Freitag, 07.09.2018
15:45 - 17:00
Zelt
Poster: Geriatrie 2 (P019-P030)

Moderation: A. Rösler, Hamburg; R. Wirth, Herne

15:45
AugenBus: Versorgung von Sehbehinderten und Blinden im ländlichen Raum
P019 

I. Himmelsbach, L. Wolski, J. Spiegel, D. Böhringer, T. Neß, T. Reinhard; Freiburg

Hintergrund: Sinneseinschränkungen im mittleren und hohen Alter nehmen stetig zu und gewinnen zunehmend an Relevanz, da Betroffene nicht mehr dazu in der Lage sind ein angemessenes, eigenständiges Leben zu führen. Gerade in Bezug auf Seheinschränkungen in ländlichen Regionen stellt dies eine besondere Herausforderung dar, da auch eine entsprechende Versorgung (aufgrund der Infrastruktur) nicht optimal gewährleistet werden kann. Unter Leitung des Klinikums für Augenheilkunde der Universität Freiburg sollen mit dem AugenBus jene Personen erreicht werden, die einen limitierten Zugang zur konventionellen Versorgung erfahren. Neben einer ophthalmologischen Untersuchung (z.B. Augeninnendruckmessung, Visus), einer Beratung bezüglich rechtlicher Belange und adäquater Hilfsmittel (Lesehilfen, Vergrößerungsgläser) (Blinden- und Sehbehindertenstiftung Südbaden) erfolgt eine wissenschaftliche Begleitforschung hinsichtlich der Akzeptanz durch die Katholische Hochschule Freiburg.

Methoden: In einem Zeitraum von Februar 2017 bis Juli 2018 werden Daten in unterschiedlichen Orten im Schwarzwald erhoben. Dabei haben Ratsuchende die Möglichkeit das Angebot des AugenBus wahrzunehmen. Umittelbar nach der Beratung werden die Teilnehmer zu verschiedenen Aspekten des Erlebens und des Umgangs mit der Sehschädigung persönlich (t1) (N=130) befragt. Eine weitere telefonische Befragung erfolgt im Abstand von 4-6 Monaten (t2) (N=100). Neben Veränderungen in den täglichen Aktivitäten (ADL) werden auch Stimmung (PANAS), Resilienz (RS-9) sowie die allgemeine Lebensqualität (WHOQol-Bref) der Ratsuchenden erfragt.

Ergebnis: Die Ergebnisse spiegeln eine altersentsprechende Verteilung der Geschlechter wieder (75% weiblich, 25% männlich). Daneben zeigt sich, dass die Adaptation an den eingeschränkten Visus in einem zufriedenstellenden Rahmen erfolgt ist. Die Stichprobe zeichnet sich auch durch eine verhältnismässig hohe Resilienz und ein eher positives allgemeines Wohlbefinden aus.

Diskussion: Die befragten Teilnehmer des AugenBus haben sich gut an die Seheinschränkung angepasst. Um dies jedoch weiterhin gewährleisten zu können, sind Beratungsangebote (die interdisziplinär angelegt sind) wie der AugenBus notwendig um das persönliche Wohlbefinden, in der vorliegenden Zielgruppe, weiterhin aufrechtzuerhalten.

15:45
Weitwinkelfundus-Laserscanning-Ophthalmoskopie als diagnostische Methode für Augenuntersuchungen und Häufigkeit von okularer Toxoplasmose in einer Stichprobe von 101 stationären geriatrischen Patienten
P020 

