Freitag, 07.09.2018
15:45 - 17:00
Zelt
Poster: Geriatrie 3 (P031-P042)

Moderation: A. Wiedemann, Witten; J. Zeeh, Meiningen

15:45
Die Identifikation von älteren Patienten, die von einer zeitnahen geriatrischen Intervention profitieren: die Herausforderung des ISAR-Score
P031 

Y. Schiefer, W. Weinrebe, K. Weckmüller, R.-J. Schulz, S. Rupp, S. Bischoff, M. Karaman, S. Goetz, H. J. Heppner, M. C. Polidori Nelles; Köln, Meyriez/CH, Koblenz, Wartenberg, Bad Friedrichshall, Berlin, Schwelm

Hintergrund: Das frühzeitige Identifizieren von älteren Patienten, die zeitnah einer geriatrischen Behandlung bedürfen ist für die optimale Nutzung des Rehabilitationspotentials entscheidend. In Deutschland ist hierfür der Identification of Seniors At Risk (ISAR)-Score empfohlen.

Ziel: Retrospektiv wurden die Aufnahmecharakteristika und der ISAR-Score von Patienten (≥75 Jahre) einer Akutgeriatrie (AG) und einer Klinik für geriatrische Rehabilitation (GR) mit den Daten von Patienten der Notaufnahme (NA) einer Akutklinik verglichen.

Methodik: Die Aufnahmedaten von 267 Patienten stammen aus drei Gruppen: Patienten aus einer NA (n=98), Patienten aus einer AG (n=80) und Patienten aus einer Klinik für GR (n=89). ISAR-Score, Komorbiditäten, Polypharmazie, Funktionsstörungen (FS) und Barthel Index (BI) wurden statistisch ausgewertet.

Ergebnis: Es bestanden keine signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen den ISAR-Score betreffend: 87% der Patienten der NA, 94,9% der AG und 94,4% der GR waren ISAR-positiv (≥2 Punkte). Von den Patienten der NA, die laut ISAR-Score positiv gescreent waren, wurde keiner in eine geriatrische Abteilung verlegt. Die Patienten der NA wiesen im Vergleich zu den anderen Gruppen eine signifikant höhere Anzahl an FS auf (9.1±5.4 NA vs. 8.8±4.7 AG und 6.6±4.4 GR, p=0.001), auch war der BI signifikant höher (49.3 ± 26.5, NA vs. 27.2 ± 23.3 AG und 37.9 ± 22.3, GR, p<0.0001).

Zusammenfassung: Ein positives ISAR-Screening scheint keine zuverlässige Hilfe zu sein, um geriatrische Patienten in eine adäquate geriatrische Versorgung zu steuern. Die Ergebnisse dieser Studie weisen darauf hin, dass zusätzliche Informationen für eine frühe und sichere Identifikation von älteren Patienten mit Bedarf an geriatrischer Intervention benötigt werden.

15:45
Vorstellung der konsentierten Indikatoren für ein Public Health Monitoring 65+. Ergebnisse aus dem Projekt Improving Health Monitoring in Old Age (IMOA) des Robert Koch-Instituts
P032 

J. Fuchs, B. Gaertner, C. Scheidt-Nave, M. Grube; Berlin

Um der Heterogenität der Bevölkerung ab 65 Jahren gerecht zu werden, werden zur Beschreibung von Gesundheitszustand, körperlicher und kognitiver Leistungsfähigkeit, Lebensumständen, Autonomie und Lebensqualität adäquate Erhebungsmethoden und Instrumente benötigt. Im Rahmen des durch die Robert Bosch Stiftung geförderten IMOA-Projekts wurde ein Rahmenkonzept erarbeitet und relevante Kennzahlen (Indikatoren) ausgewählt, die ein angemessenes Monitoring des höheren Lebensalters ermöglichen.

Im ersten Schritt wurde eine qualitative Inhaltsanalyse nationaler und internationaler Gesundheitsziele vorgenommen. Auf dieser Basis wurden zusammen mit Expertinnen und Experten aus Gerontologie, Geriatrie und Pflegewissenschaften relevante Handlungsfelder und Themenbereiche für ein Gesundheitsmonitoring im höheren Lebensalter definiert und entsprechende Indikatoren aus bestehenden Monitoringsystemen zusammengestellt. Danach wurden in einem mehrstufigen strukturierten Prozess die relevanten Kernindikatoren konsentiert.

