Poster
Mittwoch, 07.09.2016
15:15 - 16:30
Poster Eyth-Saal
P07
Poster: Pflege (P064-P073)

Moderation: C. Kricheldorff, Cornelia

15:15
Zutrauen zu eigenen Fähigkeiten statt Angst vor dem Stürzen
P064 

B. Müller, R. Fankhauser; Bern/CH

Am Institut Alter der Berner Fachhochschule wurde ein Bewegungsmodell entwickelt, welches die sechs Disziplinen Maietta Hatch Kinaesthetics, Lebensgestaltung, Tanz nach Anna Halprin, Ressourcen und Sozialraumorientierung sowie Idiolektik zu einer neuen, ganzheitlichen Bewegungsschulung verbindet. Unter der Annahme, dass unterstützungsbedürftige Heimbewohner ein Potential an Fähigkeiten haben, das sie in ihrem Alltag nicht nutzen, sollen sie in der Ausübung von Alltagsaktivitäten geschult werden, was für ihre Selbständigkeit und Gesundheit von grosser Bedeutung ist. Der befähigende Ansatz dieses Bewegungsmodells zielt darauf ab, dass sich Heimbewohner vermehrt zutrauen in kritischen Situationen Bewegungsprobleme – beispielsweise nach einem Sturz wieder aufzustehen - selber oder mit selbstbestimmter Unterstützung lösen können. Im Zentrum des Bewegungsmodells geht es zudem um die Förderung sinnstiftender Alltagsgestaltung. Damit wird die Bedeutung von körperlichen Fähigkeiten in den Kontext psychosozialer Bedürfnisse der Heimbewohnenden gestellt.
In einer dreijährigen Studie wurde das Bewegungsmodell in 7 Pflegeheimen des Kantons Bern (Schweiz) auf seine Wirkung evaluiert. In jedem der teilnehmenden Heime wurden dazu 12teilige Bewegungskurse über die Dauer von 3-4 Monaten durchgeführt. Die gemischten Teilnehmergruppen bestanden jeweils aus Heimbewohnern, Mitarbeitenden, Angehörigen und Freiwilligen sowie Kindern und deren Bezugsperson.
Durch die Bewegungsschulungen konnte die Bewegungskompetenz der Heimbewohner bei der Ausführung von Alltagsaktivitäten zumindest kurzfristig erhalten resp. sogar gesteigert werden. Bemerkenswert ist zudem die Erkenntnis, dass den Heimbewohnern ihre psychosozialen Alltagsbedürfnisse wichtiger sind als die körperlichen. Weiter zeigte sich, dass die Bewohner mehr können und sich selbst mehr zutrauen, als ihnen Mitarbeitende oder Angehörige und Freiwillige zutrauen. Durch die gemeinsame Teilnahme von Mitarbeitenden und Heimbewohner an den Kursen konnte das Zutrauen der Mitarbeitenden in die Fähigkeiten der Heimbewohner gestärkt werden. Durch die Senkung der Sturzbedenken der verschiedenen Teilnehmergruppen könnten solche Bewegungsschulungen einen wichtigen Beitrag zur Sturzprävention leisten.

15:15
Gewaltschutz im Alter: Das Forschungsprojekt VERA („Menschenwürde und Persönlichkeitsrechte bei Versorgungsabhängigkeit im Alter - Rechtsschutzdefizite und Rechtsschutzpotentiale in der familialen Pflege”)
P065 

