Freitag, 07.09.2018
15:45 - 17:00
Zelt
Poster: Geriatrie 1 (P007-P018)

Moderation: D. Dallmeier, Ulm; H. Burkhardt, Mannheim

15:45
Bestehen regionale Unterschiede in den Anteilen bedarfsgerechter Geriatrieversorgung? Ergebnisse aus Baden-Württemberg
P007 

I. Köster, J. M. Bauer, H. J. Heppner, N. Lübke, M. Meinck, W. Niebling, P. Oster, W. Vogel, I. Schubert; Köln, Heidelberg, Schwelm, Hamburg, Freiburg, Hofgeismar

Fragestellung: Ziel des vom Sozialministerium Baden-Württembergs initiierten Forschungsvorhabens ist die Generierung von Daten und Erkenntnissen über die geriatrische Versorgungsgestaltung in den Regionen Baden-Württembergs. Ein Auswertungsteil befasst sich mit der Ermittlung von Indikatoren einer bedarfsgerechten Versorgung.

Methodik: Pseudonymisierte Daten aller Versicherten der AOK Baden-Württemberg mit Stand 2012 (≥ 60 Jahre, Wohnsitz in Baden-Württemberg). Untersuchungspopulationen: Patienten mit vollstationärem Krankenhausaufenthalt in 2012 und Hauptdiagnose Schlaganfall, Femurfraktur oder Herzinsuffizienz (Tracerdiagnosen). Als Indikatoren einer bedarfsgerechten Versorgung wurden Anteile von Krankenhaus- und Rehafällen mit Geriatrietypik (Landesgeriatriecheck: www.bwkg.de) und geriatrischer Versorgung bestimmt.

Ergebnisse: Ganz überwiegend wiesen Krankenhaus- und Rehabilitationsfälle in der geriatrischen Versorgung eine Geriatrietypik auf (89,9%), bei relevanten regionalen Unterschieden (80,9-94,0%). Auch ein erheblicher Anteil mittels indikationsspezifischer Rehabilitation versorgter Fälle wies eine Geriatrietypik auf (46,5-66,4%). Bei Differenzierung beider Indikatoren einer bedarfsgerechten Geriatrieversorgung nach Hauptdiagnosen zeigten sich zudem weitere regionale Unterschiede. Fälle mit Femurfraktur und indikationsspezifischer Rehabilitation wiesen insgesamt am häufigsten eine Geriatrietypik auf: 55,5-85,6% (Schlaganfall: 35,2-57,5% und Herzinsuffizienz: 10,2-87,1%).

Zusammenfassung: Mittels Routinedaten zeigen sich erhebliche Unterschiede in beiden Bedarfsindikatoren entlang der Merkmale Hauptdiagnose und Region. Regionale Unterschiede lassen sich dabei jedoch nicht ausschließlich mit Unschärfen in den Routinedaten und Morbiditätsunterschieden erklären. Damit ist von struktur- als auch prozessbezogenen Variationen in den Regionen auszugehen. Die Ergebnisse liefern damit datengetriebene Grundlagen für die regionsbezogene Fortschreibung der Landesgeriatrieplanungen, sollten jedoch mit aktuelleren Daten überprüft werden.

15:45
Prädiktoren für die Inanspruchnahme geriatrisch-rehabilitativer Leistungen in Krankenhäusern und Rehabilitationseinrichtungen in Baden-Württemberg: Ergebnisse logistischer Regressionsanalysen
P008 

I. Schubert, J. M. Bauer, H. J. Heppner, N. Lübke, M. Meinck, W. Niebling, P. Oster, W. Vogel, I. Köster; Köln, Heidelberg, Schwelm, Hamburg, Freiburg, Hofgeismar

Fragestellung: In Baden-Württemberg findet geriatrisch-rehabilitative Versorgung sowohl in Krankenhäusern als auch in Rehabilitationseinrichtungen statt. Im Rahmen einer Untersuchung zu geriatrischen Versorgungsstrukturen für das Sozialministerium Baden-Württemberg wurde der Frage nachgegangen, wie sich Patienten in den verschiedenen Versorgungsformen – geriatrische frührehabilitative Komplexbehandlung im Krankenhaus (GFK) und geriatrische Anschlussrehabilitation (GAR) – insbesondere hinsichtlich vorbestehender Morbidität und Inanspruchnahme unterscheiden.

