprechende Screeningmethoden in der Osteologie nicht etabliert. Ziel der vorliegenden Untersuchung ist die Erfassung des Ernährungsstatus und der Sarkopenie-Prävalenz bei Osteoporose Patientinnen.

Methoden: Monozentrische Querschnittsstudie bei Osteoporose Patientinnen über 65 Jahren. Der Ernährungsstatus wurde mit Hilfe des Mini-Nutritional-Assessment Short-Form (MNA-SF), eine Sarkopenie durch den Sarc-F sowie anhand der EWGSOP-Kriterien erfasst. Zu Grunde gelegt wurde hierfür die Muskelmasse in der Bioimpedanz Analyse (BIA), die Short Physical Performace Battery als Maß der Muskelfunktion sowie die Handkraft.

Ergebnisse: Von bislang 46 Patientinnen im Alter von 75,4 5,3 Jahren mit einem mittleren BMI von 26kg/m2 ( 5,1) fand sich bei n=22 (48%) eine verminderte Muskelmasse. Insgesamt 12 Patientinnen (26%) waren nach EWGSOP als präsarkopen, weitere 22% als sarkopen (n=9) bzw. schwer sarkopen (n=1) einzustufen. Anhand des SARC-F Fragebogens ergab sich eine ähnliche Sarkopenie-Prävalenz von 24% (n=11), allerdings fand sich eine Übereinstimmung in der Diagnose nach EWGSOP und SARC-F nur bei 3 Patientinnen. Bei n=16 Patientinnen (35%) war auf Grundlage des MNA-SF ein Ernährungsdefizit bzw. ein Risiko hierfür zu konstatieren, was aber nur bei der Hälfte davon (n=8) mit einer niedrigen Muskelmasse einherging.

Schlussfolgerung: Die hohe Sarkopenie-Prävalenz bei selbständig lebenden älteren Osteoporose-Patientinnen spricht für eine Assoziation beider Erkrankungen und Mangelernährung scheint dabei ein durchaus häufiges Problem zu sein. Die Diskrepanz zwischen dem SARC-F und den EWGSOP-Kriterien hinsichtlich als sarkopen identifizierter Personen bedarf weiterer Untersuchungen, ebenso die Frage eines kausalen Zusammenhangs zwischen der Mangelernährung und den Erkrankungen. Ein ausgeweitetes Screening hinsichtlich nutritiver Defizite und Sarkopenie bei Osteoporose-Patientinnen scheint empfehlenswert.

15:45
Systematische Übersichtsarbeit zur Behandlung der arteriellen Hypertonie beim funktionell eingeschränkten älteren Patienten - Teilprojekt im Rahmen von „Medikation und Lebenssituation im Alter”
P072 

V. Mühlbauer, S. Brefka, D. Dallmeier, C. Bollig, G. Torbahn, S. Voigt-Radloff, J. M. Bauer, W. Haefeli, M. Denkinger; Ulm, Freiburg, Heidelberg

Fragestellung: Die aktuelle Leitlinie der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie von 2013 zum Management der arteriellen Hypertonie (aHT) unterscheidet in ihren Empfehlungen zwischen „leistungsfähigen“ und „gebrechlichen“ Patienten. Für gebrechliche Patienten wird empfohlen, „die Entscheidung über die antihypertensive Therapie dem behandelnden Arzt zu überlassen, basierend auf der Überwachung der klinischen Behandlungseffekte“ (Evidenzgrad C). Aufgrund der schwachen Evidenzbasis ist diese Therapie mit großer Unsicherheit verbunden. Ein Ziel des Projekts „Medikation und Lebenssituation im Alter“ ist daher die systematische Aufarbeitung der Evidenz zur medikamentösen Therapie der aHT bei funktionell eingeschränkten älteren Patienten.