Die drei Handlungsfelder Lebenswelt, Aktivitäten/Teilhabe und gesundheitliche/funktionelle Ressourcen aus dem Aktionsplan „Ageing and Health“ der WHO bildeten den Rahmen für die Indikatorenauswahl, diesen wurden elf inhaltliche Themenbereiche (z.B. Gesundheitsversorgung, Teilhabe, körperliche und kognitive Funktionsfähigkeit) zugeordnet. Pro Themenbereich liegen Indikatoren vor (z.B. hausärztliche/allgemeinärztliche Versorgung, Einschränkungen in Aktivitäten des täglichen Lebens, langsame Gehgeschwindigkeit), für die wiederum Definitionen und mögliche Datenquellen zusammengestellt wurden.

Durch die mit dem Expertengremium abgestimmten Kernindikatoren für ein Gesundheitsmonitoring 65+ wird es künftig möglich sein, über die Zeit vergleichbare Einschätzungen zur gesundheitlichen Lage älterer Menschen zu treffen. Langfristig soll so eine Datengrundlage geschaffen werden, die zur Unterstützung politischer Entscheidungsprozesse, zur Evaluation von Gesundheitszielen und zur Politikfolgenabschätzung genutzt werden kann und dazu beiträgt, die Gesundheit im höheren Lebensalter in allen Politikfeldern zu verankern.

15:45
Makrohämaturie als Leitsymptom bei geriatrischen Patienten
P033 

L. Küper, A. Wiedemann; Witten

Häufig werden hochbetagte Patienten mit dem Leitsymptom Makrohämaturie aufgenommen, die hier genauer charakterisiert werden sollten.

162 Patienten, die wegen Makrohämaturie stationär aufgenommen wurden und mind. 75 Jahre alt waren, wurden in 36 Variablen eingeschlossen, z.B.: „Identification of seniors at risk“ (ISAR) – Punktwert oder Blasenverweilkatheter (BVK) und retrospektiv betrachtet.

Die Zahl der Patienten mit BVK vor Aufnahme war signifikant höher als in der Vergleichsgruppe (Bootsma, AM; Urinary incontinence and indwelling urinary catheters in acutely admitted elderly patients. 2013).

Ein Großteil dieser blutete aufgrund einer Autodislokation. Der Nachweis einer bakteriellen Zystitis war nicht signifikant höher als bei Patienten ohne BVK.

75,3 % der Patienten nahmen gerinnungsaktive Medikamente ein. Patienten unter Phenprocoumontherapie waren in 40,6 % der Fälle untertherapiert, in 28,1 % übertherapiert und in 31.2 % zielgerecht behandelt.

Bei der urologischen Abklärung wurde in 24,7 % ein Tumor von Harnblase, Harnleiter oder Prostata als Ursache gefunden. Tendenziell wurde bei BVK-Trägern und bei Patienten mit gerinnungsaktiven Medikamenten seltener ein Tumor diagnostiziert.

Ein liegender BVK stellt einen Risikofaktor für das Auftreten einer Makrohämaturie dar. Besonders bei Patienten mit positivem ISAR-Screening gilt es, der Gefahr der Autodislokation zu entgegnen. Bei BVK und gleichzeitiger Gerinnungshemmung besteht kein zusätzlich erhöhtes Blutungsrisiko.

Bei der OAK mit Phenprocoumon war nicht die Überdosierung führend. Die urologische Abklärung erbringt in rund einem Viertel auch bei den untersuchten Hochbetagten relevante Befunde und sollte auch bei BVK oder Einnahme gerinnungsaktiver Medikamente nicht vernachlässigt werden.

