Samstag, 08.09.2018
08:30 - 10:00
Seminarraum 13
S608
Freie Vorträge - Digitalisierung und technische Assistenz insbesondere im ländlichen Raum

Moderation: S. Lech, Berlin

08:30
Digitalisierung im ländlichen Raum: Internetnutzung und Weiterbildungsverhalten älterer Erwachsener
S608-1 

B. Williger, S. Sczogiel, S. Schmitt-Rüth; Nürnberg

Die Digitalisierung im ländlichen Raum bezeichnet einerseits die Verfügbarkeit von Breitband, andererseits dessen Nutzung durch die Bevölkerung. Der Breitbandausbau in Deutschland soll bis 2020 flächendeckend abgeschlossen sein. Aktuelle Daten zeigen aber Unterschiede in der Internetnutzung in Abhängigkeit der Bevölkerungsdichte und des chronologischen Alters. Die vorliegende Studie untersucht daher Prädiktoren für die Internetnutzung im ländlichen Raum. Daneben soll Aufschluss darüber gewonnen werden, wie sich insbesondere ältere Erwachsene zum Thema Digitalisierung weiterbilden, mit dem Ziel deren Nutzungsverhalten zu steigern. Im Zuge des Forschungsprojekts Digitales Dorf Bayern wurde eine schriftliche Befragung unter allen Haushalten der Steinwald-Allianz (Lkr. Tirschenreuth) durchgeführt. An der Studie nahmen 486 Personen (50% Frauen) im Alter zwischen 16 und 94 Jahren (M = 53.3, SD = 15.1) teil. Die Teilnehmer gaben im Rahmen einer schriftlichen Befragung Auskunft zu ihrer Internetnutzung und zu ihrem Weiterbildungsverhalten. Daneben wurden soziodemographische Angaben und die Technikeinstellung erfragt. Während 97% der Teilnehmer unter 65 Jahren zumindest gelegentlich das Internet nutzen, liegt der Anteil bei den über 65-Jährigen bei 71%. Neben dem chronologischen Alter begünstigen ein hohes Haushaltseinkommen, eine positive Technikeinstellung sowie aktives Weiterbildungsverhalten die Internetnutzung. Im Hinblick auf die Form der Weiterbildung zeigen sich sowohl in Abhängigkeit der Internetnutzung als auch des Alters signifikante Unterschiede. Jüngere Teilnehmer (67%) und Teilnehmer mit Internet beider Altersgruppen (jung: 67%, alt: 82%) geben an, sich durch die Hilfe von anderen weiterzubilden. Jüngere (72%) und ältere Teilnehmer (61%) mit Internet bilden sich durch selbstgesteuertes Ausprobieren zu diesen Themen weiter. Jüngere Teilnehmer (mit Internet: 17%, ohne: 16%) haben bereits an formalen Schulungsangeboten teilgenommen. Die Ergebnisse bestätigen frühere empirische Befunde zu Prädiktoren für Internetnutzung am Beispiel einer Stichprobe aus dem ländlichen Raum. An den Ergebnissen wird zudem deutlich, dass es Unterschiede in der bevorzugten Form der Weiterbildung gibt. Danach sollten ältere Erwachsene eher durch informelle Bildungsangebote an die Internetnutzung herangeführt werden. Im weiteren Projektverlauf sollen dazu niedrigschwellige Angebote in der Region entwickelt werden und im Rahmen jährlicher Folgeerhebungen evaluiert werden.

08:50
Die Nutzung von Assistenz-Technologien und die Lebenssituationen älterer Menschen im ländlichen Raum
S608-2 

B. Pottharst, D. Schwertfeger, A. Hoff; Görlitz

Der demografische Wandel und die technologische Entwicklung sind zwei Prozesse des sozialen Wandels, die in den Forschungsbereich "Altern und Technik" münden. Das wissenschaftliche Interesse besteht darin zu erschließen, welche Möglichkeiten durch den Einsatz von Technologien zum Umgang mit den Implikationen und Herausforderungen, die sich in alternden Gesellschaften ergeben, bestehen. Der Begriff der Technologie bezieht sich in diesem Zusammenhang insbesondere auf Assistive Technologien, Smart Home Technologien und Ambient Assisted Living. Der gegenwärtige technische Stand bietet vielfältige Potenziale. So kann der Einsatz von Technologien, die auf die Bedürfnisse älterer Menschen zugeschnitten sind, eine sichere, autonome und unabhängige Lebensführung zusammen mit gesellschaftlicher Teilhabe fördern. Darüber hinaus können sie einen wichtigen Beitrag in Strategien zur Bewältigung des steigenden Bedarfs an Pflegearbeit in der Gesellschaft leisten. In vielen modernen Gesellschaften sind die Folgen der zunehmenden Alterung und Schrumpfung der Bevölkerung bereits heute deutlich in den ländlichen Gebieten erkennbar. Dies ist insbesondere an Entwicklungen wie der Abwanderung junger Menschen samt Auswirkung auf die Generationenbeziehungen, schwindenden medizinischen Versorgungsstrukturen oder in Bezug auf den Mangel an altersgerechtem und pflegefreundlichem Wohnraum ablesbar. Technologien wie Informations- und Kommunikationssysteme, Gesundheitstechnologien und intelligente Notrufsysteme oder Mobilitätshilfen können dazu dienen, den negativen Folgen dieser Entwicklungen für ältere Menschen zu begegnen. Aus Sicht der empirischen Sozialforschung mangelt es allerdings an repräsentativen Daten zum Untersuchungsgegenstand des Einsatzes von Technik und das assistive Leben älterer Menschen. Jedoch gibt es einige lokal begrenzte Umfragen, die wertvolle Einblicke in dieses Thema ermöglichen. In dem Vortrag präsentieren wir Ergebnisse einer Umfrage im Paneldesign in Ostsachsen, die in den Jahren 2015 und 2017 durchgeführt wurde (Forschungsprojekttitel: Vertrauen in Assistenztechnologien zur Inklusion älterer Menschen). Sie geben einen exemplarischen Überblick über die Lebenssituationen und die Nutzung von Technik durch Menschen im Alter ab 60 Jahren, die im ländlichen Raum leben.

