Poster
Freitag, 09.09.2016
14:45 - 15:45
Poster Eyth-Saal
P06
Poster: Technologie / Versorgung (P053-P063)

Moderation: K. Hauer, Heidelberg; G. Kolb, Lingen

14:45
Chancen und Barrieren der Mobilen Rehabilitation - Befragung von Therapeuten, Koordinatoren und Patienten
P053 

A. Steinert, J. Kiselev, E. Steinhagen-Thiessen; Berlin

Trotz kognitiver oder funktioneller Einschränkungen wünschen sich viele pflegebedürftige Menschen mehr Selbständigkeit im Alltag. Aktivierende Pflege bietet Hilfe zur Selbsthilfe und verhindert, dass noch vorhandene Fähigkeiten abnehmen. Ein vielversprechender Ansatz, um den Rehabilitationserfolg langfristig zu sichern, bietet die mobile Rehabilitation (MoRe). Hierbei arbeitet ein interdisziplinäres Team aus Therapeuten, Pflegekräften, Ärzten und Sozialarbeiter zusammen, um eine optimale Versorgung des Patienten in der häuslichen Umgebung zu gewährleisten. Dabei entfallen langwierige Gewöhnungs- und Transferprozesse. Aufgrund der Vielfältigkeit des Ansatzes kommt es jedoch häufig zu Kommunikations-, Dokumentations- und Schnittstellenproblemen. Ziel des Projektes MORECARE ist es, die Mobile Rehabilitation technisch zu unterstützen und zu stärken. Dabei soll zum einen die Kommunikation zwischen den verschiedenen Berufsgruppen, Patienten und Angehörigen verbessert sowie die Dokumentation durch eine semi-automatisch, individualisierbar geführte Dokumentation vereinfacht werden. Zum anderen wird eine sensorbasierte Mobilisierungsunterstützung durch den Einsatz verschiedener Druck-, Bewegungs- und Vitalparameter-Sensoren umgesetzt. Zur Erfassung von Anforderungen an das zu entwickelnde System wurden leitfadengestützte Interviews mit den verschiedenen beteiligten Parteien durchgeführt. Es wurden Personen aus sechs verschiedene Berufsgruppen (n=11) des interdisziplinären Teams der MoRe, ein ambulanter Pflegedienst (n=1), die Koordinatoren aller MoRe Einrichtungen in Deutschland (n=10) sowie Patienten und deren Angehörige befragt (n=6). Nach der standardisierten Auswertung der Interviews konnten sechs Problemfelder in der MoRe identifiziert werden: Kommunikation, Dokumentation, Terminplanung/ -änderungen, Rahmenbedingungen und Sonstige Probleme. Die genannten Anforderungen bezogen sich vor allem auf den Einsatz von Technik für die Dokumentation und Kommunikation und auf den Einsatz von Sensoren zur kontinuierlichen Erfassung von Vitalparametern. Dem Technikeinsatz zur Unterstützung der Dokumentation und Organisation der MoRe stehen vor allem die Berufsgruppen sehr positiv gegenüber, wohingegen der Einsatz von Sensorik noch skeptisch betrachtet wird.

14:45
Entwicklung eines robotischen Duschsystems aus der Nutzerperspektive - Klinische Anforderungen auf Grundlage der Internationalen Klassifikation der Funktionsfähigkeit (ICF)
P054 

J. Werle, K. Hauer; Heidelberg

Die aktuellen soziodemografischen Veränderungen führen zu vielfältigen Herausforderungen für die Gesellschaft und das Gesundheitssystem. In der Gesundheitsversorgung älterer Menschen ist neben der Qualität der medizinischen und pflegerischen Versorgung der Erhalt der Autonomie in einer angemessenen und sicheren häuslichen Umgebung von hoher Relevanz. Technische Innovationen und assistive Technologien bieten zunehmende Perspektiven für ein selbständiges und selbstbestimmtes Leben älterer Menschen in ihrem häuslichen Umfeld oder in Pflegeeinrichtungen. Die Mehrheit potenzieller Nutzer assistiver Technologien sind chronisch kranke, multimorbide und gebrechliche ältere Menschen. Der Verlust der Funktionsfähigkeit beginnt typischerweise mit jenen Aktivitäten des täglichen Lebens, die komplexe Herausforderungen an das motorische, sensorische und/oder kognitive System stellen. Baden/Duschen zählt zu diesen komplexen Aktivitäten des täglichen Lebens, die im Laufe des Alterungsprozesses als erstes aufgegeben werden müssen. Mehrere robotische Systeme assistieren bei Teilaktivitäten der persönlichen Hygiene. Bei diesen Assistenzsystemen liegt in vielen Fällen keine klare Beschreibung der potenziellen Nutzergruppe vor und die Nutzerzufriedenheit wurde nur im experimentellen Rahmen erfragt. Als innovativer Ansatz wird der Nutzerperspektive im Entwicklungsprozess des I-Support-Duschsystems von Beginn an ein wesentlicher Stellenwert eingeräumt. Im Poster wird die Entwicklung eines klinisch relevanten Modells zur Festlegung der Nutzeranforderungen und Systemfunktionalitäten (Use case Scenarios) auf der Grundlage der Internationalen Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit (ICF) modellhaft für weitere Projekte im Bereich Ambient Assisted Living (AAL) beschrieben.

