Donnerstag, 06.09.2018
13:45 - 15:15
Seminarraum 13
S108
Freie Vorträge - Arbeit und Bildung im Alter

Moderation: C. Vogel, Berlin

13:45
Altersstereotype und Intentionen der frühen Berentung im Pflegekontext: Die Rolle der Wahrnehmung des Alterungsprozesses
S108-1 

V. Kleissner, G. Jahn; Chemnitz

Altersstereotype können sich negativ auf Arbeitskräfte auswirken. Sie können Teamprozesse behindern (Schloegel, Stegmann, Maedche & van Dick, 2016), zu geringerer Job- und Lebenszufriedenheit (Redman & Snape, 2006), oder zum Wunsch der frühen Berentung (Gaillard & Desmette, 2010) führen. Um wirksame gegensteuernde Maßnahmen zu ergreifen, ist es daher wichtig, Altersstereotype differenziert zu erfassen und Möglichkeiten zu identifizieren, sie zu beeinflussen und ihren unerwünschten Folgen zu begegnen. Mit dieser Zielsetzung wurden 380 Pflegekräfte eines deutschen Krankenhauses zu ihren Einschätzungen jüngerer und älterer Pflegekräfte sowie zu als bedeutsam vermuteten Einflussfaktoren und Wirkungen befragt. In Übereinstimmung mit der bisherigen Forschung wurden ältere Pflegekräfte als weniger leistungs- und anpassungsfähig und jüngere Pflegekräfte als weniger zuverlässig und warm gesehen. Jüngere und ältere Pflegekräften hielten die gleichen Altersstereotype, wenngleich sie für die eigene Altersgruppe geringer ausgeprägt waren. Neben dem Alter der Befragten waren die Kontaktqualität, die Wahrnehmung des Alterungsprozesses und die Stereotype gegenüber älteren Menschen im Allgemeinen Prädiktoren für Altersstereotype gegenüber älteren Pflegekräften. Bezogen auf Stereotype gegenüber jüngeren Pflegekräften waren das Alter der Befragten, die Kontakthäufigkeit, die Kontaktqualität und die Wahrnehmung von jüngeren Menschen im Allgemeinen Prädiktoren. Die Stärke der Prädiktoren unterschied sich geringfügig für einzelne Dimensionen von Altersstereotypen (Kompetenz, Anpassungsfähigkeit, Zuverlässigkeit, Wärme). Dieser Befund legt nahe, dass die bisherige inkonsistente Befundlage zu Prädiktoren von Altersstereotypen (z. B. Kontakthäufigkeit) womöglich auf nach unterschiedlichen Dimensionen erfassten Altersstereotypen beruht. Die insbesondere im Pflegekontext bedeutsamen Intentionen der frühen Berentung waren lediglich durch Arbeitszufriedenheit und die Wahrnehmung des Alterungsprozesses vorherzusagen. Die Stärkung einer positiven Sicht auf den Alterungsprozess könnte sich folglich positiv auf die Stereotype jüngerer gegenüber älteren Pflegekräften auswirken und dabei gleichzeitig die Intention der frühen Berentung für ältere Pflegekräfte reduzieren.

14:00
Frauen müssen arbeiten, Männer wollen arbeiten? Zur Erwerbsarbeit trotz Rentenbezug
S108-2 