N. Konopik, L. Schulz, A. Schwedler, F. Oswald, M. Wellenhofer, G. Zenz, L. Salgo; Frankfurt a. M.

Nach der jüngsten Pflegestatistik werden ca. 71% der 2,6 Mio. Pflegebedürftigen zu Hause gepflegt (1,86 Mio.), davon ca. 1,25 Mio. ohne professionelle Hilfe. Hinzu kommen ca. 3 Mio. Menschen, die in der Familie versorgt werden, ohne Leistungen aus der Pflegeversicherung zu beziehen. Obwohl die meisten Menschen zu Hause wohnen bleiben und auch zu Hause gepflegt werden wollen, zeigt eine Studie von Görgen et al. aus dem Jahr 2012 deutlich, dass häusliche Pflege auch Gefährdungspotential beinhaltet. Das Forschungsprojekt „Menschenwürde und Persönlichkeitsrechte bei Versorgungsabhängigkeit im Alter - Rechtsschutzdefizite und Rechtsschutzpotentiale in der familialen Pflege“ (VERA) beschäftigt sich mit der Frage, inwieweit das Recht den Schutzbelangen versorgungs- und pflegebedürftiger alter Menschen und damit auch dem Rechtsschutz für Pflegende in der weit überwiegenden häuslichen Versorgung besser Rechnung tragen kann und muss. Ziel des Forschungsprojekts ist die rechtliche Absicherung guter familialer häuslicher Versorgung im hohen Alter. Methodisch wird die Forschungsfrage in einem ersten Schritt (1) mit einer interdisziplinären Literaturanalyse zu Versorgungsmängeln und -modalitäten in der häuslichen Pflege alter Menschen bearbeitet. Auf dieser Grundlage erfolgt in einem zweiten Schritt (2) eine juristische Prüfung der Gesetze, Rechtsprechung und rechtswissenschaftlichen Literatur im Hinblick auf Rechtsschutzmöglichkeiten und Rechtsschutzdefizite. In einem dritten Schritt (3) werden in Kooperation mit Vertretern der Praxis Konsequenzen für verschiedene Akteure, wie z. B. Wohlfahrtsverbände, Verwaltung und Gesetzgebung formuliert. Vorgestellt werden Ergebnisse zu Schritt (1), die zeigen, dass es zur Verbesserung des Rechtsschutzes für alte Menschen und pflegende Angehörige, ähnlich wie seit langem im Kinderschutz, ergänzender verwaltungsrechtlicher und gesetzgeberischer Maßnahmen bedarf und dass verschiedene vorhandene Instrumente zur Verbesserung des Schutzes für Pflegende und Gepflegte unzureichend in die Praxis umgesetzt sind.

15:15
Geteilte Sorge und Fluid Care? Einstellungen zum Pflegen und Gepflegtwerden bei den Münchner Babyboomern
P066 

U. Otto, G. Steffen; Zürich/CH, Stuttgart

Ausgangslage: Auch unter den grossstädtischen jüngeren Alten will der Löwenanteil selbst einerseits am liebsten zu Hause wohnen bleiben zu können, andererseits ist die Übernahmebereitschaft zu Pflege und Betreuung gegenüber Nahestehenden weiter ausgeprägt. Es mehren sich aber Hinweise, dass dies immer öfter nicht mehr unbedingt in der Figur der aufopferungsvollen "Hauptpflegeperson" gewünscht wird.
Ziel: Die Studie hatte zum Ziel, Lebensweisen, Einstellungen und Ressourcen der Babyboomer zu erheben und prospektiv zu analysieren. Dabei sollte auch der Bereich Pflege und Betreuung beleuchtet werden - in Geber- und Nehmerperspektive.
Methoden: Grundlage des Posters sind Ergebnisse der repräsentativen Studie "Älter werden in München". Bei der Studie kam ein Mix aus verschiedenen Methoden zum Einsatz. Kern war eine schriftliche Befragung: Dazu wurden im Herbst 2013 knapp 10.000 stichprobenartig ausgewählte Haushalte angeschrieben, in denen mindestens eine Person zwischen 55 und 75 Jahre alt war. Der Rücklauf war mit 28 Prozent für eine schriftliche Befragung sehr hoch, insbesondere vor dem Hintergrund des umfangreichen Fragebogens mit mehr als 100 Fragen zu verschiedenen Aspekten des Älterwerdens.
Ergebnisse und Diskussion: Es zeigt sich ein sehr differenziertes Bild einer durchaus hohen Unterstützungsbereitschaft einerseits, einer sehr unterschiedlich ausgeprägten Unterstützungserwartung andererseits. Deutlich werden Modernisierungsfolgen wie die häufigere räumliche Ferne potenzieller Pflegender. Eine Reihe von Hinweisen unterstützen die These, dass mehr gemischte Settings geteilter Verantwortungsübernahme gewünscht werden - sowohl aus Geber- wie aus Empfängerperspektive. Der Wunsch nach alternativen Formen zu hergebrachten Pflegeheimen ist sehr verbreitet, innovative Formen erfahren deutliche Zustimmung. Nicht-verwandtschaftliche Potenziale sollten genau analysiert werden. Und grosse Teile der Befragten gehen nicht (mehr) davon aus, im Bedarfsfalle auf verbindliche informelle Pflege zählen zu können. In allen Dimensionen findet sich eine hohe soziale Ungleichheit.

