Samstag, 08.09.2018
11:15 - 12:45
Seminarraum 14
S709
Freie Vorträge - Versorgung

Moderation: S. Wicklein, Nürnberg; K. F. Becher, Stralsund

11:15
Die Fähigkeit zur Zahn- und Prothesenreinigung von stationären geriatrischen Patienten testen - eine klinische Validierungsstudie
S709-1 

I. M. Schüler, B. Kurtz, T. Lehmann, R. Heinrich-Weltzien, A. Kwetkat; Jena

Stationäre geriatrische Patienten tragen eine doppelte Last – neben den altersbedingten funktionellen und kognitiven Einschränkungen leiden sie an Multimorbidität und akuten Erkrankungen. In dieser Situation ist es besonders wichtig, dass dem zusätzlichen Auftreten von Plaque induzierten Mundgesundheitsproblemen vorgebeugt wird. Die Entscheidung, welcher geriatrische Patient nicht mehr in der Lage ist, die eigene Mundhygiene effizient durchzuführen, fällt Zahnärzten und Geriatern schwer. Ein kurzer und einfacher Test könnte die Entscheidungsfindung unterstützen.Der "Timed Test for Money Counting" (TTMC) ist ein validierter und etablierter geriatrischer Assessment-Test, der motorische, visuelle und kognitive Fähigkeiten überprüft. In Kombination mit dem Nackengriff (NG) können die wichtigsten Fertigkeiten, die für das Zähneputzen und die Zahnprothesenreinigung erforderlich sind, eingeschätzt werden.Das Ziel der vorliegenden Studie war es, nachzuweisen, ob der TTMC in Verbindung mit dem NG ein geeignetes Instrument für die Einschätzung der Mundhygienefähigkeit geriatrischer Patienten darstellt. Die klinische Validierungsstudie wurde mit 74 geriatrischen Patienten zwischen 66 und 98 Jahren (mittleres Alter: 84,1 Jahre) durchgeführt. Neben dem TTMC und NG wurden die Karieserfahrung, die Parodontalgesundheit sowie der Plaquebefall an den Zähnen und an den Prothesen erfasst. Der Plaquebefall wurde jeweils vor und nach der selbständig durchgeführten Mundhygiene gemessen. Die Ergebnisse aus dem geriatrischen Assessment wurden den Patientenakten entnommen.Der TTMC&NG wurde erfolgreich von 66,2% der geriatrischen Patienten durchgeführt. Das Bestehen des TTMC & NG war signifikant mit einer effektiveren Plaquereduktion an Zähnen und Prothesen assoziiert. Die Sensitivität des TTMC & NG für eine überdurchschnittliche Plaqueentfernung betrug 86,4% bei Zähnen und 77,8% bei Prothesen. Der negative Vorher-sagewert war 75,0% für die Erkennung von Patienten, mit unterdurchschnittlichen Plaquereduktions¬raten an den Zähnen und 77,8% an den Prothesen.Der TTMC & NG hat das Potenzial als einfacher und kurzer Test von nur etwa 5 Minuten den Geriatern zu helfen, Patienten zu identifizieren, die nicht mehr in der Lage sind, selbst eine effektive Mund- und Prothesenhygiene durchzuführen.

11:30
Entwicklung, Umsetzung und Evaluation eines Konzeptes zur Prävention und Behandlung von Mangelernährung bei geriatrischen Patienten im Krankenhaus
S709-2 

R. Wientjens, F. Graeb, A. Elsbernd, R. Wolke; Esslingen

Fragestellung: Verschiedene Studien haben gezeigt, dass ein erheblicher Anteil der Patientinnen und Patienten im Krankenhaus während ihres Aufenthaltes deutlich an Gewicht verlieren und zudem häufig Zeichen einer Mangelernährung aufweisen. Von diesem Phänomen Mangelernährung sind ältere Menschen im besonderen Maße betroffen, was mit einer verringerten Lebensqualität, erhöhter Komplikationsrate, Morbidität und Mortalität sowie verlängerter Rekonvaleszenz einhergeht. Trotz einem breiten Fachwissen zur Prävention und Behandlung von Mangelernährung, das sich in den S3 Leitlinien und pflegerischen Expertenstandard zur Förderung der oralen Ernährung wiederspiegelt, scheint das Problem in der klinischen Praxis kaum eine Rolle zu spielen.

