Poster
Freitag, 09.09.2016
14:45 - 15:45
Poster Turm A
P11
Poster: Demenz (P098-P104)

Moderation: M. Schäufele, Mannheim

14:45
Die Bedeutung der Musik in der Biografie von Menschen mit Demenz
P098 

R. Dahms, M. Haesner, E. Steinhagen-Thiessen; Berlin

Lieder aus der Jugend bleiben ein Leben lang in Erinnerung und bekannte Musik aus diesem Lebensabschnitt wird von älteren Menschen wiedererkannt. Mit Musik kann Freude, Traurigkeit und andere Gefühle ausgedrückt werden. Demnach ist Musik für viele Menschen eng verwoben mit der Biografie. Schon heute ist die Biografiearbeit in der Musiktherapie ambulant, wie stationär ein fester Bestandteil in der psychosozialen Arbeit mit Menschen mit Demenz. Studien weisen bereits Verbesserungen in der Stimmung, Vitalität und des Langzeitgedächtnis durch Musiktherapie bei Menschen mit Demenz nach (Särkämö u. a. 2014). Es gibt wenige Erkenntnisse darüber, welche Bedeutung die Musik im Leben für die Menschen mit Demenz hat und wie das Wissen darüber, für die Musiktherapie gewonnen werden kann.
Im Projekt NurMut, das vom BMBF gefördert wird, geht es um die Entwicklung eines Musiksystems zur Therapie und Aktivierung von Menschen mit Demenz. Im Rahmen des Projektes wurde eine Studie durchgeführt, mit dem Ziel, mehr über Bedeutung der Musik im Alltag von Demenzbetroffenen zu erfahren.
Dazu wurden 20 qualitative leitfadengestützte Tandeminterviews mit Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen geführt. Sowohl Demenzbetroffene aus dem ambulanten, als auch aus dem stationären Bereich wurden gefragt. In den Interviews wurden Fragen zu Themen wie Musik im Tagesablauf, Musik und Gefühlsäußerungen und musikalische Aktivitäten/ Vorlieben gestellt.
Die Menschen mit Demenz waren im Durchschnitt 79 Jahre alt, wiesen eine mittelschwere Demenz vor und hatten in der Mehrheit keine musiktherapeutischen Erfahrungen. Die Ergebnisse zeigen, dass die Bedeutung der Musik bei Menschen mit Demenz im Zuge der Erkrankung abnimmt. Musik spielt aber nach wie vor eine Rolle. Sie äußerten gern Musik zu hören. Es wird jedoch von keinem Demenzbetroffenen im Alltag das Gefühl verspürt, aktiv Musik hören zu wollen. Außerdem wird von den Befragten kein Instrument mehr gespielt. Zudem zeigte die Studie, dass Musik zumeist mit einem Radio oder durch CD’s gehört wird, wobei sie die Technikgeräte kaum mehr selbst bedienen können. Weiterhin wurde festgestellt, dass die Aufmerksamkeitsspanne der Menschen mit Demenz sehr begrenzt ist, was dazu führt, dass sie an keine musikalischen Aktivitäten teilhaben.

14:45
Der Beziehungsabbruch zwischen Menschen mit Demenz und nicht-pflegenden Angehörigen - eine qualitative Ursachenanalsyse aus Sicht der Angehörigen
P099 

T. Müller; Heidelberg

Dem Beitrag liegt die Erkenntnis zugrunde, dass nicht-pflegende Angehörige einen bedeutenden Beitrag zur Lebenswelt von Menschen mit Demenz leisten können und häufig, zumindest zu Beginn der Demenz, eine feste Größe in der sozialen Lebenswelt von Demenziellen darstellen.
Es ist bekannt, dass viele solcher sozialen Kontakte im Verlauf der Demenzerkrankung abbrechen. Die vorgestellte Untersuchung widmet sich der Beziehungsdynamik zwischen Menschen mit Demenz sowie nicht-pflegenden Angehörigen und fragt nach relevanten Faktoren für ein Scheitern bzw. Gelingen in solchen Beziehungen.
Der Beitrag präsentiert die ersten Ergebnisse einer zu diesem Thema verfassten Doktorarbeit. Der Schwerpunkt der Arbeit liegt auf der Analyse qualitativer Interviews mit nicht-pflegenden Angehörigen.