15:45
Antikoagulation bei zerebralen Mikroblutungen (CMBs) und Amyloidangiopathie (CAA)? Übersicht zu aktuellen Empfehlungen
P034 

K. E. Brogmus; Woltersdorf

Die zerebrale Amyloidangiopathie entsteht durch Ablagerung des A beta(1-40) Amyloid in den infrakortikalen und leptomeningealen Hirngefäßen. In der T2* Gewichtung des cMRT`s zeigt sie sich durch CMBs oder eine superfizielle Siderose; klinisch manifest wird sie durch spontane lobäre Hirnblutungen oder fokale Subarachnoidalblutungen. Zeichen einer Amyloidangiopathie oder CMBs finden sich bei über Achtzigjährigen bis zu 40%. CMBs korrelieren mit nVHF und einem erhöhten Infarktrisiko. Sie kommen darüber hinaus auch bei hypertonischer Enzephalopathie vor. Bisher gibt es keine kontrollierten Studien, ob Patienten mit CMB`s von einer Antikoagulation profitieren. In den Empfehlungen der AHA/ASA von 2017 wird nach einer umfangreichen Literaturrecherche festgestellt, dass das Risiko eines ischämischen Infarkts stärker ansteigen als das einer spontanen ICB. So fand A. Charidimou (2013) in einer Metananalyse von 10 Studien (bis zu 5,6 a, n=3067, davon 884 mit CMBs) ein Schlaganfallrisiko (jegliche Genese) bei CMBs von 11,2 % versus 6,1 % und ein ICB Risiko von 4 % versus 0,5 %. Deshalb könnten Pat. mit CMB`s von einer Antikoagulation profitieren. Es sollten jedoch NOAKs eingesetzt und andere Risikofaktoren, insbesondere ein hoher Blutdruck, minimiert werden. Z. Wang (2014) diskutiert, dass bis zu einer Anzahl von 5 CMBs Pat. von einer Antikoagulation mit Wafarin profitieren könnten, bei NOAKs sei auch eine höhere Anzahl vertretbar. Im Einzelfall sind Hirninfarkt – und Blutungsrisiko gegen einander aufzuwägen: Wang schlägt hierzu einen modifizierten CHADS-VASc/HAS-BLED Score vor. Zurzeit laufen weitere Studien zum Einsatz bei NOAKs bei CMB Patienten mit nVHF. Betroffene mit hypertonisch bedingte CMBs weisen ein geringeres Blutungsrisiko auf. Bei intrazerebralen Blutungen und CMBs wird wegen des besonders erhöhtes Risiko für Rezidivblutungen von einer Antikoagulation abgeraten, mit Ausnahme lebenswichtiger Indikation wie Implantat einer mechanischen Herzklappe. Ebenfalls sollten Statine nicht gegeben werden. Die Blutdruckwerte sollten nicht über 130/80 mm Hg liegen. Hinsichtlich derfokalen oder superfiziellen Siderose (SS) gibt es noch keine allgemeinen Empfehlungen. Allerdings ist gerade bei disseminierter Siderose die Gefahr intrazerebraler Blutungen besonders hoch, bis zu 74 % innerhalb von 4 Jahren, so dass von einer Antikoagulation abgeraten wird.

15:45
The U.S. FORTA Project: A Study to Promote the Use of FORTA (Fit fOR The Aged) List Internationally
P035 

F. Pazan, Y. Gercke, C. Weiß, M. Wehling; Mannheim

Older people are the main recipients of medications in many regions of the world. Numerous studies have revealed that a large section of the elderly is subject to inappropriate drug treatment. The reason is that for most of the drugs there is hardly any evidence regarding efficacy and safety in older people. Furthermore, the presence of multimorbidity and as a result polypharmacy aggravates this problem. In order to effectively address this issue and to increase the appropriateness and quality of drug treatment in older people, a clinical aid called the FORTA List has been developed. FORTA was originally created by Wehling, and the FORTA List was validated by 21 experts in a Delphi consensus procedure in Germany/Austria. Furthermore, FORTA’s utility has been assessed in a pilot clinical trial and in a randomized prospective trial. These two studies showed that FORTA significantly (p<0.001) improves the quality of drug treatment. Based on these results, we have planned to conduct a two-step consensus validation of the FORTA List in the United States. For this purpose, we will invite members of the American Geriatrics Society (AGS) Polypharmacy Special Interest group to participate in our project. In addition, we will use a self-developed algorithm to choose experts in the field of geriatrics with high experience in clinical pharmacotherapy. The outcomes of this project will be used to develop a US-FORTA List and to promote the use of FORTA in North America and internationally.

