Symposium Geriatrie
Mittwoch, 07.09.2016
16:45 - 18:15
Raum Karlsruhe
S133
Ambulante Geriatrie - quo vadis ?

Moderation: R. Roller-Wirnsberger, Graz/A; R. Thiesemann, Bremerhaven

Das Symposium widmet sich einigen offenen Fragen der Zusammenarbeit von Geriatern, die in der Klinik tätig sind mit hausärztlich tätigen Kollegen. Zu letzteren zählen zunehmend Kollegen, die vorher oberärztlich geriatrisch tätig waren. Dennoch sind nur 63 Geriater niedergelassen (Quelle: Bundesärztekammer Stat14AbbTab2.pdf, abgerufen 20.04.2015 von www.baek.de und Dt. Ärzteblatt 16.04.2015).

Das Symposion beleuchtetfolgende Aspekte der Zusammenarbeit über die Klinikgrenze hinaus:
- erfolgreiche Projekte mit gemeinsamen Visiten,
- Projekt, die im ambulanten Bereich deutlich weniger erfolgreich angenommen werden
- Qualitätszirkel von niedergelassenen Geriatern, die sich der  Verstetigung geriatrischen Denkens und Handelns im ambulanten Setting widmen
- die gemeinsame Arbeit von Hausärzten und Klinikgeriatern in einer S3-Leitlinie zu "Multimorbidität".
Die Referenten zeigen - auch vor dem Hintergrund ihres Engagements in der DGGG und DGG - die Möglichkeiten und Grenzen der Zusammenarbeit und auch die Potentiale auf, die sich aus der sektorübereifenden Zusammenarbeit ausserhalb der AGR oder GIA ergeben.

16:45
Gemeinsame Visiten am Krankenbett mit Hausarzt und geriatrischen Klinikärzten und die Feedbackerfahrung von Essener Hausärzten
S133-01 

H. Frohnhofen; Essen

17:05
Das geriatrische Konsil in einem abgestuften Versorgungskonzept - Ergebnisse einer Befragung von stationären Anbietern und Hausärzten
S133-02 

H. Burkhardt; Mannheim

Hintergrund: Geriatrische Expertise im Bereich der ambulanten und stationären Versorgung kann nicht auf vergleichbare fachärztliche Strukturen wie z.B. in anderen Gebieten der Inneren Medizin oder Neurologie zurückgreifen. Vielfach wird daher eine Vernetzung von hausärztlicher geriatrischer Diagnostik und Unterstützung durch stationäre Anbieter (im Rahmen eines Konsiles) vorgeschlagen.
Methoden: Mittels eines systematischen Auswahlverfahrens wurden in zwei Bundesländern (Baden-Württemberg und Hessen) eine repräsentative Stichprobe niedergelassener Allgemeinmediziner und hausärztlich tätiger Internisten sowie akutstationäre Einrichtungen der Inneren Medizin ausgewählt und angeschrieben. Zusätzlich wurden alle geriatrischen Fachabteilungen kontaktiert.
Ergebnisse: 79,2% der befragten Praxen gaben an, geriatrische Screenings durchzuführen, aber nur 31,3% konnten in ihrer Region auf das Angebot eines geriatrischen Konsiles zurückgreifen. 71,4% der medizinischen Fachabteilungen gaben an, auch geriatrische Konsile anzubieten, 16,7% auch außerhalb der eigenen Einrichtung. Bezüglich des Spektrums der tatsächlichen Anlässe für eine Konsilanfrage fanden sich keine wesentlichen Unterschiede zwischen geriatrischen und medizinischen Fachabteilungen, führend war bei beiden das Einleiten einer rehabilitativen Maßnahme, Unterschiede zeigten sich in der Einschätzung sinnvoller Themenfelder für ein geriatrisches Konsil. Hier führten geriatrische Abteilungen deutlich häufiger präventive Aspekte (80% vs 47,6%) als medizinische Abteilungen an (Praxen 56,3%).
Schlussfolgerung: Viele niedergelassene Ärzte wenden das geriatrische Assessment an und stehen auch einem geriatrischen Konsil prinzipiell positiv gegenüber, was gute Voraussetzungen für ein abgestuftes strukturiertes Konzept und eine vertiefte Zusammenarbeit mit stationären Anbietern erkennen lässt. Aber nur eine Minderheit kann aktuell tatsächlich auf ein derartiges Angebot zurückgreifen. Präventive Aspekte haben nicht denselben Stellenwert wie Fragen der Rehabilitation, was auf nicht genutztes Potential geriatrischer Diagnostik hinweisen kann.