14:45
Wie das Internet demenziell Erkrankten beim Erinnern hilft
P100 

P. Dlugosch; Geroldshausen

Ergebnisse einer Studie (Masterarbeit/Gerontologie) und Darstellung der Anforderungen und Entwürfe für das User Interface Design einer App zur tabletgestützten Biografiearbeit.
Ziel: Gewinnung von Hinweisen zur Wirksamkeit tabletgestützter Biografie-Recherche mit dementiell erkrankten Menschen.
Forschungsfrage: „Kann das Erinnerungsvermögen Demenzkranker durch individuelle multimodale biografiegestützte Anregung gesteigert werden und führt dieses Erleben zu einer Verbesserung des Wohlbefindens?“.
Hintergrund: Biografiedaten in Pflegeeinrichtungen werden oft nur stichwortartig aufgenommen, abgeheftet und selten weiter ergänzt, sie werden aufgrund knapper Zeitressourcen zu wenig therapeutisch, aktivierend genutzt [3]. In der Progredienz einer Demenzerkrankung ist individuell emotional bedeutsames Biografiewissen für die empathische Pflege der Erkrankten aber von grundlegender Bedeutung [18,14]. Die multimodale Erstellung, Nutzung und Weiterentwicklung von personalisierten Biografien für Demenzkranke auf Tablet-PC´s stellt eine Möglichkeit dar, Biografien schnell zum therapeutischen Einsatz verfügbar zu haben, sowie jederzeit später gefundene Ergänzungen anzufügen zu können.
Methode: Qualitativ, explorative Vorgehensweise. Zehn an Demenz erkrankte Probanden einer stationären Einrichtung nahmen an je sechs Einzelsitzungen teil. Beobachtet wurde die Erinnerungsleistung - mit und ohne virtuelle Unterstützung, die Anzahl der gefundenen neuen Erinnerungen, sowie die emotionale Befindlichkeit im Verlauf der Sitzungen. Parallel wurden bei allen TeilnehmerInnen das emotionale Erleben und der Verlauf eines individuellen problematischen Verhaltens im Pflegealltag im Gesamtzeitraum der Intervention beobachtet.
Ergebnisse: Mit virtueller Anregung wurde vermehrt erfolgreich erinnert. Im Gesamtzeitraum konnte eine Zunahme der Zufriedenheit sowie eine Abnahme des problematischen Verhaltens beobachtet werden.
Fazit: Die Nutzung von multimedialen Inhalten birgt das Potential spezifische, individuelle Erinnerungen bereitstellen zu können. Durch Tabletnutzung sind diese örtlich flexibel leicht abrufbar. Auch liegen Hinweise vor, dass dadurch sowohl das Wohlbefinden von Demenzkranken gesteigert, als auch die personenbezogene Pflegearbeit verbessert werden könnte.

14:45
Sprache als Schlüssel - Kognitive Veränderungen bei älteren gehörlosen Menschen mit Demenz - eine interdisziplinäre Betrachtung aus gerontologischer und aus gebärdensprachlinguistischer Sicht
P101 

M. Grünendahl, R. Rosenstock, A. Burkhardt; Zwickau

Auch taube Menschen werden dement. Es gibt aber keine demenzdiagnostischen Verfahren, die auf deutscher Gebärdensprache (DGS) basieren (Kaul et al. 2009, Sommer 2012 a,b). Die Verdolmetschung standardisierter lautsprachlicher Tests verfälscht die Ergebnisse (Dean et al. 2009). Es gibt außerdem keine systematischen Untersuchungen zur Sprachverwendung der Altersgruppe 65+ bei tauben Menschen. Daher haben wir uns in Zusammenarbeit von Gerontologen und Gebärdensprachexpertinnen folgenden Fragen gewidmet:
1). Welche kognitiven Veränderungen zeigen sich bei in DGS übersetzten klassischen standardisierten Testverfahren?
2). Welche Schwierigkeiten ergeben sich bei der Verwendung dieser standardisierten Verfahren?
3). Welche sprachlichen Veränderungen lassen sich in der Sprachverwendung tauber alter Menschen mit Demenzverdacht feststellen?
Mithilfe biografischer Interviews, zusätzlicher Angehörigeninterviews und ausgewählter standardisierter Testaufgaben u.a. aus dem Mini Mental State Test (Folstein et al. 1975), die in DGS übersetzt wurden und einem britischen gebärdensprachbasierten Test (Denmark et al. 2012) wurden 16 taube Menschen ohne Demenzverdacht (m=75,1 Jahre) und 13 taube Menschen mit Demenzverdacht (m=83,0 Jahre) untersucht.
In der Auswertung zeigte sich zunächst, dass alterstypische physiologische Veränderungen die Transkription und Festlegung von Sprachstandards erschweren. Es gibt viel Code Mixing und Code Blending zwischen gesprochenem Deutsch und Deutscher Gebärdensprache bei älteren tauben Menschen, d.h., die Probanden nutzten simultan oder konsekutiv beide Sprachen.
Einige Items aus standardisierten Tests differenzierten zwar sehr gut zwischen tauben Menschen mit und tauben Menschen ohne Demenzverdacht. Die Verwendung von Gebärdensprache erfordert aber Anpassungen in der Formulierung (weniger Oberbegriffe, mehr Beispiele). Aufgrund zahlreicher Schwierigkeiten in standardisierten Testverfahren gewinnen bereits in der Diagnosephase eine angepasste, klientenzentrierte Gesprächsführung und die konsequente Einbeziehung von Angehörigen eine besondere Bedeutung.

