Freitag, 07.09.2018
17:30 - 19:00
Seminarraum 14
S509
Freie Vorträge - Geriatrie "über den Tellerrand"

Moderation: R. Püllen, Frankfurt a. M.; M. Denkinger, Ulm

17:30
Vom Anfang der Geriatrie in Hannover
S509-1 

C. Lucke; Isernhagen

Vom Anfang der Geriatrie In Hannover (und in Deutschland) J. Rustemeyer und C. Lucke   Die klinische Geriatrie ist in Deutschland ein junges Gebiet der Medizin, und zwei der ersten Klinken dieser Art entstanden in Hannover. Es dürfte interessieren, die Entstehung dieser Kliniken zu betrachten, sie erfolgte ja nicht auf Initiative von Ärzten oder einer Universität; vielmehr erkannte der Vorsteher des Henriettenstiftes, ein Pfarrer, die Notwendigkeit, eine spezielle Einrichtung für kranke alte Menschen zu schaffen, „ein Mittelglied zwischen Klinik und Altersheim“. Hier sollten alte Menschen nach akuter Krankheit wieder auf die Beine kommen. Die von ihm initiierte Klinik nahm im November 1971 die ersten Patienten auf. – Mitglieder des Rates der Stadt Hannover hatten eine geriatrische Klinik in Dänemark besichtigt und schufen eine solche Einrichtung, den Hagenhof, in der Vorstellung, „alle zwei Jahre ein Pflegeheim nicht bauen zu müssen“. Diese Klinik wurde im November 1979 eröffnet. In dem Beitrag wird auf die Suche nach einem geriatrisch erfahrenen Chefarzt eingegangen und die schwierige Aufstellung geschildert, ein therapeutisches Team und einen altengerechten Pflegedienst aufzubauen sowie ein therapeutisches Konzept zu erarbeiten. Was sollte mit den alten Patienten erarbeitet werden und wie? Welche therapeutischen Möglichkeiten standen zur Verfügung? So stand hinter der einen Klinik ein ausrangierter Eisenbahnwagen, hinter der anderen ein alter Bus; hier sollten die Patienten das Einsteigen üben… Die Autoren (und ersten leitenden Ärzte der Kliniken) schildern den Weg zu einem altengerechten Therapie- Konzept, die bisweilen mühevolle Überzeugungsarbeit gegenüber ärztlichen Kollegen sowie die unterstützende Rolle der Medien.   Prof. C. Lucke; Hansenhof 3, 30916 Isernhagen

17:50
Kommunikation mit Senioren in der Klinik, Praxis und Altenheim - evidenzbasierte Empfehlungen der GSA - eine deutsche Adaptation
S509-2 

R. Thiesemann, B. Meyer, M. Gogol, F. Evrin MA; Hamburg, Germesheim, Heidelberg

Die Zahl älterer Patienten nimmt aufgrund der demografischen Entwicklung stetig zu. In diesem Zusammenhang spielt die Kommunikation mit älteren Erwachsenen eine immer größere Rolle. Zudem wird die Gruppe der Älteren heterogener und multiethnisch; Ziel ist es ist es, im professionellen Handeln die Fähigkeiten älterer Menschen zu berücksichtigen und eine positive Kommunikation zwischen ihnen und Gesundheits-Professionellen zu verbessern. Hierzu wurden die US-amerikanischen Empfehlungen der Gerontological Society of Americal von linguistischen und geriatrischen Experten übersetzt. Fallbeispiele und Empfehlungen sowie 29 evidenzbasierte Empfehlungen werden vorgestellt.

Literatur:

Thiesemann R (2018) Mit älteren Menschen kommunizieren. Ein Praxisleitfaden für Gesundheitseinrichtungen. 1. Auflage Aufl. Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart

Meyer B, Thiesemann R (2017) Interkulturelle Kommunikation von Arzten und Pflegenden - Ubersetzungshilfen. Zeitschrift fur Gerontologie und Geriatrie 50 (3):259-261. doi:10.1007/s00391-017-1204-8

The Gerontological Society of America (2013) Communicating with older adults an evidencebased review of what really works. In: GSA-https://www.geron.org/publications/communicating-with-older-adults (Hrsg). GSA, Washington, DC.

18:05
Bedeutung von Sprache in medizinischen Aufklärungsgesprächen- ein linguistisches und medikolegales Update aus Geriatersicht
S509-3 

R. Thiesemann, B. Meyer; Hamburg, Germesheim

Eine zunehmende Herausforderung sind Situationen, in denen Patienten/innen /Ärzte/innen nicht in vollem Umfang der deutschen Sprache mächtig sind. VIele Patienten wissen zudem nach Verlegung nicht welche Maßnahmendurchgeführt wurden, noch wie sie sich in Zukunft verhalten sollen" . "Die zunehmende »Ökonomisierung, Bürokratisierung und Schematisierung der Medizin [droht] die zuwendende Begegnung von Arzt und Patient in den Hintergrund zu drängen.  Geht man von einem Anteil von 4% Personen mit geringen Deutschkenntnissen an der Gesamtbevölkerung aus , dann müssten von geschätzt 16 Mio. Aufklärungsgesprächenrund 640 000 Gespräche mit Personen geführt worden sein, dieauf Deutsch nicht rechtlich wirksam in die Behandlung einwilligenkonnten. Bei diesen Patienten/innen ist aus rechtlicher Sicht die Beiziehung einer sprachkundigen Person erforderlich, die als Dolmetscher/in fungiert . Tatsächlich wird jedoch nur ein Teil dieser Gespräche in anderen Sprachen oder unter Zuhilfenahme von Sprachmittlern stattgefunden haben. Es ist davon auszugehen, dass nichtdeutschsprachige Patienten/innen häufig auf Deutsch aufgeklärt werden und die Aufklärungsgespräche damit nicht die rechtlichen Vorgaben erfüllen.

