Freitag, 07.09.2018
17:30 - 19:00
Hörsaal D
S504
MobiAssist - Empirische Ergebnisse eines interdisziplinären Forschungsprojekts zur Mobilisierung von Menschen mit Demenz und der Angehörigen

Moderation: S. Brandt, Bonn

Bereits heute ist die Belastung für Angehörige, Betroffene, Pflegekräfte, Anbieter von Gesundheits- und Pflegedienstleistungen und das Gesundheitssystem enorm hoch. Eine besondere Herausforderung stellt die Versorgung von Menschen mit Demenz dar. Sowohl der Verlauf einer Demenz als auch die Lebensqualität bei Demenz können durch verschiedene Interventionen positiv beeinflusst werden. Vielversprechend sind Bewegungsprogramme, da diese nicht nur präventiv gegen Demenz, sondern auch pro-aktiv bei eingetretener Demenz Fähigkeiten und Ressourcen aufrecht erhalten und fördern können. Studien zeigten, dass körperliches Training die geistigen und körperlichen Leistungs­fähigkeiten und somit der Alltagskompetenz bei Menschen mit Demenz verbessern kann. In dem entsprechenden Diskurs nehmen die Themen Technik und Assistenzsysteme mittlerweile einen notwendigen Schwerpunkt ein. Technische Assistenzsysteme könnten eine Ergänzung zum Alltag der Haushalte und Pflegeeinrichtungen der Zukunft auszeichnen. Eine neue Entwicklung stellen hierbei sogenannte Exergames dar, welche digitale Videospiele sind, die auf unterhaltsame Weise Informationen, Fertigkeiten und Wissen vermitteln.

Das Forschungsprojekt MobiAssist entwickelt ein Kinect-basiertes Trainings- und Informationssystem mit verschiedenen Spielen, welches Bewegungen und Trainingsaktivitäten erfassen, auswerten und evaluieren kann. Durch eine innovative Mensch-Technik-Interaktion und gezielt entwickelte Trainings­ein­heiten werden motorische, kognitive und sozial-kommunikative Kompetenzen individuell und kontinuierlich gefördert. MobiAssist adressiert dabei die Stärkung der individuellen Selbst­pflege­fähigkeit und Alltagskompetenz von Menschen mit Demenz und deren Angehörigen. Schwerpunkt des Symposiums ist es das Konzept, interdisziplinäre Forschungsschwerpunkte und erste Erkenntnisse aus der Evaluierungsstudie mit über 50 Menschen mit Demenz und deren Angehörigen aus einer multizentrischen Studie zu präsentieren. Im Rahmen der Studie wurden sowohl vor als auch nach der Interventionsphase quantitative Assessments zur Erhebung der körperlichen und kognitiven Ressourcen von Menschen mit Demenz und deren Angehörige als auch qualitative Methoden zur Erfassung der individuellen Alltagssituation und Systemnutzung eingesetzt. Das Symposium dient der wissenschaftlichen Aufarbeitung und Reflexion der Projekterfahrungen und Unterstützung zukünftiger Entwicklungen im Bereich der IT-basierten Unterstützung im Umfeld von Demenz.

17:30
MobiAssist - Mobilisierungsassistent für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen - Quantitative Auswertung der kognitiven Leistungsfähigkeit
S504-1 

A. Latendorf, S. Kuntz, S. Eichberg, K. Pfeifer, N. Lahmann; Berlin, Köln, Siegen

Hintergrund: Symptomatisch für eine demenzielle Erkrankung ist unter anderem ein Rückgang der kognitiven Leistungsfähigkeit. Neben psychologischen und auch sozialen Interventionen sind auch Bewegungsprogramme geeignet, den klinischen Verlauf der Demenz positiv zu beeinflussen, indem sie die Symptome der Demenzerkrankung schwächt (Heyn et al., 2004; Forbes et al., 2012; Rolland et al. 2007). Inwieweit ein solches Bewegungsprogramm auch über ein sogenanntes „Exergame“ bei dieser vulnerablen Patientengruppe umgesetzt werden kann, dazu gibt es derzeit nur wenige Erkenntnisse.

