Symposium Soziologie & Psychologie
Samstag, 10.09.2016
08:30 - 10:00
Raum Heilbronn
S417
Freie Vorträge - gesundheitl. Versorgung

Moderation: A. Esslinger, Fulda

08:30
Hausärztliche Versorgung in der stationären Altenhilfe: Voraussetzungen für ein kooperatives Handeln
S417-01 

A. S. Esslinger, I. Leining, B. Heyden, S. Fetzer; Fulda, Aalen

Der demografische Wandel mit dem Anstieg der Zahl der älteren und hochbetagten Menschen lässt die Thematik Pflege und medizinische Versorgung von ihnen an Bedeutung gewinnen. Ihr Hilfe- und Pflegebedarf steigt. Die Älteren werden oftmals in stationären Einrichtungen versorgt. Entsprechend der komplexen Gesundheitsprofile der Betagten in den Pflegeheimen steigt die Relevanz der dortigen medizinischen Versorgung die umfassend und integriert mit Haus- und Fachärzten, dem Pflegeheim selbst und Krankenhäusern sowie anderen relevanten Berufsgruppen sein muss. Um auf die Veränderungen der Altersstruktur und die Herausforderungen in der Pflege zu reagieren, hat die Bundesregierung das Pflege-Neuausrichtungs-Gesetz (PNG) beschlossen. Mit den neuen Möglichkeiten zur Kooperation von Pflegeheimen und Ärzten und der Möglichkeit zusätzlicher Vergütung bei Hausbesuchen bis hin zur Anstellung eines Heimarztes soll die medizinische Versorgung von Bewohnern in stationären Pflegeeinrichtungen verbessert werden. Hierbei soll einerseits die Lebensqualität der Bewohner und andererseits die Effizienz Versorgung verbessert werden.
Zielsetzung dieses Beitrags ist, die einzelnen Schritte darzulegen, wie der Prozess der Einigung zwischen den Beteiligten für eine optimale Versorgung abläuft, welche Herausforderungen dabei auftreten und wie eine mögliche Lösung aussehen könnte bzw. sollte. Somit soll die Lücke geschlossen werden, die man in der Literatur findet. Es wird bis heute vorrangig ausgeführt, dass die Versorgung „anders“ werden muss, aber über die Umsetzung einer „anderen Versorgung“ wird wenig berichtet.
In der Betrachtung wird sich auf Baden-Württemberg beschränkt und anhand eines Fallbeispiels die Thematik konkret erörtert. In diesem „Best Practice Case“ wird seit nunmehr knapp drei Jahren im Austausch mit allen Stakeholdern an einer gelungenen medizinischen Versorgungslösung gearbeitet. Geplant ist eine gemeinsam entwickelte Lösung ab Sommer dieses Jahres auf vertraglicher Grundlage zu stützen und umzusetzen.

08:50
GeriNet Nachtcafé Die Clusterkonzeption für den akutklinischen und ambulanten Sektor für Menschen mit kognitiven Einschränkungen und einer Tag-Nacht-Umkehr
S417-02 

L. Kasprick, N. Weizenmann, T. Scheffler; Leipzig, Zwenkau

Das GeriNet Nachtcafé, klinisch wie ambulant, ist eine einfache Lösung im bestehenden Sozial- und Gesundheitssystem für Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen mehr Sicherheit und Qualität in der Betreuung, Begleitung und Behandlung während des Klinikaufenthaltes zu ermöglichen. Das klinische Nachtcafé setzt bei den Unruhe-, Angstzuständen und einer Tag-Nacht-Umkehr an. Mit Hilfe des evidenten Bewegungs- und Kognitionsprogramms GeriNeTrainer werden Grüne Damen und Herren für den klinischen Sektor und ehrenamtliche Übungsleiter für den ambulanten Sektor zu genau den Herausforderungen der Sektoren und des Alltags geschult und supervisorisch begleitet. Die Clusterkonzeption setzt an den Zeitlücken der bestehenden Systeme an und sorgt für einen Ausgleich zwischen Mensch und Klinik. Die rechtzeitige intersektorale Identifikation von Menschen mit Demenz/ kognitiven Einschränkungen bilden den Anfang des gesteuerten intersektoralen Versorgungs- und Betreuungspfades für Menschen mit Demenz. Die ersten Tendenzen werden in der wissenschaftlichen Begleitforschung, der Machbarkeitsstudie sichtbar. Hier wird die Versorgungsverlaufsforschung mit Hilfe der implementierten Identifikationsinstrumentes GeriNOT und ANGELINA-Bogen der intersektorale Betreuungspfad für Menschen mit Demenz evaluiert und im Hinblick auch auf gesundheitsökonomischen Kenngrößen ausgewertet.