15:15
Motorisch, kognitiv und sozial aktivierendes Training im „Lübecker Modell Bewegungswelten”
P067 

S. Krupp, C. Ralf, A. Krahnert, F. Balck, M. Willkomm; Lübeck

Kann ein Training so gestaltet werden, dass es intensiv genug ist, um positive Effekte auf die Zielkriterien Selbsthilfefähigkeiten, Ausdauer, Muskelkraft, Beweglichkeit und Koordination zu erzielen, so viel Spaß macht, dass pflegebedürftige Ältere es dauerhaft durchführen möchten und auch Kognition und soziale Kontakte davon profitieren? Wie kann man trotz unterschiedlicher, sich ändernder Leistungsfähigkeit Über- und Unterforderung vermeiden?
Auf Initiative der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung hat die Forschungsgruppe Geriatrie Lübeck (FGL) am Krankenhaus Rotes Kreuz Lübeck Geriatriezentrum seit März 2015 das „Lübecker Modell Bewegungswelten“ entwickelt, ein strukturiertes Ganzkörpertraining für bis zu 12 Teilnehmer, das zweimal wöchentlich in Seniorenheimen stattfinden soll - auch für Nicht-Bewohner. Jede Einheit (60 Min. inkl. 15 flexible Pausenmin.) steht durchgehend unter einem Motto (z. B. „Apfelernte“). Die in der FGL unter Berücksichtigung sportmedizinischer und geriatrischer Gesichtspunkte entwickelte Struktur wurde in 8 Workshops mit erfahrenen Übungsleitern diskutiert und inhaltlich ausgearbeitet, darauf basierend für jedes Motto ein Manual erstellt.
Das Manual dient der Planung, Durchführung und Dokumentation. Allen einzelnen Übungen wurden primäre Zielregionen und –kriterien (s.o.) zugeordnet. Das Baukastensystem erlaubt, viele unterschiedliche Trainingseinheiten zusammenzustellen, die jeweils den ganzen Körper sowie alle Zielkriterien adressieren. Die Übungen werden entsprechend Leistungsniveau modifiziert (z.B. durch Repetition oder Gewichte). Durch Verankerung in bekannten Situationen lassen sich Bewegungen automatisiert abrufen (z.B. Strecken zum „Äpfel pflücken“), gleichzeitig entsteht eine Gespräche stimulierende Atmosphäre. Ein Bogen mit individuell ausgewählten fotoillustrierten Eigenübungen ergänzt das Gruppentraining.
Das Training gemäß „Lübecker Modell Bewegungswelten“ wird bereits in Lübecker Seniorenheimen eingesetzt und in enger Rücksprache mit Übungsleitern und Teilnehmern fortlaufend optimiert. Es erfüllt die Bedingungen, um über konsequent kombinierte motorisch-kognitive Aktivierung gemäß standardisiertem Programm die Selbsthilfefähigkeiten sowie soziale Kontakte zu fördern – und einfach Spaß zu machen.

