Poster
Freitag, 09.09.2016
14:45 - 15:45
Poster Turm A
P12
Poster: NRW Fortschrittskolleg GROW (P105-P115)

Moderation: H. Wahl, Heidelberg

14:45
NRW Fortschrittskolleg GROW - Wohlbefinden bis ins hohe Alter / Gerontological Research On Well-Being: Transdisziplinäre Promotionen in der Gerontologie
P105 

K. Kähne, S. Zank; Köln

Hintergrund: Das NRW Fortschrittskolleg GROW wird vom Ministerium für Innovation, Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert, dessen Forschungsstrategie Fortschritt NRW die inter- und transdisziplinäre Forschung zu großen gesellschaftlichen Herausforderungen wie den Folgen des demographischen Wandels fokussiert. Übergeordnetes Ziel ist es, in den Promotionen praxisrelevante Ressourcen und Barrieren für das Wohlbefinden bis ins hohe Alter zu identifizieren und konkrete Maßnahmen zu entwickeln, um das Wohlbefinden älterer Menschen zu verbessern. Den theoretischen Rahmen bilden die Lebenslaufperspektive und die Person-Umwelt-Interaktion auf Makro-, Meso- und Mikroebene.
Methode: GROW ist ein inter- und transdisziplinäres Promotionskolleg. Zehn Professor*innen der Humanwissenschaftlichen, Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen sowie Medizinischen Fakultät der Universität zu Köln betreuen in interdisziplinären Teams die Dissertationen. In den Kolloquien und Seminaren, aber auch beim informellen täglichen Austausch bringen die elf Doktorand*innen die Perspektiven ihrer Fachdisziplinen ein: Gesundheitsökonomie und Health Sciences, Pädagogik, Politikwissenschaften, Psychologie, Rehabilitationswissenschaften und Soziologie.
Transdisziplinarität verstehen wir als eine Wissenschaftspraxis im Dialog mit potentiellen Wissensnutzer*innen, welche von lebensweltlichen Problemen ausgeht und diese unter Einbeziehung von Praxiswissen erforscht. Praxispartner*innen beraten die Doktorand*innen als Mentor*innen: Sie bringen ihre Expertise ein, achten auf die lebensweltliche Relevanz und unterstützen bei der Vermittlung der Forschungsergebnisse.
Ergebnisse: Gemeinsam mit den Praxispartner*innen sollen die Forschungsergebnisse mit dem Wissen der Praxis zusammengeführt und aufbereitet werden. Langfristige Wirkungen in Wissenschaft und Gesellschaft sind durch die inter- und transdisziplinäre Ausbildung der Doktorand*innen zu erwarten.

14:45
„Wir kennen uns seit Urzeiten” - Zur Bedeutung von Vertrauen und Generativität in sozialen Beziehungen kinderloser, alleinstehender Älterer aus biographischer Perspektive (NRW Fortschrittskolleg GROW)
P106 