Methodik: Im Rahmen eines vom BMBF geförderten Projektes soll in zwei Kliniken ein jeweils angepasstes interdisziplinäres Ernährungskonzept zur Prävention und Behandlung von Mangelernährung bei geriatrischen Patienten im Krankenhaus erstellt, implementiert und mithilfe eines Prä-Post Designs mit Fall- und Kontrollgruppe auf seine Wirksamkeit evaluiert werden.

Ergebnisse: Eine im Vorfeld erstellte Ist-Analyse in den beteiligten Kliniken zeigt, dass bei dem Personal der verschiedenen Berufsgruppen zwar bereits viel Fachwissen vorhanden ist, die Problematik Mangelernährung gleichzeitig aber stark unterschätzt wird. Sowohl die Identifikation der Betroffenen als auch die anschließende bedarfs- und bedürfnisorientierte Behandlung einer bereits bestehenden Mangelernährung wird zudem durch strukturelle Defizite deutlich erschwert. Schon während der Konzeptentwicklung konnte eine deutliche Sensibilisierung für das Thema bereits erreicht werden, gleichzeitig erweist es sich als hochkomplex in bestehende Strukturen korrigierend einzugreifen. Das entwickelte Praxiskonzept beinhaltet die Bausteine Erkennen von Mangelernährung und deren Ursachen, Maßnahmenspektrum zur Ernährungsversorgung, Organisation der Ernährungsversorgung sowie Schulung und Fortbildung.

Schlussfolgerung: Dem Problem Mangelernährung kann nur durch geplante, gezielte multidisziplinäre Interventionen effektiv begegnet werden. Die Voraussetzungen hierfür zu schaffen, ist, unter den aktuellen Bedingungen der Praxis, nur durch Konzeptarbeit zu leisten.

11:45
Virtual Reality Schmerztherapie bei geriatrischen Patienten mit chronischen Rückenschmerzen - eine Anforderungsanalyse
S709-3 

O. Stamm, R. Dahms, U. Müller-Werdan; Berlin

Eine der am weitesten verbreiteten Schmerzerkrankungen im Alter sind chronische Rückenschmerzen. Studien haben gezeigt, dass multimodale Schmerztherapien bei chronischen Rückenschmerzen, eine höhere Effektivität gegenüber herkömmlichen Behandlungen, bestehend aus medikamentöser Therapie und körperlicher Aktivität, aufweisen. Die multimodale Schmerztherapie ist eine interdisziplinäre Schmerzbehandlung, vorwiegend bestehend aus medikamentöser, physiotherapeutischer, physikalischer und psychotherapeutischer Schmerztherapie. Bei dieser Therapieform konnte eine Verbesserung der Schmerzintensität und Zunahme der körperlichen Funktionsfähigkeit festgestellt werden. Die Therapieform erfordert jedoch ein hohes Maß an Eigeninitiative des Patienten. Ebenso stellt eine regelmäßige Befolgung (Compliance) der empfohlenen Maßnahmen einen wesentlichen Faktor für die Effektivität der Therapie dar. In dem Projekt ViRST wird ein Trainingsprogramm mit spielerischen Elementen, auf der Grundlage aktueller Technologien aus den Bereichen Virtual Reality (VR) und Sensorik für geriatrische Rückenschmerzpatienten entwickelt. Durch Nutzung von Immersion soll die Motivation für physio- und psychotherapeutische Maßnahmen sowohl in stationären Einrichtungen, als auch für zu Hause lebende Rückenschmerzpatienten gesteigert werden. Dazu wurde zu Beginn des Projektes eine Anforderungsanalyse mit Schmerzpatienten (n=10), sowie Physio- und Psychotherapeuten nach dem Mixed-Methods-Ansatz durchgeführt. Mithilfe von Fokusgruppen mit Therapeuten, sowie leitfadengestützter Interviews, der Erhebung gesundheitsbezogener Daten (SF-8) und der Schmerzgraduierung (Von Korff) bei Schmerzpatienten konnten sowohl nutzerbezogene, als auch technische Anforderungen an das ViRST-System analysiert werden. Die Ergebnisse der Interviews mit den Schmerzpatienten zeigten, dass sie größtenteils keine Erfahrung im Umgang mit VR vorweisen konnten. Die Befragung der Therapeuten hat gezeigt, dass Rückenschmerzübungen nicht regelmäßig und konsequent durchgeführt werden. Aus den Ergebnissen der Befragungen konnten auch Anforderungen u.a. zum Design des Systems, zu möglichen Feedbackstrategien und zu motivationalen Elemente der Software erhoben werden. Diese Ergebnisse dienen im weiteren Projekt als Grundlage zur Entwicklung eines Virtual Reality Schmerztherapie Systems.

