Freitag, 07.09.2018
08:00 - 09:30
Hörsaal A2
S303
Brennpunkte der Gerontopsychiatrie

Moderation: D. K. Wolter, Bonn; F. Jessen, Köln

Symposium der Deutschen Gesellschaft für Gerontopsychiatrie und Psychotherapie

In diesem Symposium geht es zunächst um frühe Indikatoren bzw. Risikofaktoren von Demenzerkrankungen, wobei ein Schwerpunkt auf den subjektiven Gedächtnisstörungen liegt. Mit den Wahnerkrankungen im Alter wird ein Problemfeld thematisiert, das hinsichtlich der Öffentlichkeitswirksamkeit meist hinter den dominierenden Themen Demenz und Depression zurücksteht, gleichwohl im klinischen Alltag der Altersmedizin oft eine große Herausforderung darstellt. Schließlich wird im letzten Vortrag die in der jüngeren Vergangenheit kontrovers diskutierte Frage untersucht, ob Benzodiazepine ein Demenzrisiko darstellen oder nicht.

08:00
Wahnerkrankungen im Alter
S303-1 

T. Supprian; Düsseldorf

Die Diagnostik und Behandlung von Wahnsymptomatik ist ein zentrales Aufgabengebiet in der Psychiatrie. Am häufigsten wird Wahnsymptomatik in den Zusammenhang mit schizophrenen Psychoseerkrankungen gestellt. Besonders im höheren Lebensalter muss bei der Erstmanifestation von Wahnsymptomatik aber auch an andere Krankheitsursachen gedacht werden. Der Ausschluß sog. „organischer Ursachen“ setzt eine genaue Analyse der Wahnsymptome und anderer psychopathologischer Merkmale voraus und erfordet eine eingehende neuropsychiatrische Abklärung. Die Behandlung eines Wahns bei einem älteren Menschen sollte behutsam und wenn möglich unter Einbeziehung von Angehörigen erfolgen. Neben einer medikamentösen Behandlung gibt es psychotherapeutische und soziotherapeutische Interventionsmöglichkeiten, die gut aufeinander abgestimmt werden müssen.

08:30
Benzodiazepine und Demenz
S303-2 

D. K. Wolter; Bonn

Die Frage, ob Benzodiazepine (BZD) das Demenzrisiko erhöhen, wird kontrovers diskutiert. Einerseits können BZD die Lernfähigkeit und weitere neuropsychologische Funktionen beeinträchtigen, wodurch langfristig die kognitive Reservekapazität vermindert und damit eine Demenz früher manifest wird. Es kann davon ausgegangen werden, dass die kumulative Dosis hierfür von Bedeutung ist. Dosierung, Dauer, Art des BZD und Regelmäßigkeit der Einnahme lassen sich jedoch für lange Zeiträume kaum zuverlässig erheben.

Andererseits werden BZD häufig zur Behandlung von Symptomen eingesetzt, die als Frühsymptome einer (Alzheimer-) Demenz der kognitiven Beeinträchtigung und damit der Diagnose lange vorausgehen können, d. h. dass die Demenz nicht Folge der BZD-Medikation wäre, sondern umgekehrt. Es gibt sogar aus der Grundlagenforschung Hinweise auf neuroprotektive Effekte von BZD, indem sie die neurobiologischen Auswirkungen von Stress abmildern. Hingegen gibt es keine Hinweise auf die Verursachung struktureller Hirnveränderungen durch BZD.

Die skizzierten Mechanismen mischen und überlagern sich in epidemiologischen Studien, was die teilweise widersprüchlichen Ergebnisse zum Zusammenhang von Demenzrisiko und BZD-Medikation plausibel macht.

Aus den ungünstigen neuropsychologischen Effekten der BZD ist für den klinischen Gebrauch – v. a. im höheren Alter – die Schlussfolgerung abzuleiten, dass die Dosis niedrig gehalten und Substanzen mit Kumulationsrisiko vermieden werden müssen und dass die Behandlungsdauer kurz gehalten werden sollte.

09:00
Subjektive kognitive Verschlechterung im Vorfeld der Alzheimer Demenz
S303-3 

F. Jessen; Köln

Die Früherkennung der Alzheimer Krankheit gewinnt zunehmend an Bedeutung. Zwar ist noch keine kausale Therapie verfügbar, aber immer mehr Menschen möchten wissen, ob sie bei kognitiven Problemen ein erhöhtes Risiko haben, eine Demenz zu entwickeln. Während die leichte kognitive Störung (mild cognitive impairment, MCI) seit über 15 Jahren im Fokus der Früherkennungsforschung steht, sind rein subjektive kognitive Störungen (subjective cognitive decline , SCD) erst seit Kurzem hierfür von Interesse. In dem Vortrag wir ein Überblick über die aktuellen Studienlage zum Risiko für Demenz bei SCD, zu dem Zusammenhang mit Biomarkern für die Alzheimer Krankheit und zur Demenzprädiktion durch Biomarker bei SCD-Patienten gegeben.

Zurück