Poster
Mittwoch, 07.09.2016
15:15 - 16:30
Poster Eyth-Saal
P09
Poster: Besondere Zielgruppen in der Gerontologie (P080-P090)

Moderation: I. Fooken, Bonn

15:15
Zukunft Alter: Wissenschaftliche Weiterbildung und Verbundmaster Angewandte Gerontologie
P080 

I. Himmelsbach, C. Kricheldorff, A. Hedtke-Becker, M. Wolfinger; Freiburg, Mannheim, Benediktbeuern

Das Projekt ‚Zukunft Alter: Wissenschaftliche Weiterbildung und Verbundmaster Angewandte Gerontologie‘ kehrt den wissenschaftlichen Qualifizierungsweg um und setzt bei wissenschaftlichen Weiterbildungen an, die berufsbegleitend und individuell inhaltlich und zeitlich gestaltbar, bis hin zu einem Master kumuliert werden können. Der Verbund besteht dabei aus drei Hochschulen: Katholische Hochschule Freiburg (Prof. Dr. Cornelia Kricheldorff, Prof. Dr. Ines Himmelsbach), Hochschule Mannheim (Prof. Dr. Astrid Hedtke-Becker), Katholische Stiftungsfachhochschule München (Prof. Dr. Martina Wolfinger). Das fünfjährige Projekt setzt an der demographischen Entwicklung Deutschlands an. Es geht einerseits in der Betonung auf ‚Alter‘ darum, in einer älter werdenden Gesellschaft Altern als vielfältiges und zukunftsträchtiges Arbeitsfeld zu skizzieren. Gleichzeitig werden mit Betonung auf ‚Zukunft‘ durch das neue Lehrangebot ganz im Sinne des Lebenslangen Lernens passgenaue und flexible Weiterbildungsoptionen ermöglicht. Der Verbundmaster zeichnet sich durch ein Baukastensystem aus, in welchem aus drei wissenschaftlichen Weiterbildungen, zwei ausgewählt und in Ergänzung mit einem Masterthesismodul zum Masterabschluss führen können. Dies ermöglicht den Teilnehmern über die Zeit flexible Optionen des Ein- und Ausstiegs in das Programm. Entscheidend für unser Umkehrprinzip sind der Europäische Qualifikationsrahmen (EQR) und spezieller der Deutsche Qualifikationsrahmen (DQR). Die vom DQR aufgezeigten, aber noch nicht voll entwickelten, Anrechnungs- und Anerkennungskulturen werden im Rahmen der Projektförderung systematisch erprobt und angewendet. Gerade für die Arbeit im Seniorenbereich ist die Anerkennung von beruflichem Vor- und Fachwissen unerlässlich, da dort oft hohe fachliche Expertise vorliegt, die bislang nur schwer in formale Bildungsprozesse zu überführen ist. In zielgruppenbezogenen Ansätzen soll zur Verbesserung der Durchlässigkeit zwischen beruflicher und hochschulischer Bildung auf unterschiedlichen Niveaus beigetragen werden und flexible Studienangebote geschaffen werden, die die Reichweite von wissenschaftlicher Weiterbildung, im Sinne des lebenslangen Lernens, durch modularisierte Angebote erhöhen und dabei ein lebensphasenspezifisches Konzept verfolgen.

15:15
”Stehende- Migrationen” biographische Konstruktionen zur Handlungsfähigkeit älterer Menschen in der Transformationsforschung
P081 

H. A. F. Kunz; Cottbus

Das Forschungsanliegen befasst sich mit Biographien von älteren Menschen mit systemkonformen Überzeugungen aus der DDR. Nach der unwiederbringlichen Veränderung des politischen Systems und der gesellschaftlichen Ordnung durch die Wiedervereinigung Deutschlands 1990, soll untersucht werden, welche Erfahrungs- und Handlungsmuster eine erfolgreiche Integration ermöglichten und welche behinderten. Dazu werden narrative Interviews älterer Menschen mit DDR- Sozialisation analysiert. Diese Forschung soll einen Beitrag zum Konzept der Lebensbewältigung im Transformationsprozess leisten, indem mögliche erlernte oder umgelernte Handlungsstrategien in einem fremden System dahingehend untersucht werden sollen, wie Selbstwirksamkeit durch einen informellen lebenslangen Bildungsprozesses erreicht werden kann.