P. E. Logroño Wiese, A.-S. Endres, F. Seeber, U. Müller-Werdan, U. Pleyer; Berlin

Die Augenerkrankungen bei alten Menschen sind bei der bestehenden Multimorbidität und Immobilität schwierig zu untersuchen. Reduzierter Visus bedeutet reduzierte Lebensqualität und Sturzgefahr. In einer Stichprobeuntersuchung wurde untersucht, ob ein Weitwinkelfundus-Laserscanning ein diagnostisches Mittel darstellen könnte, um bei alten bewegungseingeschränkten Menschen Augenerkrankungen erkennen zu können. Diese Untersuchungsmethode ist eine non-mydriatische Fundusdarstellung bis zu einem Ausschnitt von 200° Durchmesser. Für die Studie wurde die Daytona UWF Retinal Camera (Optos PLC, Dunfermline, Scotland, UK) verwendet. Die Stichprobe bestand aus 101 Patienten aus dem Evangelischen Geriatriezentrum Berlin (EGZB), einem universitären, kirchlichen und städtischen geriatrischen Krankenhaus in Berlin. Zum serologischen Nachweis einer Toxoplasmose-Infektion wurde ein ELISA-Kit der Firma der Firma Euroimmun benutzt (Anti-Toxoplasma gondii ELISA (IgG/Polyvalent ). Insgesamt konnten 201 Augen dargestellt werden. Das Durchschnittsalter der Patienten betrug 76 Jahre. Die Stichprobe bestand aus 63 Frauen und 38 Männern. Die durchschnittliche Untersuchungsdauer betrug acht Minuten. Von den 64 Patienten, bei denen eine arterielle Hypertonie bekannt war, fanden sich bei 37 () vaskuläre Veränderungen, vereinbar mit einer hypertensiven Retinopathie. Von den 26 Patienten mit einem Typ-2 Diabetes mellitus zeigten 10 (38%) die Zeichen einer diabetischen Retinopathie. Bei 45 (22,39%) Augen waren Drusen nachweisbar. Bei 61 (30,35%) fand sich eine Optikusatrophie. Bei 56 (27,86%) waren Veränderungen vorhanden, die auf ein Glaukom hinwiesen. Bei sieben von den 101 Patienten (6.93%) waren fundoskopische Veränderungen vereinbar mit einer Toxoplasmose-Infektion vorhanden. Von diesen konnten drei mittels Antikörper-Test bestätigt werden (2.97%). Zusammenfassend stellt das Weitwinkelfundus-Laserscanning eine einfache, gut umsetzbare Methode der Augenuntersuchung für alte, immobile Menschen dar

15:45
Körperliche Inaktivität in der klinischen Demenzversorgung: Neuropsychiatrische Symptome scheinen wichtiger zu sein als die Dosis der sedierenden Medikation
P021 

M. Gersie, T. Fleiner, S. Ghosh, S. Mellone, W. Zijlstra, P. Häussermann; Köln, Bologna/I

Fragestellung: Ziel dieser Untersuchung ist es (1) die körperliche Aktivität der Patienten in der akuten Demenzversorgung zu erfassen und (2) den Zusammenhang zwischen der körperlichen Aktivität und neuropsychiatrischen Symptomen sowie sedierender Medikation zu untersuchen.

Methode: Die Querschnittsstudie wurde auf Demenzstationen der LVR-Klinik Köln durchgeführt. Zur Aufzeichnung der körperlichen Aktivität wurde den Patienten für 72h ein hybrider Bewegungsensor (uSense) am unteren Rücken befestigt. Die tägliche Dosis an Antipsychotika und Benzodiazepinen wurde anhand von Olanzapin- und Diazepamäquivalenten analysiert. Neuropsychiatrische Symptome wurden über das Neuropsychiatrische Inventar (NPI) und die Cohen-Mansfield-Skala (CMAI) erfasst.

Ergebnisse: 64 Patienten (M=81Jahre; 47% weiblich; MMST M=18.6) wurden in diese Studie eingeschlossen. Durchschnittlich verbrachten die Patienten M=11.5h/Tag im Liegen,  standen und saßen M=10.3h/Tag inaktiv, standen und saßen M=1.0h/Tag aktiv und verbrachten M=1.2h/Tag im Gehen. Es zeigte sich kein Zusammenhang zwischen der körperlichen Aktivität der Patienten und der Dosierung der Antipsychotika und Benzodiazepine. In Bezug auf die neuropsychiatrischen Symptome zeigte sich ein Zusammenhang zu der körperlichen Aktivität der Patienten: schwerere neuropsychiatrische Symptome sind mit mehr körperlicher Inaktivität assoziiert (r=.32, p=.01). Dies zeige sich insbesondere für Patienten mit Apathie (n=29). Diese Patienten waren für 22h 5min pro Tag körperlich inaktiv,  Patienten ohne Apathie (n=35) hingegen waren 27 min länger körperlich aktiv pro Tag (p=0.34, Z=-2.12).