C. Vogel, H. Engstler, L. Romeu-Gordo; Berlin

Der Anteil von Personen, die im Alter armutsgefährdet sind, ist in den letzten Jahren angestiegen. Ein Trend, der sich voraussichtlich fortsetzen wird aufgrund der Absenkung des Leistungsniveaus der gesetzlichen Rentenversicherung in Kombination mit der Stärkung betrieblicher und privater Altersvorsorge sowie aufgrund von Erwerbsbiographien zukünftiger Rentnerinnen und Rentnern, die diskontinuierlicher und prekärer verlaufen als die früher Geborener. Gleichzeitig ist der Anteil von Personen, die erwerbstätig sind, obwohl sie bereits eine Rente beziehen, von 5,1 Prozent im Jahr 1996 auf 11,6 Prozent 2014 angestiegen, wie sich mit dem Deutschen Alterssurvey (DEAS) belegen lässt. Diese beiden Prozesse befruchten die Diskussion darüber, ob Renten- und Pensionsbeziehende etwa deshalb einer Erwerbstätigkeit nachgehen, weil sie arbeiten wollen oder ob sie dies tun, weil sie aus finanziellen Gründen arbeiten müssen. Darüber hinaus gehen wir der Frage nach, ob sich die Gründe für eine Erwerbstätigkeit trotz Rentenbezug zwischen Frauen und Männern unterscheiden. Dies könnte der Fall sein, weil sich die Erwerbsbiographien der heute im Rentenalter befindlichen Frauen substanziell von denjenigen der Männer unterscheiden. Die Erwerbsbiographien der Rentnerinnen sind z.B. charakterisiert durch deutlich häufigere und auch längere Erwerbsunterbrechungen sowie durch geringere Erwerbseinkommen über den gesamten Erwerbsverlauf hinweg. Im Alter resultiert daraus für Frauen häufiger als für Männer eine prekäre finanzielle Lage, und zwar insbesondere für alleinlebende Frauen. Die Armutsgefährdungsquoten von Frauen ab 65 Jahren liegen regelmäßig über denjenigen für Männer ab 65 Jahren, für 2016 laut Statistischem Bundesamt z. B. bei 16,4 Prozent zu 12,7 Prozent. In unserem Beitrag untersuchen wir geschlechtervergleichend auf Basis der Daten des Deutschen Alterssurveys (DEAS), welche Gründe ausschlaggebend sind für die Erwerbstätigkeit trotz Rentenbezugs unter besonderer Berücksichtigung von prekären Einkommenslagen im Alter. Es lässt sich zeigen, dass finanzielle Gründe bei Frauen in der Tat eine größere Rolle spielen für die Erwerbstätigkeit trotz Rentenbezug als bei Männern. Zugleich erzielen Rentnerinnen mit ihrer Erwerbstätigkeit deutlich weniger Einkommen als erwerbstätige Rentner. Das im Ruhestand überwiegend in geringfügiger Beschäftigung oder Teilzeit erzielte Einkommen der Frauen reicht meist nicht aus, um prekäre Einkommenslagen substanziell zu verbessern.

14:15
Lebensalter und Präferenzen bei Kinofilmen Eine Studie zum Filmerleben und Filmvorlieben in Kinos in Abhängigkeit vom Lebensalter
S108-3 