15:45
Einfluss von Typ-2-Diabetes und Insulintherapie auf die Muskulatur
P036 

U. Ferrari, M. Rottenkolber, C.-C. Selte, C. Then, J. Seißler, B. Linkohr, A. Peters, M. Drey, B. Thorand; München, Neuherberg

Einleitung: Verlust von Muskelmasse und –funktion ist Hauptursache der Immobilität im Alter. Geriatrische Patienten mit Typ-2-Diabetes (T2D) leiden häufig an Mobilitätseinschränkungen.

Ziel der aktuellen Studie ist es, die Assoziation von T2D und der Veränderung der Muskelmasse oder -funktion im Alter zu untersuchen und ob diese bei Diabetikern durch eine Insulinbehandlung beeinflusst wird.

Methodik: In einer populationsbasierten Kohortenstudie (KORA Age) wurde zur Basisuntersuchung (2009) und nach einer Follow-up Zeit von 3 Jahren (2012) der Skelettmuskelindex (SMI [kg/m2]) und die Handgreifkraft (HK [kg]) gemessen und ein Timed Up and Go (TUG [s]) Test durchgeführt. Mittels multipler linearer Regressionsmodelle wurde der Einfluss des T2D und der Insulintherapie auf die Veränderung (Differenz der Basis und Follow-up Werte) der Muskelparameter untersucht.

Ergebnisse: Unter den 731 Probanden (360 Frauen (49,3 %)) mit einem mittleren Alter von 74,6±6,2 Jahren, hatten 16,1 % (n=118) einen T2D (HbA1c 6,4±0,7 %), der bei 16,9 % (n=20) mit Insulin behandelt wurde.

Frauen (F) und Männer (M) mit T2D zeigten eine stärkere Abnahme der HK (F: -1,2±4,3; M: -1,8±5,4) und des SMI (F: -0,2±0,7; M: -0,2±0,7) als F und M ohne T2D (F:-0,5±3,9; M: -0,4±5,5). Nach Adjustierung für Geschlecht, Alter, BMI, körperliche Aktivität, Rauchen und Multimorbidität bleibt T2D signifikant mit der Veränderung des SMI (p=0,02), jedoch nicht der HK (p=0,07) und des TUG (p=0,76) assoziiert.

Bei Personen mit therapierten T2D war die Insulintherapie im Vergleich zur alleinigen Behandlung mit oralen Antidiabetika signifikant mit der Veränderung des SMI (p<0,001), aber nicht der HK (p=0,18) und des TUG (p=0,09) assoziiert.

Diskussion: Patienten mit T2D zeigten im Vergleich zu Nichtdiabetikern einen beschleunigten Abbau von Muskelmasse im Alter. Daher könnten routinemäßige klinische Muskeluntersuchungen in dieser Hochrisikopopulation sinnvoll sein. Eine Insulintherapie könnte für ältere Menschen mit T2D einen Nutzen im Hinblick auf die Erhaltung von Muskelmasse bieten. Es sind jedoch weitere Studien erforderlich, um dieses Ergebnis zu bestätigen.

15:45
Die Entwicklung der körperlichen Funktionsfähigkeit älterer Krebspatientinnen und Krebspatienten während und nach Tumortherapie - eine prospektive Beobachtungsstudie
P037 

J. Kooymann, D. Medenwald, A. Golla, G. Stangl, H. Schmidt, G. Hübner, A. Steckelberg, D. Vordermark; Halle (Saale)

Fragestellung: Die Krebstherapie älterer Menschen kann zu Einschränkungen der gesundheitsbezogenen Lebensqualität (HRQOL), der körperlichen Funktionsfähigkeit und Teilhabe führen. Um dem entgegenzuwirken, bedarf es zielgruppenorientierter Interventionsstrategien, die die Heterogenität individueller Plastizitätspotentiale (z.B. bezogen auf physiologische Reserve oder körperliche/kognitive Funktion) berücksichtigen. In dieser Studie sollen auf Basis objektiver und subjektiver Parameter Hypothesen zu modifizierbaren Risikofaktoren generiert werden, die mit der Entwicklung der körperlichen Funktion (Erhalt bzw. Minderung) assoziiert sind.