14:45
Twelve-week sensor assessment in Parkinson´s disease: impact on quality of life
P055 

J. van Uem, K. Maier, S. Hucker, O. Scheck, M. A. Hobert, A. T. Santos, Y. Fagerbakke, F. Larsen, J. Ferreira, W. Maetzler; Tübingen, Lisbon/P, Tromsø/N, Lissabon/P

Objective: To evaluate the effects of using wearables on Health-Related Quality of Life (HRQoL) in Parkinson's Disease (PD) patients.
Background: Wearable systems such as body-worn sensors used in the domestic environment potentially revolutionise the assessment of chronic, progressive disorders in geriatric populations. However at least 33% of users abandon their health and fitness related wearables after six months. At present, it is not well understood which factors influence the motivation of PD patients to use wearables. We ran a multicentre 12-week observational study with patients wearing a SENSE-PARK sensor system 24/7 in their home environment.
Methods: Twenty-two PD patients (8 female, 14 male: mean age 60.7 y) were assigned to either the sensor group (S-PD) or the non-sensor group (NS-PD). SENSE-PARK assesses daytime and night-time movements. In the last eight weeks of the study, the S-PD group received daily feedback on the features tremor, dyskinesia/ hypokinesia, and gait. Delta PDQ-Summary Index (SI), and deltas of the PDQ-mobility and PDQ-Activities of Daily Living (ADL) scores were calculated by subtracting 4-, 12-, and 14-week from baseline scores using non-parametric tests.
Results: Change in HRQoL measured with the PDQ-SI and PDQ-ADL was not significantly different between the two groups. The S-PD group improved in the mobility domain of HRQoL: Compared to NS-PD, this approached significance at the end of the sensor-wearing phase and was significant at follow-up.
Conclusions: The overall perceived HRQoL did not significantly deteriorate over a 12-week measurement period for the S-PD cohort and that the continuous assessment of PD symptoms in the domestic environment using wearables does obviously not affect everyday life. The significant improvement in the PDQ-mobility domain only at the end of the study in the S-PD cohort indicates that the provision of feedback from sensor data to the users underlies this increase. Feedback appears to enhance self-empowerment and self-knowledge. Our results justify a further investigation of i) the influence of the continuous use of wearables for the assessment of PD symptoms in the home environment, ii) and the mechanisms that increase acceptance of wearables in PD and other geriatric populations.

14:45
Evaluation von robotergestützten Rollatoren aus der Perspektive der Nutzer: Ein Systematisches Review
P056 