Schlussfolgerung: Die Ergebnisse deuten auf ein hohes Maß an körperlicher Inaktivität bei Patienten mit Demenzerkrankung hin. Gründe hierfür scheinen das Auftreten und die Schwere neuropsychiatrischer Symptome zu sein, insbesondere Apathie scheint hier eine Rolle zu spielen. Die verabreichte Dosis an Antipsychotika und Benzodiazepinen hingegen hat nur einen geringen Einfluss auf die körperliche Aktivität der Patienten. Besonders in der klinischen Demenzversorgung sollte mehr unternommen werden um der körperlichen Inaktivität der Patienten entgegenzuwirken.

Schlüsselwörter: Demenz, körperliche Aktivität, Antipsychotika, Benzodiazepine, Bewegungssensoren

15:45
Der potentielle Nutzen des geriatrischen Assessments in der Strahlentherapie älterer onkologischer Patienten: Eine Sekundärdatenanalyse
P022 

M. Jung, G. Meyer, D. Vordermark, H. Schmidt; Halle (Saale)

Fragestellung: Ältere Krebspatienten zeigen große Unterschiede hinsichtlich altersbedingter Einschränkungen der Funktionsfähigkeit und bestehender Begleiterkrankungen. Um relevante Risikofaktoren zu erfassen, wird zur Unterstützung der onkologischen Behandlungsplanung die Durchführung eines geriatrischen Assessments (GA) empfohlen. Da auch der Erhalt der gesundheitsbezogenen Lebensqualität (HRQOL) für die Patienten wichtig ist, ist Ziel dieser Studie, den möglichen Informationszugewinn und die klinische Relevanz beider Assessments zu untersuchen.

Methode: Im Rahmen einer explorativen Sekundärdatenanalyse wurden Daten von 79 Patientinnen und Patienten ≥ 70 Jahre (m/w: 51/49; mittleres Alter 76,6 (±5,1) Jahre) mit onkologischer Erkrankung in strahlentherapeutischer Behandlung analysiert. Die Ergebnisse des GA wurden mit der HRQOL und der Standarddokumentation verglichen, um möglichen Informationsgewinn zu ermitteln. Aufwand und potentieller Nutzen im Sinne klinischer Relevanz der Informationen wurden deskriptiv analysiert. Um mögliche prognostische Faktoren zu identifizieren, wurden multivariate Cox-Regressionen durchgeführt.

Ergebnisse: Während wichtige Inhalte empfohlener Screenings (z.B. G8) in der pflegerischen Standarddokumentation enthalten sind, zeigten die Analysen, dass TUG, Handkraft, MMST, Uhrentest, PHQ9, soziale Situation nach Nikolaus Teil 1 sowie HRQOL klinisch relevante Zusatzinformationen liefern und auch im stationären und ambulanten strahlentherapeutischen Setting gut durchführbar sind (Gesamtaufwand ca. 60 Min.). Der Vergleich patientenberichteter Angaben mit Assessments der körperlichen Funktionalität ergab therapeutisch relevante Hinweise auf Über- oder Unterschätzung eigener Fähigkeiten. Explorative Überlebenszeitanalysen (multivariate Cox-Regressionsanalysen) zeigten eine Assoziation von verminderter Handkraft und verringertem Serumalbuminspiegel mit verkürzten Überlebenszeiten.

Zusammenfassung: GA und HRQOL liefern im Vergleich zur pflegerischen und ärztlichen Standarddokumentation ergänzende klinisch relevante Informationen, die ggf. zu spezifischen diagnostischen oder therapeutischen Maßnahmen führen sollten. Die Ergebnisse dieser Analyse sind jedoch nicht generalisierbar, da nur Patienten einer Klinik eingeschlossen waren. Eine Validierung des Vorgehens in anderen Settings der Onkologie bleibt abzuwarten.

15:45
Physiotherapeutische Behandlung geriatrischer Patienten in der Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie (THG)
P023 

K. Gehrmann, J. Chrobak, J. Bräunig, F. Störkel; Münster

Hintergrund: Durch die demografische Entwicklung gewinnt die Problematik von Immobilität im Alter als ein wichtiges geriatrisches Handlungsfeld zunehmend an Bedeutung. Ein stationärer Krankenhausaufenthalt im Alter kann die Mobilität älterer Patienten entscheidend beeinträchtigen und sich negativ auf die selbstständige Bewältigung der Aktivitäten des täglichen Lebens sowie die Lebensqualität dieser auswirken.

Zielsetzung: Die Arbeit soll die Bedeutung der frühen Mobilisation und die Effekte der Physiotherapie geriatrischer Patienten in der THG aus Betroffenen- und Therapeutenperspektive beleuchten und Aspekte für eine Handlungsempfehlung erarbeiten.