Methodik: Pseudonymisierte Daten aller Versicherten der AOK Baden-Württemberg mit Stand 2012 (≥ 60 Jahre, Wohnsitz in Baden-Württemberg). Untersuchungspopulationen: Patienten mit vollstationärem Krankenhausaufenthalt in 2012 und Hauptdiagnose Schlaganfall, Femurfraktur oder Herzinsuffizienz (Tracerdiagnosen). Patienten, die sowohl GFK als auch GAR in Anspruch nahmen oder im Indexaufenthalt verstarben, wurden ausge­schlossen. Definitionszeitraum für die Morbidität: 1-Jahres-Zeitraum vor Krankenhausentlassung (Indexaufenthalt), für die Inanspruchnahme der 1-Jahreszeitraum vor Krankenhausaufnahme (Indexaufenthalt). Als mögliche Prädiktoren wurden untersucht: Alter, Geschlecht, Tracerdiagnosen, Pflege, Krankenhaustage, Multimedikation, Charlson-Index, geriatrietypische Merkmalskomplexe.

Ergebnisse: Alter und Geschlecht haben keinen Einfluss auf die geriatrische Versorgungsform, hingegen ist die Chance für eine GFK gegenüber GAR bei Patienten mit vorbestehendem Schlaganfall (OR: 2,9; 95% KI: 2,36-3,55) und Herzinsuffizienz (OR 2,9; 2,21-3,71) im Vergleich zu Femurfraktur (Ref.) und bei Patienten mit Pflegeleistungen (OR 1,7; 1,44-2,03) signifikant erhöht. Bei allen drei Erkrankungen ist die Pflegestufe 3 dabei der stärkste Prädiktor für eine GFK. Bezogen auf geriatrietypische Merkmalskomplexe weisen lediglich Patienten mit Fehl-/Mangelernährung eine höhere Chance für eine GFK auf (OR 2,4; 1,77-3,25).

Zusammenfassung: Neben anderen Faktoren, die Einfluss auf die Art der Inanspruchnahme nehmen (Verfügbarkeit, Patientenpräferenzen), stellen vorbestehende Morbidität und Pflegebedürftigkeit wesentliche Prädiktoren für geriatrisch-rehabilitative Versorgungsformen dar.

15:45
Neue Lebenswelt Altenpflegeheim- Angehörige in ihrer Unterstützerrolle stärken
P009 

K. Reh, C. Solf, G. Bartoszek; Dresden

Hintergrund: Für ältere pflegebedürftige Menschen ist die Versorgung in der Häuslichkeit, mit Hilfe ihrer Angehörigen, die vorherrschende Lebenswirklichkeit. Der Gesetzgeber unterstützt diese Versorgungsform (§13 SGB XII) indem er ambulanten vor stationären Gesundheitsdienstleistungen den Vorrang gibt. Dennoch sind der häuslichen Versorgung Grenzen gesetzt, infolgedessen der Einzug in ein Pflegeheim unumgänglich wird. Dieser Schritt wird sowohl im Leben des Pflegebedürftigen, als auch seiner Angehörigen oftmals als kritisches Ereignis angesehen. Bedingt durch den Eintritt des ihnen nahestehenden Menschen in das unbekannte soziale System eines Altenpflegeheims nehmen auch die Angehörigen eine neue Rolle ein. Es ist daher von besonderer Relevanz, Angehörige im Rahmen eines evidenzbasierten Einzugsmanagements, in die Lebenswelt der Altenpflegeeinrichtung zu integrieren und sie in ihrer Unterstützerrolle für den neueingezogenen Bewohner zu stärken.

Methodik: Die elektronische Literaturrecherche erfolgte in den Datenbanken PubMed®, LIVIVO® und CINAHL®. Gesucht wurden Studien, die über evidenzbasierte Interventionen zur Integration von Angehörigen nach Einzug eines nahestehenden Menschen in ein Pflegeheim, sowohl in deutscher als auch englischer Sprache in den letzten 10 Jahren (2007 bis 2017), berichterstatten.
Die Reflektion und der kritische Diskurs der Studienergebnisse, orientierten sich am Rahmen der "Theorie zu kritischen Lebensereignissen" und dem Konzept der "sozialen Rolle".

Ergebnis: Initial wurden 234 Publikationen identifiziert, nach Entfernung der Dubletten, Sichtung von Titel, Abstract und Volltext wurden acht Studien inkludiert.