Methode: In die prospektive Beobachtungsstudie werden 36 PatientInnen (≥65 Jahre mit soliden Tumoren) vor strahlentherapeutischem Behandlungsbeginn eingeschlossen. Die folgenden Assessment-basierten und patientenberichteten Angaben werden erhoben, verglichen und im Zeitverlauf analysiert: krankheitsbezogene Daten, ADL, IADL, Ernährungsstatus, Bioimpedanzanalyse, Nikotin- und Alkoholkonsum, körperliche Funktion (Handkraft, Timed up and go test (TUG), 6-Min. Gehtest (6-MWT), Kognition, HRQOL (EORTC Kernfragebogen QLQ-C30 und elderly modul ELD-14), soziale Situation, Depression, frühere und aktuelle körperliche Aktivität sowie Motivation zu körperlicher Aktivität. Das komplette Follow-up (6 und 12 Mo.) wird ergänzt durch postalische Befragungen (3 und 9 Mo.).

Ergebnisse: Bislang wurden 31 PatientInnen eingeschlossen (Alter: Ø 74 ±6 Jahre; n=14 Frauen; häufigste Tumorlokalisation: n=15 Lunge, Anzahl Komorbiditäten: Ø 4 ±2; kombinierte Radiochemotherapie: n=20). Im funktionellen Assessment erreichten die ProbandInnen Ø 9,2 ±3,5 Sek. beim TUG, eine Gehstrecke von Ø 351 ± 102 Metern beim 6-MWT und eine durchschnittliche Handkraft (rechts/links) von 26,7 ±8,9 kg / 25,4 ±8,9 kg. Die HRQOL-Subskala körperliche Funktion (EORTC QLQ-C30) betrug Ø 78,3 ±18,8 Punkte zur Baseline. Für die ersten Fälle des 3-Monats Follow-up (n=8) betrug die körperliche Funktion Ø 64,0 ±24,5 Punkte (MW-Differenz=22,8, p<0.05).

Zusammenfassung: Erste Ergebnisse der Nachbeobachtung deuten einen klinisch relevanten Rückgang der körperlichen Funktion bereits nach 3 Monaten an. Zum Kongress kann eine komplette Analyse (Baseline und 3-Monats-Follow-up) präsentiert werden.

15:45
Vorbereitung einer populationsbezogenen prospektiven Beobachtungsstudie mit älteren Menschen nach proximaler Femurfraktur: Auswahlprozess der Befragungsinstrumente
P038 

J. Blessin, M. Baltes, G. Meyer, S. Andrich, M. Ritschel, F. Hoffmann, K. Jobski, A. Fassmer, P. Fuhrmann, C. G. G. Sorg, A. Stephan; Halle (Saale), Düsseldorf, Oldenburg

Fragestellung: Proximale Femurfrakturen (PFF) führen häufig zu bleibenden Einschränkungen und Pflegebedürftigkeit. Die im Rahmen des Innovationsfonds geförderte Studie zur ‚Versorgung, Funktionsfähigkeit und Lebensqualität nach proximaler Femurfraktur – ProFem‘ (DRKS-ID: DRKS00012554) wird zum einen die Versorgungssituation und zum anderen patientenrelevante Outcomes älterer Versicherter der AOK Rheinland/Hamburg (≥ 60 Jahren) nach PFF untersuchen und Gruppen mit ungünstigen Outcomes identifizieren. Bei einem relevanten Anteil der Teilnehmenden sind kognitive Einschränkungen zu erwarten. In diesen Fällen sollen zusätzlich Bezugspersonen befragt werden. Es stellt sich die Frage, welche Instrumente geeignet sind, patientenberichtete Outcomes (PROs) wie beispielsweise Lebensqualität, Funktionsfähigkeit und Partizipation in dieser Population zu erfassen.

Methode: Die Instrumentenauswahl zu den genannten Konstrukten erfolgte innerhalb eines gezielten und aufeinander abgestimmten Prozesses: 1) Instrumentenrecherche in biomedizinischen Datenbanken; 2) Bewertung der Instrumente hinsichtlich ihrer a) psychometrischen Eignung, b) Angemessenheit für die Zielgruppe (Personen ≥ 60 Jahre mit PFF; Personen ≥ 60 Jahre mit PFF mit kognitiven Einschränkungen und deren Proxys), c) Eignung als Selbst- und Proxy-Instrument und d) zur persönlichen/postalischen Befragung. Im Rahmen eines Protokoll-gestützten Pretests wurden die Instrumente hinsichtlich Verständlichkeit für ältere Menschen/Proxys, Befragungsdauer und Belastung überprüft.