12:00
Evaluation interdisziplinärer Behandlungsmöglichkeiten für Geriater bei der Behandlung psychiatrisch/psychosomatisch kranker Patienten
S709-4 

R. Lindner, G. Röhrig-Herzog; Hamburg, Köln

Psychische Erkrankungen spielen im Alter eine wichtige Rolle, denn sie befördern signifikant Morbidität und Mortalität. Zudem ist die psychische Bewältigung körperlicher Erkrankungen für viele alte Menschen eingeschränkt oder unmöglich, was erhebliche Folgen für die Patienten selbst, ihre Angehörigen, jedoch auch die Professionellen im Gesundheits- und Sozialsystem hat. Mehr als 50% der über 70-Jährigen leiden unter psychopathologischen Symptomen und 30–44% aller klinisch-geriatrischen Patienten haben eine psychosomatische/psychiatrische Komorbidität. Eine Untersuchung an stationär geriatrischen Patienten ergab, dass etwa ein Drittel an Symptomen litt, die einer psychiatrischen (F-) Diagnose nach ICD 10 entsprach. Doch trotz dieser hohen Prävalenz wird immer noch selten eine Behandlungsindikation bei diesen Patienten gestellt. Eine Analyse der Inanspruchnahme des Versorgungssystems bei psychischen Erkrankungen ergab, dass sowohl im ambulanten als auch stationären Bereich mindestens Zweidrittel der Patienten mit psychiatrischer/psychosomatischer Diagnose ausschließlich von Fachärzten für somatische Medizin bzw. in somatisch orientierten Fachabteilungen behandelt wurden. Welche Möglichkeiten stehen heute somatisch tätigen Geriatern zur Verfügung um ältere psychisch/psychosomatisch kranke Patienten interdisziplinär zu behandeln? Dieser Frage geht eine Studie der AG Gerontopsychosomatik der DGG nach. Im Rahmen dieser Studie werden alle Mitglieder der Fachgesellschaft online befragt, welche Erfahrungen sie bei der Versorgung psychisch/ psychosomatisch kranker älterer Patienten gemacht haben und wo sie besondere Hindernisse bei einer angemessenen Versorgung sehen. Die ersten Ergebnisse der Studie sollen auf der DGG präsentiert werden. Sie sollen die Basis darstellen für weiterführende Untersuchungen mit dem Ziel, einheitliche Handlungsempfehlungen zu erarbeiten.

12:15
A genome-wide screen finds a conserved pathway that greatly delays aging and new drugs to target it
S709-5 

M. McCormick; New Mexico/USA

We completed a genome-wide screen of lifespan in 4,698 viable single-gene deletions in the eukaryotic model, the budding yeast Saccharomyces cerevisiae. We identified 238 genes whose deletion significantly extended lifespan. Many clustered into known biological pathways, and many also extended lifespan of the distantly related nematode model, Caenorhabditis elegans. In our ongoing work, we have now shown that several of our lifespan-extending gene changes depend completely on the Gcn4 transcription factor, that is functionally conserved from yeast through humans. Gcn4 normally responds to nutrient signaling, specifically to nitrogen starvation. We have now demonstrated that we can greatly upregulate levels of Gcn4 using several compounds that inhibit tRNA synthetase enzymes. At the same doses, these compounds greatly extend the lifespan of both S. cerevisiae and C. elegans, in a dose-dependent manner. Some of them are drugs approved for human use. Other labs have shown that the Gcn4 pathway is upregulated in several distinct types of especially long-lived mice, so we are optimistic that the effects of these compounds will be conserved in mammals. After attending this session, participants will be able to describe some of ways that simple invertebrate model organisms are currently being used to develop new insights into the conserved basic biology of aging, and some of the advantages that these approaches can potentially offer. After attending this session, participants will also be able to outline what is currently known about delaying aging through activation of the Gcn4 nutrient sensing pathway, in yeast, worms, and mice.

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