C. Werner, P. Ullrich, M. Geravand, A. Peer, K. Hauer; Heidelberg, Stuttgart, Bristol/UK

Hintergrund: Robotergestützte Rollatoren sind mit technisch fortgeschrittenen Systemen zur physischen, kognitiven und sensorischen Unterstützung des Nutzers ausgestattet. Bei der Evaluation von „Altersgerechten Assistenzsystemen für ein selbstbestimmtes Leben“ ist nicht nur die Überprüfung der technischen Funktionsfähigkeit wichtig, sondern auch die der Benutzertauglichkeit, der Effektivität und der Sicherheit des Systems aus der Perspektive des Nutzers.
Zielstellung: Ziel des systematischen Reviews war es, das methodische Vorgehen von Studien zur Evaluierung robotergestützter Rollatoren aus der Nutzerperspektive zusammenzufassen und Empfehlungen für zukünftige Evaluationsstudien zu geben. Methodik: Eine systematische Literaturrecherche wurde nach Cochrane-Standards in den elektronischen Datenbanken Pubmed und IEEE Xplore durchgeführt (bis 12/2014). Folgende Einschlusskriterien wurden definiert: Evaluationsstudien zur Interaktion zwischen einem robotergestützten Rollator und dem Nutzer, keine Einzelfallstudien, publiziert in Englisch.
Ergebnisse: Insgesamt konnten 28 Studien identifiziert werden. Diese zeigten hinsichtlich der Zielgruppe, der Studienteilnehmer sowie der verwendeten Studiendesigns und Assessmentverfahren eine große Heterogenität. Eine generische Methodik zur Evaluierung von robotergestützten Rollatoren konnte nicht identifiziert werden. Methodische Mängel zeigten sich in der unzureichenden Stichprobenbeschreibung und -größe sowie im Fehlen von geeigneten, standardisierten und validierten Assessmentverfahren. Die langfristige Nutzung in der habituellen Umgebung der Nutzer wurde nicht evaluiert.
Schlussfolgerung: Für zukünftige Evaluationsstudien können folgende Empfehlungen gegeben werden: klare Definition der Zielgruppe; adäquate Studienteilnehmer; Einschluss anderer Mobilitätshilfen als Vergleich; Evaluation habitueller Anwendung von fortgeschrittenen Prototypen; angemessene Assessmentstrategien mit standardisierten und validierten Methoden; statistische Überprüfung der Studienergebnisse. Die Assessmentstrategien sollten außerdem auf spezifische Funktionalitäten des robotergestützten Rollators ausgerichtet sein, um eine individuell zugeschnittene Bewertung der innovativen Funktionen zu ermöglichen und um deren Mehrwert dokumentieren zu können.

14:45
Aktivität zuhause lebender Senioren nach Schenkelhalsfraktur - Zusammenhänge von Sensordaten und klinischen Assessmentergebnissen in zwei Fallbeispielen
P057 

L. Dasenbrock, E. E. Steen, B. Saalfeld, M. Schulze, M. Becker, P. Bente, M. Dölle, M. Gietzelt, K. Holtkamp, R. Haux, A. Hein, G. Kolb, H. Künemund, C. Lammel-Polchau, M. Marschollek, M. Meis, H. Meyer zu Schwabedissen, K.-H. Wolf, J. Bauer; Oldenburg, Hannover, Braunschweig, Heidelberg, Lingen, Vechta

Hintergrund: Das Wiedererlangen von Mobilität ist ein wichtiges Ziel nach Schenkelhalsfraktur. Eine sensorbasierte Erfassung der physischen Aktivität (PA) kann unter anderem auch Veränderungen der Mobilität dokumentieren [1,2]. In zwei Fallanalysen wird dargelegt, auf welche Weise Sensordaten zur PA zu „klassischen“ Mobilitätstests in Beziehung gesetzt werden können.
Methode: 24 Senioren (≥70 Jahre) nach Schenkelhalsfraktur wurden drei Monate in ihren Wohnungen beobachtet. Die PA wurde aus verschiedenen Sensordaten abgeleitet. Raumwechselverhalten, Ruhephasen, Abwesenheiten und Besuchszeiten wurden mit Hausautomationssensoren (HAS) erkannt. Aus den Daten eines Beschleunigungssensors (BS) wurde über die aggregierte absolute Abweichung vom Median ein individueller Aktivitätsscore berechnet. Zu Beginn der Studie sowie in der Folge monatlich wurde die individuelle Mobilität u.a. über die 4-m-Gehgeschwindigkeit erhoben.
Ergebnisse: Die Messung der PA über die HAS und den BS lässt sich innerhalb der Wohnung parallel abbilden. Mit HAS-Daten werden neben Zeiten außerhalb der Wohnung Ruhezeiten sowie Ausfallzeiten des Systems ermittelt. Der BS zeigt die Intensitäten der PA über den Tag verteilt. Exemplarisch werden Verlaufskurven der PA von zwei Probanden über drei Monate dargestellt. Ergebnisse der 4-m-Gehgeschwindigkeit bei Proband 1 waren: 14,90-8,32-8,77-5,57 Sekunden. Bei Proband 2: 4,58-4,99-6,41-5,38 Sekunden. Beim Vergleich der PA und der Mobilität werden Abweichungen deutlich. Während die Aktivitätskurve bei Proband 1 konstant bleibt, kommt es zur Verbesserung in den Mobilitätstests. Bei Proband 2 ist sowohl im Assessment als auch im Aktivitätsscore eine Verschlechterung sichtbar.
Schlussfolgerung: Die PA Werte, basierend auf den Daten des BS und der HAS, zeigen übereinstimmende Verlaufskurven. Während die BS genauere Informationen über die Bewegungsintensität liefern, ergänzen die HAS die Datenerfassung mittels Informationen über Besuch und Aufenthaltsort des Probanden. Die Leistungsfähigkeit und die PA sind nicht per se aufeinander beziehbar. Analysen der Sensordaten einzelner Testitems zur sensorbasierten Ermittlung der Leistungsfähigkeit erscheinen als nächster Schritt sinnvoll.
[1] Schwenk et al. 2014 Gerontology 60. [2] Pol et al. 2013 JAGS 61.