Ergebnisse: Für die Erfassung von PROs nach PFF wurde folgendes Instrumenten-Set zusammengestellt: EQ-5D-5L und SF-12 (Lebensqualität), Mobility Parker Score, Oxford Hip Score und Barthel Index (Funktionsfähigkeit), IMET (Partizipation). Für die Befragung der unterschiedlichen Zielgruppen wurden zwei Fragebögen entwickelt: (1) Teilnehmende mit PFF mit und ohne kognitive Beeinträchtigung, (2) Proxys der Teilnehmenden mit PFF und kognitiver Beeinträchtigung. In vier Pretest-Interviews waren die zielgruppenspezifischen Fragebögen sowohl für Teilnehmende mit PFF mit und ohne kognitive Beeinträchtigung als auch für Proxys gut anwendbar.

Schlussfolgerung: Der Pretest zeigte eine gute Anwendbarkeit des Instrumentensets für die Erfassung von PROs für die unterschiedlichen Gruppen. Die Instrumente werden ab Mai 2018 bei ca. 700 Teilnehmenden im Rahmen von Hausbesuchen und postalischen Befragungen in verschiedenen häuslichen Settings eingesetzt.

15:45
Komponenten des Transitional Care Models (TCM) zur Reduzierung der Krankenhauswiederaufnahmerate geriatrischer Patienten - ein systematisches Review
P039 

N. Morkisch, L. D. Upegui, M. I. Cardona, D. van den Heuvel, M. Rimmele, E. Freiberger, C. C. Sieber; Berlin, Nürnberg

Hintergrund: Im Jahr 2014 bezifferte das Statistische Bundesamt Deutschlands die Einwohner, welche zwischen 66 und 99 Jahre alt waren auf 20 Prozent der Gesamtbevölkerung. Es wird angenommen, dass diese Zahl im Jahr 2060 auf 33 Prozent ansteigen wird. Menschen, die über 65 Jahre alt sind und ein hohes Maß an Gebrechlichkeit und Multimorbidität aufweisen, gelten laut Definition der Europäischen Union als geriatrische Patienten. Ein Anstieg der Fallzahl in geriatrischen Fachabteilungen im Krankenhausbereich um 25 Prozent bis zum Jahr 2025 gegenüber dem Jahr 2013, wird aufgrund des demographischen Wandels im Weißbuch Geriatrie prognostiziert. Demzufolge sollten Konzepte zur Versorgung von geriatrischen Patienten weiterentwickelt und etabliert werden. In den 1990er Jahren publizierten Naylor et al. mehrere Studien zum Einsatz des „Transitional-Care-Models“ (TCM). Die Ergebnisse zeigten, dass eine Begleitung durch Pflegepersonal, über die Entlassung aus dem Krankenhaus hinaus, die Wiederaufnahmerate senken konnte. Im vorliegenden systematischen Review wurde untersucht, welche der definierten Komponenten des TCM im Vergleich zur Standardversorgung in randomisierten kontrollierten Studien (RCTs) eingesetzt wurden, um bei geriatrischen Patienten eine Reduktion der Wiederaufnahmerate zu bewirken.

Methode: Im November 2017 wurde eine systematische Literatursuche in folgenden elektronischen Datenbanken durchgeführt: The Cochrane Central Register of Controlled Trials (CENTRAL), MEDLINE, CINAHL, PsycINFO. Für die Studienauswahl wurde der Einschluss von RCTs ab 1994 mit initialer Stichprobengröße je Gruppe von ≥ 50 bestimmt. Das Alter der teilnehmenden Patienten wurde entsprechend der EU-Definition auf > 65 Jahre festgelegt. Die Anwendung von mindestens einer Komponente des TCM, welches im Krankenhaus initiiert wurde und bis nach der Entlassung nach Hause andauerte, sollte als Intervention in den Studien durchgeführt worden sein.

Ergebnisse: Aus 2802 Titeln konnten bislang 46 Abstracts zur weiteren Beurteilung der Volltexte identifiziert werden. Das Ergebnis der Datenextraktion der eingeschlossenen Studien wird auf dem 14. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Gerontologie und Geriatrie präsentiert.