Methodik: Die Probanden trainieren mit dem eigens entwickelten Exergame „MobiAssist“ über einen Zeitraum von 16 Wochen. Bei Beginn und nach Beendigung der Interventionsphase (T1 und T2) wird das kognitive Leistungsniveau mit Hilfe des DemTect und des Trail-Making-Test A (TMT-A) erhoben. Zur Einschätzung des Trainingseffekts wird die gleiche Probandengruppe zu einem Testzeitpunkt Null 16 Wochen vor Beginn der Interventionsphase als Kontrollgruppe getestet. Der DemTect (Calabrese, Kalbe, Kessler, 2000) ist ein Screening-Verfahren, der sich für die Einschätzung erster kognitiver Beeinträchtigungen und zur Beschreibung des Verlaufs des geistigen Abbaus eignet. Die Ergebnisse werden in Punktwerte (max. 18) umgerechnet. Der Trail Making Test A (TMT-A & TMT-B, Reitan, 1992) ist ein neuropsychologisches Testverfahren zur Erfassung von Aufmerksamkeitsstörungen und exekutiven Dysfunktionen. Neben der kognitiven Verarbeitungsgeschwindigkeit werden sprachliche, exekutive und Aufmerksamkeitskomponenten erfasst. Als Ergebnis liegt die Bearbeitungszeit (in Sekunden) vor.

Ergebnisse: In die Studie wurden 53 Probanden mit Demenzerkrankungen (Alzheimer bzw. vaskuläre Demenz oder Mischform) im Alter von 53 bis 94 Jahren (M = 77,94) eingeschlossen. Zu Beginn der Kontrollphase (T0) betrug der durchschnittlich erreichte Wert im DemTect 6,63 (SD 3,32) Punkte. Ein Wert von unter 8 Punkten entspricht einem Demenzverdacht. Im TMT-A benötigten die Probanden im Durchschnitt eine Bearbeitungszeit von 102,39 Sekunden (SD 36,88).

Zusammenfassung: Es wird angenommen, dass sich nach einem aktiven Training in der Interventionsphase (T2) die durchschnittlich erreichten Punktwerte in der Bearbeitung des DemTect sowie die durchschnittliche Bearbeitungszeit des TMT-A positiv verändern werden.

17:45
Mobilisierungs-Assistent für Patienten mit Demenz und deren Angehörige - MobiAssist - Quantitative Auswertung des Pflegebedarfs und der Pflegebelastung
S504-2 

S. Kuntz, S. Eichberg, A. Latendorf, N. Lahmann; Berlin, Köln

Einleitung: Symptomatisch für dementielle Erkrankungen sind nicht nur der Rückgang geistiger, sondern auch körperlicher Leistungen. Dabei nimmt mit zunehmendem Demenzschweregrad die Alltagskompetenz ab und der Umfang des Unterstützungs- und Pflegebedarfs nimmt entsprechend zu. Mobilität stellt ein zentrales Konstrukt der allgemeinen pflegerischen Abhängigkeit dar (Lahmann et al. 2014a). Der Zusammenhang zwischen weitgehender pflegerischer Unabhängigkeit und einem langsameren Fortschreiten der dementiellen Erkrankung wird in aktuellen Studien diskutiert. Im interaktiven Trainingssystem „MobiAssist“ wurden bedarfsgerecht, individuell und aufeinander aufbauend für den Betroffenen Übungen entwickelt, welche ihn bei der Bewältigung seiner täglichen Bedürfnisse im Alltag unterstützen bzw. vorantreiben. Zentral sind dabei alle Aktivitäten, die mit Mobilisation und Bewegung in Verbindung stehen.

Hypothese: Durch die Anwendung des MobiAssist Systems und damit durch die körperlich-sportliche Aktivität lassen sich positive Veränderungen bzw. keine Verschlechterungen des Pflegebedarfs der an Demenz erkrankten Person aufzeigen. Das Training kann unabhängig von den verordneten Versorgungsangeboten am PC wahrgenommen werden und erzielt somit einen höheren Effekt. Gleichzeitig ist mit der Abnahme der Pflegebelastung der pflegenden Angehörigen zu rechnen.

Methodik: Im Rahmen einer begleitenden „Proof of Concept“ Evaluationsstudie von MobiAssist ist wie folgt vorgegangen worden: Interventionsstudie mit 3 Messzeitpunkten bei gleicher Studienpopulation und 16 - wöchiger Interventionsphase. Im Prä- und Post- Assessment wurden unter anderem der Barthel Index (Mahoney, F. I. & Barthel, D. W., 1965) und die Häusliche Pflegeskala (Gräßel, E. & Leutbecher, M., 1993): im Bereich der Pflege analysiert.