15:15
Ehrenamtliche Übungspartner zur Sturzvorsorge zu Hause
P068 

N. Harutyunyan, E. Kaufmann, M. Gosch; Nürnberg

Die Sicherung und Wiederherstellung der Mobilität ist ein wesentlicher Faktor zum Erhalt der Selbständigkeit im Alter. Viele ältere Patientinnen und Patienten haben aufgrund ihrer eingeschränkten Mobilität keinen Zugang zu einem strukturierten Trainingsprogramm, welches i.d.R. in der Gruppe außerhäusig angeboten wird. Sturzangst (Schott, 2007) und fehlende Motivation stehen häufig einem selbständigen Üben entgegen (Wepner, Hahne, Machacek, Holzapfel & Friedrich, 2009).
Ziel dieses Projektes ist es, ein Trainingsprogramm zu implementieren, das die Zielgruppe in ihrer Autonomie unterstützt. Im häuslichen Umfeld soll im Einzelkontakt die Mobilität gesteigert, die Sturzangst gesenkt und die Motivation erhöht werden, um die Alltagsbewältigung zu verbessern. Durch das Nachsorgeangebot soll eine Versorgungslücke geschlossen werden. Adressaten des Angebotes sind Senioren mit Sturzanamnese, die nach einem Klinikaufenthalt keinen Anspruch auf rehabilitative oder ambulante physiotherapeutische Leistungen haben.
Hierzu werden Prozesse und Materialen entwickelt, die der Akquise, Schulung und Implementierung der Ehrenamtlichen dienen, sowie der Information und Vermittlung der Senioren. Mehr als 80 Laien interessierten sich für das Projekt. In einem ersten Durchgang wurden 17 Personen im April 2016 nach dem OTAGO - Konzept geschult und werden im Juni als Ehrenamtliche an die Patienten vermittelt, die selbst nicht in der Lage oder bereit sind, an einem Gruppentraining teilzunehmen (Dorner u.a., 2013). Die Patienten führen - von den ehrenamtlichen Übungspartnern begleitet - zwei Mal in der Woche über einem Zeitraum von sechs Monaten hinweg, einfache Übungen durch, die Kraft und Balance trainieren. Zusätzlich werden Motivation, Sturzangst, -häufigkeit und ADL vor und nach der Interventionsphase erfasst, um Aussagen über die Auswirkung des Trainings machen zu können.
Viele Studien belegen, dass Sturzpräventions-Maßnahmen zu einer Verbesserung der Mobilität bei gebrechlichen Menschen führen (z.B. Campbell, 1999; Robertson, Campbell, Gardner & Devlin, 2002). Das Forschungsprojekt bietet die Chance, ein entsprechendes Angebot an der Schnittstelle von Klinik und ambulanter Versorgung zu etablieren. Erste Erfahrungen können auf dem Jahreskongress in Stuttgart berichtet werden.

15:15
Prävalenz modifizierbarer Sturzrisikofaktoren in der stationären Gerontopsychiatrie
P069 