15:15
Gesund älter werden in Deutschland - Entwicklung eines Rahmenkonzepts zur Erweiterung des Indikatoren-gestützten Gesundheitsmonitorings in Deutschland für die Bevölkerung ab 65 Jahren am Robert Koch-Institut (RKI)
P082 

J. Fuchs, M. Wetzstein, P. Schmich, A. Gößwald, C. Scheidt-Nave; Berlin

In den Gesundheitssurveys des RKI wurden bislang hochaltrige und körperlich oder kognitiv stark eingeschränkte ältere Menschen nicht ausreichend eingeschlossen, da sie über die etablierte Surveymethodik nur schwer erreichbar sind. Die Heterogenität der älteren Bevölkerung erfordert dazu ein hoch differenziertes Vorgehen sowie sorgfältig abzuwägende Erhebungsmethoden und Instrumente. Im Rahmen eines durch die Robert Bosch Stiftung gefördert Projekts soll der Aufbau einer umfassenden Datengrundlage für die ältere Bevölkerung in Deutschland vorbereitet und bisherige Datenlücken (Situation gesundheitlich bereits eingeschränkter und ambulant oder in Institutionen gepflegter älterer Menschen) geschlossen werden. Projektziele sind einerseits die Entwicklung von Kernindikatoren im Hinblick auf verschiedene gesundheitsrelevante Bereiche wie körperliche und seelische Gesundheit, Funktionsfähigkeiten, ADL/IADL, Verhaltensweisen, Lebensqualität, Selbstwirksamkeit und Autonomie, Inanspruchnahme von Leistungen des Gesundheitssystems, soziale Netzwerke und gesellschaftliche Partizipation. Andererseits soll das Projekt zur Entwicklung innovativer Surveymethoden (Stichprobenzugang und Stichprobenziehung) beitragen, die zur Einbindung bislang ausgeschlossener oder unterrepräsentierter Gruppen führen. Alternative Vorgehensweisen sollen in einer Machbarkeitsstudie hinsichtlich des Nutzens (repräsentative und zahlenmäßig ausreichende Abbildung schwer erreichbarer Zielgruppen) und der Kosten (Aufwand an Zeit und Personal) überprüft werden. Das Rahmenkonzept, die abgestimmte Indikatoren, die weiterentwickelte Surveymethodik sowie eine adäquate Infrastruktur bilden eine notwendige Voraussetzung für Gesundheitsmonitoring und Gesundheitsberichterstattung in Deutschland. Damit soll durch das Projekt für das RKI eine zukunftsfähige Infrastruktur für Datenerhebungen bei Menschen im höheren und hohen Lebensalter geschaffen werden. Durch die Posterpräsentation soll eine Netzwerkbildung mit nationalen und internationalen Kooperationspartner/innen aus Gerontologie, Geriatrie, Pflegeforschung, Epidemiologie, Public Health befördert und der Austausch zu Best-Practice-Modellen gesucht werden.

15:15
Pflegeerwartungen, Wünsche und Erfahrungen von älteren türkischen/türkischstämmigen Migrant_innen der ersten Gastarbeitergeneration
P083 

