Symposium Gerontologie & Altenarbeit
Freitag, 09.09.2016
10:45 - 12:15
Raum Heilbronn
S327
Teilhabeforschung - Forschung zur selbstbestimmten Teilhabe von Menschen mit Behinderung und Menschen im Alter. Innovative Unterstützungsstrukturen unter Bedingungen des demografischen Wandels.

Moderation: L. Schirra-Weirich, Köln; H. Wiegelmann, Köln

Wie kann die gleichberechtigte und selbstbestimmte Teilhabe von Menschen mit Behinderung und von Menschen im Alter an gesellschaftlichen Gütern in Zeiten des demografischen Wandels verbessert werden?
Mit dieser zentralen Forschungsfrage befassen sich die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Forschungsschwerpunktes Teilhabeforschung an der Katholischen Hochschule NRW (KatHO NRW). Damit sucht der Forschungsschwerpunkt auch Antworten auf zentrale gesellschaftliche Herausforderungen: Teilhabe, Selbstbestimmung und Inklusion von Menschen mit Behinderung und Menschen im Alter, die alternsgerechte und inklusive Entwicklung städtischer und ländlicher Wohnquartiere - explizit auch für Menschen mit Migrationshintergrund oder mit lebenslanger Behinderung. Sein innovatives Potential entfaltet der Forschungsschwerpunkt durch die Zusammenführung bisher getrennter Forschungsstränge, weil sich die Zielgruppen, ihre Sozialräume und Unterstützungsstrukturen sowie inhaltliche und methodische Forschungsfragen (partizipative Forschung) überschneiden.

Das Symposium widmet sich mit aus laufenden bzw. abgeschlossenen Forschungsprojekten des Forschungsschwerpunktes Teilhabeforschung, Fragen der Partizipation (auch an/in Forschungsprojekten), Inklusion und gesellschaftlicher Teilhabe.

10:45
Gelingende Resonanzphänomene als Qualitätskriterium in der Planung von Unterstützungs- und Wohnarrangements für Menschen mit und ohne lebenslanger Behinderung im Alter
S327-01 

M. Katzer; Münster

Resonanz- und Entfremdungsphänomene können als komplementäre Grundformen der Weltbeziehung (Hartmut Rosa) wichtige Hinweise für die Planung von Unterstützungs- und Wohnarrangements für Menschen mit und ohne lebenslanger Behinderung im Alter geben. Ziel des Beitrages ist es, anhand der Ergebnisse zweier Forschungsprojekte (SoPHiA „Sozialraumorientierte kommunale Planung von Hilfe- und Unterstützungsarrangements für Menschen mit und ohne lebenslange Behinderung im Alter“ und MUTIG „Modelle unterstützter Teilhabe für Menschen mit geistiger Behinderung im Alter innovativ gestalten“) die jeweiligen Gelingensfaktoren für lebendige Resonanzen zu benennen, sowie Faktoren für Resonanzblockaden aufzuzeigen. Schwerpunktmäßig werden gemeinsame Lern-, inklusive Evaluations- und Planungserfahrungen vorgestellt und hinsichtlich einer Entwicklung als Qualitätskriterium diskutiert.

11:15
Gesellschaftliche Teilhabe für versorgende An- und Zugehörige von Menschen mit Demenz durch passgenaue Unterstützungsstrukturen fördern - Ein Bericht aus dem Forschungsprojekt INREGA_DEM - Inanspruchnahmeverhalten und Nutzbarkeit regionaler Angebotsstrukturen bei Demenz
S327-02 