I. Bergmann, K. Krieg, U. Erlinger; Kilchberg/CH

Einleitung Stürze im höheren Lebensalter sind häufig, können sich negativ auf die Lebensqualität auswirken und sind oft multifaktoriell bedingt. Verschiedene modifizierbare Sturzrisikofaktoren stehen in Wechselwirkung mit psychischen Störungen im Alter. Ziel der Untersuchung war die Bestimmung der Prävalenz bestimmter Sturzrisikofaktoren bei stationären Patienten in der Gerontopsychiatrie.
Methoden Im Rahmen des internen Qualitätsmanagements haben wir auf den zwei Stationen des Behandlungscenters Gerontopsychiatrie aufeinanderfolgende Eintrittsbeurteilungen (n=100) hinsichtlich bestimmter Sturzrisikofaktoren (Beeinträchtigung Mobilität, Balance, Kraft) retrospektiv ausgewertet. Das Durchschnittsalter der Patienten auf der offenen Station (n=44) betrug 72.3 (+/- 8.6), auf der geschlossenen Station (n=56) 77.9 (+/- 8.8) und für alle Behandelten (n=100) 75.4 (+/-9.2) Jahre. Auf der offenen Station wurden überwiegend Patienten mit affektiven Störungen, auf der geschlossenen Station überwiegend Patienten mit kognitiven Störungen behandelt. Ein nicht normaler Befund im Timed-up-and-go-Test (TUG), 5-Meter Gehen (5mG), Tandem-Stand (TS), Handgrip Dynamometer (HD), Timed-5-Chair-Rise (T5CR) wurde als Sturzrisikofaktor gewertet.
Ergebnisse Sturzrisikofaktoren zeigten sich in den Eintrittsbeurteilungen der Patienten der offenen Station, der Patienten der geschlossenen Station bzw. aller Patienten gemäss der unterschiedlichen Assessment-Instrumente in folgender Häufigkeit in %: TUG: 57, 93 bzw. 77; 5mG: 48, 86 bzw. 69; TS: 55, 91 bzw. 75; HD: 50, 79 bzw. 66; T5CR: 57, 80 bzw. 70. Keiner dieser Sturzrisikofaktoren fand sich in den Eintrittsbeurteilungen von 27% der offen Behandelten, von 4% der geschlossen Behandelten und von 14% aller Behandelten.
Diskussion Die Unterschiede in den Häufigkeiten auf den beiden Stationen sind wahrscheinlich über das Lebensalter und die psychiatrische Grunderkrankung hinaus multifaktoriell bedingt. Entsprechende weiterführende Untersuchungen sind in Planung.
Schlussfolgerung Modifizierbare Sturzrisikofaktoren sind in unserer stationären Gerontopsychiatrie häufig und sollten bei der Behandlung berücksichtigt werden.

13:54
Was charakterisiert eine Pflegeeinrichtung mit palliativgeriatrischer Kompetenz aus Sicht älterer Menschen? Ergebnisse einer Untersuchung
P070 

C. Zippel, D. Müller, G. Piechotta-Henze, J. Heesch, E. Reitinger; Berlin, Wien/A

Fragen der Palliative Versorgung alter Menschen gewinnen zunehmend an Bedeutung. Sie haben als Palliative Geriatrie Einzug in Forschung und Praxis gefunden. Das betrifft auch Entwicklungen in stationären Pflegeeinrichtungen, die besonderer Aufmerksamkeit bedürfen.
In einem Forschungsprojekt vom 15. März bis 14. Dezember 2015 wurde folgenden Fragen nachgegangen:

  • Was charakterisiert eine Pflegeeinrichtung mit palliativ-geriatrischer Kompetenz?
  • Was unterscheidet eine Pflegeeinrichtung mit palliativ-geriatrischer Kompetenz von einer Pflegeeinrichtung ohne palliativ-geriatrische Kompetenz?
  • Wie können potentielle Bewohner von Pflegeeinrichtungen diese Unterschiede erkennen?

Methodik: Für die Untersuchung wurde ein umfangreicher Methodenmix aus quantitativen und qualitativen Erhebungen eingesetzt:

  1. Fragebogenaktion unter potentiellen Betroffenen und FachexpertInnen
  2. Workshops mit potentiellen Nutzern von Pflegereinrichtungen und FachexpertInnen
  3. Analyse und Auswertung der gewonnenen Ergebnisse.

217 teilstandartisierte Fragebogen wurden sowohl an Personen im Alter zwischen 60 und 80 Jahren als auch professionell in der Pflege und Betreuung älterer Menschen tätigen Personen, hier als FachexpertInnen ausgewiesen, verschickt. Die Personen kamen aus vier verschiedenen Institutionen. Drei Viertel davon waren Frauen. Von den Fragebogen wurden 94 ausgefüllt retourniert, d.h. die Rücklaufquote betrug 43%. Die Auswertung erfolgte mittels deskriptiver statistischer inhaltsanalytischer Methoden. Die Workshops wurden digital aufgezeichnet, protokolliert und inhaltsanalytisch ausgewertet.
Ergebnisse: Etwa die Hälfte der Befragten hatten bereits Erfahrungen mit Pflegeeinrichtungen. Als relevante Themen in den Fragebögen konnten 1) "Haltung, Würde und guter Umgang" 2) "Professionelle Begleitung" 3) "Betroffenen- und Angehörigenorientierung" und 4) "Strukturelle Faktoren" identifiziert werden. In den Fokusgruppen wurden darüber hinaus vor allem Fragen nach 1) Tabuisierung von Sterben und Tod, 2) über die hohe Bedeutung von Offenheit und Eigenverantwortung, 3) zur Bedeutung von Spiritualität und Weltanschauung im Kontext mit Sterben und Tod, sowie 4) über den Gestaltung der Begleitung im Abschiednehmen in den Vordergrund gestellt.
Schlussfolgerung: Anhand von Vorstellungen älterer Menschen über die die Art von Begleitung und Gestaltung ihres Lebensendes in einer Pflegeeinrichtung konnten Merkmale identifiziert werden, die Empfehlungen zur Ausrichtung und Gestaltung der Palliativen Geriatrie erlauben.