Ergebnisse: Insgesamt wurden zum ersten Meßzeitpunkt (T0) 87 Personen in die Studie eingeschlossen (Betroffene n= 53; Angehörige n=35). 53,8% der Patienten waren weiblich, 23.9% hatten keinen Pflegegrad und 43,5% hatten einen Pflegegrad 1 oder 2. Der Barthel Index lag im Durchschnitt bei 83,46 Punkten (SD=21,89). Insgesamt konnte von n=22 Angehörigen die Häusliche Pflegeskala erhoben werden. Der Durchschnittswert lag bei 26,73 (SD= 17,87).

Zusammenfassung: Bezogen auf die Alltagskompetenzen weist der Barthel Index bei der T0 - Messung auf nur geringe bis leichte motorische Einschränkungen hin. Die Angehörigen gaben ein geringes Belastungsausmaß an.

18:00
MobiAssist - Assistenzsystem für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen: Effekte auf die körperlichen Leistungsfähigkeiten
S504-3 

S. Eichberg, A. Latendorf, S. Kuntz, K. Pfeifer, C. Dietlein, S. Niemeyer; Köln, Berlin, Siegen

Hintergrund: Immer mehr Studien berichten von positiven Effekten von Bewegung und körperlich-sportlichem Training auf die motorischen Leistungsfähigkeiten bei an Demenz erkrankten Personen. Vorteile eines Trainings zu Hause mittels Exergames sind vielfältig. Es wurden schon Verbesserungen im Bereich der Ausdauer, Kraft und Beweglichkeit bei gesunden Personen und Reha-Patienten nachgewiesen. Die Effekte von Exergames auf die motorischen Leistungsfähigkeiten bei Betroffenen mit Demenz wurden bisher noch wenig untersucht.

Methode: Zielgruppe der Interventionsstudie mit Eigenkontrollgruppendesign waren Personen mit beginnender Demenz, die noch selbstständig zu Hause oder in einer Pflegeeinrichtung leben. Die Kontroll- und anschließende Interventionsphase dauerte jeweils 16 Wochen. Den Probanden wurde empfohlen mehrmals pro Woche für eine halbe Stunde mit dem MobiAssist-Programm zu trainieren. Das Programm enthält Kraft-, Koordinations- und Kognitionsübungen. Zu Beginn der Kontrollphase (T0) sowie vor (T1) und nach der Interventionsphase (T2) wurden die motorischen Leistungsfähigkeiten untersucht. Das Gleichgewicht, die Mobilität und die Gehgeschwindigkeit wurden mit der Short Physical Performance Battery (SPPB; Guralnik et al., 1994), die Kraftausdauer der Arme, die allgemeine Ausdauer und die Geschicklichkeit wurde mit dem Senior Fitness Test (SFT, Rikli & Jones, 2013) erfasst.

Ergebnisse/Diskussion: Es konnten 53 an Demenz erkrankte Personen eingeschlossen werden (54 % Frauen). Das Durchschnittsalter lag bei 78 Jahren (SD 8,77). Zu Beginn der Kontrollphase wurden im Mittel 7,51 Punkte (SD 2,97) im Gesamtscore der SPPB erreicht (Einzelpunkte Gleichgewicht: 2,73±1,25; Gehgeschwindigkeit: 2,74±1,16; Aufstehen: 1,82±1,27). Die Stichprobe hat damit ein mittleres Risiko für Funktionseinschränkungen. Der Armkrafttest wurde mit durchschnittlich 12 Wiederholungen (SD 5) und der Ausdauertest durchschnittlich mit 51 Kniehübe (SD 20) absolviert. Im Mittel benötigten die Probanden 12,14 Sekunden (SD 4,89) für den Geschicklichkeitstest. Im Vergleich zu den Normwerten für diese Altersgruppe liegt die Stichprobe im untersten Fünftel. Eine Veränderung in der Kontrollphase wird nicht erwartet. Es wird jedoch angenommen, dass sich die Leistungen durch die Intervention verbessern werden. Im Symposium werden die Veränderungen über die drei Messzeitpunkte und durch die Intervention vorgestellt.

