Poster
Mittwoch, 07.09.2016
15:15 - 16:30
Poster Eyth-Saal
P08
Poster: Technik (P074-P079)

Moderation: U. Fachinger, Vechta

15:15
Entwicklung einer assistiven Technologie für Angehörige von Menschen mit Demenz zum Umgang mit herausforderndem Verhalten - Projekt INSIDE-DEM
P074 

S. Kernebeck, M. Halek; Witten

Hintergrund Bis zu 90% der Menschen mit Demenz (MmD) entwickeln herausfordernde Verhaltensweisen, z.B. Herumwandern. Folgen sind eine hohe Belastung und die Beeinträchtigung der Lebensqualität von MmD und von pflegenden Angehörigen. Assistive Technologien (AT) können die Versorgung und den Verbleib von MmD in der Häuslichkeit unterstützen und einen Beitrag zur Steigerung der Lebensqualität leisten. Die Unterstützung der Angehörigen beim Umgang mit herausfordernden Verhaltensweisen durch AT ist derzeit weitestgehend unberücksichtigt.
Projektziele Individuelle Interventionen, die die Bedürfnisse der MmD adressieren, sind eine Voraussetzung um mit herausfordernden Verhaltensweisen umzugehen. Grundlage hierfür ist es, die Gründe die das Verhalten auslösen, zu verstehen. Für professionell Pflegende steht dafür die sog. verstehende Diagnostik zur Verfügung. Dieser Ansatz hilft dabei, potentielle Ursachen für die Verhaltensweisen zu identifizieren, indem ein strukturierter Diagnose- und Entscheidungsprozess durchlaufen wird. Ziel des Projektes ist es, dass komplexe Verfahren der verstehenden Diagnostik, mit Hilfe einer app- und sensorbasierten mobilen AT so zu gestalten, dass es für pflegende Angehörige in der Häuslichkeit anwendbar wird.
Methode Auf Basis eines bestehenden Assessmentsystems (IdA) und deren literatur- und expertenbasierter Weiterentwicklung wird unter Partizipation zukünftiger Nutzer der Demonstrator einer AT entwickelt. Dieser wird unter Anwendung des Mixed- Method- Ansatzes hinsichtlich seiner Machbarkeit in der Anwendungssituation bei pflegenden Angehörigen evaluiert. Die AT beinhaltet unter anderem ein sensorunterstütztes Expertensystem zur Identifikation des herausfordernden Verhaltens. Dieses soll die Anwender befähigen, Interventionen zum Umgang mit herausfordernden Verhaltensweisen abzuleiten. Des Weiteren werden ethische und sozial-rechtliche Folgen der AT analysiert. Erwartete Ergebnisse Es wird erwartet, dass relevante Wirkungen der Technik identifiziert werden, die eine Weiterentwicklung des Ansatzes ermöglichen. Diese Erkenntnisse können dazu dienen, Inhalte für die Weiterentwicklung des Systems und für die Konzeption weiterer Evaluationsstudien zu identifizieren wie z. B. Faktoren der Nutzerakzeptanz von AT.

15:15
Wandel von Technikakzeptanz und -nutzung im hohen Alter
P075 

P. Rasche, K. Schäfer, S. Theis, C. Bröhl, M. Wille, C. M. Schlick, E.-M. Jakobs, A. Mertens; Aachen

Kommunikations- und Informationstechnologien erlauben ihren Benutzern eine hohe Eigenständigkeit im Alter. Insbesondere die Entwicklung des Smartphones gilt als einflussreiche Technologie, die den Markt nachhaltig verändert hat. Basierend auf einer Vergleichsstudie aus dem Jahr 2008 wurde im vorliegenden Beitrag qualitativ erfragt, ob die Einstellung der über 60-Jährigen (7 Männer und 8 Frauen mit einem Durchschnittsalter von 68 Jahren und einer SD von 5,11) sich hinsichtlich der Techniknutzung und -azeptanz in den letzten Jahren verändert hat. Für einen gegenwärtigen Vergleich wurde eine zweite Gruppe jüngerer Probanden (die sogenannte „Technikgeneration“) (9 Männer und 6 Frauen mit einem Durchschnittsalter von 25,07 Jahren und einer SD von 2,62) hinzugenommen. Ziel dieser Studie ist die Beantwortung der Frage, welche Geräte für den Zugriff auf Daten des Internets und der gesellschaftlichen Kommunikation durch ältere Menschen genutzt werden. Als methodische Grundlage wurde das halbstrukturierte Interview gewählt, welches Fragen zu den Bereichen Medizintechnik, Informations- und Kommunikationstechnik, sowie Computer und Internet umfasst. Die Ergebnisse dieser Studie belegen, dass im Vergleich zum Jahr 2008 die Tendenz zur Akzeptanz und Integration technischer Produkte, insbesondere körperbezogener Medizintechnik ins Positive gestiegen ist. Ein besonderes Augenmerk legen junge, wie ältere Menschen auf die Generierung und Gewinnung gesundheitlicher Informationen mittels technischer Produkte. Theoretischer Hintergrund ist der Individualisierungsprozess, durch den ältere Benutzer einem hegemonialen Altersbild entgegenwirken wollen. In diesem Zusammenhang gewinnen medizintechnische Produkte im präventiven Bereich zur Sicherung der eigenen Lebensqualität eine zunehmende Relevanz. Die damit zunehmende Verwendung von Technik durch Laien im Gesundheitssektor ist Gegenstand einer mehrjährigen Längsschnittstudie, welche aufbauend auf diesen Ergebnissen aktuell durchgeführt wird.