Fragestellung: Welche Wirkung erzielt die Physiotherapie im Hinblick auf die Mobilität eines geriatrischen Patienten nach einer Herzoperation aus Sicht der Betroffenen sowie der behandelnden Therapeuten? Gibt es Übereinstimmungen und/oder Abweichungen in der Beurteilung der Wirkungen seitens der Patienten und der Therapeuten?

Methode: Es wurde eine postoperative klinische Querschnittstudie an zehn geriatrischen Patienten durchgeführt. Hierbei stand die subjektive Wahrnehmung der Patienten im Hinblick auf die physiotherapeutische Behandlung im Fokus, die mittels Patientenbefragung und mit Hilfe eines geriatrischen Assessments untersucht wurde. Darüber hinaus erfolgte eine Einschätzung des Patienten durch den Therapeuten.

Ergebnisse: Die geriatrischen Patienten erkennen eine Wirkung der Behandlung im Hinblick auf die Mobilität, können diese aber nicht eindeutig den Inhalten der Therapie zuordnen. Ergebnisse zur Einschätzung der Mobilität zeigen mehr Übereinstimmungen zwischen Therapeuten und Patienten als Differenzen.

Schlussfolgerung: Die Studie zeigt, dass die subjektive Erfassung der Patientenmeinungen und -bedürfnisse für die individuelle und zielbezogene physiotherapeutische Behandlung einen hohen Stellenwert hat. Objektive Messinstrumente dagegen können diese Aspekte von Mobilität ergänzen, aber nicht ersetzen. Für eine optimale Beurteilung des Therapieerfolges sollte ein besonderer Fokus auf die direkte Kommunikation zwischen Patient und Therapeut über die erzielten Behandlungsergebnisse gelegt werden. Ein ausschließlicher Einsatz eines standardisierten Assessmentinstruments zur Mobilität erfasst diese wichtigen Informationen über die Behandlungsergebnisse nicht. Genau diese Ergebnisse sind jedoch für das Entlassungsmanagement und die Weiterbehandlung der Patienten relevant.

15:45
Umgang mit Demenzpatienten bei der zahnärztlichen Behandlung- Schauspieler-unterstützte Übungen
P024 

A. G. Barbe, I. Scharfenberg, M. Wicht, G. Röhrig-Herzog; Köln

Die Seniorenzahnmedizin ist ein stark wachsendes Teilgebiet der Zahnmedizin, das bisher in der Ausbildung der Studierenden und der Zahnärzte wenig abgebildet ist. Das hier vorgestellte Weiterbildungs-Konzept versucht mit der Vorstellung von Validationstechniken mit Hilfe von Schauspielern Zahnärzten Sicherheit und Hilfestellung zu geben zum täglichen Umgang mit Demenzpatienten. Vor und nach dem durchgeführten interdisziplinären Workshop geleitet von einer Geriaterin und einer Zahnärztin wurden der DDPRQ-10- Difficult Doctor-Patient-Relationship Questionnaire bei den Teilnehmern erhoben zur Dokumentation bzgl. der subjektiven Einschätzung und dessen Veränderung hinsichtlich der Durchführung der zahnärztlichen Behandlung, zudem erfolgte ein ausgedehntes Feedback durch einen externen Beobachter, die Teilnehmer selber und die Schauspielerin, die Ergebnisse sollen hier vorgestellt werden.