A. Kronenthaler, V. Sarholz, H. Hiltner, M. Groß, G. Eschweiler; Tübingen

Einleitung Auch die Migrant_innen, die als „Gastarbeiter_innen“ nach Deutschland geholt wurden, erreichen nun ein Alter, in dem altenpflegerische Versorgung immer wahrscheinlicher wird. Um eine gute Altersversorgung für alle zu ermöglichen, müssen die Bedürfnisse von in Deutschland lebenden älteren Menschen differenziert betrachtet werden. Methoden Im Rahmen des BMBF-Forschungsprojektes CarEMi wurden mit älteren türkischen/türkischstämmigen Migrant_innen der ersten Gastarbeitergeneration, der Kindergeneration, sowie verschiedenen Expert_innen der (pflegerischen) Versorgung, dem öffentlichem Leben und der Verwaltung qualitative Interviews durchgeführt, um die Bedürfnisse von älteren türkischen Migrant_innen zu erfahren. Aus der ersten Gastarbeitergeneration wurden 17 Interviews (11 Frauen) durchgeführt. Das mittlere Alter betrug 71 Jahre (SD=6.5).
Ergebnisse Bezüglich der gewünschten Pflege wird bspw. auf der einen Seite nur die Pflege durch Familienmitglieder akzeptiert, auf der anderen Seite werden die Vorzüge einer rund um die Uhr Versorgung im Heim angesprochen. Die Berücksichtigung von Religion und Kultur ist für einige Interviewpartner_innen ein notwendiger Aspekt. Ein anderer Teil betont, dass Muslim_innen Bedürfnisse wie alle Menschen haben. Allgemein wird die Wichtigkeit der Verständigung in der Muttersprache hervorgehoben. Vom Gesundheitspersonal werden v.a. fachliche Kompetenz, Empathie und Freundlichkeit erwartet. Teilweise besteht der Wunsch nach türkisch-muslimischem Pflegepersonal, jedoch werden v.a. freie Religionsausübung und kulturspezifische und türkischsprachige Kenntnisse in der Pflegesituation als wichtig erachtet. Berichtete negative Erfahrungen im Gesundheitssystem sind v.a. Informationsmangel über Zuständigkeiten, mangelnde Rücksichtnahme, z.B. auf besondere Ernährung, sowie abschätzige Behandlung. Als positiv wurde bspw. ein Vertrauensverhältnis, Rücksicht auf spezielle Wünsche und Gleichbehandlung genannt.
Diskussion Eine individuelle Betrachtung der Bedürfnisse von älteren Menschen mit der Sensibilität gegenüber spezifischen Bedürfnissen ist wichtig. V.a. die berichteten positiven und negativen Erfahrungen können als Orientierung genutzt werden, um das bestehende Pflegesystem für alle zu verbessern.

15:15
Telling the story: An innovative approach to capturing social work contributions, clinical outcomes, and psychosocial acuity
P084 

R. Lamprecht Abney, A. Battles, J. Firn, S. Klett, A. Vantine; Ann Arbor, Michigan, Ann Arbor, Michigan/USA

Social workers deliver a wide range of services to patients and families across the continuum of health care. To meet the challenges facing health care providers, the University of Michigan Psychosocial Acuity Scale was developed to capture patient, family and community psychosocial acuity across a comprehensive healthcare system spanning inpatient and outpatient, diverse population groups, and both physical medicine and mental health. The Scale utilizes acuity measures that seek to capture and demonstrate social work impact on clinical outcomes, to identify patient and family needs, and to determine the appropriate level and allocation of social work support required to meet those needs. This poster will introduce the Scale and provide recommendations on implementation and applying acuity measures in reviewing patient and family needs throughout a comprehensive health system, or in specialized areas of practice. It will also provide information on utilizing acuity measures in a multitude of ways to demonstrate impact on clinical outcomes, outline patient/family needs and determine the best level of social work services required to meet those needs. Objectives: Participant will be able to: 1. Summarize the University of Michigan Psychosocial Acuity Scale, including purpose, background and utilization. 2. Identify the types and frequency of psychosocial issues for patients and families. 3. Apply acuity measures coupled with other measures to demonstrate social work impact on clinical outcomes. 4. Discuss various ways the University of Michigan Psychosocial Acuity Scale can be used to identify the need for and to allocate social work resources as needed.
Bibliography: Klett, S., Firn, J., Abney, N., Battles, A., Harrington, J., & Vantine, A. (2014). Developing a Reliable and Valid Tool to Measure Psychosocial Acuity. Social Work in Health Care, 53:5, 503-517