Diskussion: Die Internationalität der Studien zeigte, dass der demographische Wandel auf allen Kontinenten wahrgenommen wurde. Mehrere Komponenten des TCM wurden beim Übergang vom Krankenhaus nach Hause für geriatrische Patienten eingesetzt.

15:45
Muscle fiber atrophy in neurogenic sarcopenia compared to other neuromuscular diseases
P040 

F. Tanganelli, F. Hofmeister, P. Meinke, S. Hintze, U. Ferrari, S. Krause, B. Schoser, M. Drey; München

Background: In the past, a lot of effort was put in the definition of sarcopenia,however, very little focus was on differential diagnoses of sarcopenia. In this study, age-related neuromuscular diseases like sporadic inclusion body myositis (sIBM), myotonic dystrophies (DM), and sporadic amyotrophic lateral sclerosis (sALS) were compared histologically with neurogenic sarcopenia caused by loss of motoneurons.

Methods: Muscle biopsies of the vastus lateralis muscle (mean age 82 ± 6, 6 years) of patients with hip fracture from an ongoing study were compared with sIBM, DM and sALS patients (63 ± 16, 9 years). Hip fracture patients were characterized as sarcopenic or neurogenic sarcopenic due to loss of motoneurons. We studied the different degree of atrophy in muscle fibers, grouping of fiber types, and compensatory hypertrophy with hematoxylin and eosin and myosin heavy chain fast and slow staining.

Results: Typical histological findings in sALS are the predominance of combined type-1 and type 2 fiber atrophy and partly compensatory hypertrophy and the absence of endomysial connective tissue proliferation. In sIBM inflammation, rimmed vacuoles containing basophilic granules, autophagy, and an increase of internal nuclei and endomysial connective tissue are typical. In DM there were muscle fiber atrophies with predominance in accordance to the subtype (type 1 fiber for DM type 1, type 2 fiber for DM type 2). In addition, multiple internalized nuclei, nuclear clumps, ring fibers, sarcoplasmatic masses, and moth-eaten fibers were identified. As preliminary data in our study we found a lot of fibrosis in neurogenic sarcopenia compared to sarcopenic samples. No necrosis or endomysial connective tissue could be found. Severe muscle atrophy was detected as a common feature for all investigated diseases.

Conclusion: Despite the small number of cases examined we identified a distinct histological signature in neurogenic sarcopenia. Further quantification of molecular markers of myocyte protein quality control including autophagy (LC3B, p62, LAMP1 and 2), mitochondrial dynamics (Mfn1, Mnf2, OPA1, FIS), mitochondrial biogenesis (PGC-1alpha, TFAM), and mitophagy (Parkin, mTOR, Pink1) are necessary to understand the pathogenic processes at molecular and cellular level.

15:45
Erhöhte Serum Fibroblasten-Wachstumsfaktor 21 Konzentrationen bei älteren Patienten mit einer Kachexie
P041 

K. Franz, M. Ost, C. Herpich, L. Otten, A.-S. Endres, V. Coleman, S. Klaus, U. Müller-Werdan, K. Norman; Berlin, Nuthetal

Fragestellung: Der in der Leber synthetisierte Fibroblasten-Wachstumsfaktor 21 (FGF21) wird im Tiermodell nach nur einer kurzen Fastenperiode induziert, um den Glucose- und Fettmetabolismus zu regulieren (Inagaki et al., 2007). Daten zu der Assoziation zwischen Fasten/Nahrungskarenz und der Konzentration von FGF21 in Humansstudien sind hingegen kontrovers und FGF21 ist bei Patienten mit einer Kachexie noch nicht untersucht.

Die vorliegende Querschnittsstudie analysierte die FGF21 Serumkonzentration bei stationären, geriatrischen Patienten im Vergleich zu gesunden, alten Probanden, sowie die Assoziation zwischen FGF21 und der Kachexie.

Methodik: FGF21 wurde anhand kommerzieller ELISA-Kits (R&D System) gemessen. Kachexie wurde definiert anhand a) des klinisch relevanten Gewichtsverlusts ≥ 5% innerhalb 3 Monate (Evans et al., 2008) sowie b) einer bestehenden Anorexie (Council on Nutrition Appetite Questionnaire) (Wilson et al., 2005).

