Freitag, 07.09.2018
17:30 - 19:00
Hörsaal B
S501
Menschen mit Demenz im Akutkrankenhaus

Moderation: A. H. Jacobs, Bonn; A. Lukas, Bonn

Robert-Bosch-Stiftungsprojekte

Hintergrund: Aktuell werden deutschlandweit Projekte zum Thema „Menschen mit Demenz im Akutkrankenhaus“ von der Robert-Bosch-Stiftung gefördert.

Ziel: Darlegung des aktuellen Standes einiger der von der Robert-Bosch-Stiftung zu diesem Thema deutschlandweit geförderten Projekte als Anregung für Kollegen und Krankenhäuser.

 

17:30
Multi-parametrisches Konzept zur nicht-medikamentösen Modulation auffälliger Verhaltensweisen
S501-1 

A. H. Jacobs, M. Kowar, K. Weitensteiner; Bonn

Einschränkung der Kognition zählt zu den führenden geriatrischen Syndromen und findet sich häufig als Komorbidität im Alter. Im Falle einer Krankenhausaufnahme steigt bei Vorliegen von Kognitionseinschränkungen die Gefahr der Entwicklung eines Delirs und sog. auffälliger Verhaltensweisen.

In unserem von der Robert-Bosch-Stiftung geförderten Projekt soll der Umgang mit Menschen mit kognitiven Einschränkungen und deren Angehörigen im Krankenhaus verbessert werden. Das Projekt beinhaltet Maßnahmen zur

1. verbesserten Identifikation von und zum verbesserten Umgang mit Betroffenen (Fortbildungen, Schulungen);

2. Erarbeitung eines Strukturkonzeptes (interdisziplinäre Demenzstation);

3. Etablierung/Evaluierung von Verfahren zur psychosozialen Intervention.

Alle Arbeitsbereiche sind gleichermaßen von Bedeutung und haben das Ziel, das Auftreten neuropsychiatrischer Symptome und auffälliger Verhaltensweisen zu modulieren (verhindern) und den Einsatz von zentral wirksamen Medikamenten zu minimieren (vermeiden), um unsere Behandlung zu verbessern und Komplikationen zu vermeiden. Der Vortrag wird den aktuellen Stand des Projektes darstellen, welches auch als Modellprojekt für andere Krankenhäuser dienen soll.    

 

17:45
Qualitätssicherung bei Medikamentenverordnungen für Menschen mit Demenz
S501-2 

W. Hewer, D. Bajtay, A. Müller, C. Marburger, H. Seidling, W. Haefeli; Göppingen, Heidelberg

Hintergrund: Menschen mit Demenz (MmD) sind in ihrer Mehrzahl von Multimorbidität betroffen und werden deshalb häufig mit multiplen Medikamenten behandelt (Polypharmazie). Bei erhöhter Vulnerabilität des allgemeinen Gesundheitszustandes und speziell der kognitiven Leistungsfähigkeit sind sie in erhöhtem Maße durch unerwünschte Arzneimittelwirkungen gefährdet. Dies betrifft insbesondere Im Akutkrankenhaus behandelte MmD.

Projektbeschreibung: Im Fokus dieses vom Geriatrischen Schwerpunkt eines Landkreises mit 250 000 Einwohnern getragenen Projekts stehen a) der auf den Medikationsplan bezogene sektorübergreifende Informationstransfer an den relevanten Schnittstellen (z. B. Hausarzt → Klinik; Klinik → Sozialstation), b) die Überprüfung von Medikamentenverordnungen anhand etablierter gerontopharmakologischer Verfahren (u.a. Drug Burden Index, STOPP/START2-Liste) und c) der Abgleich der verordneten psychopharmakologischen Medikation mit den Empfehlungen der S3 Leitlinie „Demenzen“. Untersucht werden zu t1 100 klinisch behandelte MmD (Einnahme von mindestens 5 Medikamenten), bei denen Art und Schweregrad der Demenzerkrankung, die aktuelle Hauptdiagnose, relevante Komorbiditäten sowie begleitende psychische Störungen erfasst werden. Unter Berücksichtigung der zu t1 erhobenen Daten schließt sich eine Interventionsphase an, in deren Mittelpunkt stehen a) eine Veränderung von Abläufen im medikationsbezogenen Informationstransfer, soweit hier Schwachstellen feststellbar waren und b) Schulungsmaßnahmen zur Verbesserung der entsprechenden Kompetenzen bei den involvierten Professionen (v. a. Ärzte und Pflegedienst). Zu t2 wird die Datenerhebung von t1 wiederholt zwecks Evaluation der erfolgten Intervention.

Ausblick: Das geplante Projekt sieht auf der Basis einer Bestandsaufnahme zur Polypharmazie bei MmD eine Intervention vor, die geeignet ist, eine Verbesserung der Qualität der Pharmakotherapie bei dieser wachsenden Gruppe von Patienten zu erreichen. Im Wissen um die Komplexität und Schwierigkeitsgrad dieser Zielsetzung erwarten die Autoren dennoch positive Effekte in ihren beiden Kliniken, nicht zuletzt im Sinne einer erhöhten Sensibilität für pharmakotherapeutische Probleme bei den beteiligten Professionen. Zum Zeitpunkt des Kongresses sollen erste zu t1 erhobene Ergebnisse vorliegen.