15:15
Evaluation der Partizipativen Forschung am Interdisziplinären Kompetenzzentrum Alter (IKOA) der FHS St. Gallen
P085 

S. Misoch, S. Lehmann, C. Pauli; St. Gallen/CH

Hintergrund: Im Forschungsverständnis des IKOA spielt die partizipative Forschung eine wesentliche Rolle. Ziel des partizipativen Vorgehens in der Altersforschung ist es, nicht nur über, sondern gemeinsam mit älteren Menschen und den involvierten Stakeholdern zu forschen. Damit soll eine Vernetzung des Erfahrungswissens der Betroffenen mit dem Fachwissen der Forschenden erreicht werden, um dadurch für die Betroffenen relevante Fragestellungen anzugehen und eine bessere Abstimmung der Methoden zu ermöglichen. Das IKOA hat zwei Partizipative Forschergruppen 60+ im Raum Ostschweiz aufgebaut. Mittels des Prinzips der Partizipation sollen die Senioren/innen durch ein bottom-up Prinzip Forschungsprojekte initiieren und aktiv mitbeforschen. Dafür werden sie durch das IKOA methodisch geschult und aktiv unterstützt.
Ziele: Durch einen partizipativen Forschungsprozess wird sichergestellt, dass die beforschten Fragestellungen für die Senioren/innen relevant sind (Bsp. Wohnvisionen im Alter) und deswegen intrinsisch motiviert bearbeitet werden. Die partizipative Forschung bringt Vorteile, hat jedoch auch ihre Grenzen, zudem ist der Erkenntnisgewinn der partizipativen Forschung noch nicht klar belegt. Noch nicht erforscht ist bislang auch, in welcher Hinsicht die Teilnehmenden der partizipativen Forschung von diesem Prozess profitieren. Um hier einen wesentlichen Beitrag zu leisten, evaluiert das IKOA den Gruppen- und Forschungsprozess ihrer partizipativen Forschergruppen. Ziel ist das bessere Verständnis von partizipativer Forschung und die Auslotung deren Chancen und Grenzen aus Sicht der Teilnehmenden.
Methode: Mittels eines selbst entwickelten Evaluationsfragebogens mit offenen und geschlossenen Fragen, zugeschnitten auf die partizipativen Forschergruppen, soll die Methode der partizipativen Forschung aus Sicht der Teilnehmenden evaluiert werden. Ergebnisse: Der Posterbeitrag beschäftigt sich mit der Thematik in zweierlei Hinsicht: a.) Aufgezeigt wird der Findungs- und Aufbauprozess der partizipativen Forschergruppen. b.) Abgebildet werden erste Ergebnisse der Evaluation des partizipativen Prozesses aus der Perspektive der Teilnehmenden. Welche Herausforderungen bringt die Partizipation mit sich? Welche Vorteile hat diese Methode aus der Sicht der Betroffenen?

