Freitag, 07.09.2018
17:30 - 19:00
Seminarraum 11
S506
Onkogeriatrie

Moderation: V. Goede, Köln; G. Kolb, Lingen

Zum Zeitpunkt einer onkologischen Diagnose sind die meisten Betroffenen bereits im fortgeschrittenen Lebensalter. Etwa ein Fünftel neudiagnostizierter Tumorpatienten ist dabei 80 Jahre alt oder älter. Ein Teil der betagten und hochbetagten Tumorpatienten präsentiert sich mit geriatrietypischer Multimorbidität oder hat ein hohes Risiko für deren Auftreten. Fortschritte in der Onkologie gestatten heute dennoch eine tumorspezifische Behandlung solcher erkennbar fragilen oder vulnerablen Patienten (z.B. durch minimal-invasive Eingriffe oder schonende medikamentöse Therapieregime). Für den klinisch tätigen und auch bei solchen Patienten zur Behandlung geriatrietypischer Multimorbidität aufgerufenen Geriater sind daher Kenntnisse zu häufiger während einer geriatrischen Intervention eingenommen Tumortherapeutika, zum Nutzen und Wirksamkeit geriatrischer Interventionen bei betagten und hochbetagten Tumorpatienten sowie zur Abwägung zwischen rehabilitativen und palliativen Vorgehensweisen wichtig. Das Symposium widmet sich diesen bedeutsamen Aspekten.

17:30
Alte und neue orale Tumortherapeutika: Welche sollte der Geriater gut kennen?
S506-1 

T. Zander, Köln

Die Entschlüsselung molekularer Signalwege in Tumorzellen und deren Interaktion mit dem sog. Tumor-Milieu (z.B. Immunzellen, Endothelzellenzellen) hat zu einer andauernd wachsenden Anzahl von oral zu verabreichenden Tumortherapeutika geführt. Einige dieser Substanzen werden tatsächlich „zielgerichtet“, d.h. nach spezifischer molekularer Tumordiagnostik (z.B. Mutationsanalyse) eingesetzt. Andere können auch ohne vorausgegangene molekulare Tumordiagnostik eingesetzt werden. Ältere (z.B. Imatinib, Erlotinib, Sunitinib, Sorafinib, Thalidomid, Tamoxifen) können von neueren (z.B. Lenalidomid, Ibrutinib, Venetoclax, Ruxolitinib, Afatinib, Crizotinib u.v.m.) unterschieden werden. Diese Medikamente kommen durchaus auch bei alten bzw. geriatrischen Patienten zum Einsatz. Im Rahmen der Versorgung von alten multimorbiden Patienten werden klinisch tätige Geriater deshalb bereits heute und in Zukunft noch häufiger mit Situationen konfrontiert sein, in der eine Tumorerkrankung Teil der Diagnoseliste und ein oral verabreichtes Tumortherapeutikum Teil der Medikationsliste ist. Bei der ohnehin oft komplikationsbehafteten geriatrischen Versorgung müssen Geriater daher zunehmend eine gute Vorstellung über das vielschichte Nebenwirkungsspektrum solcher Medikamente und auch über deren Interaktionspotential (z.B. CYP-Metabolismus) haben. Im Symposiumsvortrag werden häufige, auch bei alten Patienten verabreichte orale Tumortherapeutika vorgestellt und deren Hauptneben- bzw. Wechselwirkungen besprochen.

18:00
Geriatrische Intervention bei alten Krebspatienten: Aktuelle Evidenz, Erfahrungen, Besonderheiten
S506-2 

V. Goede; Köln

Altersdemografische Veränderungen führen dazu, dass die heutzutage oft hochspezifische Diagnostik und Therapie von onkologischen Erkrankungen oftmals im Kontext von (geriatrietypischer) Multimorbidität und Multimedikation stattfindet. Während der onkologischen Versorgung (z.B. Operation, medikamentöse Therapie) besteht daher ein hohes Risiko für Komplikationen einschließlich der akuten Exazerbation geriatrietypischer Multimorbidität (z.B. akute Immobilität, Stürze, zunehmende Sarkopenie, Malnutrition, Delir, Depression). Multiprofessionelle Interventionen als Hauptsäuleder geriatrischen Medizin ist grundsätzlich dazu geeignet, solchen Komplikationen wirksam entgegenzuwirken. Für den onkologisch-geriatrischen Kontext ist dabei die Evidenz noch begrenzt, und Erfahrungen mit dazu besonders geeigneten Infrastrukturen müssen erst noch gemacht werden. Im Symposiumsvortrag werden die aktuell verfügbare Evidenz zur geriatrischen Versorgung alter onkologischer Patienten dargestellt sowie gegenwärtige und zukünftige Vernetzungsmodelle diskutiert.

18:30
Zwischen (Früh-)Rehabilitation und Palliation: Wo liegt bei alten Krebspatienten die Grenze?
S506-3 

T. Zieschang, Heidelberg

Die geriatrische Frührehabilitation als etabliertes Versorgungsinstrument zur effektiven Behandlung akuter geriatrietypischer Multimorbidität steht neben alterstraumatologischen und allgemein-internistisch erkrankten Patienten auch alten Tumorpatienten mit geriatrischen Problemen zur Verfügung. Akute geriatrische Syndrome (z.B. Immobilität, wiederholte Stürze, Kachexie und Sarkopenie bei Inappetenz, Delir u.a.) können bei solchen Patienten bereits vor Beginn, aber auch während oder unmittelbar nach einer tumorspezifischen Therapie vorliegen. Eine geriatrische, d.h. multiprofessionelle Evaluation und Intervention bieten dann die Chance, akute Syndromanteile nicht nur zugunsten eines Wiedergewinns an Autonomie und Partizipation zurückzudrängen, sondern dabei auch zur Wiederherstellung bzw. Erhalt einer onkologischen Therapiefähigkeit beizutragen (z.B. Chemotherapiefähigkeit, Operabilität). Bei vielen alten Tumorpatienten und insbesondere solchen mit fortgeschrittenen Malignomen ohne kurativen Therapieansatz ist der Grad zwischen rehabilitativen und rein palliativen, d.h. symptomorientierten Behandlungskonzepten jedoch schmal. Entscheidungen fallen den Behandlern entsprechend schwer. Nicht selten müssen initial eingeschlagene Versuche eines rehabilitativen und hinsichtlich der onkologischen Therapie supportiv gemeinten Vorgehens abgebrochen und das Konzept in Richtung Palliation abgeändert werden. Im Symposiumsvortrag wird ein Überblick über die „palliative Geriatrie“ gegeben und Entscheidungskriterien bzw. -hilfen diskutiert.

Zurück