Klinische Interventionsstudien lagen nicht vor, sehr wohl aber Studien in denen Angehörige über ihre Erfahrungen, zu fördernden oder hindernden Ereignissen auf die Situationsverarbeitung und Rollenfindung bei Einzug eines nahestehenden Menschen in ein Pflegeheim, berichteten.

Schlussfolgerung: Angehörige sind mehr als Besucher in den Einrichtungen. Ein bewohnerorientiertes Einzugsmanagement muss die Angehörigen mit einbeziehen. Forschung wird u. a. dahingehend notwendig, die abgeleiteten Handlungsempfehlungen der Autoren zur Integration von Angehörigen in der Lebenswelt des Pflegeheims zu prüfen.

15:45
Entwicklung und Implementation eines demenzspezifischen Mobilitäts- und Beratungsprogrammes in der Kurzzeitpflege zur Anwendung durch Pflegekräfte (DESKK)
P010 

S. Heinrich, C. Cavazzini; Witten

Hintergrund: Das Angebot der Kurzzeitpflege kann als Schnittstelle zwischen häuslicher und institutioneller Versorgung dienen und die häusliche Versorgung stabilisieren. Eine spezielle Nutzergruppe stellen hierbei Menschen mit Demenz dar, welche durch systematische Mobilitätsförderung alltagspraktische Fähigkeiten erhalten können. Der Einbezug pflegender Angehöriger im Rahmen einer modularisierten Beratungsintervention kann ebenfalls zu einer stabilen Pflegesituation beitragen. Bisher existieren für dieses Setting jedoch keine derartigen Interventionen.

Fragestellung: Nachfolgend wird erläutert, wie ein demenzspezifisches Kurzzeitpflegekonzept mit den Bereichen Mobilität und Beratung entwickelt und implementiert werden kann. Des Weiteren werden erste Daten zu Veränderungen des Mobilitätlevels der eingeschlossenen Probanden mit Demenz dargestellt.

Methode: Quasi-experimentelle Evaluationsstudie mit qualitativen Interviewdaten (Prozessevaluation mit CFIR-Modell) und quantitativen Daten zur Beschreibung der Intervention im Zeitverlauf

Ergebnisse: Während des bisherigen Interventionsverlaufs (10/17 – 04/18) schätzten die Mitarbeiter ihre Zufriedenheit mit dem Konzert durchgängig als hoch bis sehr hoch ein und den nötigen Ressourcenbedarf als praxistauglich gering. Die Angehörigen bewerteten das Beratungsprogramm größtenteils als positiv. Die bisher eingeschlossenen Menschen mit Demenz (n=18) konnten ihren allgemeinen Mobilitätslevel im Zeitverlauf verbessern.

Schlussfolgerung: Die insgesamt hohe Akzeptanz des DESKK Konzepts bei Mitarbeitern und Angehörigen spricht für gute Voraussetzungen, um es praxisnah in andere Kurzzeitpflegeinrichtungen implementieren zu können. Nach Abschluss der Interventionsphase wird das finale Konzept in Form einer praxisfreundlichen Website anderen Kurzzeitpflegeeinrichtungen zur Verfügung gestellt, um großflächig in die Anwendung überführt werden zu können.

15:45
Das Erleben des Kulturwandels durch die Pflegefach- und Hilfspersonen in Organisationen der stationären Altenpflege bei der Implementierung eines Interventionsprogramms zur Stärkung der Autonomie. Eine verstehende Annäherung über die inhaltsanalytische Auswertung von Einzel- und Fokusgruppeninterviews im Rahmen des BMBF Projektes „OLE”
P011 

A. Herold-Majumdar, P. Marijic, A. Buss, S. Glanz, R. Stemmer; München, Mainz

Fragestellung: Altenpflegeeinrichtungen stehen vor der Herausforderung, den hohen Krankheitsraten und der Abwanderung von Pflegekräften (generalistische Ausbildung ab 2020) entgegenzuwirken. Die Studie geht unter anderem der Frage nach, wie ein Interventionsprogramm zur Stärkung der Autonomie durch organisationale Lernprozesse die Organisationskultur verändern kann. Organisationskultur kann für die Arbeitszufriedenheit und Gesundheit förderliche Faktoren, wie Autonomie und Teilhabe, nachhaltig in der Einrichtung verankern.

