Freitag, 07.09.2018
08:00 - 09:30
Hörsaal B
S301
Globalisierte Pflege

Moderation: K. Aner, Kassel; K. Brauer, Spittal an der Drau/A

Das Symposium greift das Thema Globalisierung und Arbeitsmigration in der Pflege auf, das in den vergangenen Jahren im deutschsprachigen Raum insbesondere mit Blick auf osteuropäische PflegerInnen in der privat finanzierten 24-Stunden-Pflege skandalisiert wurde. Auf diesen Aspekt des Phänomens wirft dieses Symposium einen weiteren analytischen Blick und ergänzt ihn um spezifische Blickrichtungen – auf die Berufs- und Professionalitätsverständnisse in international zusammengesetzten Teams in der ambulanten Pflege sowie darauf, wie MigrantInnen, die hier arbeiten, diese Tätigkeiten und die damit verbundenen „care chains“ in ihre Biografien integrieren.

08:00
Globalisierte Pflege - alles klar?
S301-1 

K. Aner; Kassel

Der Beitrag bietet einen knappen Überblick über den Stand der Forschung zur globalisierten Pflege und verortet auf diese Weise die nachfolgenden Beiträge.

08:20
Klar: Ich bin immer nur hier in der Wohnung, hier zum pflegen. Stimmen aus der 24h-Pflege in Österreich
S301-2 

K. Brauer, G. Hagendorfer-Jauk; Feldkirchen in Kärnten/A

In Österreich hat sich die 24h-Personenbetreuung als fester Bestandteil der professionellen häuslichen („extramuralen“) Pflege etabliert. Sie wird fast ausschließlich von nichteinheimischem, weiblichen Pflegepersonal geleistet. Genaue Zahlen dazu werden über die Träger erhoben, sind aber wenig differenziert und bekannt. Einerseits werden Professionalitätsansprüche, Leistungsspektren und Aufgabenprofile diskutiert. Andererseits wurden Fragen weitgehend ignoriert, die sich den Potentialen und Perspektiven der Pflegeleistenden, ihren Belastungen im Arbeitskontext widmen. In diesem muss von einer problematischen Dominanz ambivalenter Beziehungen ausgegangen werden, da die Trennung von Privat- und Arbeitssphäre strukturell verschwimmt.

Da auch in diesem Segment Betreuungskonzepte für zu Pflegende mit demenziellen Symptomen mehr und mehr gefragt sind, ermöglicht der wachsende Forschungsbedarf auch einen tieferen sozialwissenschaftlichen Einblick in solche Pflegesettings. Im Rahmen eines Pilotprojektes soll ein aktuell ein Betreuungskonzept im Bereich der 24h-Personenbetreuung erprobt werden, in dem die Vernetzung der Pflegeleistenden mit einem erweiterten Betreuungsnetzwerk (Angehörige, Ärzte, Altensozialarbeiter etc.) zentral wird. Die 24h-Pflegeleistenden Migrantinnen sind hierbei als involvierte Expertinnen für Schulungs-, Unterstützungs- und Entlastungsmaßnahmen in der Betreuung gefragt. Über die wissenschaftliche Begleitforschung des IARA können somit auch die spezifischen Belastungen der 24h-Pflegeleisdenden, die in einem ihnen sozial und kulturell fremden Feld wirken, als professionelle Stimmen ernster genommen werden.

08:40
Menschlichkeit kann man in der Schule nicht lernen. Das muss man schon drin haben. Professionalität in internationalen Pflegeteams
S301-3 

E. M. Löffler; Kassel

Globalisierung, Arbeitsmigration und auch Flucht führen in den Teams der beruflichen (Alten-)Pflege zu neuen Konstellationen. Die Chancen und Herausforderungen multi- oder interkultureller Teams rücken vermehrt in den Fokus der Forschung.

Ergebnisse nationaler und internationaler Studien verweisen auf Sprachbarrieren, enttäuschte Erwartungen über die berufliche Tätigkeit und Differenzen im Berufs- und Pflegeverständnis zwischen Fachkräften aus unterschiedlichen Ländern. Das führt zu Konflikten und ist oft ein Grund für die Rückkehr ins Heimatland. Ausgangspunkt ist dabei bisher die Orientierung an den Konzepten Migration, Integration und Kultur. Dieser Beitrag stellt die These zur Diskussion, dass das individuelle Verständnis von beruflicher Pflege in Wechselbeziehung zur eigenen (Berufs-)Biographie steht. Als theoretische Konzepte dienen entsprechend berufliche Sozialisation (Heinz 1995) und Professionalität (Dewe/Otto 2012). Im Fokus stehen nicht kulturelle Unterschiede, sondern Gemeinsamkeiten und Unterschiede im Verständnis von Professionalität, die sich durch die (berufliche) Sozialisation in unterschiedlichen Ländern ergeben könnten.

Erste Ergebnisse einer eigenen Studie, die sich an diesen Konzepten orientiert, weisen darauf hin, dass (berufs-)biographische Erfahrungen nicht nur das Verständnis von „guter Pflege“, sondern ebenso das Verständnis von Professionalität „prägen“. Zudem scheint Professionalität mehr als die Verbindung von praktischem und fachlichem Wissen zu sein.

09:00
Wie Migrantinnen und Migranten die ambulante Altenpflegearbeit erleben: Care chains aus biografischer Perspektive
S301-4 

R. Buschmann; Fulda

Es liegen seit einigen Jahren Forschungsarbeiten sowohl zu den Erfahrungen von Migrantinnen und Migranten, die legal in der stationären Pflege beschäftigt sind, als auch zu 24-Stunden Betreuungskräften vor. Diese Untersuchungen berücksichtigen oft nicht die politischen Dimensionen dieses Phänomens und blenden einen Bereich weitgehend aus: die ambulante Versorgung von älteren Personen in Deutschland. Der Beitrag stellt eine laufende Studie vor, die die individuellen Biographien von Arbeitsmigrantinnen und -migranten in der ambulanten Pflege in den politischen Kontext von Care Chain stellt. Diese explorative nutzt dazu zum einen das Konzept der „Global Care Chains“ Hochschild (2000), das die „weltweiten Versorgungsketten“ mit Blick auf den Gewinn der wohlhabenderen Länder einen (Care-Gain) und die Verluste der ärmeren Länder (Care-Drain) beschreibt. Weil bisherige Beschreibungen der Faktoren, die dazu führen, dass im Zuge der Globalisierung Frauen von ärmeren Ländern Richtung Norden ziehen (wie die von Hochschild/Ehrenreich 2002) die Komplexität der individuellen Situation der Migrantinnen und Migranten ignorieren, verknüpft die Studie das Konzept der „Global Care Chains“ mit der feministischen Care-Work-Theorie (Winker 2015). Unter der Fragestellung „Wie erleben Pflegekräfte als Arbeitsmigrantinnen und -migranten Care-Arbeit in der ambulanten Pflege?“ werden semi-strukturierte, biografische Interviews und thematische Analysen durchgeführt – mit dem Ziel, einen ganzheitlichen Einblick auf die Biographie und die aktuelle Situation dieser Arbeitsmigrantinnen und -migranten zu erhalten.

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