Freitag, 07.09.2018
17:30 - 19:00
Seminarraum 01
S505
Inklusionschancen und Ausgrenzungsrisiken des Alterns: Strategische Zugänge in unterschiedlichen Sozialräumen

Moderation: S. Kümpers, Fulda; J. Heusinger, Magdeburg

Was sind gemeinsame und unterschiedliche Parameter lebenswelt- und sozialraumbezogener Strategien mit und für ältere Menschen, auch solche in schwierigen Lebenslagen, in unterschiedlichen Sozialräumen und auf unterschiedlichen Ebenen? Die Frage nach Unterstützung, Teilhabe und/oder Ausgrenzung stellt sich ähnlich und anders für ältere Menschen, seien sie selbständig oder in unterschiedlichem Ausmaß hilfebedürftig, zuhause lebend oder im Pflegeheim, in prosperierenden oder ‚strukturschwachen‘ Gebieten – sowie ähnlich und anders für diejenigen, die in Politik und Praxis dafür Sorge zu tragen haben.

Der Workshop präsentiert Analysen auf verschiedenen Ebenen und in unterschiedlichen Settings, Perspektiven auf sogenannte ‚strukturschwache‘ Gebiete und ihre selten fokussierten Ressourcen, auf die Organisation von Pflege und ihre sozialräumliche Verortung in Brandenburg (Fachstelle Altern und Pflege im Quartier im Land Brandenburg, FAPIQ), auf die Teilhabechancen von Pflegebedürftigen im ‚Sozialraum Pflegeheim‘ (Partizipation in der stationären Altenpflege, PaStA) und Chancen partizipativer Forschung im ländlichen Sozialraum (Age4Health).

17:30
Fachstelle für Altern und Pflege im Quartier in Brandenburg - Bericht aus einem Modellprojekt
S505-1 

B. Wolter, T. Stellmacher, J. Heusinger; Berlin, Magdeburg

Das Modellprojekt „Fachstelle für Altern und Pflege im Quartier in Brandenburg“ wurde 2015 durch das Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie (Brandenburg) gemeinsam mit den Pflegekassen im Rahmen der Brandenburger Pflegeoffensive initiiert. Anlass für die Pflegeoffensive war eine 2014 veröffentlichte Fachkräftestudie, in der auf den zu erwartenden, eklatanten Mangel an (Pflege-)Fachkräften parallel zu einem deutlichen Anstieg der Pflegequote in Brandenburg hingewiesen wurde. Ziel des Modellprojektes ist eine Unterstützung der Kommunen bei der bedarfsgerechten Entwicklung und Umsetzung von Angeboten zur Stärkung von älteren Menschen, insbesondere von Pflegebedürftigen und pflegenden Angehörigen, bei der Integration von Pflegeleistungen in die kommunalen Strukturen und bei der Entwicklung einer Pflegestrukturplanung. Der Aufbau der Fachstelle und die Umsetzung der Ziele werden während der gesamten Modellphase wissenschaftlich begleitet. In dem Beitrag wird das noch bis 2019 laufende Projekt vorgestellt, Hürden und Erfolge in der Durchführung thematisiert und die Übertragbarkeit für andere Regionen bzw. für eine Verstetigung aus Sicht der wissenschaftlichen Begleitung diskutiert.

17:50
Potenziale und Herausforderungen partizipativer Forschung im Alter am Beispiel des Forschungsprojektes „Age4Health - Gesunde Stadtteile für Ältere”
S505-2 

C. Kühnemund, S. Kümpers; Fulda

Wie können lebensweltbezogene Strategien der Gesundheitsförderung mit und für ältere Menschen, insbesondere auch Personen in schwierigen Lebenslagen, partizipativ entwickelt und umgesetzt werden? Unter anderem dieser Frage geht das partizipative Forschungsprojekt „Age4Health - Gesunde Stadtteile für Ältere“ innerhalb des seit 02/2015 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Forschungsverbundes für gesunde Kommunen (PartKommPlus) nach.

Die beiden Fallstudien des Forschungsprojektes sind im ländlichen Sozialraum (Witzenhausen im Werra-Meißner-Kreis) und im städtischen Wohnquartier (Stadt Kassel, Stadtteil Bettenhausen) verortet.

Der Beitrag beleuchtet anhand der Ergebnisse der ersten Förderphase sowie erster Erkenntnisse aus der laufenden zweiten Phase u.a. beispielhaft die folgenden Aspekte:

- die Rolle der kommunalen Ausgangssituationen,

- die daraus mit den lokalen Akteuren gemeinsam entwickelten lokal verankerten sozialräumlichen Zugangs-und Beteiligungsstrategien sowie

- die lokalen Initiativen zur Erhöhung inklusiven sozialen und kulturellen Kapitals.

Anhand dieser Aspekte können sowohl die Prozesshaftigkeit als auch die Komplexität partizipativer Forschungsverläufe sichtbar gemacht werden. Dabei werden lebenslaufspezifische Potenziale und Herausforderungen partizipativer Forschung und Praxis in der Lebensphase Alter thematisiert.

