Symposium Geriatrie
Samstag, 10.09.2016
10:15 - 11:45
König-Karl-Halle
S421
Hot Topics in der Geriatrie - das Wissenschaftsforum Geriatrie

Moderation: A. Bahrmann, Heidelberg; M. Polidori Nelles, Köln

1.) Einsatz von Biomarkern zur schnellen Diagnose und Prognose der akuten Herzinsuffizienz von geriatrischen Patienten in der Notaufnahme (Bahrmann P): In den Notaufnahmen sehen wir einen starken Anstieg von geriatrischen Pat. innerhalb der letzten Jahre. Die Multimorbidität und unspezifische Symptome einer Herzinsuffizienz erschweren die schnelle Diagnose und Therapieeinleitung. Neue Biomarker ermöglichen eine schnellere Diagnose und Risikostratifzierung. 2.) Geschlechterspezifische Unterschiede kardialer Biomarker (Dallmeier): NT-proBNP ist ein bekannter Biomarker für Mortalität. Neue Assays für die hoch-sensitive kardialen Troponine T und I ermöglichen die Messung sogar bei asymptomatischen Pat. Eine Analyse dieser Biomarker in einer Kohorte aus 65-90-jährigen zu Hause lebenden Personen hat gezeigt, dass diese Marker mit der 4-Jahre Gesamtmortalität zusammenhängen und die Verteilung des hs-Troponine und die Stärke des Zusammenhangs mit der 4-Jahres Gesamtmortalität sich zwischen Frauen und Männern deutlich unterscheiden. 3.) S3 LL Demenz: Perspektivenwechsel für die Behandlung älterer, multimorbider Patienten (Polidori): Nach den im Januar 2016 erschienenen Leitlinien "Demenz" werden Anticholinesterasehemmer gegen Demenz empfohlen, weil sie in randomisierten kontrollierten Studien eine Überlegenheit gegenüber Placebo gezeigt haben. In diesem Beitrag werden die Studienergebnisse im Hinblick auf patientenrelevante Zielgrößen und die Übertragbarkeit in die Allgemeinbevölkerung besprochen. Widersprüche unter verschiedenen Darstellungsquellen, Gründe für die gemischte Wirkung der Antidementiva sowie mögliche alternative oder zusätzliche Behandlungsstrategien im Alter werden auch präsentiert. 4.) Die neue S2k- Leitlinie Diabetes mellitus im Alter (Bahrmann A) 5.) "Trittsicher durchs Leben" (Rapp): ist ein versorgungsmedizinischen Programm zur Reduktion von Stürzen und Frakturen für ältere Menschen im ländlichen Raum der Sozialversicherung in Zusammenarbeit mit dem Deutschen LandFrauenverband, dem Deutschen Turner-Bund und dem Robert-Bosch-Krankenhaus Stuttgart. Es beinhaltet 3 Komponenten: Bewegungskurse zur Förderung der körperlichen Fitness und Verbesserung der Standfestigkeit,Untersuchung der Knochengesundheit sowie Sicherheit rund um Haus und Hof.

10:15
Prädiktiver Wert von Biomarker für Diagnose und Prognose der akuten Herzinsuffizienz bei geriatrischen Patienten in der Notaufnahme
S421-01 

