Freitag, 07.09.2018
17:30 - 19:00
Seminarraum 13
S508
Freie Vorträge - Langzeitpflege

Moderation: P. Gellert, Berlin

17:30
Vergleich der Versorgungsformen für kognitiv Beeinträchtigte in der Langzeitpflege
S508-1 

J. Zimmermann, H. Kelleter; Köln

Hintergrund: Anzahl an kognitiv beeinträchtigten älteren Menschen nimmt in letzten Jahren immer mehr zu. Im Jahr 2015 wiesen 71% Bewohner/-innen der stationären Pflegeeinrichtungen in Deutschland eine erheblich eingeschränkte Alltagskompetenz auf. In der Langzeitpflege werden vor diesem Hintergrund immer häufiger alternative Versorgungskonzepte ausprobiert, die eine räumliche Trennung von Bewohnern/-innen mit und ohne kognitiver Einschränkung vorsehen.

Fragestellung: Da bislang in Deutschland die Auswirkungen neuer Versorgungsansätze auf Pflegebedürftige kaum untersucht wurden, vergleicht diese Studie Pflegeeinrichtungen mit segregativer und integrativer Versorgung kognitiv beeinträchtigter Bewohner/-innen anhand Ergebnisindikatoren, die sich auf ihren Gesundheitszustand beziehen. Methode: In der Analyse wurden ausgewählte Ergebnisse des Projektes EQisA von insgesamt 80 Pflegeeinrichtungen aus Nordrhein-Westfalen untersucht. Mittels Mann-Whitney Test wurden Anteile unbeabsichtigter Gewichtsabnahmen, schweren Sturzfolgen und von Anwendung freiheitsentziehender Maßnahmen bei erheblich kognitiv Beeinträchtigten sowie die Dekubitusraten bei mobilen und immobilen Bewohnern/-innen verglichen. Außerdem wurden die verfügbaren Einrichtungsmerkmale der Bewohner- sowie Personalstruktur in die Analyse eingeschlossen.

Ergebnisse: Obwohl die meisten strukturellen Variablen keine statistischen Unterschiede aufzeigten, divergierten die Projekteinrichtungen in drei der ausgewählten Ergebnisindikatoren. Im Vergleich zu den traditionellen Einrichtungen wiesen die nach segregativen Prinzip organisierten Einrichtungen niedrigeren Anteil an schweren Sturzfolgen sowie an Gurtfixierungen bei erheblich kognitiv Beeinträchtigten und eine niedrigere Dekubitusrate bei immobilen Bewohnern/-innen auf.

Diskussion: Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass in den Projekteinrichtungen mit alternativen Versorgungsansätzen weniger unerwünschte Ereignisse bei kognitiv Beeinträchtigten sowie bei immobilen Bewohnern/-innen auftreten als in den traditionellen Einrichtungen. Allerdings können diese Ergebnisse nicht generalisiert werden. Die Teilnahme am Projekt EQisA war für Einrichtungen freiwillig und daher ist mit einer Verzerrung in den Daten zu rechnen. Außerdem konnten für die Analyse nur Daten auf der Einrichtungsebene genutzt werden. Die bewohnerspezifischen Variablen (z.B. Alter, Krankheitsbilder, Wohnform) blieben unberücksichtigt.

17:50
Langzeitpflege bei hochaltrigen Menschen und Hundertjährigen in den letzten sechs Lebensjahren
S508-2 

P. Gellert, D. Dräger, A. Kuhlmey; Berlin

Hintergrund: Ein Großteil hochaltriger und hundertjähriger Menschen lebt in Pflegeeinrichtungen. Obwohl es bei den Hundertjährigen im Vergleich zu jüngeren Kohorten Hochaltriger Hinweise auf Spezifika in den Versorgungsmustern gibt, ist die genaue Entwicklung bezüglich Prävalenz, Aufenthaltsdauer und Faktoren, die mit dem Langzeitpflegestatus in den letzten Jahren vor dem Tod zusammenhängen, unbekannt.

Methodik: Längsschnittanalysen von Versicherungsdaten über sechs Jahre vor dem Tod. Insgesamt wurden 1.398 Hochaltrige (zwischen dem 80.-89. [80+], 90.-99. [90+] und über 100. [100+] Lebensjahr verstorben) aufgenommen. Langzeitpflege und Übergang von der häuslichen Pflege in die Langzeitpflege über 6 Jahre (34.740 Personenquartiere), Demenz, Erkrankungen des Bewegungsapparats, Multimorbidität, Krankenhausaufnahme, Geschlecht und Alter wurden aus den administrativen Daten abgeleitet und mit binären verallgemeinerten Schätzungsgleichungen analysiert.

Ergebnisse: Obwohl das Anfangsniveau der Langzeitpflege (sechs Jahre vor dem Tod) unter den Hundertjährigen höher war (65,1% gegenüber 53,6% bei 90+; 36,2% bei 80+), war die Steigerungsrate in den jüngeren Kohorten stärker. Unterscheidet man Personen nach ihrem Pflegestatus über die Zeit, so betrug der Anteil derjenigen, die die gesamte 6-jährige Beobachtung hinweg nicht in Langzeitpflege verbrachten, verglichen mit denjenigen, die in dieser Zeit in die Langzeitpflege wechselten und denjenigen, die die vollen 6 Jahre im Heim verbrachten, 33,4%/40,4%/26,2% bei den Hundertjährigen, 45,0%/45,1%/9,9% bei 90+ und 62,7%/33,7%/3,6% bei 80+. Alter, Krankenhauseinweisungen und Demenz waren positiv, während Erkrankungen des Bewegungsapparates negativ mit Langzeitpflege assoziiert. Die Assoziation mit Demenzen war bei den Hundertjährigen bedeutend schwächer.