K. Alert, S. Zank, F. Oswald; Köln, Frankfurt a. M.

Die Pluralisierung der Lebensstile hat zur Folge, dass in den kommenden Jahren wieder mehr kinderlose und alleinstehende Menschen alt werden. Die vermeintliche Risikokonstellation kinderlos und alleinstehend älter zu werden erweist sich empirisch als wenig haltbar. Allerdings beschäftigt sich der wissenschaftliche Diskurs kaum damit, wie Kinderlosigkeit über den Lebenslauf hinweg von Frauen und Männern erlebt wird und sich konkret auf deren Lebenswelt im Alter auswirkt. Kinderlosigkeit im Alter wird daher aus einer Prozess- und Lebenslaufperspektive betrachtet, um der biographischen Komplexität dieses Themas gerecht zu werden. Herausgegriffen werden in diesem Beitrag Vertrauen und Generativität in sozialen Beziehungen innerhalb der unterschiedlichen Biographien. Im Zuge der ersten Erhebungsphase wurden acht narrative Interviews mit kinderlosen alleinlebenden Frauen (66-80 Jahre) geführt, die mit der Methode der biographischen Fallrekonstruktion ausgewertet werden. In einer zweiten Feldphase werden aktuell Interviews mit kinderlosen, alleinstehenden Männern geführt. Erste Analysen weisen darauf hin, dass sich die Personen frühzeitig außerfamiliäre Netzwerke im Sinne eines social convoys aufbauen und diese ihr Leben lang pflegen. Vertrauenspersonen (z.B. Freund*innen, Nachbar*innen oder Haushaltshilfen) spielen eine wichtige Rolle beispielsweise im Hinblick auf die Organisation von Vorsorgeaspekten wie der Patientenverfügung. Weiterhin zeigt sich generatives Verhalten in Form von ehrenamtlichem Engagement und der Zusammensetzung sozialer Netzwerke schon früh in den Biographien und dient im Alter als Ressource für subjektives Wohlbefinden. Das Fehlen einer Vertrauensperson oder intergenerationeller Beziehungen im Alter wird negativ erlebt. Die vorläufigen Ergebnisse weisen auf eine ressourcenorientierte Gestaltung der Lebensphase Alter und die belegte Bedeutung sozialer Kontakte hin. In den Biographien werden kumulierte Ressourcen und Risiken für das Alter(n) sichtbar. Die biographische Perspektive ermöglicht eine facettenreiche Darstellung von Aufbau, Verlauf und Verlust von bedeutsamen sozialen Beziehungen bei kinderlosen und alleinstehenden Älteren.

14:45
Enkelkinderbetreuung und die gesundheitliche Entwicklung von Großeltern - Eine empirische Analyse auf Basis des Deutschen Alterssurveys (DEAS) (NRW Fortschrittskolleg GROW)
P107 

M. Ates; Köln

Eine Gesellschaft des langen Lebens eröffnet neue Möglichkeiten intergenerationaler Beziehungen. Für die Familie bedeutet das, dass die gemeinsame Lebensspanne von Großeltern und Enkelkindern im Durchritt immer länger wird. Betreuungsleistungen der Großeltern für ihre Enkelkinder sind somit zu einer relevanten familiären Ressource geworden.
Einschlägige Forschungsergebnisse zeigen, dass sich ein hohes Maß der Enkelkinderbetreuung negativ auf die Gesundheit und das psychische Wohlbefinden der Großeltern auswirken kann. Dies gilt vor allem dann, wenn Großeltern ihre Enkelkinder im eigenen Haushalt großziehen und dabei keine soziale Unterstützung erhalten. Betreuungsarrangements, bei denen die Großeltern eine ergänzende Rolle bei der Enkelkindbetreuung übernehmen, sind nur wenig erforscht. Dabei ist letzteres Phänomen weit aus verbreiteter, besonders im deutschen Kontext. Die vorliegende Studie untersucht für Deutschland, welchen Einfluss unterstützende Enkelkinderbetreuung auf subjektive Gesundheit, körperliche Funktionsfähigkeit und depressive Symptome ausübt. Dazu werden die Wellen 3 (2008) und 4 (2011) des Deutschen Alterssurveys (DEAS) ausgewertet. Die Enkelkinderbetreuung wird operationalisiert als repeated care (beide Wellen), started care (nur Welle 4), stopped care (nur Welle 3) und no care.
Die Ergebnisse beruhen auf linearen Regressionsanalysen, unter Kontrolle der outcome Variablen zum Zeitpunkt t1 und weiterer Kontrollvariablen. Im Vergleich zu Großeltern, die ihre Enkelkinder nicht betreuen, weisen Großeltern, die ihre Enkelkinder in beiden Wellen betreuen, eine signifikant bessere subjektive Gesundheit und körperliche Funktionsfähigkeit auf. Es werden keine signifikanten Effekte beobachtet, wenn Enkelkinder lediglich in einer Welle betreut werden. Depressive Symptome werden weder positiv noch negativ durch die Enkelkinderbetreuung beeinflusst. Zusammengefasst lässt sich festhalten: Unterstützende Enkelkinderbetreuung ist positiv mit der gesundheitlichen Entwicklung der Großeltern assoziiert, wenn das Engagement über einen längeren Zeitraum stattfindet.