Ergebnisse: Eingeschlossen wurden 103 Patienten (76,9 ± 5,2 Jahre, 53,4% Frauen) und 56 Kontrollen (72,9 ± 5,9 Jahren, 57,1% Frauen). 17 Patienten (16,5%) wiesen eine Kachexie auf. Die kachektischen Patienten zeigten statistisch signifikant höhere FGF21 Konzentrationen im Vergleich zu den nicht-kachektischen Patienten(952,1 ± 227,8 pg/ml vs. 525,2 ± 66 pg/ml, p = 0,022). Die niedrigsten FGF21 Werte wurden in der Kontrollgruppe gemessen (293,3 ± 20,5 pg/ml, globaler p < 0,001). Während der prozentuale Gewichtsverlust (r = 0,442, p = 0,001) und der Appetitverlust (r = -0,277, p = 0,001) signifikant mit FGF21 korrelierten, bestand keine Korrelation zwischen dem BMI und FGF21 (r = -0,148, p = 0,081).

Zusammenfassung: Kachektische Patienten zeigten die höchsten Werte von FGF21, was zwar als Hinweis auf eine adaptive Fähigkeit bei der krankheits-assoziierten Kachexie gewertet werden kann, aber angesichts der möglichen Nebenwirkungen höherer FGF21 Werte näher beleuchtet werden muss.

 

15:45
Pro-inflammatorische Zytokine sind mit funktionellen Parametern assoziiert
P042 

C. Herpich, M. Ost, K. Franz, L. Otten, V. Coleman, S. Klaus, U. Müller-Werdan, K. Norman; Nuthetal, Berlin

Hintergrund: Im Alter sind die Konzentrationen inflammatorischer Zytokine, wie Interleukin 6 (IL-6), Tumor Nekrose Faktor Alpha (TNF-α) und Interferon Gamma (IFN-γ), sowie Konzentrationen des growth differentiation factor 15 (GDF-15) erhöht. Das Ziel dieser Studie war die Analyse von Assoziationen zwischen pro-inflammatorischen Zytokinen und funktionellen Parametern bei geriatrischen Patienten und einer gesunden, alten Kontrollgruppe.

Methoden: Serum Zytokin-Konzentrationen wurden mittels ELISA Assays quantifiziert. Aufgrund der fehlenden Normalverteilung der Daten, wurden diese zur Normalisierung logarithmiert. Gehgeschwindigkeit (m/s), Handkraft (kg) und Knieextensionskraft (kg) wurden als funktionale Parameter gemessen.

Ergebnisse: 103 alte Patienten (76,9±5,2 Jahre, 53,4% Frauen) und 56 gesunde Kontrollen (72,9±5,9 Jahre, 57,1% Frauen) wurden in die Analyse eingeschlossen. Gehgeschwindigkeit korrelierte invers mit GDF-15 (r=-0,537), IFN-γ (r=-0,233), IL-6 (r=-0,413) und TNF-α (r=-0,229, alle Analysen p<0,001). Knieextensionskraft korrelierte mit GDF-15 (r=-0,389), IFN-γ (r=-0,235) und IL-6 (r=-0,348, alle Analysen p<0,001), Handkraft mit GDF-15 (r=-0,201, p<0,05), IFN-γ (r=-0,165, p<0,05) und IL-6 (r=-0,231, p<0,001).

Fazit: Unsere Ergebnisse deuten an, dass erhöhte Zytokin Konzentrationen bei alten Erwachsenen mit beeinträchtigter Muskelkraft und –funktion assoziiert sind. Die stärkeren Korrelationen in Bezug auf Knieextensionskraft und Gehgeschwindigkeit, könnten bedeuten, dass GDF-15, IFN-γ und IL-6 einen größeren Einfluss auf die unteren Extremitäten und deren Funktion besitzen.

 

 

Posterhinweis

Bitte erstellen Sie das Poster in folgendem Format:
120 cm × 90 cm (~ DIN A 0, Hochformat)

Für jedes Poster wird es vor Ort eine eigene Posterwand und an der Registrierung ausreichend Befestigungsmaterial geben. Eigenes Befestigungsmaterial ist nicht gestattet.

Geführte Postersession:
Freitag, 07.09.2018 15:45 - 17:00 Uhr

Wir bitten alle Posterautoren sich an ihrem Poster für Fragen bereit zu halten. Die Poster werden während des gesamten Kongresszeitraums ausgestellt sein.

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