15:15
Ältere „Early Adopter”: Der Umgang mit IKT unter „Senioren-Technik-Botschaftern”
P076 

M. Doh, M. Jokisch, L. Schmitt, H.-W. Wahl; Heidelberg

Ältere Menschen gelten gemeinhin als technikdistant und als „digitale Immigranten“, die sich mit den modernen Technologien schwer tun und von einer „digitalen Ausgrenzung“ bedroht sind. Gleichwohl schreitet die Mediatisierung des Alltags auch unter älteren Menschen immer stärker voran. Mittlerweile nutzt in Deutschland jede zweite Person ab 60 Jahren das Internet, das sind über 10 Millionen Onliner (van Eimeren & Frees, 2015). Darunter befinden sich viele ehrenamtlich engagierte Personen mit hoher Technikaffinität und Technikerfahrung in Bezug auf Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT). In einer vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten bundesweiten Initiative der „Senioren-Technik-Botschafter“ wurden zwischen 2013 und 2014 in 18 Teilprojekten über 300 Personen ab 50 Jahren als Wissensvermittler im Umgang mit IKT für ältere technikunerfahrene Personen qualifiziert und eingesetzt. In dem Forschungsprojekt FUTA (Förderliche und hinderliche Faktoren im Umgang mit neuen Informations- und Kommunikations-Technologien im Alter) der Universität Heidelberg wurde dieser Personenkreis untersucht (N = 134, 50-88 Jahre). Forschungsleitende Fragen waren die soziodemografische und psychologische Charakterisierung, der Umgang mit digitalen Medien wie PC, Tablets und Smartphones sowie Einflussfaktoren der Internetnutzung. Die Ergebnisse demonstrieren, dass es sich hierbei um einen selektiven Personenkreis älterer Menschen handelt, die über vielfältige soziale, ökonomische, psychologische und mediale Ressourcen verfügen. Sie gehören in Bezug auf digitale Medien zu den „Early Adoptern“ und weisen eine hohe Nutzungsintensität und Kenntnisse im Umgang mit IKT auf. Ein wesentlicher Prädiktor für die Nutzungsbreite an Online-Anwendungen ist die Selbstwirksamkeit. Aber auch der Bildungsstatus, das Ausmaß an erhaltener technischer Unterstützung und der Grad der Digitalisierung im Haushalt sind bedeutsam.

15:15
Determinanten der Internetnutzung im Alter in Deutschland und der Schweiz
P077 

M. Doh, A. Seifert; Heidelberg, Zürich/CH

In modernen Gesellschaften schreitet die Mediatisierung des Alltags stetig voran. Immer mehr neue Informations- und Kommunikationstechnologien durchdringen unsere Lebensbereiche und formen unsere Kommunikation. Dabei betrifft diese Entwicklung zunehmend auch den Lebensalltag älterer Menschen. So stieg in den letzten Jahren in der Schweiz und Deutschland die Adoption und Nutzung des Internets besonders in der Altersgruppe ab 65 Jahren stark an. Dennoch bestehen innerhalb dieser Altersgruppe „digitale Klüfte“ und heterogene Nutzungsformen im Umgang mit modernen Technologien. Dies soll anhand vergleichender Analysen aus bevölkerungsrepräsentativen Studien mit zwei Erhebungswellen (2009 und 2014) aus beiden Ländern aufgezeigt werden: dem deutschen (N)Onliner-Atlas (N = ca. 7.000; ab 65 Jahre) und der Schweizer Studie „Digitale Senioren“ (N = ca. 1.000, ab 65 Jahre). Mittels multivariater logistischer Regressionen kann demonstriert werden, dass zeit- und länderunabhängig soziodemografische Merkmale wie Alter, Bildung, Haushaltseinkommen und Haushaltsgröße relevante Determinanten zur Adoption des Internets darstellen. Aber auch psychologische Aspekte wie Technikaffinität, Technikbiographie und soziales Umfeld sowie Gesundheit sind bedeutsam. Des Weiteren sollen mittels multivariaten Zusammenhangsmessungen relevante Einflussfaktoren bestimmt werden, die die Nutzungsbreite des Internets unter den älteren Onlinern bestimmen. Hierbei kann unter Bezugnahme auf eine weitere deutschen Studie aus technikerfahrenen und technikunerfahrenen Senioren (N = 279, 50-95 Jahre) die besondere Bedeutung der Selbstwirksamkeitserwartung hervorgehoben werden. Die Ergebnisse unterstreichen zum einen die manifeste Gefahr einer digitalen Exklusion älterer Menschen in beiden Ländern. Zum anderen verdeutlichen sie die Relevanz soziodemografischer und psychologischer Merkmale älterer Menschen bei der Nutzung moderner Technologien.