15:15
Motive, Möglichkeiten und Ziele des Instrumentalunterrichts 50plus
P086 

J. Bennett, C. Holtz, K. Torben-Nielsen, D. Allenbach, I. Häfely, M. Maurer; Bern/CH, Zürich/CH

Zielsetzungen des Forschungsprojekts - Generierung von Wissen über die Erwartungen, Ziele und Lernstrategien von Personen 50plus im Instrumentalunterricht. - Beleuchtung der Lehrstrategien von Unterrichtenden unterschiedlicher Altersgruppen. - Analyse des Einflusses der Interaktion zwischen Lernenden und Lehrpersonen auf den subjektiven Lernerfolg und die Zufriedenheit mit dem Unterricht.
Methode Die folgenden Stichproben wurden mit leitfadengestützten Interviews befragt: 1.«Neueinsteigende»: Personen 50plus, die zum ersten Mal Instrumentalunterricht in Anspruch nehmen (N=15). 2.«Wiedereinsteigende»: Personen 50plus, die nach längerem Unterbruch (mindestens 10 Jahre) den Instrumentalunterricht wieder aufgenommen haben (N=13). 3.Unterrichtende, die mit Personen aus beiden Zielgruppen arbeiten (N=15). Der Interviewleitfaden für Lernende behandelte das Thema des Einstiegs in den Instrumentalunterricht und die Ursprungsmotivation, ging sodann auf subjektiv wahrgenommene positive und negative Aspekte des Unterrichts ein. Veränderungen der Selbst- und Fremdwahrnehmung aufgrund des Instrumentalunterrichts wurden genauso thematisiert, wie die mit dem Instrumentalunterricht verbundenen Ziele und Lernstrategien. Auch selbst berichtete Effekte auf den Selbstwert, das Sozialleben und auf gesundheitliche Aspekte wurden erfragt. Bei den Lehrpersonen lag der Fokus einerseits auf den Zielsetzungen und der Methodik, andererseits wurden die Motive für eine Unterrichtstätigkeit bei Personen 50plus und die vertretenen Altersbilder ergründet. Aus der systematischen Inhaltsanalyse entstanden zwei empirisch fundierte Kategoriensysteme (je eines für Lernende und Unterrichtende), welche die wichtigsten Grundideen, Kerngedanken und Erlebensformen der befragten Personen transparent machen. Ergebnisse: Bezugspersonen geben oft den Anstoss dazu, dass Personen 50plus den Instrumentalunterricht (wieder) aufnehmen. Wichtige Motive sind neben spezifischen musikalischen Interessen das Nachholen von Versäumtem oder zu früheren Lebenszeitpunkten Unmöglichem. Die kognitive Herausforderung des Lernens wird oft als Ansporn empfunden. Die Rolle der Lehrperson rückt dann ins Zentrum, wenn es darum geht, Zielsetzungen so zu formulieren, dass Frustrationen vermieden werden können.

15:15
Spiritualität hochaltriger Menschen - mehr als Coping?
P087 

A. Janhsen; Köln

Hintergrund: Während Spiritualität lange als Subdimension psychischer Gesundheit galt, gibt es jüngst Bestrebungen (u.a. der WHOQOL-Group) Spiritualität in einem biopsychosoziospirituellen Gesundheitsmodell als eigenständigen Bereich von Lebensqualität zu etablieren. Gerade in Deutschland ist der empirische Forschungsstand zur Relevanz von Spiritualität im hohen Alter für breitere Bevölkerungssegmente und jenseits religiöser Leitvorstellungen jedoch insgesamt unzureichend. Auch theoretisch beschränkt sich die Diskussion meist auf Theorien wie Gero-Transzendenz oder Spirituelles Coping. Aus anthropologisch-philosophischer Sicht lässt sich Spiritualität allerdings nicht funktionalistisch auf eine Bewältigungsstrategie im Sinne gängiger Coping-Konzepte reduzieren, sondern stellt vielmehr eine existentielle Dimension des Menschseins dar. Und auch entwicklungspsychologisch wird die Besinnung auf Spiritualität in Form eines Spiritual Ageing und als ein Teil eudämonischen Wohlbefindens als eine der zentralen Aufgaben der letzten Lebensphase angesehen.
Fragestellung: Welche Funktion übernimmt Spiritualität jenseits des Copings mit Blick auf die Selbst- und Weltdeutung bei Hochaltrigen und welche Bedeutung kommt ihr bei der Konstruktion von Lebenssinn im hohen Alter zu?
Methodik: In qualitativen Leitfadeninterviews mit älteren Personen (n=20) und mittels einer Inhaltsanalyse nach Mayring werden das Verständnis von Spiritualität, deren biographische Entwicklung und ihre Relevanz für die Lebensqualität Hochaltriger erforscht.
Ergebnisse: Aus den Ergebnissen der qualitativen Interviews sowie theoretischen Vorarbeiten zu Spiritualität im hohen Alter werden funktionelle Bedeutungen von Spiritualität für Hochaltrige jenseits des Copings abgeleitet und die Relevanz von Spiritualität für die Lebensqualität im hohen Alter diskutiert.

