Symposium Gerontologie & Altenarbeit
Mittwoch, 07.09.2016
13:30 - 15:00
Raum Mannheim
S125
Gerontologie - Interdisziplinarität in der Forschungspraxis

Moderation: K. Aner, Kassel

Nachdem Multi-, Inter- und Transdisziplinarität als Herausforderung für die Gerontologie eher von theoretischer Seite diskutiert wurde, soll nunmehr der Blick auf die alltägliche Paxis in größeren multidisziplinären Froschungsverbünden in den Blick genommen werden: Welche Probleme stellen sich, welche Erfahrungen und mögliche Lösungen lassen sich benennen, und welche Folgen hat diese Praxis - einmal gewissermaßen ethnomethodologisch als Empirie betrachtet - für die Frage der Disziplinarität der Gerontologie?

13:30
Multidisziplinarität als Summe, Interdisziplinararität als Produkt und Transdisziplinarität als Potenzierung von Fachwissen? Wissenssoziologische Überlegungen zur Konstruktion von gerontologischer ”Wissenschaftlichkeit” und ”Kritik”
S125-01 

K. Brauer, B. Aigner-Walder, J. Oberzaucher, G. Hagendorfer-Jauk; Feldkirchen/A

Die Begriffe Multi- Inter- und Transdisziplinariät werden inflationär verwendet - was verwirren, aber auch anregen kann. Für viele wissenschaftliche Projekte, insbesondere für die Legitimation von Forschungszentren gerontologischer Provenienz, sind solche Ansprüche selbstverständlich geworden. Die Bedeutung für Organisation und Forschungsalltag bleibt jedoch oft recht vage. Im Referat wird anhand klassischer und jüngerer wissenschaftstheoretischer Ansätze versucht, diese Ansätze wissenssoziologisch zu rekonstruieren und dabei die Spannung grundlagentheoretischer Maßstäbe auf der einen, und politischen und ökonomischen Ansprüchen für "mehr Anwendungsbezogenheit" auf der anderen Seite, kritisch herauszuarbeiten. Am Beispiel der Kooperation zwischen Alterssoziologie, Wirtschafts- und Gesundheitswissenschaften sowie AAL-Technologien werden pragmatische Lösungen aufgezeigt.

13:50
IDA - Das interdisziplinäre Dialoginstrument Technikunterstützung im Alltag Ermöglichung von Interdisziplinarität in der Forschungs- und Entwicklungspraxis
S125-02 

C. Kricheldorff, L. Tonello; Freiburg

Die Gerontologie sieht sich genuin mit interdisziplinären (und transdisziplinären) Fragestellungen und Entwicklungsaufgaben konfrontiert. So auch gerade im hochaktuellen Themenfeld „Alter und Technik“ (vgl. Wahl 2016 – Expertise der DGGG). Erfahrungen aus unterschiedlichen interdisziplinären Kooperationen haben gezeigt, dass vor allem die Kommunikation (im weitesten Sinne) zwischen Ingenieur- und Sozialwissenschaftler eine der größten Herausforderungen markiert. Vor diesem Hintergrund zeigt sich die Notwendigkeit eines unterstützenden und ermöglichenden Instrumentariums, das einen solchen Dialog anstoßen kann und das dazu beiträgt, ihn so konstruktiv zu führen, dass in einem gemeinsamen Prozess praktische und akzeptierte Lösungen erreicht werden können.
Das von unserer Seite, im Rahmen des interdisziplinären Projektverbundes ZAFH-AAL entwickelte Dialoginstrument IDA löst dies ein. Das ZAFH ist ein interdisziplinärer Forschungsverbund, in dem Ingenieurswissenschaftler und Sozialwissenschaftler Hand in Hand arbeiten. Auf Seiten der Ingenieurswissenschaften werden technische Hilfsmittel entwickelt, wobei hier bereits während dieses Prozesses eine sozialwissenschaftliche Begleitung den bedarfsgerechten Zuschnitt (in Bezug auf den konkreten Nutzer) sichern soll. In einem Metaprojekt, das die interdisziplinäre Kooperation fokussiert und für das wir zuständig sind, werden im Prozess gemeinsam zentrale sozialgerontologische und ethische Perspektiven eingenommen und Antworten erarbeitet. Beteiligte Kooperationspartner sind die Hochschule Furtwangen, die Universität Freiburg(IMTEK), die Hochschule Ravensburg-Weingarten und die Katholische Hochschule Freiburg.
Das Dialoginstrument IDA zielt auf die Ermöglichung, Unterstützung und Förderung des interdisziplinären und prospektiven Dialogs. Auf seinen unterschiedlichen Ebenen schafft es eine zugängliche und handhabbare Umsetzung der notwendigen interdisziplinären Verständigung, die sowohl während der Entwicklung assistiver Technik, als auch an der Schnittstelle zwischen den Produkten und deren konkretem Einsatz in der gerontologischen Fachpraxis ansetzen kann.