14:45
Gartentherapie in der Geriatrie im Krankenhaus - Chancen und Möglichkeiten
P058 

M. Hornig, S. Distler, M. Lerch; Schwerin, Rupprechtsstegen

Es wird der Einsatz der Gartentherapie in der Klinik für Akutgeriatrie und Frührehabilitation der Helios-Kliniken Schwerin untersucht. Dazu wurden Patienten mit unterschiedlichen Erkrankungen ausgewählt. Es werden die Krankheitsbilder, das Geriatrische Assessment und die Befundungen und Therapieziele der Ergotherapeuten erläutert. Im Gärtnerischen Assessment wurden mit Hilfe eines Fragebogens die biografischen Bezüge der Patienten zu Pflanzen ermittelt. Danach wurden die gartentherapeutischen Ziele (Richt- und Feinziele) erstmalig nach der ICF-Klassifikation formuliert. Der gartentherapeutische Prozess wurde als Gruppenaktivität durchgeführt. Das Therapieprogramm "November" umfasst 10 Therapieeinheiten. Für jeden Patienten wurden in einem Erfassungsbogen die phytobiografischen Bezüge, die Beschreibung der Ressourcen und die gesundheitlichen Beeinträchtigungen erfasst. Auf dieser Basis wurden die Feinziele, wie z.B. "grob- und feinmotorische Mobilität verbessern" (d430, d440, d445) formuliert und nach jeder Therapieeinheit evaluiert. Das Therapieprogramm "November" stellt einen Kompromiss zwischen gärtnerisch Möglichem und gärtnerisch Sinnvollem dar. Außerdem müssen die Hygienevorschriften auf der Station berücksichtigt werden. Daher können keine Tees, Marmeladen oder Salben zubereitet werden. Pflanzen, Früchte, Blätter und Blüten wurden entsprechend der Jahreszeit Herbst ausgewählt. Zusätzlich wurde das mögliche Zusammenspiel von Ergo- und Gartentherapie an einzelnen Beispielen aufgezeigt und die Chancen und Möglichkeiten für die Gartentherapie in der Geriatrie erläutert.