11:34
Rehabilitationsprozess in einer geriatrischen Rehabilitationsklinik
P025 

S. Fetaj; Vlotho

Die Aufnahme eines Patienten hat den Zweck,mittels Erhebung physischer und psychosozialer Untersuchungen und Assessments die individuellen,sehr vielfältigen körperlichen,seelischen,sozialen Auswirkungen von Krankheiten und dadurch bedingte Funktions-und Fähigkeitsstörungen als auch Ressourcen des Rehabilitanden standarisiert zu erfassen.Das multidimensionale geriatrische Assessment erfolgt berufsgruppenübergreifend.Zusätzlich erfolgt routinemäßig ein Sturzrisikoscreening sowie Hilfsmittelversorgung,ggf.Versorgung mit fehlenden Hilfsmitteln.Erstellung von Rehabilitationszielen: Nach o.a. Reha-Diagnostik werden Rehabilitationsziele anhand der festgestellten strukturellen Schädigungen und damit vorhandenen Fähigkeits-und Funktionsstörungen unter Berücksichtigung vorhandener Ressourcen definiert.Die Rehabilitationsziele werden anhand von dem auf Boden ICF-Klassifikation beschrieben. Als mittelfristige Ziele ergeben sich daraus eine Verbesserung der Aktivitäten und der Partizipation. Bei der Formulierung der Therapieziele werden Kontextfaktoren, wie persönliche Einstellung der Rehabilitation und seine Angehörigen sowie das soziale Umfeld des Patienten berücksichtigt. Rehabilitationsverlauf: Nach Absprache der Rehabilitationsziele mit dem Patienten ggf.seiner Angehörigen erfolgt eine Behandlung im Rahmen eines multimodalen Therapiekonzeptes. Abhängig von den Funktionsstörungen des Rehabilitanden sind verschiedene Berufsgruppen an dem Rehabilitationsprozess beteiligt (therapeutisches Team). Das therapeutisches Team wird vom Arzt/Ärztin geleitet und koordiniert. Jede Berufsgruppe führt vom Zeitpunkt der Aufnahme bis zum Zeitpunkt der Entlassung eine Dokumentation über den Verlauf während der Behandlung.

15:45
Sollten Konzepte virtueller Rehabilitation in Zukunft altersspezifisch eingesetzt werden?
P026 

G. Waldmann; Bad Düben

Einleitung: Virtuelle Trainingsumgebungen können so konstruiert sein, dass sie überwiegend motivierende Rückmeldungen geben und die Komplexität einer Aufgabenstellung oder Umweltveränderungen entsprechend der Leistungsfähigkeit des Rehabilitanden unmittelbar steuern. Aber: Was wissen wir über die Motivation derjenigen, die in Zukunft im therapeutischen Kontext mit dieser Technologie konfrontiert werden? Gibt es Unterschiede bei der Bewertung zwischen jungen und geriatrisch eingestuften Rehabilitanden? Wie bewerten Rehabilitanden diese Vision bezogen auf die unterschiedlichen Therapiebereiche, das Freizeitangebot und den vermuteten Therapieerfolg?

Methode: Im Zeitraum 2013 bis 2015 wurden Rehabilitanden während einer medizinischen Rehabilitationsmaßnahme zur individuell eingeschätzten, denkbaren Wirkung von virtueller Realität für verschiedene Rehabilitationsbereiche sowie Freizeitaktivitäten befragt. 116 Rehabilitanden beantworteten die Fragen, davon 46 im Alter von 70 und älter. 55% der Befragungsteilnehmer sind männlich und 45% weiblich. Nur 3% der Befragungsteilnehmer gab an, bislang etwas über virtuelle Rehabilitation erfahren zu haben. Die Bewertung erfolgte auf einer Skala von 1 bis 5, analog zum für die meisten Teilnehmer bekannten Schulnotensystem.

Ergebnisse: Rehabilitanden im jüngeren Alter unterschieden sich in der Bewertung von virtueller Realität von Rehabilitanden, die sich im geriatrischen Alter befanden. Erstere konnten sich virtuelle Realität besser in bewegungsorientierten Therapien, physikalische Anwendungen, Entspannungstherapien, in Seminaren und insbesondere in der Freizeitgestaltung vorstellen.

Diskussion: Die Ergebnisse zeigen eine prinzipielle Bereitschaft von Rehabilitanden an, virtuelle Realität in der medizinischen Rehabilitation anzunehmen. Da in der Bevölkerung überwiegend Spielekonsolen mit bewegungsfördernden Anwendungen bekannt sind, wundert es nicht, dass bewegungsfördernde virtuelle Realität höher bewertet wird als passive Anwendungen. Maßnahmen mit hohem informativen Anteil und Maßnahmen, in denen ein hohes Maß an Imagination gefordert wird, werden ebenfalls als geeignet für virtuelle Realität betrachtet. Jedoch, so zeigen die Ergebnisse der Befragungen, besteht ein hoher Zuspruch zu den traditionellen Rehabilitationsabläufen, insbesondere bei geriatrischen Rehabilitanden. Das Ergebnis bietet somit einen wichtigen Beitrag zur zukünftigen altersspezifischen Ausrichtung von Rehabilitationsangeboten.