14:45
Altersfreundlichkeit und intergenerationale Gegenseitigkeit im Quartier - Erschließung und Beschreibung des Sozialraums im Rahmen der Quartiersentwicklung (NRW Fortschrittskolleg GROW)
P108 

A. Bergholz; Köln

Quartier, Nachbarschaft und unmittelbares Wohnumfeld werden mit zunehmendem Alter aufgrund von kleiner werdenden Aktionsradien und dem Wunsch des Verbleibs in der gewohnten Umwelt immer bedeutsamer. Soziale Teilhabe und intergenerationale Solidarität im Sozialraum sind zentrale Aspekte der praktischen und wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit Altern. Aufgrund dessen ist die Perspektive aller Generationen notwendig, um Intergenerationalität in der Lebenswelt (untersucht wird Alltagserleben und ehrenamtliches Engagement in Vereinen) unter Berücksichtigung sozialräumlicher Kontexte (Stadtteilportrait) zu verstehen.
Demzufolge wird in einem explorativ-qualitativen Zugang das intergenerationale Miteinander in einem Stadtviertel in Krefeld unter den Aspekten gegenseitige Wahrnehmung von Jung und Alt, Quartiersidentifikation, inter- und intragenerationale Austauschbeziehungen sowie Zusammenwirken in Vereinen untersucht. In diesem Zusammenhang sind sozialräumliche Bezüge als Rahmenbedingungen des Alterns und intergenerationalen Miteinanders von besonderer Bedeutung. Anhand eines Stadtteilportraits soll der Kontext von Alterserleben und intergenerationalem Miteinander eingeholt werden. Das Stadtteilportrait soll neben der transdisziplinären Zusammenarbeit mit einem Quartiersentwickler zur Erstellung desselben sowie der gemeinschaftlichen Erschließung des Forschungsfeldes (Stadtviertel und Vereine) zentraler Gegenstand der Posterpräsentation sein.
Für die Erstellung des Stadtteilportraits werden Stadtteilbegehungen durchgeführt und informelle Gespräche mit der Wohnbevölkerung geführt und durch die Auswertung amtlich statistischer Daten ergänzt.
Erste Erfahrungen zeigen, dass die transdisziplinäre Zusammenarbeit mit einem Quartiersentwickler der Erschließung des Forschungsfeldes dienlich ist und Forschungsergebnisse unmittelbar in den erforschten Sozialraum wirken können und somit Praxisrelevanz besitzen. Weiterhin kann konstatiert werden, dass Aspekte der Achtsamkeit im untersuchten Stadtviertel wenig ausgeprägt zu sein scheinen.

14:45
Ressourcen und Barrieren für Funktionalität und subjektives Wohlbefinden bei geriatrischen Patienten (NRW Fortschrittskolleg GROW)
P109 

S. Bordne, R.-J. Schulz, S. Zank; Köln

Fragestellung: Bedingt durch den demografischen Wandel sieht sich Deutschland mit einer stetig wachsenden Zahl geriatrischer Patienten konfrontiert, welche sich zunächst durch ein hohes Alter (>65 Jahre) und Multimorbidität (=2 chronische Krankheiten) auszeichnen. Bisherige Forschungsarbeiten beschäftigen sich im Hinblick auf diese besondere Patientenpopulation vor allem mit dem Outcome der Funktionalität, während das subjektive Wohlbefinden (SWB) noch ebenso wenig Beachtung findet wie mögliche Prädiktorvariablen für diese beiden Zielgrößen geriatrischer Behandlung. Ziel des Promotionsprojektes ist es vor geschildertem Hintergrund eine Vorstellung darüber zu entwickeln, wie Funktionalität und SWB bei geriatrischen Patienten sinnvoll definiert und operationalisiert werden können und welche potentiellen Einflussfaktoren existieren.
Methodik: Nach einer theoriegeleiteten Arbeitsdefinition der Zielgrößen Funktionalität und SWB werden im Sinne der Hypothesengenerierung anhand qualitativer Interviews mit Betroffenen relevante Einflussfaktoren ermittelt. Diese sollen gegebenenfalls durch aus der Literatur extrahierte Faktoren wie z.B. Sehbeeinträchtigungen, Kontrollüberzeugungen oder soziale Vergleichsprozesse, welche bisher im geriatrischen Forschungskontext wenig Beachtung finden, ergänzt werden. Die sich anschließende quantitative Befragung soll dann anhand standardisierter Fragebogeninventare mit 100-150 Patienten am Ende ihres stationären geriatrischen Rehabilitationsaufenthaltes in einem Kölner Krankenhaus durchgeführt werden.
Ergebnis: Am Ende des Promotionsprojektes steht die Entwicklung eines biopsychosozialen Modells von Ressourcen und Barrieren für Funktionalität und SWB bei geriatrischen Patienten.