L. Schirra-Weirich, H. Wiegelmann; Köln

Menschen mit Demenz (MmD) wünschen sich mehrheitlich möglichst selbstbestimmt in ihrem eigenen Zuhause leben zu können. Um dies gewährleisten zu können übernehmen versorgende Angehörige (vA) meist den Großteil der häuslichen Betreuung, Begleitung und Pflege. Nicht selten kommt es dabei für vA zu Stress- und Überlastungssituationen. Zur möglichst langfristigen Stabilisierung häuslicher Versorgungsarrangements müssen vA daher mit ihren Bedürfnissen und Belastungen stärker in den Blick genommen werden. Auch gilt es ihre Möglichkeiten des gesunden Alterns und der gesellschaftlichen Teilhabe durch frühzeitige und umfangreich einbezogene entlastende professionelle Unterstützungsstrukturen zu erweitern. Es scheint jedoch erhebliche Barrieren bei der Inanspruchnahme professioneller Versorgungsleistungen zu geben. Detaillierte Kenntnisse sowohl über das Nutzungsverhalten (individuelle, familiäre, soziale und regionale Faktoren) von MmD und ihren vA als auch die Nutzbarkeit (ggf. vorhandene Barrieren/Hemmnisse in der Angebotsgestaltung) vorhandener Angebote sind für eine effiziente und passgenaue Weiterentwicklung der Versorgungsstrukturen im regionalen Kontext essentiell. Übergeordnete Ziele des Projekts INREGA_DEM sind die Analyse des Nutzungsverhaltens von vA von MmD in der StädteRegion Aachen hinsichtlich der Inanspruchnahme von demenzspezifischen Unterstützungs- und Beratungsangeboten (NutzerInnenperspektive) sowie die Nutzbarkeit vorhandener Angebotsstrukturen (AnbieterInnenperspektive) in Abhängigkeit von sozialen und regionalen („Stadt-Land Disparitäten“) Unterschieden. Zentral ist die Gewinnung von detaillierten Kenntnissen zum Nutzungsverhalten und den Bedürfnissen der Zielgruppe „vA/MmD“. Um die Ergebnisqualität zu verbessern und die Partizipation der Zielgruppe in Forschungsprozessen zu stärken, werden vA durch die Mitarbeit an verschiedenen Elementen des Studiendesigns beteiligt. Die Ergebnisse der Evaluation sollen als Basis für die weitere Strategieentwicklung einer bedarfsgerechten ambulanten Versorgung dienen und gleichzeitig eine Roadmap zur Entwicklung von Versorgungsstrukturen in ländlichen Regionen sein.

11:45
Kann Angehörigenintegration in die Langzeitversorgung von Menschen mit Demenz durch gezielte Schulungs- und Fortbildungskonzepte gefördert werden?
S327-03 

S. Engel; Paderborn

Aktuelle Ergebnisse der Versorgungsforschung zeigen, dass die versorgenden, betreuenden und pflegenden Angehörigen mittlerweile die stärkste gesellschaftliche Säule der Altenversorgung bilden. Auch wenn die versorgungsbedürftigen älteren Menschen schließlich in ein Heim ziehen müssen, setzt ein Großteil der Angehörigen seine Betreuung und Versorgung fort und leistet nach wie vor einen wichtigen Beitrag in der Betreuung und Pflege der Älteren.
Doch viele Angehörige von HeimbewohnerInnen haben Schwierigkeiten mit ihrer neuen Rolle: Sie erleben neue psychische Belastungen, mit denen sie sich allein gelassen fühlen, wissen nicht, wie sie sich im Heimleben einbringen können, und sind unzufrieden mit der Versorgungssituation. Kommunikationsstörungen und Konflikte mit den MitarbeiterInnen der Einrichtung sind häufig die Folge. Für die Arbeitsfelder der Sozialen Arbeit und der Pflege im Heim resultiert aus diesen Erkenntnissen eine neue Herausforderung: Im Sinne eines systemischen „Familiengesundheitspflege-Konzepts“ müssen die Professionen ihren Verantwortungsbereich erweitern: Aus dem Dialog mit Klienten bzw. Patienten wird der Trialog mit Patienten bzw. Klienten und Angehörigen, aus klassischen Interventionskonzepten für Betroffene werden dyadische Konzepte für Betroffene und Angehörige. Hierbei geht es um eine grundlegende Veränderung gesellschaftlicher Bewertungs- und Deutungsmuster, die darauf abzielt, dass für alle Professionen im Bereich der Altenversorgung Angehörigenorientierung zu den selbstverständlichen Grundprinzipien des professionellen Handelns zählt.
Am Beispiel aktueller Interventionsstudien zur Wirksamkeit der Schulungs- und Fortbildungskonzepte „EduKation demenz®“ für Angehörige von Menschen mit Demenz und MitarbeiterInnen in Pflegeinstitutionen soll aufgezeigt werden, dass durch Schulung und Fortbildung die Integration der Angehörigen gefördert, institutionelle Strukturen verändert und eine Steigerung des Wohlergehens aller am Versorgungsgeschehen Beteiligten erzielt werden kann.

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