09:10
Hausärztliche Versorgung in der stationären Altenhilfe und ihre gesundheitsökonomischen Auswirkungen
S417-03 

A. S. Esslinger, I. Leining, B. Heyden, S. Fetzer; Fulda, Aalen

Die hausärztliche Versorgung in der stationären Altenhilfe wird seit einigen Jahren diskutiert: Sie ist in Deutschland enerell nicht an einem immobilen Patientenstamm orientiert und somit unzureichend für Pflegeheimbewohner, die häufig funktionell eingeschränkt und gebrechlich sind. Die fachärztliche Versorgung weist zudem häufig Lücken in stationären Pflegeeinrichtungen auf und die Besuche finden zu selten statt. Eine geriatrische oder auch geronto-psychiatrische Expertise der Ärzte die in den Heimen aktiv sind ist oftmals ebenso noch ausbaufähig. Diese Faktoren führen zu einer geringeren Lebensqualität als im optimalen Versorgungsfall für die Bewohner erreichbar. Neben diesem Aspekt ist eine suboptimale Versorgung zudem nicht effizient. Wie kann aber die Effizienz der medizinischen Versorgung in Pflegeheimen evaluiert werden? Hierzu hilfreich ist die Betrachtung der an sich vermeidbaren Krankenhauseinweisungen und der damit verbundenen unnötigen Medikationsumstellungen.
Zielsetzung des Beitrags ist, die exemplarische Bewertung der Effizienz der medizinischen Versorgung in einer stationären Pflegeeinrichtung anhand eines Fallbeispiels durchzuführen, um das Potenzial einer gelungenen Versorgung aufzuzeigen. Es wurden in einer Einrichtung im Jahr 2013 von 91 Bewohnern die Krankenhauseinweisungen genauer betrachtet. Erhoben wurde das Geburtsdatum, Alter und Geschlecht des Bewohners, Anzahl der Medikamente, Medikamente, Diagnostik und erfolgte Therapie, Aufnahme- und Entlassdatum sowie die Verweildauer. Die in den Arztbriefen aufgeführten Diagnosen wurden nach Aufnahmegrund, Diagnosen im Lebenslauf, Diagnosen im Krankenhaus und Entlassdiagnosen sowie anhand der Diagnosen gruppiert und ausgewertet. Bei den Entlassdiagnosen wurde miterfasst, wenn ein Bewohner operiert wurde. Den einzelnen Fällen wurden zudem nach den Abrechnungsdaten des Krankenhauses die Hauptdiagnose, DRG und Eurobetrag zugeordnet.
Die Ergebnisse wurden im Expertenteam (Heimleitung, Pflegedienstleitung, Wissenschaftlerteam, Ärzte) hinsichtlich Vermeidbarkeit von Krankenhauseinweisungen und Verbesserung der Versorgung diskutiert. Es zeigt sich, dass aufgrund der Datenauswertung ein durchaus respektables Einsparpotenzial im Hinblick auf Effizienz nicht ausgeschöpft werden konnte.

09:30
Mentale Gesundheit und chronische Krankheiten im Alter - eine Übersicht über Zusammenhänge und Ansätze und Herausforderungen in der Versorgung
S417-04 

T. Kafczyk, K. Hämel; Bielefeld

Einleitung: Die Bedeutung der mentalen Gesundheit älterer Menschen wird auch in Deutschland zunehmend erkannt. Doch rücken ihre unterschiedlichen Facetten, sowie die Dimensionen und komplexen Auswirkungen guter bzw. schlechter mentaler Gesundheit im Alter nur selten in den Fokus der Versorgungsgestaltung. Insbesondere wird noch kaum beachtet, dass die mentale Gesundheit und chronische Krankheiten, die im Alter vermehrt auftreten, zusammenspielen. Wie dieses Zusammenspiel aussieht, welche Rolle hier die professionelle Versorgung innehat und welche Ansatzpunkte als wichtig diskutiert werden, die mentale Gesundheit älterer Menschen zu stärken, ist Gegenstand dieses Beitrages.
Methode: Um einen Überblick über das Zusammenspiel von mentaler Gesundheit und chronischen Krankheiten im Alter sowie Einflüsse und Umgangsweisen seitens des Versorgungssystems und professioneller Akteure zu gewinnen, wurde eine narrative Literaturanalyse durchgeführt (systematische Recherche in Pubmed und Recherchen zu Policypapers, Programmen und Ansätzen).
Ergebnisse: Mentale Gesundheit und die Verläufe chronischer Erkrankungen im Alter stehen in einem engen gegenseitigen Wechselspiel, können sich positiv, wie auch negativ beeinflussen. Schwierigkeiten in der Diagnosestellung und fehlendes Wissen über geeignete therapeutische und psychosoziale Interventionen, sowie negative Altersbilder der Gesundheitsprofessionen können ungünstige Entwicklungen verstärken. In internationalen Diskussionen wird eine Stärkung der mentalen Gesundheitsversorgung für ältere Menschen gefordert. Dabei werden integrierte Versorgungsansätze, insbesondere die Notwendigkeit einer engen Verzahnung und Zusammenarbeit von Primärversorgung und mentaler Gesundheitsversorgung favorisiert. Entsprechende Veränderungen der Versorgungsstrukturen sind in vielen Ländern jedoch langsam und schleppend.
Diskussion: Bislang mangelt es an Handlungskonsequenzen zur Verbesserung der mentalen Gesundheitsversorgung im Alter. Vertiefende Analysen der Ansätze und Erfahrungen in verschiedenen Ländern, können Aufschluss über fördernde und hindernde Faktoren geben.

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