18:10
Was ist total an der Institution Pflegeheim? Zur Bedeutung sozialräumlicher Strukturen für die Möglichkeiten und Grenzen der Teilhabe in den letzten Lebensjahren
S505-3 

M. von Köppen, S. Kümpers; Fulda

In diesem Beitrag werden Besonderheiten des Sozialraums Pflegeheim im Hinblick auf Chancen und Grenzen von Partizipation vor allem für die Bewohner*innen herausgearbeitet. Es geht um eine Analyse dieses Sozialraums und seiner Konsequenzen für die Teilhabe. Pflegeheime werden noch immer häufig mit dem Konzept der ‚totalen Institution‘ verbunden, dies oft allerdings mit einem Fragezeichen. Damit assoziiert ist die Vorstellung von einem durch die Institution fremdbestimmten Tagesablauf und den Verlusten an Selbstbestimmung, die mit dem Leben in stationärer Pflege einhergehen.

Erfahrungen und Erkenntnisse aus dem Projekt ‚Partizipation in der stationären Altenpflege, PaStA‘ werden präsentiert. PaStA erprobt und analysiert mit Hilfe eines partizipativen Forschungsansatzes Möglichkeiten und Grenzen verbesserter Partizipationschancen in Pflegeheimen. Diese werden zum Konzept der totalen Institution ins Verhältnis gesetzt.

Die Erfahrungen aus PaStA zeigen, dass die je spezifischen Spielräume von Selbstbestimmung und Partizipation der Bewohner*innen im Pflegeheim durch vielfältige Faktoren bestimmt werden: durch individuelle (auch biografische/kulturelle und gesundheitliche) und kollektive Faktoren auf Seiten der Bewohner*innen aber auch durch das professionelle Selbstverständnis, den Handlungsfreiraum und die Reflexivität auf Seiten der Mitarbeiter*innen. Bedingt werden diese Faktoren ganz wesentlich durch die institutionellen Strukturen des Pflegeheims, das seinerseits im Kontext des Pflegesystems in Deutschland betrachtet werden muss.

 

18:30
Selbstbestimmte Teilhabe in der stationären Altenhilfe: Deutungsmuster sowie fördernde und hemmende Faktoren
S505-4 

C. Bleck, I. Conen, L. Schultz; Düsseldorf

Hintergrund & Fragestellungen: Menschen mit Pflegebedarf sollen auch in Altenhilfeeinrichtungen Individualität leben können. Es geht hier vor allem um die Herausforderung, wie ihnen ein würdiges und selbstbestimmtes Leben ermöglicht werden kann, das eine Teilhabe am gesellschaftlichen Leben weiterhin ermöglicht. Da es hierfür bislang an praxistauglichen Orientierungen fehlt, werden diese in dem Projekt STAP (Selbstbestimmt teilhaben in Altenpflegeeinrichtungen) in Form eines Musterrahmenkonzepts entwickelt.

In dem von der Stiftung Wohlfahrtspflege NRW geförderten und unter Leitung des Diözesan-Caritasverband für das Erzbistum Köln e.V. durchgeführten Forschungsprojekt stehen in den Jahren 2017 bis 2019 folgende untersuchungsleitende Fragestellungen im Zentrum:

  • Wie können Wünsche und Bedarfe von Bewohner*innen stationärer Pflegeeinrichtungen in Bezug auf gesellschaftliche Teilhabe innerhalb und außerhalb der Einrichtung festgestellt und besser berücksichtigt werden?
  • Wie kann auf dieser Basis das Recht auf selbstbestimmte Teilhabe dieser Bewohner*innen umgesetzt und überprüft werden?

Methodik: Zur Beantwortung dieser Fragen wird in der ersten Projektphase ein sequentielles Mixed Methods-Design im Sinne des Verallgemeinerungsmodells genutzt. So wurden bislang qualitative Interviews (n=48) mit Bewohner*innen, Angehörigen und Mitarbeiter*innen sowie jeweils zweiwöchige teilnehmende Beobachtungen in vier Einrichtungen des Diözesan-Caritasverbands für das Erzbistum Köln e.V. durchgeführt. Ferner werden ausgewählte Themen in drei trägerübergreifenden Gruppendiskussionen mit Mitarbeiter*innen der Altenhilfe näher beleuchtet. Anschließend werden zentrale Ergebnisse der qualitativen Erhebungen anhand einer trägerübergreifenden Stichprobe (n=200) mit einer Online-Befragung in NRW abgesichert und verallgemeinert.

Die zweite Phase widmet sich dem Musterrahmenkonzept, indem dieses auf Basis der empirischen Erkenntnisse entwickelt und in einer Einrichtung erprobt sowie evaluiert wird.

Ergebnisse: Wir stellen ausgewählte Ergebnisse aus den qualitativen Analysen vor, indem wir Teilhabevorstellungen aus Sicht verschiedener Befragtengruppen sowie Faktoren darstellen, die Teilhabe aus Sicht der Interviewten in der stationären Altenhilfe verhindern oder ermöglichen.

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