Methodik: Das Mixed-Method Design der "OLE"-Studie sieht im Rahmen eines Prä-Posttests unter anderem einen verstehenden Zugang zum Erleben der Organisationsmitglieder vor. Dabei werden Einzel- (n= 13) und Fokusgruppeninterviews (n= 4) mit Pflegefach- und Hilfspersonen in vier deutschen, stationären Altenpflegeeinrichtungen (Mitarbeiter*innen Gesamt N= 283) durchgeführt und inhaltsanalytisch ausgewertet.

Ergebnisse: Es konnten im ersten Durchlauf des Materials von t0 mit einer offenen Herangehensweise Kategorien induktiv entwickelt werden. Das Kategorienschema wurde im zweiten Durchlauf zusätzlich mit theoretisch begründeten (u.a. Sackmann 2017, Schreyögg 2010, Schein 1984 und Strauss 1978) Kategorien erweitert. Die Ergebnisse erlauben einen ersten verstehenden Zugang zum Konzept der partizipativen Organisationskultur aus Sicht der teilnehmenden Pflegekräfte.

Zusammenfassung: Mit Hilfe der Erkenntnisse kann die Organisationskultur von Altenpflegeeinrichtungen gezielt, auch mit quantitativen Verfahren, untersucht werden. Dabei können konkrete Ansatzpunkte für die Organisationsentwicklung identifiziert werden. Die partizipative Organisationskultur kann sich als Wettbewerbsvorteil auf dem Arbeitsmarkt profilieren.

15:45
Evaluation der Umsetzung pflegerischer Expertenstandards und ärztlicher Versorgungsleitlinien für die multimodale demenzspezifische Patientenversorgung im ambulanten Setting: ein internationaler Vergleich zwischen Deutschland und der Schweiz
P012 

A. Feldmann, C. Apfelbacher, M. Eberlein-Gonska; Dresden, Regensburg

Hintergrund und Zielsetzung: Ziel dieser Studie ist es, die Sichtweisen von Experten aus dem ärztlichen und pflegerischen Bereich in Bezug auf Versorgungsleitlinien und Expertenstandards zu explorieren da bisher keine sektorenübergreifende Forschungsvorhaben durchgeführt wurden. Methoden: In Deutschland und der Schweiz wurden unter Verwendung eines Interviewleitfadens 20 Experteninterviews mit Vertretern aus ärztlichen und pflegerischen Bereichen im Bereich der Demenzversorgung durchgeführt. Die Interviews wurden digital aufgenommen und verbatim transkribiert. Nach umfangreicher Codierung des Interviewmaterials wurden Kategorien und Hauptkategorien gebildet. Ergebnisse und Beantwortung der zentralen Forschungsfragen - Erkenntnisgewinn: Es wurden 36 Kategorien gebildet, die wiederum in 6 Hauptkategorien zusammengefasst wurden: 1. Einstellung, 2. Implementierung, 3. Patientenorientierung, 4. Praxistauglichkeit, 5. Evidenzbasiertes Verfahren und 6. Strukturmerkmal. Insgesamt lassen sich drei Typisierungen der Akzeptanz von Leitlinien und Expertenstandards unterscheiden: 1. Leitlinien und Expertenstandards sind hilfreich, 2. Leitlinien und Expertenstandards werden für das Krankheitsbild „Demenz“ nicht benötigt sowie 3. Umsetzung Leitlinien und Expertenstandards fördern. Sowohl der ärztliche als auch der pflegerische Sektor beurteilt systematisch entwickelte Entscheidungshilfen für das angemessene ärztliche sowie pflegerische Vorgehen ambivalent und skeptisch. Die Grundlage für eine gemeinsame und informierte Entscheidungsfindung von Ärzten, professionell Pflegenden und Patienten findet noch nicht vollumfänglich statt (mangelnde Patientenpartizipation). Im Ländervergleich bleibt festzuhalten, dass die Experten aus Deutschland und der Schweiz sowohl im ärztlichen als auch im pflegerischen Bereich grundsätzlich ähnliche Sichtweisen hatten. Diskussion und Ausblick: Eine wichtige Voraussetzung zur Weiterentwicklung der ärztlichen Leitlinien und pflegerischen Expertenstandards stellt die Anpassung an die jeweiligen Herausforderungen und Bedingungen des Versorgungsalltags im ambulanten Setting dar. Das Forschungsvorhaben hat aufgezeigt, dass die ärztlichen Leitlinien zu demenziellen Erkrankungen im ambulanten Setting konkretere, an den spezifischen Belangen des multimorbiden polymedizierten älteren Patienten ausgerichtet werden sollten.