Schlussfolgerungen: Für Hundertjährige, obwohl sie häufiger in Langzeitpflege waren, schreitet die Übergangsrate zur Langzeitpflege langsamer voran als die Rate der jüngeren Vergleichskohorten Hochaltriger. Der hohe Anteil an Langzeitaufenthalten von Hundertjährigen in Pflegeeinrichtungen erfordert neue Konzepte der Langzeitpflege.

18:10
Der Personalmix in der stationären Langzeitpflege und seine Bedeutung für Lebensqualität der BewohnerInnen und Belastung der MitarbeiterInnen
S508-3 

T. Brijoux, C. Grebe, H. Brandenburg, C. Kricheldorff; Freiburg, Bielefeld, Vallendar

Fragestellung: In der Analyse von Zusammenhängen zwischen Strukturellen Variablen von Pflegeheimen und individuellen Outcomes der BewohnerInnen und MitarbeiterInnen lag der Fokus bis zuletzt stark auf der Pflegequalität. In der Studie PERLE wurde die Lebensqualität der BewohnerInnen und die Belastung der MitarbeiterInnen in den Fokus genommen

Methodik: Die Daten wurden in zwei aufeinanderfolgenden Querschnittserhebungen zwischen Juni 2016 und März 2017 in Baden-Württemberg erhoben. In der ersten Umfrage spezifizierten Einrichtungsleitungen Einrichtungscharakteristika, insbesondere Angaben zur Personalzusammensetzung der Einrichtungen. In der zweiten Umfrage machten MitarbeiterInnen Angaben zu ihrem Belastungserleben, das mit dem Beanspruchungsscreening für Humandienstleitungen in 4 Dimensionen gemessen wurde. Sie gaben weiterhin für BewohnerInnen als Proxy-Bewertung Angaben zur Bedeutung und Erreichung von 10 Dimensionen der Lebensqualität (Kane & Kane) die zu einem Gesamtwert zusammengefügt werde konnten. Die Daten wurden in linearen gemischten Modellen analysiert, um die Mehrebenenstruktur der Daten zu berücksichtigen.

Ergebnisse: Die Intraklassenkorrelation (ICC) liegt für die Lebensqualität bei 20,7% für die Belastungsoutcomes zwischen 11,8% und 23%. In linearen gemischten Modellen (random Slope) kann kein protektiver Einfluss der Häufigkeit bestimmter Berufsgruppen oder weiterer Charakteristika der Einrichtungen bezüglich der individuellen Outcomes nachgewiesen werden.

Diskussion: Die ICC’s zeigen, dass der größte Teil der Varianz in den individuellen Outcomes nicht zwischen den Einrichtungen sondern zwischen den Individuen liegt. Interventionen die die Lebensqualität der BewohnerInnen oder die Belastung der MitarbeiterInnen adressieren sollten sich daher verstärkt an den Individuen orientieren.

18:30
Der Einfluss der Wahrnehmung von Pflegeheimen auf die Umzugsbereitschaft ältere Menschen
S508-4 

R. Rohner; Wien/A

Hintergrund: Studien haben immer wieder gezeigt, dass die Mehrheit der älteren Menschen den Umzug in ein Pflegeheim so lange wie möglich verzögern möchten (Ageing-in-Place). Dies hat auch mit negativen Wahrnehmungen des Pflegeheims zu tun: So weisen einige Studien daraufhin, dass das Leben in Pflegeheimen von älteren Menschen oft mit Schreckensbildern verbunden wird. Doch ließe sich durch positivere Bilder von Heimen auch die Umzugsbereitschaft älterer Menschen erhöhen? Der vorliegende Beitrag geht der Frage nach, welche sozialen und gesundheitlichen Faktoren das Bild von Pflegeheimen beeinflussen und welchen Einfluss dieses Bild auf die Umzugsbereitschaft im Alter hat.

Methodik: Präsentiert werden Daten einer quantitativen, repräsentativen Studie (n=1000), die Anfang 2018 in Österreich durchgeführt wurde. Dabei wurden Personen, die 60 Jahre oder älter sind, mittels CATI befragt. Die Daten wurden mit einer multiplen, linearen Regressionsanalyse ausgewertet, wobei neben einer allgemeinen Beurteilung von Pflegeheimen auch die Einschätzung spezifischer Aspekte von Heimen, wie z.B. die Selbstbestimmung, Privatsphäre und soziale Kontakte, abgefragt wurden.

Ergebnisse: Die Ergebnisse zeigen, dass die allgemeine Einstellung Pflegeheimen gegenüber stark zwischen sozioökonomischen Gruppen variiert. Vor allem Personen in einem höheren Lebensalter (75+) haben ein positiveres Bild von Pflegeheimen, insbesondere bezüglich der Privatsphäre und der selbstbestimmten Lebensführung. Ebenfalls beurteilen Personen in ruralen Gebieten Pflegeheime positiver als Personen in urbanen Wohngegenden. Die Regressionsanalyse weist daraufhin, dass eine positivere Einstellung gegenüber Pflegeheimen zu einer höheren Umzugsbereitschaft führt.

Conclusio: Die Studie verdeutlicht die Bedeutung der subjektiven Wahrnehmung von Pflegeheimen für die Umzugsbereitschaft im höheren Lebensalter. So könnte, trotz sozioökonomischen Unterschieden, die Bereitschaft frühzeitig umzuziehen durch ein positiveres Bild von Pflegeheimen erhöht werden.

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