14:45
Einstellungen zu Sterben, Tod und Endlichkeit - Ein deutschsprachiges Erhebungsverfahren für Forschung und Praxis (NRW Fortschrittskolleg GROW)
P110 

B. Groebe, J. Strupp, C. Rietz, R. Voltz; Köln

Hintergrund: Einstellungen zu Sterben, Tod und Endlichkeit sind multidimensional und verändern sich über den Lebenslauf. In bestimmten Kontexten, z. B. in Einrichtungen der Altenhilfe, treten negative Einstellungen, wie Ängste vor Sterben und Tod, vermehrt auf. Durch Einsatz valider Erhebungsverfahren lassen sich vulnerable Personen und deren Ressourcen identifizieren, um geeignete Interventionen zur Stärkung des Wohlbefindens anzuschließen. In der Forschungspraxis kann ein solches Verfahren der Untersuchung der Wirksamkeit von Interventionen dienen. Ziel der Arbeit ist es, ein deutschsprachiges Instrument zu entwickeln, das Einstellungen zu Sterben und Tod multidimensional erfasst, dabei kontextspezifische Bedingungen berücksichtigt, auch alternative Methoden zum Fragebogen-Format (u.a. projektive Verfahren) verwendet und sowohl in Forschung als auch in klinischer Praxis einsetzbar ist.
Methode: Nach einem Systematic Review über bisherige Erhebungsverfahren und der Sammlung möglicher Items aus diesen Verfahren sollen Fokusgruppen mit Praxisvertretern stattfinden. Hierin soll die Sicht der Praxis ermittelt werden, um bei der Entwicklung des Erhebungsverfahrens nicht nur die Anforderungen der Forschung, sondern auch des klinischen Versorgungsalltag zu integrieren. Es gilt die Relevanz der Thematik, die Anforderungen der klinischen Praxis an ein solches Instrument und Ideen zur Gestaltung des Verfahrens zu erörtern. Auf Basis dieser Vorarbeiten wird ein neues Erhebungsverfahren entwickelt, das in einer Pilot-Testung zunächst erprobt und von der Praxis hinsichtlich Anwendbarkeit und Gestaltung beurteilt werden soll. Abschließend folgt die Validierung und Normierung der Endversion des Verfahrens.
Ausblick: Deutschsprachige Verfahren wurden hauptsächlich als Fragebogen zu Forschungszwecken an studentischen Populationen entwickelt, untersuchen Einstellungen zu Sterben und Tod als Persönlichkeitsmerkmal (Trait) und betrachten vor allem negative Aspekte der Einstellungen.
Derzeit verfügbare deutschsprachige Verfahren erscheinen unzureichend. Es bedarf der Entwicklung eines Erhebungsverfahrens mit und für die klinische Praxis, das auch sensibel ist für zustandsbezogene Einstellungen (State) von Menschen am Lebensende, in Abgrenzung zu Persönlichkeitsmerkmalen.

14:45
Partnerschaftsspezifische Einflussfaktoren auf das riskante Gesundheitsverhalten im Alter: Befunde aus dem Deutschen Alterssurvey (NRW Fortschrittskolleg GROW)
P111 