14:10
”Interdisziplinarität in der Forschungspraxis” Strategische Initiative (SI) „Alternde Gesellschaft” (2015-2017) - Ein interdisziplinäres Forschungs- und Praxisprogramm der FHNW
S125-03 

K. R. Schroeter; Olten/CH

Die von dem insgesamt neun Hochschulen umfassenden Verbund der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) getragene Strategische Initiative (SI) „Alternde Gesellschaft“ zielt darauf, einen interdisziplinärer und hochschulübergreifenden strategischen Entwicklungsschwerpunkt „Ageing in Society (AiS)“ an der FHNW anzustossen und aufzubauen und die bereits vorhandenen Kompetenzen und Expertisen zu bündeln, auszubauen und zu vernetzen.
In derzeit elf laufenden interdisziplinären Projekten fokussiert sie auf die Erhaltung, Wiederherstellung oder Verbesserung der Integration und Partizipation älterer Menschen. Ihr Ziel ist es, durch anwendungsorientierte Forschung, Weiterbildung und Dienstleistung beispielhafte und nachhaltige Verbesserungen der Lebenslage und Lebensqualität älterer Menschen herbeizuführen und den Wissenstransfer in die Praxis zu fördern und innovative Konzepte, Modelle bzw. anwendungsorientierte Strategien zur Optimierung von Gestaltungsmöglichkeiten, Umsetzungsbedingungen und Etablierungschancen von Produkten, Techniken und Dienstleistungen zur Verbesserung der Lebensqualität und zur Begünstigung der sozialen und wirtschaftlichen Partizipation im Alter zu erarbeiten. Der Beitrag gewährt Einsicht in die Arbeitsbereiche, ersten Ergebnisse und in den weiteren Verlauf des Programms und stellt unter dem spezifischen Fokus der hochschulübergreifenden Zusammenarbeit die Chancen, Erfahrungen und Grenzen eines ‚interdisziplinären‘ Forschungs- und Praxisprogramms zur Diskussion.

14:30
Die interdisziplinäre Entwicklung von Technik für die Gestaltung altersgerechter Lebenswelten
S125-04 

R. Haux; Braunschweig

Für den erfolgreichen Einsatz intelligenter IT-basierter Assistenzsysteme für altersgerechte Lebenswelten muss eine Vielzahl technischer Herausforderungen gemeistert werden. Gleichzeitig müssen ökonomische Aspekte und Fragen der Nutzerakzeptanz berücksichtigt werden. Es muss auch bereits im Vorfeld geklärt werden, welchen Bedarf Nutzer haben, und die Frage der Einbindung der technischen Systeme in medizinische und pflegerische Versorgungsstrukturen muss bedacht werden. Datenschutz und informationelle Selbststimmung wie auch ethische Aspekte sind zu berücksichtigen - diese Beispiele mögen genügen, um die Komplexität der Thematik zu umreißen. All diese Faktoren verändern sich in der Zeit, also auch während des Forschungsprozesses, der Technikentwicklung und der Implementation, was die Komplexität nochmals potenziert. Dies muss idealiter also auch mit multidisziplinären Teams geschehen, die unterschiedliche Begriffe und Konzepte verwenden, teilweise aber z.B. auch identische Begriffe mit ganz unterschiedlichen Bedeutungen versehen, was zusätzliche Maßnahmen der Verständigung erfordert. Im Niedersächsischen Forschungsverbund "Gestaltung altersgerechter Lebenswelten" (GAL) hat sich eine interdisziplinär aufgestellte Forschergruppe aus Geriatrie, Gerontologie, Hörtechnik, Informatik, Ingenieurwissenschaften, Medizin, Ökonomie, Pflegewissenschaft, Psychologie, Soziologie und Rehabilitationspadagogik konstituiert. Der Beitrag skizziert die (gelungenen und misslungenen) Maßnahmen der Steuerung und Verständigung und gibt somit einen Blick frei auf die interdisziplinäre Praxis eines großen Forschungsverbunds.

Zurück