Symposium Gerontologie & Altenarbeit
Samstag, 10.09.2016
08:30 - 10:00
Raum Reutlingen
S414
Alternative Land? Initiativen für würdiges Altern

Moderation: K. Brauer, Feldkirchen/A

Bislang spielten alternative Wohnprojekte für Ältere kaum eine Rolle und waren in einschlägigen Surveys kaum messbar. ”Alten-WGs”, Formen von social co-housing etc. werden jedoch immer beliebter und erfreuen sich wachsender Nachfrage. Allerdings entwickelte sich dies bisher eher im urbanen Raum. Das Symposium setzt bei der Überlegung an, ob die Abwanderung aus ruralen Regionen auch damit zu tun haben könnte, dass es an der notwendigen Vielfalt attraktiver Unterstützungs- und Wohnformen im ländlichen Raum der Schweiz, Österreichs und Deutschlands noch fehlt. Gesucht sind Aktivitäten, die an den Bedürfnissen der älter Werdenden ansetzen, dazu deren lokale Netzwerke stärken und Sozialkapital nutzen. Einige kleine Projekte leisten hier Pionierarbeit und führen vor, wie eine Verbesserung der Lebensqualität für Ältere („würdig Altern auf dem Lande“) möglich ist, und zu substanziellen Verbesserungen führen kann. Im Symposium sollen daher Vorstellungen „würdigen Alterns“ vor allem an empirischen Beispielen diskutiert werden. Die Veranstaltung dient vor allem zur Vernetzung von wissenschaftlichen und praktizierenden Akteuren des Themenfeldes, die an einer nachhaltigen Verbesserung der Lebenslagen Älterer auf dem Lande interessiert sind.

08:30
Alter(n) in der Landwirtschaft: Verständnis eines würdigen Alterns aus Sicht pensionierter Bäuerinnen und Bauern
S414-01 

C. Neuenschwander; Bern/CH

Die Pensionierung markiert meist den Abschied aus dem Erwerbsleben und den Eintritt in einen neuen Lebensabschnitt, der relativ frei gestaltet werden kann. Viele Bäuerinnen und Bauern in der Schweiz arbeiten jedoch weiterhin auf dem Betrieb mit, ihre Position und Rolle aber verändert sich, wenn der Hof übergeben wird.
Ziel dieser interdisziplinär angelegten Studie besteht darin, aufzuzeigen, welche Herausforderungen und Chancen die Hofübergabe und den darauf folgenden Lebensabschnitt begleiten und an welchen Punkten die landwirtschaftliche Beratung ansetzen kann, um Bäuerinnen und Bauern auch im Alter zu unterstützen.
In Interviews mit landwirtschaftlichen BeraterInnen wurden vorab die gegenwärtige Situation, die thematischen Problemfelder, die Wissenslücken, die Bedürfnissen für die Beratung und die ExpertInnenmeinungen zum Themenfeld Lebensgestaltung nach der Hofübergabe thematisiert.
In einer darauf folgenden qualitativen Befragung bei pensionierten Bäuerinnen und Bauern wurde den Fragen nachgegangen, welche Vorstellungen mit einem würdigen Altern verbunden sind. Welche Chancen bietet das Leben nach der Hofübergabe? An welche Bedingungen ist das gelingende Zusammenspiel der Generationen geknüpft? Und wie kann die landwirtschaftliche Beratung auf die Bedürfnisse alternder Bäuerinnen und Bauern vermehrt eingehen?