14:45
Pflegegeleitete Beratung für Angehörige älterer Menschen
P059 

H. Hediger, R. Mahrer Imhof; Winterthur/CH

Familien übernehmen über Jahre hinweg einen grossen Anteil der Betreuung und Pflege ihrer älteren Familienmitglieder. Dies kann für alle beteiligten Familienmitglieder zur Belastung werden und Fragen zur Pflege und Betreuung aufwerfen, die sie gerne mit einer Fachperson besprechen würden. Das Institut für Pflege der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften gründete 2012 eine pflegegeleitete Beratungsstelle für Angehörige von älteren Menschen. Die Beratungen erfolgen mit einem Ansatz der familienzentrierten Pflege. Es werden individuelle Beratungen an Familien und die Durchführung öffentlicher Veranstaltungen zu Themen der Familie im Alter angeboten. Die Beratungen und Veranstaltungen werden durch ausgewiesene Pflegeexpertinnen angeboten und moderiert. Die Pflegeexpertinnen haben Erfahrung und Vorwissen in der gerontologischen und familienbezogenen Pflege und sind aufgrund ihrer Ausbildung für eine Praxis als „Advanced Practice Nurses“ (APN) befähigt. Es wurde erfasst, wer das Angebot beansprucht, welche Themen in der Beratung behandelt werden und wie die Zufriedenheit der Teilnehmenden mit der Beratung ist. Zusätzlich wurde untersucht, ob nach der Beratung bei den betreuenden Angehörigen die Belastung geringer und die Bereitschaft eine Pflegeaufgabe zu übernehmen höher ist als vor der Beratung. Zwischen 2012 und 2015 wurden 454 Personen entweder individuell beraten oder an den Themenabenden über wichtige Themen im Alter informiert. Die am häufigsten genannten Probleme der Angehörigen vor der Beratung waren der Gesundheitszustand des Betreuten, die Belastung des betreuenden Angehörigen, Zukunftsängste sowie konflikthafte Familiensituationen. Die betreuenden Angehörigen schätzten die Beratungen als nützlich und die Qualität der Beratungen als hoch ein. Im Durchschnitt sank die subjektiv empfundene psychische und physische Belastung signifikant von 65.5±22.6 auf 55.4±22.0 (Skala 0 bis 100=sehr stark belastet; p=.042) und die Bereitschaft zur Pflege stieg signifikant von 2.1±.58 bis auf 2.5±.6 (Skala 0 bis 4=sehr gute Bereitschaft; p<.001). Mit den Teilnehmenden konnten individuell sehr heterogene Bedürfnisse aufgenommen werden. Die Ressourcen der Familien wurden gestärkt und die Selbstpflege gefördert.

14:45
Evaluation Mobiler Geriatrischer Rehabilitation (MoGeRe) - Bedarf, Inanspruchnahme und Analysen im Verlauf
P060 

H. J. Janßen, L. Köhler, J. C. Behrens, J. W. Kraft, F. Naumann, M. Schmidt-Ohlemann, R. Siegert, M. Warnach; Bremen, Frankfurt a. M., Coburg, Woltersdorf, Bad Kreuznach, Berlin

Fragestellung: Die MoGeRe gilt als neues, flexibles Angebot in der rehabilitativen Versorgung. Geriatrischen Patienten wird der Zugang zu einem Rehabilitationsprogramm ermöglicht. Deutschlandweit gibt es einige mobile Rehabilitationsdienste. Das Bundesministerium für Gesundheit fördert über drei Jahre (2014 bis 2017) ein Forschungsvorhaben zur Evaluation Mobiler Geriatrischer Rehabilitation. Dieses wird hier vorgestellt. Erste Hinweise, Ergebnisse und Diskussionsstände im Verlauf können dokumentiert werden.
Methodik: Das Forschungsvorhaben arbeitet mit einem Mix quantitativer und qualitativer Methoden und ist als multizentrische Studie über fünf Standorte in Deutschland angelegt. Die MoGeRe gilt als komplexe Intervention; das Vorhaben ist in drei Teilprojekte strukturiert: Teilprojekt A: Feststellung des Rehabilitationsbedarfs und der Inanspruchnahme von Rehabilitationsmaßnahmen unter den Gästen der Kurzzeitpflege und den Bewohnerinnen und Bewohnern stationärer Pflegeeinrichtungen. Teilprojekt B: Prospektive Wirkungsanalysen der mobilen geriatrischen Rehabilitation unter Berücksichtigung gesundheitsökonomischer Aspekte, Erhebung der Anforderungen, die an eine fachgerechte und gelingende Zusammenarbeit der (temporär) stationären Pflege und dem mobilen Rehabilitationsdienst gestellt werden. Teilprojekt C: Erstellung von Handlungsempfehlungen, wie ggf. neue konzeptionelle Anforderungen zur Umsetzung der mobilen Rehabilitation in den pflegerischen und rehabilitationsmedizinischen Alltag integriert werden können.
Ergebnisse: Die Evaluation der Mobilen Geriatrischen Rehabilitation und die fundierte Analyse zum tatsächlichen Rehabilitationsbedarf wie -verlauf lassen wertvolle Informationen in der Weiterentwicklung dieser Rehabilitationskonzeption erwarten. Der Verlauf wird in einem Kontrollgruppendesign über vier Messzeitpunkte erfasst. Eine Bedarfsanalyse wurde intern wie extern validiert. Vorliegende Diskussionsstände und Erkenntnisse aus dem Datenmaterial wie dem Projektverlauf können angezeigt werden.
Diskussion / Fazit: Das angestrebte Ziel des Vorhabens ist die „Verbesserung der Rehabilitationschancen für Menschen im stationären Versorgungsbereich“. Relevante Analysen und Problempunkte zu Bedarf, Inanspruchnahme und Verlauf werden erörtert