18:00
Herausfordernde Verhaltensweisen bei Demenz - scheinbar unbegründet?
S501-3 

A. Lukas; Bonn

Herausfordernde Verhaltensweisen Demenzkranker stellen eine besondere Herausforderung im Stationsalltag einer Akutklinik dar, führen sie doch zu erheblichen Störungen im normalen Tagesablauf. Nicht erkannter Schmerz gilt dabei als eine der häufigsten Ursachen für das gezeigte Verhalten. Ziel des Projektes ist eine Reduktion herausfordernder Verhaltensweisen Demenzkranker in einem Akutkrankenhaus durch verbesserte Schmerzerkennung. 

18:15
Optimierung der Delir-Diagnostik und-Therapie
S501-4 

M. Hanxleden; Arnsberg

Eine frühzeitige Delir-Prävention, Delir-Erkennung sowie die frühzeitige Einleitung diesbezüglicher Interventionsstrategien reduzieren vitale Gefährdungen, vermeidbare Behandlungskomplikationen sowie Fehlverordnungen und ermöglichen eine schnellere Re-Orientierung.

Das Delir-Projekt des Klinikums Hochsauerland fokussiert und evaluiert Möglichkeiten, mit denen Lebens-und Behandlungsqualität von Delir-gefährdeten sowie Delir-erkrankten Patienten/Patientinnen an Sektorenschnittstellen und im Rahmen intensivmedizinischer Behandlungen verbessert werden können.

Voraussetzung für eine erfolgreiche Umsetzung dieses Projektes ist eine umfassende Schulung aller Beteiligten. Diese Bemühungen werden durch eine telefonische "Hotline" und die Einrichtung einer Delir-Fallbesprechung unterstützt. Neben der Etablierung eines Risiko-Screenings für Alterspatienten wird in allen Abteilungen aktuell ein Delir-Screening eingerichtet. Zudem wird im Rahmen einer Optimierung der Verordnungssicherheit eine "Check-Liste Polypharmazie" erstellt.

Die Realisation diese Projektes ist auf eine effiziente Vernetzung im Quartier angewiesen, um insbesondere an Sektorenschnittstellen Versorgungsstrukturen zu verbessern, Pflegende zu entlasten und stationäre Behandlungserfolge in ambulante Versorgungswege zu übertragen.

Die Evaluation diese Projektes erfolgt durch Erhebungen (Fragebögen), mit denen Fachwissen zum Thema Delir überprüft wird, sowie Statistiken über Delir-Erkrankungen vor der Projektetablierung sowie im Verlauf der Projektumsetzung.

18:30
HuBerTDA - Handeln im Hier und Jetzt! Bereit zum Demenz- und Alterssensiblen Krankenhaus
S501-5 

S. Blumenrode; Stuttgart

Hintergrund/ Fragestellung: Im Zuge der demografischen Entwicklung steigt die Zahl älterer und kognitiv eingeschränkter Patienten in den Krankenhäusern. Im Klinikum Stuttgart werden jährlich rund 17.000 Patienten im Alter über 70 Jahren behandelt. Kognitiv beeinträchtigte Ältere mit Demenz, Delir, Depression werden zu selten erfasst bzw. nicht frühzeitig erkannt. Es bestehen Defizite in der Vordiagnostik, Zunahme der Komplikationen und Verweildauern, Zunahme der Mitarbeiterbelastung sowie Mitarbeiter- und Patientenunzufriedenheit. Das von der Robert-Bosch-Stiftung geförderte Projekt „HuBerTDA“ zielt darauf ab, die vorhandenen Versorgungs- und Behandlungsangebote an die Bedarfe älterer und demenzerkrankter Patienten anzupassen sowie den Akuterkrankungspfad durch die ideale Vernetzung vorhandener Expertise und die Ergänzung eines Bündels evidenzbasierter Einzelinterventionen zu optimieren.

Methode: Bei allen Notfallpatienten >70 Jahren in der Interdisziplinären Notaufnahme wird ein standardisiertes geriatrisches Risikoscreening durchgeführt. Bei einem positiven Ergebnis werden definierte Standards für eine umfassende psycho-neuro-geriatrische Diagnostik mit Angehörigeneinbezug und pharmakologischer Beratung, sowie eine demenz- und alterssensible Ergänzung bestehender Behandlungspfade eingeleitet. Auf der Pilotstation erfolgt die Umsetzung des Delirpräventionskonzeptes „AKTIVER“ (Alltags- und Kognitions-Training Interdisziplinarität-Verbessert Ergebnis und mindert das Risiko), der Einsatz von „Demenzkoordinatoren“, die Umsetzung eines Tagesaktivierungsangebots, ein spezifisches Farb-/Licht- und Raumkonzept, die „OP-Begleitung“ durch Lotsen sowie eine spezifische Entlassplanung ergänzen.

Schlussfolgerung: Durch HuBertDA sollen positive Effekte, eine Verbesserung des Behandlungserfolgs durch Reduktion von Komplikationen, Reduktion der Belastung durch den stationären Aufenthalt und Erhalt der bestehenden Selbstständigkeit, Erleichterung des Übergangs ins ambulante Setting, eine bessere Vernetzung mit den prä- und poststationären Versorgungssystemen, sowie die Erhöhung der Behandlungszufriedenheit von Patienten und ihren Angehörigen erreicht werden. Die schnelle und sichere Identifikation von Patienten mit kognitiven Störungen, eine optimale Nutzung der Bettenauslastung durch einen strukturierten, alterssensiblen Behandlungspfad, die Erhöhung der Fachlichkeit und Kompetenzerweiterung der MA, sind weitere zu erwartende Effekte.

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