15:15
Die Akquise von Proband*innen in gerontologischen Studien - Forschungsmethodische Schwierigkeiten
P088 

S. Brose, I. Wilhelm, S. Zank; Köln

Die Akquise von Teilnehmer*innen stellt für jedes empirische Forschungsprojekt eine große Herausforderung dar. Dies erscheint umso schwieriger, je vulnerabler die zu untersuchende Zielgruppe ist. Da sich gerontologische Forschungsprojekte in der Regel an solch eine vulnerable Zielgruppe wenden, hält die Forschungspraxis häufig einige Hürden für die Untersucher*innen bereit. Im Rahmen mehrerer Forschungsprojekte zeigte sich, dass der Zugang zur gewünschten Stichprobe (Menschen, die im häuslichen Setting Angehörige* pflegen beziehungsweise Pflegekräfte aus ambulanten Pflegediensten) trotz umfassender Bemühungen ausgesprochen schwierig war. Die Gründe hierfür können vielfältig sein. So gelten diese Personengruppen beispielsweise als hoch belastet. Darüber hinaus ist der Zugang zu privaten Pflegepersonen – insbesondere für Forschungsinstitute ohne direkte Anbindung an eine Klinik - oft schwierig. Am Beispiel von vier Forschungsprojekten, die aus unterschiedlichen Fragestellungen heraus die Situation von pflegenden Angehörigen beziehungsweise von professionellen Pflegekräften beleuchtet haben, sollen Schwierigkeiten und Erklärungsansätze für den erschwerten Zugang zu dieser Betroffenengruppe diskutiert werden. Darüber hinaus werden genutzte Akquisewege (auch unter Einbeziehung neuer Medien) vorgestellt und kritisch reflektiert. Erfahrungen aus einem Beispiel erfolgreicher Akquise ergänzen die Darstellung.

15:15
Selbstreguliertes Lernen von Bewegungsfolgen im fortgeschrittenen Lebensalter
P089 

A. Oliva y Hausmann; Köln

Auch im höheren Alter ist es wichtig neue Kompetenzen zu erwerben, um die Funktionalität im Alltag zu erhalten. Selbstreguliertes Lernen ist eine kognitive Fähigkeit, die Individuen bis ins hohe Alter hinein zum Kompetenzerwerb befähigen kann. Sie beinhaltet Gedanken und Verhaltensweisen, mit denen ein Lernprozess gemäß bestehender Fähigkeiten gesteuert wird. Obschon stets mehr wissenschaftliche Arbeiten der Lernselbstregulation Aufmerksamkeit schenken, ist ihre Bedeutung für das Lernen von Bewegungen im fortgeschrittenen Lebensalter bislang nur wenig erforscht.
Untersuchungsziel: Das Ziel des präsentierten Pilotprojekts besteht darin, die Bedeutung der Lernselbstregulation für den imitativen Erwerb von Handbewegungssequenzen zu demonstrieren. Dies ist ein Erwerbsprozess, der ohne Lernselbstregulation mit fortschreitendem Alter fehleranfälliger wird. Die Arbeit ging von der Hypothese aus, dass dies nicht zu beobachten sein sollte, wenn der Aufgabenkontext Selbstregulation ermöglicht: Zwar wurde von älteren Teilnehmer*innen erwartet, eine niedrigere Lerngeschwindigkeit und ein moderateres Lernziel zu wählen. Ein Zusammenhang zwischen Alter und Fehlerrate sollte hingegen nicht auftreten.
Methode: N=140 Teilnehmer*innen zwischen 50 und 94 Jahren imitierten auf einem Holzbrett eine erweiterbare Sequenz von Tippbewegungen (Trainingsphase). Es sollte eine möglichst lange Sequenz so sicher erworben werden, dass sie nach einer Pause fehlerfrei vorgeführt werden konnte (Abrufphase). Lerngeschwindigkeit (Sequenzlänge pro Trainingsdurchgang, Anzahl der Durchgänge) und Lernziel (Länge der abzurufenden Sequenz) wurden von den Teilnehmer*innen selbst bestimmt.
Resultate: Wie erwartet, wurden Lerngeschwindigkeit und Lernziel mit höherem Lebensalter niedriger gewählt. Die Fehlerrate in der Abrufphase war insgesamt niedrig. Weder in der Trainingsphase noch in der Abrufphase war die Fehlerrate mit dem Lebensalter assoziiert.
Diskussion: Die Ergebnisse demonstrieren das Potential der Lernselbstregulation zur Kompensation alterskorrelierter Einbußen in bewegungsorientierten Lernaufgaben. In der Weiterführung gilt es herauszuarbeiten, wie der individuelle Lernprozess so unterstützt und gesteuert werden kann, dass letztendlich alle dasselbe Lernziel erfüllen können.