15:15
Einfluss von Bewältigungsstrategien und Unterstützungsmaßnahmen auf die Entwicklung aggressiven Verhaltens pflegender Angehöriger gegenüber Familienmitgliedern mit Demenz
P071 

M. Neise, R. Kaspar, S. Zank; Köln

Hintergrund. Die Pflege demenziell erkrankter Familienmitglieder (PB) kann für pflegende Angehörige (PA) mit Belastungen verbunden sein. Diese Erfahrungen können zu aggressivem Verhalten der PA führen und in Gewalterfahrungen der PB (elder abuse) münden. Weder zum Verlauf von aggressiven Verhalten pflegender Angehöriger, noch zum Einfluss intra-individueller Bewältigungsstrategien und externer Unterstützungsmaßnahmen auf diese Entwicklung liegen belastbare Erkenntnisse vor.
Ziel. Die Studie untersucht die Entwicklung aggressiven Verhaltens von PA und deren Abhängigkeit vom Vorhandensein bzw. der Inanspruchnahme spezifischer Bewältigungs- und Unterstützungsmaßnahmen.
Methode. PA wurden über 5 Messzeitpunkte in 9-monatigen Intervallen (n=888 zur Baseline) zur Häufigkeit aggressiven Verhaltens gegenüber PB Personen befragt (6 Items, 5-stufig). In einem ersten Schritt wurden das individuelle Niveau und die individuelle zeitliche Veränderung aggressiven Verhaltens mithilfe eines Wachstumskurvenmodells (GCM) mit zensierten Aggressivitätsindikatoren geschätzt.
In einem zweiten Schritt wurden Effekte der Pflegedauer, Beziehungsqualität, Demenzschwere und -verlauf, intrapersonelle Bewältigungs- und externe Unterstützungsmaßnahmen in multivariaten Regressionsmodellen untersucht. Für die bekannten Einflussfaktoren Wohnsituation und Mobilitätsstatus wurde kontrolliert.
Ergebnisse. Die Ergebnisse zeigen einen abnehmenden Verlauf von aggressiven Verhalten über die 5 Messzeitpunkte. Neben dem Heimübergang und dem sich verschlechternden Mobilitätsstatus, tragen auch intrapersonelle Bewältigungsstrategien und externe Unterstützungsmaßnahmen zur Varianzaufklärung der individuellen Verläufe von aggressiven Verhalten bei.

15:15
Lebenszufriedenheit und Angehörigenpflege - Wie beeinflusst die Pflege von Angehörigen im Haushalt die Lebenszufriedenheit der Pflegenden?
P072 