15:45
Analyse geriatrischer Versorgungsstrukturen in Baden-Württemberg - Eine qualitative Studie
P013 

M. Zirves, I. Schubert, H. Pfaff, U. Karbach; Köln

Fragestellung: Hintergrund für das Projekt ist das Bemühen, den Grundsatz „Rehabilitation vor Pflege“ in der Versorgung geriatrisch erkrankter Menschen in Baden-Württemberg flächendeckend umzusetzen. Hierzu findet eine Analyse von Routinedaten der AOK Baden-Württemberg durch die PMV forschungsgruppe statt. Ziel des qualitativen Forschungsvorhabens ist es, aus Sicht relevanter Akteure zusätzliche und erläuternde Hinweise auf die Themen Fehlanreize für Überweiser sowie Fehlsteuerung in der Versorgung zu identifizieren. Auch Einschätzungen zu Über-, Unter- und Fehlversorgung sowie eine Bewertung der generellen geriatrischen Versorgungssituation in Baden-Württemberg sollen gewonnen werden.

Methodik: Im qualitativen Studiendesign werden 11 Experteninterviews (telefonisch/face-to-face) mit Vertretern Geriatrischer Zentren und Rehabilitationskliniken, Akteuren der Steuerungsebene, Kostenträgern und Patientenvertretern in Baden-Württemberg geführt. Diese werden im Anschluss mit der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring ausgewertet.

Ergebnisse: Das Geriatriekonzept Baden-Württemberg wird von allen Befragten geschätzt. Aus Sicht der interviewten Experten zeichnen sich jedoch Schwierigkeiten ab, das 2014 überarbeitete Geriatriekonzept Baden-Württemberg in allen angedachten Punkten in die Praxis zu übertragen. Überwiegend wird hinsichtlich der geriatrischen Versorgungssituation auf eine allgemeine Unterversorgung geschlossen, die jedoch regional divergiert. Insbesondere wird auf finanzielle Aspekte sowie auf die Schnittstellenproblematik zwischen Krankenhaus und Rehabilitationseinrichtungen verwiesen, wo sich eine Fehlallokation in die Kurzzeitpflege sowie eine Patientenselektion ausmachen lassen. Die frühzeitige Identifikation geriatrischer Patienten in der Akutversorgung sowie das anschließende Antragsverfahren für eine geriatrische Rehabilitation sind mit hohem Zeit- und Kostenaufwand behaftet.

Zusammenfassung: Die Motivation zur Umsetzung des Geriatriekonzeptes in die Praxis ist hoch, scheint jedoch durch strukturelle und finanzielle Rahmenbedingungen ausgebremst. Das in der Versorgungsforschung angesiedelte Projekt kann die Relevanz des Geriatriekonzeptes wissenschaftlich absichern und auf dieser Basis zukunftsweisende politische Entscheidungen ermöglichen.

15:45
Ein tierisches Vergnügen: ein Hund auf der Station in der Geriatrie
P014 

M. K. Modreker; Wismar

Einleitung: Tiergestützte Therapien sind bereits in der Behandlung körperlich und geistig behinderter Kinder und Erwachsene bekannt und können hier gute Erfolge erzielen. Neben Pferden (Hippotherapie) werden auch gerne Hunde als therapeutische Unterstützung eingesetzt.

Auch in der Altenpflege konnte in den letzten Jahren der vermehrte Einsatz von Therapiehunden verzeichnet werden.

Hunde im Krankenhaus sind dagegen eher eine Seltenheit.

Material und Methoden: Der Werdegang des Besuchshundes in einer Klinik: Voraussetzungen, Anträge, Verfahrensanweisung, Schulung, Verhaltensmaßnahmen.

Ergebnisse: Anhand eines realen „Fallbeispiels“ soll demonstriert werden, welche Voraussetzungen für die Etablierung eines Besuchshundes im Krankenhaus (in der Geriatrie) erfüllt werden müssen. Daneben werden die einzelnen Antragsverfahren sowie die individuell erstellten, internen Verfahrensanweisungen begründend erläutert und die speziellen Hürden gezeigt. Die Verhaltensmaßnahmen im Umgang mit dem Hund werden aufgezeigt.

Es wird verdeutlicht, welche Pflichten und Verantwortung dem Hundehalter zukommen.