Methodik: Es wurde jeweils eine systematische Suche nach randomisiert-kontrollierten Studien (RCTs) und prospektiven Beobachtungsstudien zur Pharmakotherapie bei aHT in den Datenbanken Medline, Embase und Central durchgeführt. Eingeschlossen wurden Studien mit älteren, an aHT erkrankten Patienten, deren Funktionsstatus erhoben wurde und der die Patienten als mindestens moderat eingeschränkt charakterisierte. Auswahl, Datenextraktion und Bewertung des Risiko für Bias wurde jeweils von zwei Reviewern unabhängig voneinander durchgeführt. Konflikte wurden durch Diskussion oder durch eine dritte Person gelöst. Die Bewertung des Risiko für Bias erfolgte mit dem Cochrane Risk of Bias Tool für RCTs und mit ROBINS-I für nichtrandomisierte Studien.

Ergebnisse: Aus 15389 Treffern zu RCTs wurden 35 Volltexte und zu den prospektiven Beobachtungsstudien aus 4570 Treffern 36 Volltexte als potentiell relevant erachtet und die Einschlussfähigkeit überprüft. Nur in wenigen Studien wurden überhaupt funktionell eingeschränkte, ältere Patienten eingeschlossen. Jedoch weisen diese Studien häufig andere, meist methodische Schwächen auf. Die Studien werden aktuell aufgearbeitet und diskutiert.

Zusammenfassung: Die aktuelle Datenlage erlaubt keine verlässliche Aussage zur medikamentösen Behandlung der aHT beim funktionell eingeschränkten älteren Patienten. Damit die Therapie dieser vulnerablen Population nicht vordergründig auf der Intuition des behandelnden Arztes basiert, ist der Einschluss dieser Patientengruppe in RCTs dringend erforderlich, um Empfehlungen abzuleiten.

15:45
Zertifizierung muss nicht kompliziert sein - Ein Leitfadenmodell in auf den Klinischen Bereich adaptierter Sprache als Hilfe zur Selbsthilfe
P073 

J.-M. Severin, B.-O. Fechner, M. Reh, A.-M. Hergt; Heide

In den Westküstenkliniken Brunsbüttel und Heide gGmbH wurde im Rahmen einer Bachelorarbeit ein Leitfaden zur Umsetzung der DIN EN ISO 9001:2015 entwickelt, welcher es allen zu zertifizierenden Bereichen erleichtern soll, die Norm schnell und einfach umzusetzen. Hierbei werden übergreifende Unternehmensstandards bereits zentral berücksichtigt, so dass Doppelarbeiten vermieden werden. In diesem Leitfaden werden zum einen die Inhalte der Norm in erläuternden Arbeitspaketen beschrieben und diese zum anderen anhand von Beispielen aufgearbeitet. In zugehörigen Arbeitsvorlagen, wie beispielsweise ausfüllbaren Tabellen, sollten die zu zertifizierenden Bereiche die Normanforderungen direkt umsetzen. Dadurch sollte den Bereichen die Arbeit beim Aufbau ihres Qualitätsmanagementsystems trotz intensiver Auseinandersetzung mit den Normanforderungen erleichtert werden, sodass diese am Ende die Zertifizierungsreife erlangen. In der Klinik für Frührehabilitation und Geriatrie am Westküstenklinikum Heide waren bereits im Jahr 2015 mit Beginn der Amtszeit der neuen Chefärztin erste Zertifizierungsbestrebungen vorhanden. Im Rahmen der Qualitätszirkel wurde schrittweise damit begonnen, ein Qualitätsmanagementsystem aufzubauen. Im Jahr 2017 sollte die Zertifizierung schließlich realisiert werden. Im März 2017 wurde eine Studentin im Rahmen ihrer Bachelorarbeit mit der Entwicklung eines Leitfadens zur Vorbereitung aller Bereiche auf Erstzertifizierungen nach DIN EN ISO 9001:2015 beauftragt. Um die Zertifizierung kurzfristig realisieren zu können, erklärte sich die Klinik für Frührehabilitation und Geriatrie dazu bereit, die Praktikabilität des Leitfadens als Pilotklinik zu validieren. Hierzu stand ein sehr enges Zeitfenster von sieben Monaten zur Verfügung. Die Zertifizierung wurde mit einem äußerst positiven Ergebnis durchgeführt. Die Implementierung wird im Unternehmen bereits für weitere Bereiche erfolgreich eingesetzt.