R. Hilz; Köln

Die vorliegende Forschungsarbeit beschäftigt sich mit der Frage, ob und wie der aktuelle Familienstand mit verschiedenen Dimensionen des Gesundheitsverhaltens im Alter zusammenhängt. Im Fokus stehen vier gesundheitsbezogene Verhaltensbereiche bei Personen ab dem 40. Lebensjahr: Das Rauchverhalten, das Ausmaß sportlicher Aktivität, das Körpergewicht und die Teilnahme an medizinischen Vorsorgeuntersuchungen. Gemäß der Annahme des Protektionseffekts der Ehe soll mithilfe multivariater Regressionsverfahren analysiert werden, ob ein höheres gesundheitsbezogenes Risikoverhalten bei Getrenntlebenden, Ledigen oder Verwitweten im Vergleich zu Verheirateten unter Berücksichtigung der Ehe(auflösungs)dauer vorliegt. Die Datengrundlage der Querschnittsuntersuchung ist die dritte Erhebungswelle des Deutschen Alterssurveys aus dem Jahr 2008. Den Ergebnissen zufolge liegt die höchste Wahrscheinlichkeit für ein aktives Rauchverhalten bei Personen vor, die seit mehr als zehn Jahren geschieden oder getrennt leben im Vergleich zu Personen, die seit über zwanzig Jahren verheiratet sind. Demgegenüber weisen kürzlich Verwitwete und Ledige geringere Risikowerte auf. Bei der Untersuchung des Risikos für mangelnde Sportaktivitäten treten keine signifikanten Zusammenhänge bei den Partnerschaftstypen hervor, wenn für weitere Prädiktoren kontrolliert wird. Entgegen des Protektionsansatzes verzeichnen Ledige eine geringere Wahrscheinlichkeit für ein gesundheitsriskantes Übergewicht in Relation zum Body-Mass-Index von Verheirateten. Ein geringeres Risiko für Übergewicht ist ebenfalls bei Personen mit einer Ehedauer von unter zwanzig Jahren zu beobachten. Andererseits steigt bei Singles und seit über zehn Jahren Getrenntlebenden die Wahrscheinlichkeit für die Nichtteilnahme am Gesundheit-Check-Up.
Mit den Forschungsergebnissen können wissenschaftlich begründete Empfehlungen für zielgruppenspezifische Gesundheitsprogramme vermittelt werden. Für zukünftige Studien sind insbesondere Längsschnittuntersuchungen zur verbesserten Kausalitätsanalyse und zur Kontrolle von Selektionsmechanismen erforderlich.

14:45
Die Motivation Älterer zum Selbst-Monitoring: eine qualitative Längsschnittstudie aus interdisziplinärer Perspektive (NRW Fortschrittskolleg GROW)
P112 

A. L. Schlomann, K. von Storch, C. Rietz; Köln

Studien haben gezeigt, dass körperliche Aktivität durch Selbst-Monitoring zumindest kurzfristig gefördert werden kann (Steinert et al., 2015). Selbst-Monitoring bezeichnet das Dokumentieren von Bewegung und weiteren Gesundheitsindikatoren mit tragbaren elektronischen Geräten wie Fitness Trackern. Ausreichend Bewegung ist insbesondere zur Prävention von gesundheitlichen Einschränkungen im höheren Alter wichtig. Bisher ist aber ungeklärt, wie ältere Menschen Selbst-Monitoring betreiben und welches Feedback sie sich dabei wünschen. Langfristige motivationale Aspekte sowie weitere Folgen des Selbst-Monitorings sind ebenfalls kaum untersucht (Fritz et al., 2014).
Ziel der Studie war es, Erfahrungen, Chancen und Grenzen des Selbst-Monitorings bei älteren Menschen in einer langfristigen und interdisziplinären Perspektive (Public Health, Sozialwissenschaften und Psychologie) zu untersuchen.
Mit den Teilnehmern einer Usability-Studie zur Verwendung von Fitness Trackern wurde unmittelbar nach Abschluss der vierwöchigen Laufzeit ein leitfadengestütztes Gruppeninterview geführt (N=6, Ø-Alter 71,7 Jahre). Diskutierte Themen waren Erfahrungen mit dem Fitness Tracker und Auswirklungen des Selbst-Monitorings auf das Verhalten. Eine Follow-Up-Befragung der Probanden wird ein Jahr nach der Usability-Studie (2. Quartal 2016) stattfinden, um mögliche Veränderungen in Motivation und Akzeptanz bei der langfristigen Verwendung zu identifizieren.
Zum ersten Zeitpunkt hatten fünf der sechs Probanden den Fitness Tracker in ihren Alltag integriert. Es konnten vier Hauptthemen in der Diskussion identifiziert werden: „Gründe für die Nutzung“, „Handlungsstrategien“, „Folgen der Nutzung“ und „Funktionsfähigkeit des Geräts“. Diese Befunde werden in der Follow-Up-Studie bzgl. ihrer Nachhaltigkeit überprüft. Generell sind ältere Menschen zum Selbst-Monitoring motiviert. Es zeigten sich jedoch auch problematische Aspekte wie eine fehlende Passung aktueller Geräte zu den Bedürfnissen älterer Personen. Dies kann zu Überforderung und einem erhöhten Bedarf an Unterstützung führen. Wenn diese Anforderungen berücksichtigt werden, kann Selbst-Monitoring zu einer Förderung der Bewegung im höheren Alter beitragen. Die Follow-Up-Studie wird Aussagen über die Langfristigkeit der Verwendung erlauben.