14:45
Zahnärzte lernen das Altern kennen - die berufsgruppenspezifische Sensibilisierung durch den Gero-Parcours
P061 

A. Stillhart, R. Eckardt, M. Houshmand, I. Nitschke; Zürich/CH, Berlin

Aufgrund der zunehmenden Lebenserwartung und der präventiven Erfolge in der Zahnmedizin ist der Anteil älterer Menschen in der Zahnarztpraxis gestiegen. Betagte und Hochbetagte haben zunehmend eigene Zähne und benötigen eine gute zahnmedizinische Betreuung. Die Ausbildung des Praxispersonals erfordert sowohl theoretische Kenntnisse in den Bereichen Geriatrie, Pflege, Ernährung, Ethik, Gesundheitswissenschaften und ein hohes Maß an empathischen Fähigkeiten im Umgang mit der heterogenen Patientengruppe. Die Vermittlung dieser Kenntnisse erfolgt in Deutschland an vier Universitäten bislang fakultativ. In der Schweiz muss das Fach Seniorenzahnmedizin gelehrt und geprüft werden. Der Gero-Parcours mit 15 Stationen wurde entwickelt, um Zahnärzte mit Themenkomplexen zur Betreuung und zum Umgang mit Senioren zu sensibilisieren. Im Rahmen verschiedener Stationen wurden zahnmedizinische Fälle mit ethischen Aspekten aufgelöst, die non-verbale Kommunikation mit dem Patienten mittels Erkennung und Deutung von Emotionen eingeübt, Prophylaxekonzepte entworfen, klinische Nahrungsergänzungen ausprobiert, Transfertechniken eingeübt und die Hilfsmittel aus der Pflege sowie die Ausrüstung für eine mobile aufsuchende Betreuung getestet. Im Rahmen der Themen zu den Veränderungen der Sinneswahrnehmungen wurden zahnmedizinische Aufgabenstellungen vorbereitet welche den Aufwand des Patienten und seines betreuenden Umfeldes verdeutlichen sollten: Schwierigkeiten wie das Aufsuchen einer Zahnarztpraxisadresse oder die Verwendung von Zahnzwischenraumbürstchen bei einem Handtremor konnten mit einer Simulationsbrille für Augenerkrankungen und mit einem Tremorhandschuh verdeutlicht werden. Die Parcoursteilnehmer konnten durch einen Altersanzug, einen Hemiplegieanzug, Gelenksversteifungen, Hörschutz und Simulationsbrillen körperliche Einschränkungen erfahren. 46 teilnehmende Zahnärzte wurden auf den älteren Mensch in der Praxis sensibilisiert. Als besonders eindrücklich wurden Sinnes- und Mobilitätseinschränkungen beschrieben, dies gipfelt laut Aussagen der Zahnärzte darin eigene Patienten und ihre Einschränkungen erstmalig verstanden zu haben. Der Kurs wurde von den Teilnehmenden zur Sensibilisierung von Praxismitarbeitenden empfohlen und bereits für weitere Berufsgruppen durchgeführt.

14:45
Evaluation von implementierungsbezogenen Langzeiteffekten des bayerischen Sturz- und Frakturpräventionsprogrammes in vollstationären Pflegeeinrichtungen
P062 