Literatur:

Statistisches Bundesamt (2015a) Fallpauschalenbezogene Krankenhausstatistik(DRG-Statistik) 2014 (Fachserie 12 Reihe 6.4), Wiesbaden.

Statistisches Bundesamt (2015b) Pressemitteilung Nr. 404 vom 03.11.2015. Wiesbaden.

Engel KG, Heisler M, Smith DM, Robinson CH, Forman JH, Ubel PA (2009). Patient comprehension of emergency department care and instructions: are patients aware of when they do not understand? Annals of emergency medicine 53 (4):454-461.

Erlinger R (2003) Die Aufklärung nicht Deutsch sprechender Patienten. Drei neue Urteile zu einem alten Thema. Der Urologe Ausg A 42 (9):1255-1260.

Meyer B (2004) Dolmetschen im medizinischen Aufklärungsgespräch. Eine diskursanalytische Untersuchung zur Wissensvermittlung im mehrsprachigen Krankenhaus. Waxmann, Münster.

Meyer B, Evrin F (2018) Mehrsprachigkeit, Sprachbarrieren und Interkulturalität. In: Thiesemann R (Hrsg) Mit älteren Menschen kommunizieren: ein Praxisleitfaden für Gesundheitseinrichtungen. W.Kohlhammer Verlag, Stuttgart.

Meyer B, Thiesemann R (2017) Z Gerontol Geriatr 50, (3):259-261.

Rixen D, Hax P-M, Wachholz M (2015) Das Arzt-Patienten-Gespräch. Ein Kommunikationstrainer für den klinischen Alltag. De Gruyter, Berlin.  

18:20
Validation of a motor-cognitive assessment for a stepping exergame in older adults: Use of game-specific, internal data stream
S509-4 

K. Hauer, E. Litz, C. Ball, C.-P. Jansen, C. Werner, J. M. Bauer, E. de Bruin; Heidelberg, Zürich/CH

Background: Exergaming is a dynamically developing field of health interventions, offering motivating training programs.  Mandatory for game steering, internal game data flow has so far hardly been used for innovative, specifically tailored assessment strategies. The study objective was to comprehensively validate a new assessment of an exergaming training program with combined motor and cognitive challenges.

Methods: Participants: n = 58 independently living older adults (age = 78.3 ± 6.5 years) with moderate functional limitations. To assess construct validity, Spearman’s rank correlations (rs) between the game parameters and established cognitive (Zahlen-Verbindungs-Test (ZVT-G), Simple Response Time Task (SRT), Simon Task) and motor (Short Physical Performance Battery (SPPB), Physiomat® tests of static and dynamic balance) measures were calculated. Test-retest reliability was documented by intra-class-correlation coefficients (ICCs); sensitivity to change by effect sizes (partial eta squared, ηp2); and feasibility by completion rates.

Results: Good construct validity of the assessment was observed, with mostly moderate to high correlations between the game parameters and the cognitive tests (rs = .26-.70, p < .001-.048), measures of lower extremity function (rs = .26-.66, p < .001-.043) and dynamic balance (rs = .39-.56, p < .001-.032). On average test-retest reliability was good (ICCs = .46-.93, p < .001-.067) as was feasibility of assessment (completion rates for initial levels: 100%; no safety problems), while sensitivity to change was extraordinary (ηp2 = .16-.81, p < .001-.044).

Conclusion: Study results documented good validity, re-test reliability, and feasibility, with an extraordinary high responsiveness of the presented game-based assessment in older adults with moderate functional limitations. The innovative data-based assessment approach as developed in this study may serve as a blueprint for future, tailored assessment strategies.

18:35
Effectiveness of Firehouse Social Services to Support Older Persons Living in the Community
S509-5 

A. Gibson; Lexington/USA

In an effort to reduce public long-term care expenditures, healthcare costs, and support individual’s right in self-determination, communities are increasingly turning to social services as a way of providing a community-based long-term care alternative to address the needs of frail elderly residents (National Association of Aging, 2017). Traditionally, social service providers have been placed in housing designated for the elderly to assess, monitor, and coordinate services for their residents (Sheehan & Guzzardo, 2008). In recent years, the use of service referrals and case management to address the needs of seniors who are community-dwelling has grown substantially (Duke & Genge, 2009; Ohio Area Agencies on Aging, 2017). By implementing a geriatric-trained social service provider (grant funded, contract employee) in the local Fire Division, one community was able to link community-based senior residents to supportive services and healthcare providers that can assist them to safely manage their aging needs in their place of residence. Embracing the gatekeeping model, social service providers respond to individual needs by connecting them through first responders at the “point of entry” can enhance seniors’ ties to their local aging and healthcare networks. Outcomes were examined from a three-year period as part of the social service provider’s role including types of referrals received, frequency of successful referral and referrals declined, frequency of specific intervention (fire hazard, home safety, home adaptations, chronic condition management, medication management, and senior fraud/scam), and characteristics of clients served by the firehouse social service professional. Implications for further research and aging-in-place will be introduced.

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