18:15
Qualitative Ergebnisse eines Videospiel-basierten Assistenzsystems für Menschen mit Demenz und deren Angehörige
S504-4 

D. Unbehaun, D. Vaziri, K. Aal, R. Wieching; Siegen

Die Folgen des demografischen Wandels mit allen individuellen, volkswirtschaftlichen und soziodemografischen Konsequenzen werden in der Zukunft dazu führen, dass Menschen mit Demenz individuell nicht bedarfsgerecht und angemessen mit Pflege und Betreuung versorgt werden. Das Angebot von technischen Assistenzsystemen für Menschen mit Demenz und deren Umfeld, ist ein junger und überschaubarer Markt. Dieser bietet aber im Sinne von intelligenten Informationstechnologien ein riesiges Potenzial für menschenzentrierte und bedarfsgerechte Unterstützung. Durch intelligente Systeme können gezielte und bedarfsgerechte Therapiekonzepte ermöglicht werden, welche sich auf die Bedürfnisse von Menschen anpassen. Im Verbundprojekt MobiAssist wird ein neuartiges Konzept für Menschen mit Demenz, vor allem in Hinblick auf biographische Inhalte, Bewegungen, Gesten, Sprache, Musik, Spiel, Spaß und Emotionen, unter Rücksichtnahme der Bedürfnisse von Angehörigen und Pflegepersonal, konzipiert und entwickelt. Zielsetzung des Projektes ist die Mobilisierung und Aktivierung von Menschen mit Demenz und den Angehörigen, welche körperliche sowie kognitive Leistungsfähigkeit und dementsprechend die Alltagskompetenz fördert und vor weiterem Verfall schützen soll. In der vorliegenden Arbeit werden sowohl qualitative Forschungsergebnisse aus zwei Jahren praxisnaher Design- und Entwicklungszeit, als auch die qualitativen Ergebnisse der Hauptstudie mit 50 Teilnehmer-Innen präsentiert. Im Rahmen der Entwicklung wurden Nutzer sowie Angehörige und Pflegefachkräfte während der gesamten Entwicklungsphase einbezogen und die Technik im realen Umfeld exploriert. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass sowohl Angehörige als auch Betroffene auf verschiedenen Ebenen von der Systemnutzung profitieren. Familienangehörige waren in der Lage positive Veränderungen bei den Betroffenen wahrzunehmen und konnten zusätzlich Zeit für persönliche Freizeitaktivitäten wiedererlangen. Darüber hinaus waren Menschen mit Demenz in der Lage, bestimmte Aspekte ihrer sozialen und täglichen Aktivitäten zurückzugewinnen. Weiterhin scheint das System soziale Interaktion zu fördern, Beziehungen von Menschen mit Demenz und ihrem Umfeld zu verbessern und die Zielgruppe zu unterstützten sich täglichen Herausforderungen zu stellen.

18:30
Tablet-basiertes Wissens- und Ausbildungssystem zur Unterstützung von Menschen mit Demenz und deren Angehörige
S504-5 

M. Dornhöfer, S. Nasiri, J. Zenkert, D. Unbehaun, M. Fathi; Siegen

Ausgehend von den aktuell in Deutschland betroffenen Personen mit demenzieller Veränderung und den prognostizierten Zahlen bis 2050, wird ein gezielter Handlungsbedarf in der Betreuung und Pflege dieser Zielgruppe ersichtlich. Speziell pflegende Angehörige begleiten hierbei eine zentrale und teilweise auch belastende Rolle im Alltag. Neben der Pflege im familiären Umfeld rücken auch mobile und stationäre Pflegedienste, Tagespflegen oder weitere Anbieter von Gesundheits- und Pflegedienstleistungen in den Fokus. Aufgrund des demographischen Wandels und den damit einhergehenden sozio-ökonomischen Herausforderungen auf Menschen mit Demenz, Familien und Anbietern von Pflegeleistungen, wird die Notwendigkeit des Einsatzes von informations- und kommunikationstechnischen Hilfsmitteln (IKT) für alle zuvor genannten Gruppen eine Notwendigkeit werden. Im Rahmen des Erscheinungsbildes der Demenz sind die Angehörigen oft mit der Situation überfordert und wünschen sich weitergehende Informationen über Symptome, Alltagshilfen oder Kontaktmöglichkeiten. Während aktuell betroffene Familien zumeist den Einsatz von IKT zur Unterstützung eher am Rande in Betracht ziehen, ist durch zunehmende Technikaffinität der kommenden Generationen davon auszugehen, dass derartige Hilfsmittel in naher Zukunft weniger als Belastung, sondern eher als Selbstverständlichkeit angesehen werden. In dem vorliegenden Beitrag beleuchten wir, basierend auf dem aktuell laufenden Forschungsprojekt „MobiAssist“, wie neben einer Videospielanwendung eine mobile IKT-Lösung in Form einer Tablet-Applikation zur Visualisierung der Trainingspläne und –ergebnisse, zur Kommunikation von betroffenen Angehörigen untereinander aber auch zur Wissensvermittlung an diese Zielgruppe eingesetzt werden kann. Diese technische Lösung dient als Ergänzung zu den im Projekt entwickelten videospielbasierten Übungen für Menschen mit Demenz in der Häuslichkeit oder Tagespflege und soll zur Entlastung der betreuenden Angehörigen und Pflegekräfte eingesetzt werden. Zur Evaluierung wurde eine Pilot- und Hauptstudie geplant und mit insgesamt 50 Studienteilnehmern mit beginnender Demenz evaluiert. Insofern möglich, wurde immer mindestens ein Angehöriger mit in die Studie aufgenommen, um so den Einsatz der Technik im Hinblick auf die Verbesserung der Mobilität der Studienteilnehmer-Innen, aber auch zur Unterstützung des Verständnisses der Pflege im Alltag besser bewerten zu können.