P. Roigk, K. Rupp, C. Becker, K. Rapp; Stuttgart

Hintergrund: In den Jahren 2007-2010 wurde das AOK-finanzierte Sturz- und Frakturpräventionsprogramm in bayerischen vollstationären Pflegeeinrichtungen implementiert. Die Einrichtungen verpflichteten sich dabei für einen Zeitraum von drei Jahren das Programm fortzuführen. Im Rahmen eines Kooperationsprojektes war es nun das Ziel, die Langzeiteffektivität und die Langzeitkosten des Programms zu analysieren. Eine der Fragestellungen war, inwieweit die Kernelemente des Programms langfristig umgesetzt wurden und welchen Effekt die Teilnahme am Programm auf die Umsetzung von Maßnahmen zur Sturzprävention hatte.
Methodik: Die Fragestellung wurde anhand webbasierter Fragebögen untersucht.
Ergebnis: Von den 1320 versendeten Fragebögen wurden 243 beantwortet, was einer Rücklaufquote von 18,4% entspricht. Der über die Programmjahre hinaus verbliebene prozentuale Anteil an ausgebildeten MentorInnen und Co-TrainerInnen lag je nach Interventionsjahr zwischen 11,1-33,3% bzw. 48,1-66,7%. Die Dauer des Kraft- und Gleichgewichtstraining lag mit 45 Minuten im Median signifikant unter den Programmempfehlungen von 60 Minuten. Der Vergleich von Heimen, die am Programm teilgenommen hatten mit Heimen, die nicht teilgenommen hatten, zeigte, dass die Teilnahme am Programm das Vorhandensein einer Kraft- und Gleichgewichtsgruppe auch heute noch um 37% wahrscheinlicher machte (relative Wahrscheinlichkeit 1,37; 95%-KI: 1,08-1,75). Die Verwendung von Gewichtsmanschetten im Gruppentraining war gar um den Faktor 3 wahrscheinlicher (2,97; 95%-KI: 1,57-5,62). Zudem wurden die Überprüfung der Medikation und die Verordnung von Vitamin D durch Pflegende in den hausärztlichen Visiten in den Heimen, die am Programm teilgenommen hatten, häufiger thematisiert.
Zusammenfassung: Auch nach Ende des Programms werden in den Interventionsheimen häufiger Maßnahmen zur Sturzprävention eingesetzt. Allerdings finden sich Defizite bei der Umsetzungstreue des Programms.

14:45
Alternative Wohn- und Versorgungsformen für ältere Menschen Ergebnisse einer dreijährigen Studie (2013 - 2016) am Beispiel einer ländlichen Region (hier: Ostfriesland)
P063 

M. Haefker, K. Tielking; Emden

Auf Grund der fehlenden ambulanten Wohn- und Versorgungsstrukturen für ältere Menschen in suburbanen Regionen und dem anhaltenden Fachkräftemangel sind innovative Ansätze bezüglich wohn- und gesundheitsbezogener Versorgungsformen notwendig. Hier setzt das zwischen 2013 - 2016 durchgeführte Forschungsprojekt an, in die Forschungsfrage lautet: Den Lebensabend in einer Wohngruppe verbringen - romantischer Lebensstil oder praktikable Realität als Alternative zur Institutionsversorgung? Die Studie wird durch die Hochschule Emden/Leer, Fachbereich Soziale Arbeit und Gesundheit durchgeführt. Untersucht werden neben generellen Versorgungsaspekten Belange ambulanter Pflegedienste; hier am Beispiel der Sozialstation im Brookmerland- ambulant helfen. Die Methodik basiert auf dem Mixed Methods Prinzip (Kelle, 2014). Der Ist- Stand wurde über einrichtungsspezifische Daten erhoben, mit kommunalen/bundesweiten Daten verglichen und analysiert. Zum Einsatz kam ein standardisierter Fragebogen, ausgewertet mit deskriptiver Inferenzstatistik. Auf der Basis des quantitativen Ist-standes wurden fünf qualitativ methodische Ansätze von Einzel-/ Gruppeninterviews angewendet. Insgesamt 13 Interviews wurden mit der qualitativen Inhaltsanalyse, eines mit der Narrationsanalyse ausgewertet. Die wissenschaftliche Bearbeitung erfolgt nach der Partizipativen Qualitätsentwicklung (Wright, 2010), festgehalten durch 13 Ergebnisauswertungen der Qualitätszirkel sowie 24 Protokollen im Rahmen des Hochschul- Praxistransfers. Die Gesamtergebnisse zeigen, wie sich das alternative Wohn- /Versorgungsangebot im Prozess der rechtlichen Novellierungen/demografischen Entwicklungen verortet und welche Alleinstellungsmerkmale kennzeichnend sind. Die Analyse empirisch erhobener Daten von den im Forschungsfeld lebenden und arbeitenden Menschen zeigt, wie ein ambulanter Versorgungsanbieter im ländlichen Raum mit den demografischen Herausforderungen entlang des Arbeitskonzeptes Lowys (1981) umgeht, um den Bedarfslagen aller Beteiligten gerecht zu werden. Empfehlungen für aktuelle Versorgungsfragen, insbesondere für im Forschungsfeld handelnde Akteure werden dargelegt, um der Wohn- /Versorgungsform älterer Menschen und der Berufssituation von Pflegekräften bedürfnisorientiert begegnen zu können.

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