G. Weigl; Hartenstein

Die Studie behandelt die Fragestellung, inwieweit und in welcher Art sich Filmpräferenzen bei Kinofilmen mit dem Lebensalter verändern. Es werden drei Dimensionen zum Aufbau und zur Handlung von Kinofilmen untersucht. Die erste Dimension bezieht sich auf positive Emotionen wie Glück und Liebe, die in Filmen gezeigt werden und auf filmische Inhalte, die Wissen und Information vermitteln. Die Zweite befasst sich gegenteilig mit Gewaltszenen und Szenen, die negative Emotionen wie Trauer, Angst und Sorge abbilden. Die dritte Dimension betrachtet die Komplexität eines Filmes, in Bezug auf die Schwierigkeit und Vielschichtigkeit der Handlung und medientechnischer Elemente. Für jede der Dimensionen ist eine Hypothese formuliert. Für die Hypothesenbildung sind Aussagen verschiedener gerontologischer Theorien und Altersveränderungen in unterschiedlichen Lebensbereichen zu Grunde gelegt, die in einen Fragebogen mündeten. Die Hypothesenprüfung erfolgt mit 24 Items, die Einstellungen zu Aussagen zu Filmaufbau und Filmhandlung erfragten. Die Befragung wurde als Online-Umfrage und zur Erreichung älterer Personen im Paper-Pencil-Verfahren in regionalen Seniorenkreisen durchgeführt. Insgesamt konnten in die Auswertung Antworten von 163 Personen von 19 bis 89 Lebensjahren einfließen. Es zeigen sich statistisch signifikante Unterschiede zwischen Altersgruppen und den drei untersuchten Dimensionen. Ältere Menschen legen demnach beim Kinoprogramm Wert auf Bildung, lehnen Gewalt in Filmen mehr ab als jüngere Menschen und bevorzugen Filme mit einer weniger komplizierten Handlung. Beim Kinobesuchsverhalten und Spielfilmkonsum bestehen ebenfalls Altersunterschiede. Altersjahrgänge ab 60 Jahren unterscheiden sich zudem von mittleren Jahrgängen. Ein Ziel dieser Studie ist es, einen Beitrag dazu zu leisten, zukünftig ein gezieltes Kinoangebot für ältere Menschen zu etablieren. Kinos könnten so zu einem Ort der sozialen Teilhabe für ältere Menschen mit und ohne Assistenzbedarf werden. Ins Rentenalter nachrückende Generationen sind geburtenstarke Jahrgänge und sind gleichzeitig von Kindheit an mit dem Kino als Erlebnisort vertraut. Ein seniorengerechtes Kinoangebot könnte eine Antwort auf diese demographische Entwicklung sein. Die Studie begleitete unter anderem das Pilotprojekt "Silberfilm" der lokalen Allianz für Menschen mit Demenz in Nürnberg und im Nürnberger Land. Die enge Zusammenarbeit mit dem Projektträger ermöglicht einen direkten Praxistransfer der Studienergebnisse.

14:30
Der Dialog zwischen Jung und Alt als Bildungs- und Forschungsinstrument in der intergenerationellen Hochschullehre
S108-4 

S. Ehret; Heidelberg

Eine alte Methode aus der Antike wird wiederentdeckt: Der Dialog. Seine Vielfalt zeigt sich immer deutlicher: Prävention gegen geistigen Abbau, Entwicklung des Geistes im Alter, Effekte auf die Entwicklung junger Menschen und das Entdecken universeller Aspekte, die in der Weltgesellschaft ruhen. Allzu häufig wird das hohe Alter, das mit etwa 85 Jahren beginnt, im Defizitmodus betrachtet, der vor allem mit mehrdimensionalen Verlusten und anregungsarmen Umwelten in Verbindung steht. Im Intergenerationellen Studieren mit hochbetagten Menschen gestalten sich Gespräche zwischen Jung und Alt ausnahmslos schöpferisch-produktiv. Die tontranskribierten Gespräche zwischen Schülern und Studenten von 14-30 Jahren und alten Menschen von 82-98 Jahren zeigen uns auf, welch kreative Potenziale aus der sprachlichen Verbindung von Jung und Alt entstehen. Die Ergänzungsbedürftigkeit dieser Lebensalter führt in der Regel sehr schnell zu gegenseitigem Verstehen Spiegelung und Erschließen der Daseinsthemen des anderen. Die Sprache der Alten ist dabei häufig performativ oder weltkonstitutiv. Durch die strukturelle Symmetrie, die den Jung-Alt-Kontakten zugrunde liegt, kommt es in den Dialogen zu beschleunigten Entwicklungsprozessen der Vernunft, die sich sprachlich abbilden lassen. Im Zentrum neuer Auswertungen stehen intergenerative Narrative sowie der im Gespräch entstehende Dialog in seiner Morphologie. Darin enthaltene Imperative wie „Geht hin zu Euren Omas und fragt sie“ - „Gebt niemals auf“ - „Bemüht Euch, Euren Grips anzustrengen“ - Ihr seid klug und alt genug, Euch mit der Politik zu beschäftigen, nicht so, das geht mich nichts an“ und ihre Deutungsmuster sind direkt anschlussfähig an aktuelle Diskurse. In der dialogischen Sequenz wird das Universelle beim alten Menschen im Dialog mit den eigenen Daseinsthemen verbunden, aus denen dann spezifische rhetorische Stile entstehen. Der Studie liegt eine hohe ökologische Validität zugrunde. Erste Ergebnisse aus der qualitativen Analyse von 80 Gesprächen und Dialogen werden präsentiert. Es stellt sich schließlich die Frage, ob Merkmale des Dialogs und die Erzeugung von Wortbedeutung sich aus anthropologischer Sicht unterscheiden, wenn sehr alte Menschen und Kinder oder Jugendliche in eine solche Konversation eintreten, und wenn man gleichzeitig annimmt, dass Kindheit, Erwachsenenalter und Alter kategorial unterschiedliche Lebensphasen sind, die sich auch in Sprache und Denken niederschlagen.