17:25
Der geriatrische Qualitätszirkel als Instrument zur Übertragung und Verstetigung geriatrischen Denkens und Handelns im ambulanten Setting
S133-03 

R.-R. Pilgrim, M. - C. Schulze; Berlin

Hintergrund: Geriatrische Medizin in der Bundesrepublik Deutschland findet in qualitätsgesicherter Form überwiegend im (teil-)stationären Setting statt. Geriatrisches Handeln, das sich als dem individuellen Patienten verpflichtet, als ganzheitlich, multiprofessionell, funktionell orientiert, mit den Angehörigen im Blick, als rehabilitativ ausgerichtet versteht, hat unter den Bedingungen der ambulanten Gesundheitsversorgung einen schweren Stand.
Methode: Berichtet wird über die Etablierung eines Qualitätszirkels von Hausärzten mit unterschiedlich starker geriatrischer Schwerpunktsetzung sowie die Erfahrungen nach insgesamt 11 Treffen mit insgesamt 15 Teilnehmern.
Ergebnisse: Nach einer längeren Phase der gegenseitigen Vorstellung der beteiligten Praxen und des jeweiligen geriatrischen Konzeptes wurden verschiedene Vorgehensweisen und die Praktikabilität unterschiedlicher Assessments diskutiert. Weiteres Thema war die Sinnhaftigkeit geriatrischer Check-Ups. Parallel dazu erfolgten nach Bedarf Fallbesprechungen problematischer Krankheitsverläufe. Außerdem wurde über lokale Veranstaltungen mit geriatrischen Themen berichtet.
Diskussion: Schwierigkeiten der teilnehmenden Geriater beim Umsetzen geriatrischen Handelns unter ambulanten Bedingungen (bspw. Honorierung, Schnittstellenprobleme, berufsgruppenübergreifende Vernetzung) wurden reflektiert und konnten teilweise gelöst werden.
Schlussfolgerung: Geriatrische Qualitätszirkel sind ein wertvolles Instrument zur Verbesserung der geriatrischen Versorgung im ambulanten Bereich. Die Gründung weiterer Qualitätszirkel soll mit diesem Vortrag gefördert werden und wird durch die Autoren gerne unterstützt.

17:45
Gemeinsame Arbeit von Hausärzten und Klinikgeriatern in einer S3-Leitlinien zu Multimorbidität - Anmerkungen zum State of the Art der Multimorbiditätsforschung
S133-04 

R. Thiesemann; Bremerhaven

Multimorbidität ist eine derjenigen zentralen Zielvariablen des geriatrischen Arbeitens, die im vergangenen Jahren eine Domäne der Klinikgeriatrie zu sein schien. AM 11.12.2014 hat die DEGAM bei der AWMF (Nummer 053-047) ein Leitlinien Vorhaben zum Thema „Multimorbidität“ angemeldet. Eingeladen waren die DGIM, die DGGG und DGG, die je einen geriatrischen Chefarzt, 2 davon Hochschullehrer ein weiterer Fakultätsmitglied einer dritten Universität, entsandten. BIsher haben 3 ganztägige Veranstaltungen zum Themenfeld stattgefunden. Die Methodik umfasste ein 2-stufiges Verfahren mit folgenden Komponenten:
(1) Systematische Recherche n.klinischen Empfehlungen für Multimorbidität.
(2) Danach sollte ein innovativer Ansatz, nämlich ein bislang unpubliziertes Konzept der N-of-one-Guidelines angewendet werden. In Anlehnung an "Einzelpersonen-RCTs" stellten N-of-one-Guidelines Algorithmen für einen einzigen multimorbiden Patienten mit einer speziellen Problemlage dar. Durch Synthese mehrerer Einzelalgorithmen basierend auf einem inhaltsanalytischen Verfahren soll ein Meta-Ablaufdiagramm entwickelt werden, das sozusagen eine Blaupause für den Ablauf der Praxis Arbeiten mit einem multimorbiden Patienten darstellen sollte. Die Zusammenarbeit zwischen Klinik-Geriatern & hausärztlichen Kolleginnen in der Leitlinien Gruppe ein zeigte einen Abstimmungsbedarf zu mehreren Themenfeldern:

  1. Definition von Multimorbidität
  2. Klinische / Praxis Terminologie
  3. Unterschiedliche Zeit Volumina zur Behandlung der Patienten
  4. Sozial-wissenschaftliche Forschung
  5. Evidenzbasierte vs. Interessensgeleitete Empfehlung

Es entsteht eine Leitlinie zur Multimorbidität, deren Güte und Verwendungsfähigkeit zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht vorhergesagt werden kann. Konsens zwischen den beteiligten 4 wissenschaftlichen Fachgesellschaften war und ist jedoch zweifelsfrei, dass Diagnostik, Kommunikation, Therapie und Re-Evaluation (Assessment) eines Patienten mit Multimorbidität einen deutlich höheren Zeitbedarf benötigt als mit Patienten, die „nur“ eine oder 2 Erkrankungen als Beratungs-Anlass in der hausärztlichen Praxis oder Klinikeinrichtung präsentieren. Multimorbidität bleibt eine Herausforderung für alle im Gesundheitswesen tätigen Berufe und die Gesamtgesellschaft.

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