P. Bahrmann, T. Bertsch, B. Hofner, M. Christ, S. Achenbach, C. C. Sieber, A. Bahrmann; Nürnberg, Erlangen, Heidelberg

Biomarker können helfen, Diagnose und Prognose einer akute Herzinsuffizienz (HF) bei geriatrischen Patienten in der Notaufnahme (ED) schneller und effektiver zu stellen. Geriatrische Patienten stellen wegen ihrer oft atypischen oder fehlenden Symptomatik sowie Komorbiditäten eine diagnostische Herausforderung für die behandelnden Ärzte dar. Prospektiv untersuchten wir daher den prädiktiven Wert verschiedener Biomarker bei geriatrischen Patienten in der ED.
Methoden: Wir rekrutierten konsekutiv 302 Patienten im Alter von ≥70 Jahren mit zahlreichen Komorbiditäten. N-terminal pro-B-type natriuretic peptide (NT-proBNP), Mid-regional pro-adrenomedullin (MR-proADM), Mid-regional pro-atrial natriuretic peptide (MR-proANP), C-terminal pro-endothelin-1 (CT-proET-1), ultrasensitives C-terminal pro-arginine-vasopressin (Copeptin-us) and high-sensitivity cardiac troponin T (hs-cTnT) wurden bei Aufnahme gemessen. Zwei Geriater legten unabhängig voneinander die Diagnose einer HF unter Verwendung aller klinischen Daten einschließlich des NT-proBNP-Spiegels fest. Alle Patienten wurden bezüglich des Auftretens von kardiovaskulären Todesfälle innerhalb von 12 Monaten nachverfolgt.
Ergebnisse: Eine HF wurde bei 120 (40%) der 302 Patienten (81 ± 6 Jahre) diagnostiziert. Während einer medianen Nachbeobachtungszeit von 225 Tagen, verstarben 30 (9,9%) der 302 Patienten. MR-proADM zusammen mit NT-proBNP verbesserte den C-Index (0,84 vs. 0,81;p=0.045), Integrated Discrimination Improvement (IDI) (3,3%;p=0.002), Net Reclassification Improvement (NRI) (17%;p<0.001) und continuous NRI (33,3%;p=0.002). CT-proET-1 zusammen mit NT-proBNP verbesserte den C-Index (0,86 vs. 0,81;p=0.031), IDI (12,4%;p<0.001), NRI (31,3%;p<0.001) und continuous NRI (69,9%;p<0.001). Nur MR-proADM und hs-cTnT zeigten einen prädiktiven prognostischen Wert. Das Hazard Ratio (HR) für MR-proADM lag bei 1,99 (95% Konfidenzintervall (CI) 1,61-2,45;p<0,001). Das HR für hs-cTnT war nicht signifikant erhöht (HR 3,22;95% CI 0,97-10,68;p=0,056).
Fazit: Der Multimarkeransatz CT-proET-1 oder MR-proADM zusammen mit NT-proBNP verbesserte die diagnostische Genauigkeit für HF. MR-proADM war der einzige prädiktive Wert für kardiovaskuläre Todesfälle bei unselektierten geriatrischen Patienten, die sich in der ED präsentierten.

10:30
Sex-Specific Associations of Established and Emerging Cardiac Biomarkers with All-Cause Mortality in Older Adults: The ActiFE Study
S421-02 

D. Dallmeier, M. Denkinger, R. Peter, K. Rapp, A. S. Jaffe, W. Koenig, D. Rothenbacher; Ulm, Stuttgart, Rochester/USA

Background: N-terminal pro B-type natriuretic peptide (NT-proBNP) has strong prognostic value for all-cause mortality in the general population. High-sensitivity assays now allow detection of cardiac troponins even in asymptomatic populations. We examined the association between NT-proBNP, high-sensitivity cardiac troponin T (hs-cTnT), and hs-cTnI and all-cause mortality in older adults.
Methods: We conducted a longitudinal cohort study [Activity and Function in the Elderly in Ulm (ActiFE Ulm)] including 1506 community-dwelling adults ≥ 65 years old with NT-proBNP, hs-cTnT, and hs-cTnI measured at baseline. We evaluated the associations between log-transformed biomarker concentrations and 4-year total mortality, accounting for possible confounders, with Cox proportional hazards models.
Results: We observed 125 deaths among 1422 participants (median follow-up 4 years). We detected effect modification by sex for all biomarkers (all P values < 0.05) expressed as hazard ratio (HR) for death per 1-unit increment of ln (biomarker concentration) in women (n = 618, 37 deaths) compared with men (n = 804, 88 deaths): HR 2.97 (95% CI 2.04–4.33) vs 1.73 (1.40 –2.13) for NT-proBNP; 3.67 (2.31–5.81) vs 2.15 (1.61–2.87) for hs-cTnT; and 3.32 (2.13–5.18) vs 1.92 (1.55–2.38) for hs-cTnI. Among 777 participants with undetectable hs-cTnT (< 5 ng/L), hs-cTnI remained associated with all-cause mortality in age- and sex-adjusted analysis.
Conclusions: NT-proBNP, hs-cTnT, and hs-cTnI were independently associated with all-cause mortality in older adults. The strength of these associations varied between men and women, emphasizing the need for additional sex-specific research among older people.