15:45
Prospektive Studie zur Third-Party Disability bei älteren Schwerhörigen im Verlauf der Hörrehabilitation
P027 

L. M. Harbert, L. Götze, A. Marek, J. P. Thomas, S. Dazert, C. Völter; Bochum

Schwerhörigkeit bedeutet nicht nur für Betroffene, sondern auch für die Angehörigen eine Einschränkung im Alltag. Die vorliegende Studie soll die Auswirkungen der Hörbeeinträchtigung auf die Lebensqualität beider Partner und die Veränderung durch eine hörverbessernde Therapie untersuchen. Verschiedene Fragebögen wurden präoperativ sowie 6 Monate postoperativ eingesetzt: der SOS-Hear Fragebogen, eine auch für Angehörige angepasste Version des Nijmegen-Questionnaire und der Brief-Cope Fragebogen. Bislang eingeschlossen wurden 31 beidseitig postlingual Schwerhörige (12 Männer/19 Frauen) im Alter von 70.5 Jahren (Median) und ihre Angehörigen (11 Männer/20 Frauen)  mit 61.5 Jahren (Median). In 23 Fällen handelte es sich um die (Ehe)partner, in 8 Fällen um Kinder oder enge Freunde. 3 Angehörige waren selbst mit Hörgeräten versorgt, 13 hatten eine gering- bis mittelgradige Hörstörung ohne Versorgung mit hörverbessernden Maßnahmen, 15 waren normalhörend. Erste Ergebnisse zeigen, dass die Einschätzung der Hörsituation  durch den Nijmegen-Questionnaire bei den Patienten v. a. präoperativ besser ausfällt als bei den Angehörigen (präoperativ 2900 Punkte (n=28) vs. 2313 (n=30); p=0,009 und postoperativ 3613 Punkte (n=18) vs. 3275 (n=17); p=0,478). Sowohl prä- als auch postoperativ schätzten weibliche Angehörige die Hörsituation des Patienten schlechter ein als männliche Angehörige (2175 vs. 2775 Punkte präoperativ; 3225 Punkte vs. 3900 Punkte postoperativ). Durch eine Hörrehabilitation wird die Belastung der Angehörigen, gemessen am SOS-Hear-Score, von präoperativ 39 Punkten (n=29) auf postoperativ 17 Punkte (n=18) signifikant reduziert (p=0,001). Weibliche Angehörige sind durchschnittlich stärker belastet als männliche (44 vs. 32 Punkte). Sonstige Angehörige (z.B. Kinder) schätzen die Hörsituation präoperativ signifikant schlechter ein als (Ehe)partner (p=0,016) und sind stärker belastet gemessen am SOS-Hear (p=0,007), nehmen aber eine größere Verbesserung postoperativ wahr. Besonders die Angehörigen, die die Hörsituation im Nijmegen-Questionnaire präoperativ als besonders schlecht einschätzten (weniger als 2000 Punkte), zeigten auch eine signifikant höhere Belastung im SOS-Hear mit 69 Punkten (Median;p=0,001). Dabei wenden Patienten und Angehörige gemessen am Brief-Cope Fragebogen ähnliche Strategien an, um mit der Hörstörung umzugehen. Die vorliegende Studie zeigt, dass der Bertreuung der Angehörigen im Rahmen der Hörrehabilitation eine wichtige Rolle zukommt.

15:45
An augmented prescribed exercise program to improve the mobility of older acute medical patients - a randomized, controlled pilot and feasibility trial
P028 

T. Braun, C. Grüneberg, I. Schwenk, M. Wießmeier, L. Biegiesch, J. Camerlynck, A. Grünewald, K. Kelputh, L. Klinghammer, T. Nassal, H. Wang, C. Thiel; Bochum

Background: There is inconclusive evidence for the effectiveness of additional exercises in older hospital patients on mobility. The aims of this study were (1) to assess the feasibility of an augmented prescribed exercise program (APEP) in older acute medical patients and (2) to measure the potential effects of APEP on mobility capacity in order to assess the feasibility of a large full-scale study.

Methods: We conducted a single-center, prospective, parallel-group, single-blinded, randomized controlled pilot and feasibility trial (approved by an Ethical Review Board, registered a priori: DRKS00011262).

Participants (≥65 years; able to walk; no severe cognitive impairment) were recruited from two acute medical geriatric wards of a general Hospital in the Ruhr area and randomly allocated to the intervention or control group (1:1).