R. Keller; Mannheim

Eine immer älter werdende Gesellschaft bringt unweigerlich auch einen erhöhten Pflegebedarf der Altgewordenen mit sich. Die häusliche Pflege erfährt in den letzten Jahren einen stetigen Zuwachs, doch weiß man nur wenig über die (vorwiegend ebenfalls älteren) Pflegenden. Im Zentrum dieser Untersuchung steht die Frage, wie die Pflegetätigkeit die Lebenszufriedenheit der pflegenden Angehörigen beeinflusst.
Die Verwendung von Panelanalysen macht es möglich, intraindividuelle Veränderungen im Längsschnitt zu erfassen und mögliche Gewöhnungseffekte zu identifizieren. Dazu wurden mit dem SOEP die Jahre zwischen 1997 und 2012 untersucht.
Wenig überraschend zeigt sich, dass mit dem Eintritt in die Pflegetätigkeit die Lebenszufriedenheit der Pflegenden stark abnimmt. Meist deutet sich dies schon im Jahr zuvor an. Das Ende der Pflegezeit zeigt einen uneinheitlichen Einfluss auf die Lebenszufriedenheit. Frauen scheinen sich früher von der Pflegetätigkeit zu erholen als Männer. Inwieweit die Art der Beendigung der Pflegetätigkeit (z.B. durch Tod des Gepflegten oder dessen Umzug ins Pflegeheim) darauf Einfluss nimmt, muss noch näher untersucht werden. Ebenso, welche Rolle das Verhältnis zwischen Pflegenden und Gepflegten sowie deren emotionale Verbundenheit zueinander einnimmt.
Die vorläufigen Ergebnisse deuten darauf hin, dass Männer und Frauen unterschiedlich mit der Pflegesituation umgehen und möglicherweise auch jeweils andere Unterstützungsleistung bedürfen, um mit dieser Ausnahmesituation zurecht zu kommen.

13:57
Ein Mann ist ein Mann - lebenslang? Herstellung und Aufrechterhaltung von Männlichkeit(en) in Altenpflegeeinrichtungen
P073 

R. Werny; Frankfurt a. M.

Der vorliegende Beitrag rückt die Wechselwirkung zwischen subjektiven Perspektiven erlebter Männlichkeit im Alter und Präsentationen von Männlichkeit(en) im Kontext von Altenpflegeeinrichtungen in den Fokus. Dabei wird Männlichkeit begriffen als soziales Konstrukt, das über den gesamten Lebenslauf bis ins hohe Alter hinein in performativen Prozessen hergestellt und aufrechterhalten werden muss. Über den Lebenslauf erworbene und männlich konnotierte Attribute können demnach nur bedingt akkumuliert werden. Gleichzeitig steigt mit zunehmendem Alter das Risiko nicht länger als „echter Mann“ wahrgenommen zu werden. Eine eigene empirische Vorarbeit zu hochaltrigen privat wohnenden Männern hat gezeigt, dass bei Zunahme objektiver und subjektiv erlebter Einschränkungen im Bereich von Gesundheit und Selbständigkeit das männliche Selbstverständnis und die Präsentation als Mann entlang normativer Stereotype vor zahlreiche Herausforderungen gestellt wird. Dieser Trend kann sich im Falle von Pflegebedürftigkeit durch zunehmende Abhängigkeit von Hilfeleistungen und den räumlichen Kontext institutioneller Pflege, der das Geschlechterverhältnis hin zu einem vorrangig weiblich konnotierten Raum verschiebt, verdichten.
Wie werden in einem solchen institutionellen Kontext von Abhängigkeit und Pflege Männlichkeit(en) hergestellt? Der vorliegende Beitrag rückt das Spektrum der Präsentation von Männlichkeit im Alter im Kontext institutioneller Pflege aus der subjektiven Perspektive pflegebedürftiger hochaltriger Männer in den Mittelpunkt und vermeidet so eine einseitige Auseinandersetzung mit Aspekten von Bedrohung und Abwertung. Die Biographien der Bewohner, die mit narrativ-biographischen Interviews erhoben wurden, waren Ausgangspunkt einer intersektionellen Betrachtung der Männlichkeitskonstruktion im Gesamtzusammenhang der Lebensgeschichte. Anhand von zwei exemplarischen Bewohner-Biographien aus Einrichtungen der ProjectCare GmbH werden zentrale Bereiche der Selbstdefinition als Mann über den Lebenslauf hinweg herausgearbeitet. Diese werden als kontrastierende Folie genutzt, um das Zusammenspiel zwischen Selbstdefinition und individuellen Strategien der Herstellung und Aufrechterhaltung von Männlichkeit im Rahmen des weiblichen Raums institutioneller Pflege zu verdeutlichen.

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