Die Aufgaben des Besuchshundes und die Zielsetzung werden am realen Fall demonstriert sowie die Erfolge beschrieben.

Zusammenfassung: Das Führen eines Besuchshundes im Krankenhaus ist eine große Herausforderung.

Bei umfangreichen, arbeitsintensiven Vorbereitungen ist ein Besuchshund in der Geriatrie, ein Gewinn für die gesamte Klinik. Sowohl die Patienten als auch die Teammitglieder profitieren von dem „neuen Kollegen“.

15:45
Depression im Altenpflegeheim: Verbesserung der Behandlung durch ein gestuftes kollaboratives Versorgungsmodell (DAVOS)
P015 

A. Schall, V. A. Tesky-Ibeli, L. Luft, K. Kraus, T. Müller, U. Schulze, U. Stangier, F. Oswald, J. Pantel; Frankfurt a. M.

Hintergrund: Depressionen sind nach Demenz die zweithäufigste psychiatrische Erkrankung bei älteren und hochbetagten Menschen. Darüber hinaus ist die Depressionsprävalenz in Altenpflegeinrichtungen fast doppelt so hoch wie in der gleichaltrigen Allgemeinbevölkerung. Obwohl depressive Erkrankungen auch im höheren Lebensalter gut behandelbar sind, bleiben sie bei dieser Personengruppe häufig unbemerkt und dementsprechend unbehandelt. So erhalten in Deutschland lediglich 42,9% der an einer Depression erkrankten Pflegeheimbewohner eine entsprechende ärztliche Diagnose und davon nur die Hälfte eine adäquate fachliche Therapie. Diese Tatsache stellt ein eklatantes Versorgungsdefizit dar und führt bei den Betroffenen u.a. zu einer reduzierten Lebensqualität, einem schlechteren körperlichen Funktionsniveau, früherer Sterblichkeit und einer höheren Zahl von Krankenhausaufenthalten.

Methode: Das anlaufende Forschungsprojekt DAVOS hat zum Ziel, die medizinische, pflegerische und psychotherapeutische Begleitung und Versorgung von älteren Menschen mit Depression in Pflegeeinrichtungen mittels eines innovativen und strukturierten Case-Management-Programms zu verbessern. Insgesamt nehmenan der Studie 10 Altenpflegeinrichtungen (Agaplesion Markus Diakonie GmbH und Frankfurter Verband) in Frankfurt am Main teil, in denen dieses Konzept implementiert und hinsichtlich seiner Wirksamkeit unter Alltagsbedingungen evaluiert werden soll. Einen wichtigen Baustein bildet dabei die Einbindung der in die Versorgung involvierten Berufsgruppen und Disziplinen, insbesondere der betreuenden Fachärzte.

Ergebnisse: Die Haupthypothese ist, dass die Implementierung des Interventionsprogramms zur Verringerung der Depressionsprävalenz und einer nachhaltigen Reduktion der depressiven Symptomatik unter den Bewohnern der beteiligten Altenpflegeeinrichtungen führt. Des Weiteren werden positive Effekte auf Lebensqualität, Funktionsniveau sowie soziale Teilhabe erwartet. Eine detaillierte Projektbeschreibung sowie erste Erfahrungen aus der Praxis werden präsentiert.

Diskussion: Die Ergebnisse des Projekts DAVOS könnten eine wichtige Grundlage zur Verbesserung der gesundheitlichen Versorgung von an Altersdepression leidenden Pflegeheimbewohnern in Deutschland bilden.

15:45
TIGER - Transsektorales Interventionsprogramm zur Verbesserung der Geriatrischen Versorgung in Regensburg
P016 

M. Rimmele, E. Freiberger, K. Wingenfeld, C. C. Sieber; Nürnberg, Bielefeld

Hintergrund: Durch den demographischen Wandel kommt es in den nächsten Jahren zu einer Zunahme an Krankenhausaufenthalten älterer, chronisch erkrankter Menschen. Gerade diese erleiden durch einen Krankenhausaufenthalt jedoch zusätzliche Funktionseinschränkungen, Selbstständigkeits- und Lebensqualitätsverluste, Ernährungsdefizite und erhöhte Infektionsrisiken. Nach Entlassung kann dies zu gravierenden Versorgungslücken führen und das Risiko einer Wiedereinweisung erhöhen. Eine Verbesserung der Versorgung für ältere, vulnerable Patienten wurde mit dem Entlassmanagement als Bestandteil der Krankenhausbehandlung zwar begonnen, scheint aber in der Praxis den komplexen Bedürfnissen geriatrischer Patienten und ihrer Angehörigen oft nicht zu genügen. International zeigt das Transitional Care Model (TCM), von Mary Naylor et al.* beim Übergang von stationärer zu ambulanter Behandlung Erfolge bezüglich einer Reduzierung der Krankenhauswiedereinweisungsraten. Über eine Reihe definierter Aktionen überbrückt es eine Unterbrechung der Versorgungskette älterer Patienten. 