14:45
Selbstverantwortliches Lernen nicht-traditionell Studierender im Rahmen von wissenschaftlichen Weiterbildungsangeboten im Bereich Gesundheit und Pflege
S108-5 

S. Hampel, A. Eiben, M. Hasseler; Wolfsburg, Heidelberg

Fragestellung: In der gesundheitlichen & pflegerischen Versorgung von älteren Menschen (mit Beeinträchtigungen) kommt es zu einer Verdichtung der Aufgaben. Der Wissenschaftsrat empfiehlt daher die Förderung der hochschulischen Ausbildung für Beschäftigte in diesen Bereichen. Klassische hochschulische Bildungsformate werden diesem Personenkreis, der durch hohe Arbeitsbelastung und familiäre Verantwortung gekennzeichnet ist, kaum gerecht. Im Rahmen des vom BMBF geförderten Verbundprojekts „PUG II – Aufbau berufsbegleitender Studiengänge in den Gesundheits- und Pflegewissenschaften“, Teilvorhaben „Bachelor Upgrade angewandte Pflegewissenschaften“ werden wissenschaftliche Weiterbildungsprogramme innerhalb der Handlungsfelder Gerontologie und Pflege sowie gesundheitlicher und pflegerischer Versorgung von Menschen mit Beeinträchtigungen im Blended Learning Konzept entwickelt. Insbesondere nicht-traditionell Studierende sollen mit diesem Angebot angesprochen werden. Dieser Beitrag widmet sich der Frage: Welche curricularen Konzepte fördern das selbstverantwortliche Lernen von nicht traditionell – Studierenden?

Methodik: Zur Beantwortung der Forschungsfrage werden Ergebnisse der Modulevaluationen vorgestellt: in der ersten Förderphase (2015-2018) wurden sechs Erprobungsmodule quantitativ evaluiert (N=32); innerhalb der 2. Förderphase (2018-2020) erfolgt die Evaluation weiterer sieben Module mithilfe eines Methodenmixes.

Ergebnisse: Die ersten Ergebnisse zeigen unterschiedliche Herausforderungen für den Einsatz neuer Bildungstechnologien. Insgesamt wurde das Vorgehen im Blended Learning als dem Lernprozess förderlich gewertet. Die geringen Präsenzanteile sind für die Teilnehmenden ungewohnt, werden im Hinblick auf die berufliche Vereinbarkeit als wichtig gewertet. Die nicht-traditionell Studierenden orientierten sich lernbiografisch an bekannten Lernstrategien und Prüfungsformen. Oftmals liegen Lernprozesse lange zurück, sodass Strategien des selbstständigen Lernens unter Umständen ganz neu angeeignet werden müssen.

Zusammenfassung: Die bisherigen Ergebnisse weisen für das Potential des Blended Learning Konzepts für nicht traditionell – Studierende positive Ergebnisse auf. Gerade für die hohe Eigenverantwortung im Lernprozess sollten Studierende Unterstützung erfahren.

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