09:10
Digitalisierung und technische Assistenzsysteme und Anforderungen an deren Akzeptanz im ländlichen Raum
S608-3 

A. S. Esslinger; Nürnberg

Die Digitalisierung bietet mit technischen Assistenzsystemen Potenziale für eine verbesserte Lebensqualität der Bevölkerung. Nutzer entsprechender Technikangebote können in ihrem persönlichen Wohlbefinden davon profitieren. Dies gilt für alle Bevölkerungsgruppen und in besonderer Weise für die älteren Menschen im ländlichen Raum. Gleichermaßen aber ist alleine die Innovation passender Lösungen für einen längeren Erhalt der Selbständigkeit in der häuslichen Umgebung im ländlichen Raum noch nicht an sich erfolgreich. Vielmehr ist es von der Innovation zu den Nutzerinnen und Nutzern ein langer Weg, der nicht ohne Hindernisse zu überwinden ist. Welche Hindernisse dies genau sind und welche Überwindungsstrategien hierbei möglich sind soll in diesem Beitrag diskutiert werden.

Es erfolgt hierzu eine strukturierte Literaturanalyse zum Thema Akzeptanz technischer Assistenzsysteme in ländlichen Raum im Zeitraum von April 2018 bis Juni 2018. Es werden einschlägige gesundheitswissenschaftliche, wirtschaftswissenschaftliche, soziologische, psychologische und technische Datenbanken analysiert und in deutscher und englischer Sprache nach Schlüsselbegriffen recherchiert.

Es ist davon auszugehen, dass eine zielgerichtete Ansprache verschiedener Zielgruppen erforderlich wird. Vertrauen zwischen den Akteursgruppen muss geschaffen werden. Die Gruppe der Älteren fordert Transparenz über Leistungsumfang und Kosten, benötigt Informationen über ggf. Finanzierungsmöglichkeiten und möchte eine begleitende Serviceunterstützung. Die Stigmatisierung „Alter = technikavers“ trifft so nicht zu. Vielmehr sind individualisierte Zugangsstrategien zu entwickeln, die Mensch und Technik zueinander bringen.

09:30
Tabletgestützte ambulante Versorgung von Menschen mit Demenz
S608-4 

S. Lech, J. Nordheim, P. Gellert, J. O´Sullivan-Solte, J.-N. Voigt-Antons; Berlin

Hintergrund: Die aktuelle S3-Leitlinie „Demenzen“ wird in der Versorgungspraxis oft noch zu wenig umgesetzt. Dementsprechend wird die derzeitige ambulante Versorgung von Menschen mit Demenz als nicht nachhaltig eingeschätzt und es werden integrierte, sektorenübergreifende und leitlinienorientierte Ansätze gefordert, um sie zu verbessern. Informations- und Kommunikationstechnologien (IKTs) wie Tablets weisen in diesem Zusammenhang ein großes Potential auf, da sie Haus- und Fachärzte bei einer patientenzentrierten und leitlinienorientierten Diagnostik und Therapie unterstützen können. Weiterhin ermöglichen IKTs Betroffenen, deren Angehörigen und anderen Pflegepersonen die Umsetzung von wirksamen therapeutischen Ansätzen im häuslichen Umfeld und können zu einer Verbesserung der intra- und intersektoralen Schnittstellen beitragen. Ziele des vom Innovationsfond geförderten Projektes „DemTab – Tabletgestützte ambulante Versorgung von Menschen mit Demenz: Leitlinienbasierte Behandlungsplanung, individuelles Krankheitsmanagement und Vernetzung“ sind die Entwicklung und wissenschaftliche Evaluation einer tabletgestützten Intervention zur Verbesserung der ambulanten Demenzversorgung.

Methode: Im Rahmen von DemTab wird im ersten Schritt eine qualitative Machbarkeitsstudie zur Prüfung eines tabletgestützten Behandlungsansatzes im ambulanten Versorgungsalltag durchgeführt. Die Machbarkeitsstudie wird sowohl bei den Ärzten als auch bei Patienten und Angehörigen durchgeführt und Inhalte, zeitlicher Aufwand und Nutzen eines tabletgestützten Behandlungsansatzes bewertet, dokumentiert und systematisch in der Interventionsentwicklung berücksichtigt (Mixed-Methods-Ansatz). Im zweiten Schritt wird eine tabletgestützte Intervention entwickelt und anschließend geprüft. In einer cluster-randomisierten kontrollierten Interventionsstudie wird auf Hausarztebene randomisiert und Ärzte (N=20) und deren Patienten (N=204) als Paar von Menschen mit Demenz und pflegenden Angehörigen einer Interventions- (N=102) oder Kontrollgruppe (N=102) zugewiesen. Klinische Endpunkte werden zur Baseline, nach 9 und 12 Monaten mittels standardisierter und validierter Fragebögen sowie kontinuierlich über Tablet- und Krankenaktendaten erhoben.

Ergebnisse: Das Studiendesign von DemTab sowie erste Ergebnisse hinsichtlich der Machbarkeitsstudie werden präsentiert. Zudem werden wichtige Implikationen der Ergebnisse für die Durchführung der geplanten Intervention diskutiert.

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