18:45
MobiAssist - Integrative Effekte eines Assistenzsystems für Menschen mit Demenz, ihre Angehörigen und PflegekräfteImplementierung eines Assistenzsystems in die Pflege- und Betreuungsplanung
S504-6 

B. Ristok, K. Pfeifer; Augsburg, Siegen

Technische Assistenzsysteme für Menschen mit Demenz sind bisher meist isoliert im Einsatz. Eine Verbindung bzw. Einbindung in Pflegeplanung, Betreuungsplanung und -software, erfolgt derzeit kaum. Der Grundgedanke des Forschungsprojektes ist, ein System zu entwickeln, bei dem Kraft, Beweglichkeit und Koordination mit Menschen mit Demenz zu trainieren. Durch den Trainingserfolg soll eine Verbesserung oder der Erhalt der Selbstständigkeit und Alltagskompetenz einhergehen und damit eine Entlastung der Pflege erfolgen. Um dies sicherzustellen aber auch evaluieren zu können ist es wünschenswert, das Trainingsprogramm in den betrieblichen Alltag von Pflegeinrichtungen und die dezidierten Pflege- bzw. Betreuungsplanung ein zu beziehen.   Interviews mit Pflegedienstleitungen und Pflegekräften ergaben, dass im stationären und teilstationären Setting das Training nicht, wie geplant, in die Pflege eingebunden werden kann, obwohl auch die Pflegekräfte den Mehrwert des Systems sehen. Dies liegt hauptsächlich daran, dass die Pflegekräfte die Trainingsmaßnahmen nicht selbst durchführen. Sie können den Systemeinsatz eventuell bei den Maßnahmen für die Betreuung planen und bei der Evaluation, Erfolge festhalten. Durch das Erreichen eines gewünschten Trainingslevels lassen sich aber keine Pflegeplanungspunkte automatisch anpassen, da dazu mehrere Parameter herangezogen werden müssen. Zur Zeit sind die Betreuungskräfte die Hauptnutzer, die hier neben der Verbesserung oder dem Erhalt der kognitiven und motorischen Fähigkeiten einen anderen Schwerpunkt setzen. Ein sehr wichtiger Aspekt ist, dass Bewegung und Krafttraining Spaß machen sollen. Man erwartet eine Verbesserung der sozialen Interaktion zwischen den Klienten, einen positiven psychischen Effekt, durch das Miteinander und gegenseitigen Ansporn.   Erste Studienergebnisse im stationären und teilstationären Einsatzbereich weisen darauf hin, dass die langfristige Integration des Systems zur Unterstützung der Mobilität, Stärkung der Selbstpflegefähigkeit und Förderung der individuellen und sozialen Lebensqualität von Angehörigen und Pflegepersonal sowie zu einer Stärkung der Autonomie der Betroffenen führt. Assistenzsysteme wie MobiAssist werden derzeit primär im Bereich der sozialen Betreuung genutzt. Eine Einbindung in die Pflegeplanung und Prozesse bedarf weiterer Forschungen. Auf dieser evidenzbasierten Grundlage erscheint eine Integration in die Pflegeplanung erfolgversprechend.

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