08:50
Vertrauen in Assistenz-Technologien zur Inklusion älterer Menschen
S414-03 

D. Schwertfeger, B. Pottharst, A. Hoff, G. Thiele; Görlitz

Die Wohnung ist im Alter Mittelpunkt des Lebens und die Wohnbedingungen bestimmen im Wesentlichen die Lebensqualität älterer Menschen. Unter dem Eindruck von demografischem Wandel, Familienstrukturwandel und Arbeitsmarktdynamiken stellt sich die Frage, wie in Zukunft die häusliche Versorgung älterer Pflege- und Hilfebedürftiger durch die Familie noch realisiert werden kann. Eine altersgerechte Wohnraumanpassung durch technische Alltagserleichterungen und Notrufsysteme kann älteren Menschen ein Leben in Selbständigkeit bis ins hohe Lebensalter ermöglichen.
Im BMBF-geförderten Projekt „Vertrauen in Assistenztechnologien zur Inklusion“ (VATI) werden durch ein interdisziplinäres Team der Hochschule Zittau/Görlitz ältere Menschen zu bisherigen Erfahrungen mit technischen Hilfsmitteln in ihren Wohnungen interviewt. Dabei werden die Befragten als Forschungspartner*innen wertgeschätzt und ihre Vorschläge für Verbesserungsmöglichkeiten durch Technologien eruiert. Die Stichprobe umfasst Menschen aus dem Landkreis Görlitz, die älter als 60 Jahre sind. Mit dem VATI-Panel werden sie innerhalb von drei Jahren zweimal befragt. Die Längsschnittdaten sollen Auskunft über Veränderungen der allgemeinen Akzeptanz von assistiven Technologien geben. Nach der 1. Welle der Befragung können nun erste Zwischenergebnisse präsentiert werden, die einen einzigartigen Einblick in die Lebenswelt älterer Menschen in Ostsachsen geben. Außerdem werden Erfahrungen aus dem Feld berichtet, wie unerwartete Hindernisse derartige Forschungen erschweren können.

09:10
Dorfservice als zivilgesellschaftliches Zukunftsmodell für würdevolles Altern im ländlichen Raum zur Prolongation häuslichen Wohnens
S414-05 

E. Tropper-Kranz; Möllbrücke/A

09:30
Das Co-Housing Konzept. Ein Wohnmodell für generationengerechtes Leben in ländlichen Räumen für alle?
S414-06 

M. Koch, H. Wankiewicz; Salzburg/A

Sozio-demographische Veränderungen und die angespannte Situation öffentlicher Haushalte führen in vielen Regionen Österreichs zu einem stärker werdenden Anpassungsdruck auf ländliche soziale Infrastrukturen. Die Entwicklung qualitative hochwertiger Versorgungsangebote, insbesondere in den Bereichen Gesundheit und Soziales, kann in zunehmend alternden Regionen zur Attraktivitätssteigerung und damit zur Weiterentwicklung ländlicher Regionen beitragen. Das Bundesland Salzburg war in den vergangenen 60 Jahren von mehreren Zuwanderungswellen betroffen. Die ArbeitsmigrantInnen der ersten und zweiten Generation sind heute im Pensionsalter. Deren Angehörige stehen vor enormen Betreuungs- und Pflegeaufgaben, für die bislang adäquate Unterstützungsangebote aus öffentlicher und privater Hand fehlen. Ein beschränkter Zugang für Nicht-Österreicher zu öffentlichen Altenheimen und Pflegeeinrichtungen verschärft die Problematik. Wohnen findet im Allgemeinen unter unterschiedlichen soziokulturell bedingten Voraussetzungen statt. Bislang ist kaum erforscht, wie sich konkrete Lebenssituationen älterer MigrantInnen und deren Angehörige in ländlichen Regionen gestalten und welche Anforderungen diese Bevölkerungsgruppe an das Wohnen im Alter allgemein stellt. Dieser Beitrag stellt das Wohnmodell des Co-Housings als innovativen Ansatz vor, Wohnen im ländlichen Raum, vor den geänderten Rahmenbedingungen, neu und vernetzt zu denken. Ziel ist es MigrantInnen und deren Angehörige aktiv in die Gestaltung des Wohnens und des Wohnumfelds einzubeziehen und die Vernetzung mit sozialen und anderen Hilfsnetzwerke auszubauen. Als aktuelles Projekt wird die Idee eines „Balkancenters“ in Radstadt im Land Salzburg zur Diskussion gestellt. Die Entwicklung entsprechender Angebote im Bereich des Wohnens kann einen wesentlichen Beitrag zur Förderung von Inklusion, zur Vitalität und qualitätsvollen Weiterentwicklung ländlicher Regionen leisten.

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