15:45
Erfolgreiche Behandlung eines hochbetagten Patienten mit Merkelzellkarzinom. Ein Fallbericht.
P074 

M. Schroeder, U. Greiff, U. Schäfer; Duisburg

Einführung: Bei dem Merkelzellkarzinom (MCC) handelt es sich um einen seltenen, äußerst aggressiven Hauttumor mit epithelialer und neuroendokriner Differenzierung. Bei einer Inzidenz von 0,4/100000 pro Jahr und steigender Tendenz sind vorwiegend ältere Patienten betroffen.

Insbesondere die kleinzelligen Zelltypen neigen früh zu einer lokoregionären und lymphogenen und hämatogenen Metastasierung.

Wir berichten über einen 87 jährigen Patient, der im November 2016 an einem MCC ersterkrankte. Der Primärtumorsitz war im mittigen Unterbauchbereich mit lokaler Lymphangiosis und rechts axillarem (sentinel positiven) LK-Befall.

Methode: Neben einer weiträumigen Exzision und Sentinel LK-Exstirpation erfolgte eine postoperative Bestrahlung des Primärtumorsitzes.

Eine systemische Chemotherapie wurde zum damaligen Zeitpunkt von dem Patienten abgelehnt. Trotz seines hohen Alters und seiner Komorbiditäten. (Insulinpflichtiger DM, art. Hypertonie, Zustand nach Apoplex 2010) war der Patient in guten AZ, selbstversorgend und mobil.

Juli 2017: Multiple Fernmetastastasen (Leber, periphere LK, Haut, ossär-BWS)

Einleitung einer palliativen Chemotherapie entsprechend der neuroendokrinen Differenzierung mit Vincristin und Etoposid, wie einem kleinzelligen Karzinom entsprechend dem damaligen Standard. Stabile Erkrankung bis 10/2017.

Oktober 2017 bei Größenzunahme der Metastasen Einleitung einer Therapie mittels dem ersten neuzugelassenen Immun-Checkpoint-Inhibitor „Avelumab“ 3mg i.v./kg KG/2qw.

Ergebnis: Bereits nach drei Gaben dokumentierte schnell Tumorreduktion aller Metastasen-Lokalisationen (Leber, LK, Haut, ossär) bei gleichbleibenden Karnofsky-und Barthel Index von 90%.

Zusammenfassung: Bei komplikationsloser Applikation auf ambulanter Basis und keinerlei Nebenwirkungen kann diese Therapie auch bei hochbetagten Patienten empfohlen werden.

15:45
Videobasierte Überprüfung der Inter-Rater Reliabilität des angepassten Wolf-Motor-Funktionstests für orthopädische Patienten nach Schulterverletzungen
P075 

C. Nerz, P. Augat, C. Becker, S. Schölch, L. Schwickert; Stuttgart, Murnau am Staffelsee

Hintergrund und Zielsetzung: Bislang gibt es kaum objektive Tests zur Messung der Leistungsfähigkeit bei orthopädischen Patienten nach Schulterverletzung. Der Original Wolf-Motor-Funktionstest bewertet objektiv die Leistungsfähigkeit der oberen Extremitäten von Patienten mit neurologischen Störungen und Schädel-Hirn-Verletzungen an Hand der benötigten Zeit zur Ausführung bestimmter Aufgaben und der funktionellen Fähigkeit. In einer modifizierten Version wurde dann die Bewegungsqualität ebenfalls bewertet. Eine weitere Anpassung des Wolf-Motor-Funktionstest an Patienten nach Schulterverletzungen (WMFT-O) wurde bereits bei einer kleinen Stichprobe hinsichtlich der Inter- und Intra-Rater Reliabilität klinisch untersucht. Ziel der vorliegenden Untersuchung ist es die Ergebnisse der Inter-Rater Reliabilität bei einer größeren Stichprobe für die videobasierte Analyse zu bestätigen. Zusätzlich soll der Zusammenhang zwischen dem objektiven WMFT-O und dem subjektiven DASH Fragebogen untersucht werden.