14:45
Sozialer Treffpunkt als Ressource zur Herstellung des Wohlbefindens (NRW Fortschrittskolleg GROW)
P113 

N. Schulz; Köln

Im Kontext der Auseinandersetzung über die Bedingungen eines ‚guten‘ Alterns und die Sicherstellung von Lebensqualität bis ins hohe Alter wird verstärkt die Frage diskutiert, wie sich das Leben im Altersverlauf gestalten lässt. Insbesondere wenn durch Migration eine Lebensortveränderung in eine fremde Kultur durchlebt und der Lebensverlauf von einer „Gleichzeitigkeit von Zugehörigkeit und Ausschluss“ gekennzeichnet ist, sind Fragen nach Prozessen und Anforderungen eines gelingenden Alterns von hoher Relevanz. Es soll der Frage nachgegangen werden, welche Aktivitäten von einer Gruppe älterer Spätaussiedlerinnen zur Erhaltung und Förderung von Wohlbefinden im Alltag unternommen und wie diese im Sozialraum organisiert werden. Im Fokus steht die Frage, welche Funktionen soziale Treffpunkte erfüllen und wie diese Orte über Öffnungs- und Schließungsmechanismen reguliert werden.
Ausgehend vom Forschungsinteresse wurde ein ethnographischer Zugang zur sozialräumlichen Wirklichkeit einer Gruppe älterer Spätaussiedlerinnen gewählt und ein sozialer Treffpunkt über mehrere Monate aktiv teilnehmend beobachtet. Dabei wurden Beobachtungsprotokolle angefertigt und Gesprächssituationen aufgenommen, die mittels der Grounded Theory analysiert und rekonstruiert wurden, um aus der Perspektive der Gruppe die Bedeutung und Funktion solcher Treffpunkte zu verstehen und erklären zu können. Hierbei hat sich gezeigt, dass soziale Treffpunkte als Ort der Anerkennung und Zugehörigkeit verstanden werden können, an dem Rituale und Traditionen selbstbestimmt organisiert und verstetigt werden können. Dabei fungieren sie als „Schutzräume“, die über soziale Ein- und Ausschlussmechanismen reguliert werden und eine zentrale Orientierungsfunktion im Alltag erfüllen.
In diesem Zusammenhang wäre zu diskutieren, inwiefern symbolische Grenzziehungen und die daraus resultierenden Klassifikationsformen, die für die Selbstwahrnehmung und Identitätskonstruktion zwar bedeutsam sind, gleichzeitig auch als symbolische Reproduktion sozialer Ausgrenzung verstanden werden können.

14:45
Die Rolle lokaler Beraterinnen und Berater bei der Versorgung pflegebedürftiger Menschen mit Migrationshintergrund und ihrer Angehörigen in Krefeld (NRW Fortschrittskolleg GROW)
P114 