15:15
Distance Caregiving: Pflege- und Hilfepotenziale über nationale Distanzen und internationale Grenzen hinweg
P078 

U. Otto, I. Bischofberger, A. Franke; Zürich/CH, Ludwigsburg

Ausgangslage: Angehörige vor Ort, die bereit und in der Lage sind, hauptverantwortlich zu pflegen werden immer mehr zur knappen Ressource – aufgrund des demografischen und Wertewandels, Mobilität, Familienstrukturen. Dringend werden sämtlich Formen gesucht, in denen Menschen Sorge- und Pflegearbeit auch jenseits der Hauptfigur der hochinvolvierten Hauptpflegeperson vor Ort leisten. Das binationale, interdisziplinäre F+E-Projekt DiCa (BMBF-Silqua, 2016-18) untersucht hier eine besonders wichtige Form: Unterstützung trotz einer geografischen Distanz von mindestens einer Fahrstunde zwischen den Angehörigen. Dabei ist die zunehmende Offenheit gegenüber sozial gut eingebundenen IuKTechnologie und AAL-Formen besonders wichtig. Forschungsbezogenes Ziel ist die Exploration von bislang kaum erforschten Herausforderungen und Strategien von „Distance Caregivers“ und deren Wirkungen. Entwicklungsbezogen geht es um die empirisch fundierte Konzeption, Pilotierung und Evaluation entsprechender Rahmenbedingungen und Interventionen am Beispiel von zwei Nachbarländern mit hoher Arbeitsmobilität über Landesgrenzen hinweg (D-CH). Das Projekt nimmt die Perspektive der Distance Caregivers sowie die betriebliche, versorgungsbezogene und gesellschaftliche Ebene in den Blick. Methoden: Empirisch werden sowohl quantitative Sekundäranalysen als auch Betriebsfallstudien, qualitative Experteninterviews und problemzentrierte Interviews mit Distance Caregivers durchgeführt. Transferbezogen werden u.a. Tools (Handreichungen, innovative Kommunikations- und Vernetzungsformen, Webinars, Café Scientifiques gemeinsam mit der Praxis entwickelt, pilotiert, modifiziert und formativ evaluiert.
Das Poster verfolgt folgende Ziele: Es arbeitet den Forschungsstand zu DiCa auf, es stellt die Projektanlage des F+E-Projekts vor und diskutiert hier insbesondere konzeptionelle Fragen mit Blick auf Interventionsmöglichkeiten und deren Implementation.

15:15
Mobile digitale Welt - Smartphone- und Tablet-Nutzung im Alter
P079 

A. Seifert; Zürich/CH

Mobile Geräte wie das Smartphone oder der Tablet-Computer gehören heute zum Alltag vieler Personen. Jedoch nutzen ältere Personen diese mobilen Endgeräte seltener als jüngere. Wie sieht deren Nutzung konkret aus und wie sollten Apps (Programme) gestaltet sein, damit sie benutzerfreundlich sind? Mittels einer repräsentativen telefonischen Befragung (im Jahr 2014) wurden bei insgesamt 1.037 Personen ab 65 Jahren in der Schweiz Informationen zur Internetnutzung sowie zur Nutzung eines Smartphones oder eines Tablets erhoben. Mit den vorliegenden Daten können auch Aussagen zur Bewertung der Smartphone-Nutzung getroffen werden. In einer zweiten Studie (2015) konnten mittels Usability-Tests bei 15 Smartphone-Nutzerinnen und -Nutzern ab 60 Jahren Bedürfnisse und Wünsche zur altersgerechten Gestaltung von mobilen Apps erhoben werden.32 % der Befragten besitzen ein Smartphone und 26 % ein Tablet. 34 % der älteren Internetnutzer nutzen das Internet bereits mobil. Die Daten zeigen, dass neben dem Alter der befragten Personen die Technikaffinität und die persönliche Nutzeneinschätzung die mobile Nutzung beeinflussen. Viele der befragten Personen, welche über ein Smartphone verfügen, geben an, dass dieses für sie ein wichtiger Begleiter geworden sei und sie damit ihren Alltag besser bewältigen könnten. Innerhalb der zweiten Studie zur altersgerechten App-Gestaltung konnte gezeigt werden, dass eine benutzerfreundliche Bedienung der mobilen Apps gewünscht ist und sich diese hauptsächlich durch eine übersichtliche, anpassbare und selbsterklärende Gestaltung und Benutzerführung kennzeichnet. Die repräsentative Befragungsstudie sowie die Usability-Tests zeigen Chancen und Barrieren der Smartphone-Nutzung im Alter auf und geben Hinweise auf Massnahmen, die geeignet sind, die potenzielle „digitale Ausgrenzung“ älterer Menschen zu überwinden.

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