Ziel: Ziel des sektorenübergreifenden Versorgungsformenprojektes TIGER ist eine Reduktion der Wiedereinweisungsraten geriatrischer Patienten durch Steigerung von Selbstständigkeit, Gesundheitszustand und Funktionalität geriatrischer Patienten an der Schnittstelle von stationärer zu ambulanter Versorgung.

Methode: Das Programm TIGER unterstützt geriatrische Patienten über eine strukturierte, kontinuierliche Begleitung der Patienten, ihrer Angehörigen, ihres Arztes und Pflegeteams durch einen sog. “Pfadfinder“, eine geriatrische Fachkraft, bereits während eines Krankenhausaufenthaltes und über 12 Monate danach im ambulanten Sektor. Es bindet die Komponenten des wissenschaftlichen TCM ein und unterstützt Patienten und unterstützende Angehörige, eigenverantwortlich und selbstbestimmt eine Stabilisierung bzw. Verbesserung von Lebensqualität, Krankheitsbewältigung, Funktionalität, Ernährungszustand und Wundversorgung zu erreichen. Wirksamkeit, Praktikabilität, Kosteneffektivität und Limitationen werden wissenschaftlich sowie ökonomisch evaluiert. Das Projekt startete im September 2017 und hat eine Laufzeit von 36 Monaten.

Ausblick: Durch das Projekt wird eine integrative Verzahnung eines stationären und ambulanten Versorgungsteams rund um den Patienten angestrebt, die das Entlassmanagement komplementär ergänzt.   * Naylor M. et al. Ann Intern Med, 1994, 120, 999-1006

15:45
Geriatrie in der Hausarztpraxis: Vorhersagekraft des Multidimensionalen Prognostischen Index (MPI) auf die Anzahl der Hausarztbesuche von älteren, multimorbiden Patienten
P017 

A. M. Meyer, I. Becker, G. Siri, A. Pilotto, T. Benzing, M. C. Polidori Nelles; Köln, Genova/I

Hintergrund: Die klinische Entscheidungsfindung ist bei älteren, multimorbiden Patienten ein komplexer Prozess, bei dem die Prognose eine entscheidende Rolle spielt. Eine multidimensionale Prognoseberechnung, basierend auf einem umfassenden geriatrischen Assessment, ist durch die Erhebung des Multidimensionalen Prognostischen Indexes (MPI) möglich. Ziel dieser Beobachtungsstudie ist eine MPI-basierte Prognoseberechnung bei älteren Patienten in der Hausarztpraxis durchzuführen, um Faktoren zu erfassen, die die klinische Entscheidungsfindung beeinflussen.

Methoden: Rekrutierung von 125 multimorbiden Patienten (70+ Jahre) in einer Hausarztpraxis, Berechnung des MPI, sowie Erhebung Geriatrischer Syndrome und Ressourcen. Retrospektiv und prospektiv ein Jahr vor und nach der Rekrutierung wird die Anzahl der Hausarztbesuche ermittelt. Außerdem wird die Vorhersagekraft des MPI auf gesundheitsassoziierte Outcomes erhoben.    

Ergebnisse: Das Durchschnittsalter der Patienten beträgt 79,2 Jahre, die mediane Anzahl der Hausarztbesuche im vergangenen Jahr liegt bei 2 Besuchen pro Quartal.Im Median hatte jeder Patient 7 verschiedene Hauptdiagnosen, 4 geriatrische Syndrome und 6 Ressourcen. Polypharmazie lag bei 40% der Patienten vor, im Median nahm jeder Patient 5 Medikamente täglich ein, 28,4% der Patienten nahmen Antikoagulanzien, 19,2% Psychopharmaka.Bei Rekrutierung wurde für die Mehrzahl der Patienten (67,2%) ein MPI-1 errechnet, 27,2% der Patienten hatten einen MPI-2, 5,6% einen MPI-3. Der mittlere MPI beträgt 0,30.Die durchschnittliche Anzahl an Hausarztbesuchen pro Quartal korreliert signifikant (p=0,000) mit dem MPI, sowie mit der Anzahl an Geriatrischen Syndromen (p=0,000) und Ressourcen (p=0,002). Gleichzeitig konnte erneut gezeigt werden, dass der MPI signifikant (p=0,000) mit dem Pflegegrad assoziiert ist.