15:15
Gewahrwerden altersbezogener Veränderungen und Depressive Symptome im Mittleren und Höheren Erwachsenenalter: Längsschnittliche Beziehungen und die Rolle von Selbstregulation und Chronologischem Alter
P090 

A. J. Dutt, M. Gabrian, H.-W. Wahl; Heidelberg

Fragestellung: Bidirektionale kausale Beziehungen zwischen subjektivem Alternserleben und depressiven Symptomen sind bislang nur unzureichend erforscht worden. Im Mittelpunkt dieser Studie stand die Untersuchung des längsschnittlichen Zusammenhangs zwischen dem Konstrukt Gewahrwerden altersbezogener Veränderungen (engl. awareness of age-related change (AARC)) und depressiven Symptomen im mittleren und höheren Erwachsenenalter. Assimilative und akkommodative Selbstregulationsstrategien sowie chronologisches Alter wurden als mögliche Moderatoren dieses Zusammenhangs berücksichtigt.
Methodik: Grundlage der Studie bildeten zwei Messzeitpunkte (T1: 2012, N = 423 (40-98 Jahre); T2: 2015, N = 356). Das Konstrukt AARC wurde als Wahrnehmung altersbezogener Gewinne und Verluste operationalisiert. Die Fragestellungen wurden mittels Cross-lagged-Panel-Modellen und multiplen Regressionsanalysen beantwortet.
Ergebnisse: Wahrgenommene Verluste hatten einen Effekt auf die Veränderung depressiver Symptome: Hohe Verlusterlebnisse zu T1 waren mit einer Zunahme depressiver Symptome über die Zeit assoziiert. Der Effekt wahrgenommener Gewinne auf die Veränderung depressiver Symptome war nicht signifikant. Umgekehrt sagten depressive Symptome die Änderung in AARC nicht signifikant vorher. Die Beziehung zwischen wahrgenommenen Gewinnen und Veränderung depressiver Symptome wurde durch Selbstregulation moderiert: Im Falle niedriger Gewinne zu T1 wurde ein geringerer Anstieg depressiver Symptome berichtet, wenn Akkommodation hoch ausgeprägt war. Der Zusammenhang zwischen AARC und Veränderung depressiver Symptome zeigte sich stabil über die gesamte zweite Lebenshälfte.
Diskussion: Die Befunde legen nahe, dass der Wahrnehmung altersbezogener Verluste eine kritische Rolle für die Entwicklung depressiver Symptome in der zweiten Lebenshälfte zukommt. Die unterschiedliche Vorhersagekraft wahrgenommener Gewinne und Verluste unterstreicht die Notwendigkeit, Alternserlebnisse als ein multidirektionales Phänomen zu betrachten.

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