Patienten und Methodik: Bei 65 orthopädischen Patienten im Alter von 35-94 Jahren mit chirurgisch oder konservativ behandelter Schulterverletzung wurde die Leistungsfähigkeit der Schulter anhand des WMFT-O zu unterschiedlichen Messzeitpunkten erhoben. Diese Messungen wurden standardisiert auf Video aufgezeichnet. Um die Inter-Rater Reliabilität zu bestimmen, bewerteten drei unabhängige Rater die Videos. Die Inter-Rater Reliabilität wurde durch gewichtete Cohens Kappa-Statistiken mit entsprechenden Konfidenzintervallen überprüft. Zusätzlich wurde die Einschränkung im Alltag durch die betroffene Extremität anhand des „Disability of the Arm Shoulder and Hand Fragebogens“ (DASH) erhoben.

Schlussfolgerung: Die Ergebnisse sollen der Evaluierung eines objektiven Tests zur Ermittlung der Leistungsfähigkeit der oberen Extremität bei orthopädischen Patienten dienen.

15:45
Evaluierung des Expressionsprofils altersassoziierter Plasmaproteine
P077 

A. Thomas, C. Rubie, M. Glanemann; Homburg/Saar

Fragestellung: Welche altersabhängigen Konzentrationsunterschiede der Plasmaproteine alpha2-Makroglobulin und TIMP2 bestehen und warum bestehen sie?

Hintergrund: Die beiden Plasmaproteine alpha2-Makroglobulin und TIMP2 treten immer mehr in das öffentliche Interesse und erlangen durch den Zugewinn an Erkenntnissen über ihre Funktionalität immer mehr an Bedeutung. Alpha2-Makroglobulin wird vermehrt bei altersassoziierten Erkrankungen gebildet und wirkt gegen Alterung durch seinen anti-apoptotischen Effekt. Durch seine zusätzliche Wirkung bei der Unterstützung des Immunsystems kann man davon ausgehen, dass es auch bei immunsystemauslösenden Krankheiten erhöht ist. TIMP2 hat laut Literatur ähnliche Effekte. Es hat ebenfalls einen anti-apoptotischen Effekt und wirkt der Alterung entgegen. Aber auch bei vielen Krankheiten (z. B. bei Krebs) ist TIMP2 erhöht. Bei Krebs und COPD dient es zusätzlich als Schutzfaktor.

Material und Methoden: Es wurden Blutproben von Patienten verschiedener Altersgruppen der Allgemeinchirurgie der Universität Homburg/Saar ausgewählt. Die Expressionsanalyse wurde auf mRNA Ebene mittels quantitativer Real-time PCR und auf der Proteinebene mittels ELISA durchgeführt. Die Expression der Plasmaproteine alpha2-Makroglobulin und TIMP2 wurde in jungen (20-29 Jahre) mittelalte (36 – 63 Jahre) und alten Probanden (65 – 86 Jahre) untersucht.

Ergebnisse: alpha2-Makroglobulin Protein Expression Signifikanter Anstieg der Konzentration von jungen zu alten (p=0,0268) und ein sehr signifikanter Anstieg von mittelalten zu alten Probanden (p=0,0029) alpha2-Makroglobulin mRNA Expression Es zeigt sich zwar eine um 32 % (SE=7 %) geringere α2-Makroglobulin-Konzentration von mittelalten und eine um 14 % (SE=12 %) höhere –Konzentration von alten Probanden jeweils verglichen mit den jungen Probanden, diese Verhältnisse sind jedoch nicht signifikant. Sehr signifikant ist aber das Verhältnis.

 

Posterhinweis

Bitte erstellen Sie das Poster in folgendem Format:
120 cm × 90 cm (~ DIN A 0, Hochformat)

Für jedes Poster wird es vor Ort eine eigene Posterwand und an der Registrierung ausreichend Befestigungsmaterial geben. Eigenes Befestigungsmaterial ist nicht gestattet.

Geführte Postersession:
Freitag, 07.09.2018 15:45 - 17:00 Uhr

Wir bitten alle Posterautoren sich an ihrem Poster für Fragen bereit zu halten. Die Poster werden während des gesamten Kongresszeitraums ausgestellt sein.

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