Zusammenfassung: Erstmals in Deutschland konnte der MPI bei älteren Patienten im hausärztlichen Umfeld erhoben werden. Es konnte gezeigt werden, dass die Durchführung des MPI in der Hausarztpraxis zahlreiche gesundheitsrelevante Faktoren aufgedeckt werden, die höchstrelevant für die klinische Entscheidungsfindung sind. Auch aus gesundheitsökonomischer Sicht, hinsichtlich Einteilung von Pflegegraden oder Zeitmanagement in der Hausarztpraxis lassen sich Patienten mit dem MPI gut kategorisieren. Weitere Forschung ist notwendig um zu zeigen welchen prospektiven, langfristigen prognostischen Nutzen der MPI in der Hausarztpraxis bietet.

15:45
Die komplizierenden Nebendiagnosen Delir und Dysphagie als Risikofaktoren für dauerhaft erhöhte Pflegebedürftigkeit
P018 

B. Hanussek, C. Hoell, T. Gaertner, M. Ried, M. Langhans, J. van Essen; Oberursel

Fragestellung: Wie unterscheiden sich Patienten nach geriatrischer frührehabilitativer Komplexbehandlung (GFK) mit initial hohem pflegerischem Unterstützungsbedarf (Barthel-Index ≤ 35 Punkte) mit und ohne der Erforderlichkeit von Pflegekomplexmaßnahmen (PKM) bezüglich der poststationären Pflegebedürftigkeit?

Methode: retrospektive vergleichende Analyse von 44 GFK-Fällen (2 Gruppen à n=22; je w=13, m=9; 70-97 Jahre) aus der MDK-Begutachtungspraxis unter Berücksichtigung der Pflegestufe.

Ergebnisse:

  • Patienten mit PKM erreichten durch die GFK im Vergleich zur Kontrollgruppe eine nur geringfügigere funktionelle Verbesserung der Selbständigkeit (stagnierender Barthel-Index bei Entlassung ≤ 35: 59 % vs. 36 %).

  • Patienten mit PKM wurde nach GFK gutachterlich häufiger erstmalig eine Pflegestufe bzw. eine Höherstufung (68 % vs. 50 %) zuerkannt.

  • Die häufigsten komplizierenden Nebendiagnosen in der PKM-Gruppe waren Delir (64 %) und Dysphagie (50 %).

  • Vorbestehende kognitive Defizite fanden sich in beiden Gruppen gleich häufig.

Diskussion und Schlussfolgerung: Studien belegen für das Delir eine Korrelation mit erhöhtem Pflegebedarf, unsere Daten auch eine für Dysphagie. Delir und Dysphagie sind häufig mit Malnutrition assoziiert. Diese Konstellation der Komplikationen bedingt u. a. eine Verlängerung der Krankenhausverweildauer. Somit erscheint es notwendig, bei multimorbiden geriatrischen Patienten das geriatrische Basisassessment um ein Delir- und Dysphagiescreening sowie ein Assessment zur Ernährungssituation zu erweitern. Dadurch können gezielt Indikationen zu spezifischen Interventionen, wie z. B. medikamentöse, umgebungs- oder ernährungstherapeutische, gestellt werden, die durch eine Reduktion von weiteren Komplikationen und der stationären Wiederaufnahme einen positive Auswirkung auf die Behandlungskosten und die Lebensqualität haben.

 

Posterhinweis

Bitte erstellen Sie das Poster in folgendem Format:
120 cm × 90 cm (~ DIN A 0, Hochformat)

Für jedes Poster wird es vor Ort eine eigene Posterwand und an der Registrierung ausreichend Befestigungsmaterial geben. Eigenes Befestigungsmaterial ist nicht gestattet.

Geführte Postersession:
Freitag, 07.09.2018 15:45 - 17:00 Uhr

Wir bitten alle Posterautoren sich an ihrem Poster für Fragen bereit zu halten. Die Poster werden während des gesamten Kongresszeitraums ausgestellt sein.

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