Both groups received usual care, including routine daily physiotherapy. Intervention group participants were scheduled for additional exercise sessions (20-30 minutes, 4-5x/week: individual strengthening and balance exercises). Feasibility of the trial design was assessed along pre-defined criteria for process, resources and management. Feasibility of the APEP intervention was analyzed by means of adherence, compliance and safety. Outcomes were measured at baseline and prior to hospital discharge. The primary outcome measure was mobility capacity (de Morton Mobility Index; DEMMI). Secondary outcome measures were walking ability, physical endurance, fear of falling and frailty.

Results: Thirty-five participants were recruited (recruitment rate 20.3%). We lost 7 participants to follow-up (retention rate: 80%). Intervention group participants (n=17) each participated in 5.3 ± 2.2 additional exercise sessions (mean duration: 23.2 ± 4.0 minutes; mean adherence rate 78% ± 26%). No severe adverse events occurred during study assessments or APEP sessions.

There were no statistically significant differences in mean change scores in any outcome measure. A sample of 124 participants would be required to detect a difference of 4 DEMMI points (ES=0.45) with a power of 80%.

Discussion: This small feasibility RCT indicates that an APEP intervention may be safe and feasible in older acute medical patients. APEP may possibly induce small to moderate effects on mobility, but the clinical relevance of these effects may be limited. These results inform the planning of a larger-scale phase III study.

15:45
Folgen eines Screenings auf VRE in einer Akut-Geriatrie
P029 

A.-M. Hergt, C. Schröder, M. Paul, C. Sause, M. Reh; Heide

Anfang 2018 wurde in der Klinik für Frührehabilitation und Geriatrie der Westküstenkliniken, Standort Heide mit einem Screening auf VRE begonnen. Es fielen unerwartet viele positive Befunde auf. Zunächst wurden alle Patienten isoliert und erhielten Therapien nur im Zimmer. An einem konkreten Fallbeispiel wird deutlich, dass der Schutz der Mitpatienten durch die Isolationsmaßnahmen erkauft wurde durch ein erhöhtes Komplikationsrisiko bzw. schlechtere Frühreha-Bedingungen bei den übrigen Patienten, weshalb in den folgenden Monaten Schritt für Schritt ein Gesamtkonzept zur verbesserten Krankenhaushygiene entwickelt wurde, das u. a. auch eine systematische Schulung von Patienten und Angehörigen in Bezug auf eine hygienische Händedesinfektion umfasst und über den Umgang mit problemkeim-besiedelten Patienten hinaus auf alle Patienten und alle Abteilungen des Klinikums Anwendung finden soll.

15:45
Kasuistik: Patient mit CK-Erhöhung nach gerätegestützter medizinischer Trainingstherapie
P030 

A.-M. Hergt, M. Reh; Heide

Vorgestellt wird ein 75 Jahre alter Patient, der ursprünglich wegen einer postoperativen DD medikamentös induzierten Darmatonie stationär aufgenommen wurde. Fünf Wochen zuvor erhielt er eine Hüft-TEP implantiert, in der Folge nahm er Tramadol-Tropfen ein. Diesbezüglich gestaltete sich der Aufenthalt unkompliziert. Zum allgemeinen Kraftaufbau und Sicherung der Selbständigkeit erfolgte eine Komplexbehandlung in der Geriatrischen Tagesklinik. Hier fiel in der Blutentnahme ein Anstieg der CK auf max. 6851 IU/l auf (Normbereich < 171 IU/l). Klinisch, insbesondere kardiologisch, bestanden keinerlei Auffälligkeiten. Nach Ausschluss anderer Ursachen wurde die zuvor begonnene medizinische Trainingstherapie pausiert. In der Folge kam es zu einer raschen Normalisierung der Werte. Der Patient wurde angehalten, das Gerätetraining weniger intensiv fortzuführen.

 

Posterhinweis

Bitte erstellen Sie das Poster in folgendem Format:
120 cm × 90 cm (~ DIN A 0, Hochformat)

Für jedes Poster wird es vor Ort eine eigene Posterwand und an der Registrierung ausreichend Befestigungsmaterial geben. Eigenes Befestigungsmaterial ist nicht gestattet.

Geführte Postersession:
Freitag, 07.09.2018 15:45 - 17:00 Uhr

Wir bitten alle Posterautoren sich an ihrem Poster für Fragen bereit zu halten. Die Poster werden während des gesamten Kongresszeitraums ausgestellt sein.

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