14:45
Das Projekt ENSURE: Enhancing the Informed Consent Process - Supported decision-making and capacity assessment in clinical dementia research
P102 

J. Haberstroh, J. Gather, N. lvarez Lata, A. S. Carvalho, F. Oswald, J. Pantel, J.-A. Seoane , J. Vollmann; Frankfurt a. M., Bochum, A Coruña, Porto/P

Das interdisziplinäre Forschungsvorhaben „ENSURE: Enhancing the Informed Consent Process - Supported decision-making and capacity assessment in clinical dementia research” (Förderung und Beurteilung der Selbstbestimmungsfähigkeit von Menschen mit Demenz im Zusammenhang mit der Einwilligung in klinische Studien) zielt darauf ab, Empfehlungen für die Entwicklung eines Handlungsmodells für den Prozess der informierten Einwilligung in der klinischen Demenzforschung abzuleiten. Dieses soll ermöglichen
a) Einwilligungsfähigkeit von Menschen mit Demenz zu fördern,
b) die Beurteilung der Einwilligungsfähigkeit zu verbessern,
c) Personen zu schützen, die nicht einwilligungsfähig sind und
d) einen ethisch vertretbaren Einschluss von Untersuchungsteilnehmern in klinische Demenzforschung zu gewährleisten.
Um diese Ziele zu erreichen, werden von vier internationalen Projektpartnern vier interdisziplinär verlinkte Teilprojekte in drei aufeinander aufbauenden Studienphasen durchgeführt. Alle Teilprojekte werden in unterschiedlicher Gewichtung die folgenden übergeordneten Teilziele adressieren:
1. Überprüfung und Analyse gängiger ethisch-rechtlicher Konzepte;
2. Identifikation demenz- und landesspezifischer Bedarfe;
3. Entwicklung und Evaluation von Tools zur Unterstützung des Prozesses der informierten Einwilligung;
4. Zurverfügungstellung von interdisziplinären Empfehlungen.
Die Ergebnisse der Teilprojekte werden im international-interdisziplinären Dialog aller Projektpartner zusammengeführt, um sicherzustellen, dass alle entwickelten Tools und Empfehlungen disziplin- und länderübergreifend anwendbar und akzeptabel sind. Die Ergebnisse des Gesamtprojekts sollen zu einem ausgewogenen Verhältnis von Autonomie und Fürsorge beitragen sowie Rechts- und Handlungssicherheit im Einholen der informierten Einwilligung in klinischer Demenzforschung ermöglichen.
ENSURE wird in der Förderlinie „European Research Projects on Ethical, Legal, and Social Aspects (ELSA) of Neuroscience” gefördert (Beginn: 1. Juni 2016). Das Poster gibt einen Überblick über das Gesamtprojekt und die vier Teilprojekte. Erste Ergebnisse werden zusammenfassend dargestellt.

14:45
Autonomie und Lebensqualität von demenzkranken, sehbehinderten Menschen fördern. So kann es gelingen
P103 