10:45
S3 LL Demenz: Perspektivenwechsel für die Behandlung älterer, multimorbider Patienten
S421-03 

M. C. Polidori Nelles; Köln

Nach den im Januar 2016 erschienenen Leitlinien "Demenz" werden Anticholinesterasehemmer gegen Demenz empfohlen, weil sie in randomisierten kontrollierten Studien eine Überlegenheit gegenüber Placebo gezeigt haben. In diesem Beitrag werden die Studienergebnisse im Hinblick auf patientenrelevante Zielgrößen und die Übertragbarkeit in die Allgemeinbevölkerung besprochen. Widersprüche unter Darstellung verschiedener Quellen, Gründe für die gemischte Wirkung der Antidementiva sowie mögliche alternative oder zusätzliche Behandlungsstrategien im Alter werden präsentiert. Die vorläufige Ergebnisse der EU-weiten multizentrische Studie MPI_Age (www.mpiage.eu) zeigen, dass die Prognose eine besonders wichtige Rolle bei älteren, multimorbiden Patienten mit Demenz spielt, bei denen eine Gabe von Antidementiva in Frage kommt. In der MPI_Age Substudie bei über 6700 Patienten mit Demenz wurde beobachtet, dass eine schlechtere Prognose (hoher Multidimensionelle Prognostische Index basiert auf einem multidimensionalen Assessment) mit dem positivem Einfluss von Antidementiva nicht assoziiert ist.

11:00
Die neue S2k- Leitlinie Diabetes mellitus im Alter
S421-04 

A. Bahrmann; Heidelberg

11:15
Trittsicher durchs Leben
S421-05 

K. Rapp; Stuttgart

Hintergrund: Maßnahmen zur Reduktion von Stürzen und Frakturen sind verfügbar, kommen der Risikopopulation aber nur selten zugute. Für ältere Menschen, die im ländlichen Raum leben, besteht zudem das Problem der Verfügbarkeit bzw. Erreichbarkeit diagnostischer und therapeutischer Angebote.
Ziele: Entwicklung eines versorgungsmedizinischen Programms zur Reduktion von Stürzen und Frakturen für ältere Menschen im ländlichen Raum.
Methoden und Maßnahmen: „Trittsicher durchs Leben“ ist ein Programm der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) in Zusammenarbeit mit dem Deutschen LandFrauenverband, dem Deutschen Turner-Bund und dem Robert-Bosch-Krankenhaus Stuttgart und beinhaltet 3 Komponenten: 1.) „Trittsicher“-Bewegungskurse zur Förderung der körperlichen Fitness und Verbesserung der Standfestigkeit, 2.) Untersuchung der Knochengesundheit und 3.) Sicherheit rund um Haus und Hof.
Die Implementierung findet in 47 zufällig ausgewählten Landkreisen in 5 Bundesländern statt (Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz). Es ist geplant, innerhalb von 2 Jahren mehr als 10.000 Versicherte in den Interventionslandkreisen aktiv anzusprechen und sie für einen „Trittsicher“-Bewegungskurs oder eine kostenlose Knochendichtemessung zu motivieren. Zudem erfolgt eine Beratung vor Ort zur Sicherheit rund um Haus und Hof. „Trittsicher“-Bewegungskurse werden von den LandFrauen vor Ort organisiert und können im Rahmen des „Setting-Ansatzes“ auch von anderen älteren Personen besucht werden. Für Organisation und Vermittlung von Teilnehmenden wurden drei Trittsicher-Telezentren aufgebaut. Die Präsentation gibt einen Überblick über Ziele, Logistik und erste Ergebnisse des Programms.

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