R. Tebest, F. Schulz-Nieswandt, S. Stock; Köln

Fragestellung: Ein Viertel der deutschen Bevölkerung hat einen Migrationshintergrund. Viele dieser Menschen kommen jetzt in ein Alter, in dem das Risiko von Pflegebedürftigkeit steigt. Daher wird die Versorgung pflegebedürftiger MigrantInnen von vielen ExpertInnen als eine der größten gesellschaftspolitischen Herausforderungen beschrieben. In einem aktuellen Projekt wird in der Stadt Krefeld die Rolle lokaler BeraterInnen aus der Pflege- und Migrationsberatung bei dieser Herausforderung untersucht. Eine zentrale Fragestellung dieses Projektes besteht darin, welche unterschiedlichen Beratungsangebote in der Stadt Krefeld pflegbedürftigen MigrantInnen und ihren Angehörigen zur Verfügung stehen und wie sich diese unterscheiden
Methodik: Die Erhebung der örtlichen Beratungsinfrastruktur wird im Rahmen der kommunalen Pflegeplanung gemeinsam mit der Stadt Krefeld durchgeführt. Das Erhebungsinstrument besteht aus 15 Fragen zu den Beratungsangeboten und dem verwendeten Betriebskonzept sowie zu den eingesetzten MitarbeiterInnen und deren Qualifikation. Befragt werden die Träger aller Beratungsangebote der Stadt Krefeld, der vor Ort tätigen Kranken- und Pflegekassen, der Wohlfahrtsverbände, der Compass Pflegeberatung, sowie aller ambulanten Pflegedienste. Die Kontaktaufnahme erfolgt über die Teilnahme an bestehenden Netzwerktreffen der örtlichen Pflegeplanung. Weitere Akteure werden telefonisch oder per E-Mail über das Vorhaben informiert und um Teilnahme gebeten. Die Erhebung der Daten erfolgt in einem persönlichen Gespräch vor Ort oder per Telefon.
Ergebnisse: Die Erhebung und Auswertung der Daten ist voraussichtlich im August 2016 abgeschlossen. Erste Ergebnisse zeigen sehr große Unterschiede bei den erhobenen Angeboten. Dies betrifft u.a die angebotenen Leistungen und ihre Erreichbarkeit, die Qualifikation der eingesetzten BeraterInnen, die Berücksichtigung von Menschen mit Migrationshintergrund sowie die Dokumentation der Beratung.

14:45
Strukturelle Determinanten der Ergebnisqualität in stationären Altenpflegeeinrichtungen: Ein transdisziplinäres Dissertationsprojekt (NRW Fortschrittskolleg GROW)
P115 

J. Zimmermann, H. Pfaff, M. Wagner; Köln

Hintergrund: Bislang fehlt in der pflegerischen Versorgung in Deutschland eine komplexe Qualitätsberichterstattung von Ergebnisqualität im Sinne von Donabedian (1988). Zugleich zeigt breite wissenschaftliche Evidenz vor allem aus den USA, dass sich die Versorgungsqualität der Pflegeeinrichtungen am besten anhand gesundheitsbezogener Qualitätsindikatoren von Bewohnern beurteilen lässt. Vor diesem Hintergrund entstand das Kooperationsprojekt „Ergebnisqualität in der stationären Altenhilfe – EQisA“ des Diözesan-Caritasverbands Köln und des Instituts für Pflegewissenschaft an der Universität Bielefeld. Es handelt sich dabei um eine Weiterentwicklung der Ergebnisindikatoren, die im Zeitraum 2009 - 2010 im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums und des Bundesministeriums für Familien und Senioren erarbeitet und erprobt wurden. Die aktuell erhobenen Daten werden in diesem Dissertationsprojekt zu weiteren Auswertungen genutzt.
Fragestellung: Ziel ist zu ermitteln, wie sich strukturelle Merkmale der am EQisA-Projekt teilnehmenden Altenpflegeeinrichtungen auf ihre Ergebnisqualität auswirken und welche Rolle das Vorhandensein eines Gesundheits- und Demografie-Managements dabei spielt.
Methodik: Die Untersuchung erfolgt in zwei Schritten. Zunächst werden deskriptive und multivariate Analysen durchgeführt, um die Ergebnisqualität durch strukturelle Charakteristiken zu erklären. Die Qualitätsindikatoren entfalten sich in drei Bereichen: Erhalt und Förderung der Selbständigkeit, Schutz vor gesundheitlichen Schädigungen und Belastungen sowie Unterstützung bei spezifischen Bedarfslagen. Als wichtigste organisationale Strukturparameter wurden Personalbestand, Qualifizierung und Berufserfahrung des Pflegepersonals und Fluktuationsrate festgelegt. Im zweiten Schritt werden Experteninterviews mit Einrichtungsvertretern geführt, um die untersuchten Zusammenhänge sowie die Rolle des Gesundheits- und Demografie-Managements aufzuklären.
Ergebnisse: Zurzeit läuft die Erhebung; sie wird vorrausichtlich in dem zweiten Quartal 2016 abgeschlossen.

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