R. Fankhauser, R. Blaser, J. Adler, M. Wicki; Bern/CH, Zürich/CH

Ist eine Person sowohl von einer Demenzerkrankung als auch von einer Sehbeeinträchtigung betroffen, ist sie in ihrer Alltagsgestaltung auf das Verständnis und die Unterstützung von anderen angewiesen. Unter der Projektleitung des SZB (Schweizerischer Zentralverein für das Blindenwesen) widmeten sich das Institut Alter der Berner Fachhochschule und die Interkantonale Hochschule für Heilpädagogik Zürich gemeinsam der Fragestellung, wie diese Unterstützung gelebt werden sollte, damit die betroffene Person ein möglichst hohes Mass an Autonomie und Lebensqualität erfährt.
Zur Beantwortung dieser Fragestellung wurden im ersten Schritt Methoden und Konzepte recherchiert und analysiert, die für den Umgang mit demenzkranken respektive sehbeeinträchtigten Menschen gängig und evaluiert sind. In einem zweiten Schritt wurden diese Konzepte hinsichtlich ihrer krankheits- bzw. beeinträchtigungsübergreifenden Inhalte analysiert. In einem dritten Schritt wurden diese Inhalte zu übergeordneten Themen gebündelt. Es resultierten acht übergeordnete Themen, zu denen je ein Leitsatz sowie konkretisierende Handlungsempfehlungen formuliert wurden. Sowohl die Leitsätze als auch die Handlungsempfehlungen berücksichtigen die ganz individuellen und spezifischen Bedürfnisse von Menschen, die sowohl demenzkrank als auch sehbehindert sind. Das Projekt wurde von einer Expertengruppe inhaltlich begleitet, die neben der fachlichen Stimmigkeit ein besonderes Augenmerk auf die Anwendbarkeit der Leitsätze und Handlungsempfehlungen in der Praxis richtete.
Die Leitsätze richten sich an alle Personen, die in einer persönlichen oder beruflichen Beziehung zu einem betroffenen Menschen stehen. Personen, die sich mit den Leitsätzen auseinandersetzen, werden einerseits für die ganz spezifischen Bedürfnisse dieser Personengruppe sensibilisiert. Andererseits erhalten sie konkrete Hinweise dafür, wie ihr Beitrag in der Alltags- und Umgebungsgestaltung aussehen könnte, damit die Betroffenen in ihrer Autonomie und Lebensqualität gestärkt werden. Weiter richten sie sich an Personen im Management von Organisationen, die im Dienste von Betroffenen stehen. Damit sie sich eindeutig mitgemeint wissen, ist einer der Leitzsätze speziell ihnen gewidmet.

14:45
Wenn Kunst verloren Geglaubtes zurückbringt - Museumsangebote für Menschen mit Demenz (MIA)
P104 

A.-K. Adams, A. Schall, A. Kümmel, V. A. Tesky-Ibeli, J. Pantel, F. Oswald; Frankfurt a. M.

Museen sind Orte kultureller Bildung, vor allem aber auch soziale Orte. Derzeit befinden sie sich im Wandel, hin zu einer Öffnung für Besuchergruppen, die bislang nicht durch adäquate Angebote angesprochen wurden. Das besondere Potenzial von Museumsangeboten für Menschen mit Demenz liegt darin, dass durch die Betrachtung von Kunst eine kreative, wertschätzende und emotional anregende Form der Begegnung - miteinander, mit pflegenden Angehörigen, aber auch mit sich selbst ermöglicht wird. Die Studie „MIA - Museumsbasierte Interventions-Angebote für Menschen mit Demenz“ erforscht die Möglichkeiten von - und Anforderungen an - Museumsangebote für Menschen mit Demenz. Die Anzahl der Museen in Deutschland, die ein solches Angebot implementieren, wächst stetig. Jedoch ist die regionale Verbreitung dieser Museen sowie ihre Angebotsgestaltung sehr unterschiedlich, wie Ergebnisse einer im Rahmen von MIA durchgeführten Bestandsaufnahme zeigen. Es wird angenommen, dass auch die Qualität und Nachhaltigkeit der Angebote differiert. Daraus lässt sich der Bedarf an einem einheitlichen Curriculum, einer praxisorientierten Hilfestellung für Museumsmitarbeitende und interessierte Institutionen und Akteure, ableiten. Ziel der MIA-Studie ist es, ein solches Curriculum zu erarbeiten. Langfristig soll durch eine zielgruppenspezifischere Angebotsgestaltung mehr Menschen mit Demenz die Möglichkeit kultureller Teilhabe gegeben werden.
In einem ersten Schritt (1) wurde hierzu eine Bestandsaufnahme aller existierenden museumsbasierten Angebote für Menschen mit Demenz in Deutschland angefertigt, es wurden außerdem Stammdaten zu allen Angeboten erhoben. Im zweiten Schritt (2) werden sowohl Experteninterviews als auch teilnehmende Beobachtungen zu ausgewählten Angeboten durchgeführt. Vergleichend werden hierzu auch internationale Entwicklungen in den Blick genommen. Im letzten Schritt (3) wird das gesammelte Material schließlich unter Einbezug aktueller gerontologischer und museumspädagogischer Forschung zu einem Handbuch verdichtet. Hierin werden Erfolgsfaktoren und Barrieren, Schwierigkeiten und mögliche Konzepte für Museumsangebote für Menschen mit Demenz identifiziert und in Qualitätskriterien und -voraussetzungen übertragen.

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