Symposium Geriatrie
Freitag, 09.09.2016
16:00 - 17:30
Studio A
S338
Freie Vorträge - Pflegeheim und ambulanter Bereich

Moderation: A. Lukas, Bonn; C. Drebenstedt, Friesoythe

16:00
Einfluss von Alter und Geschlecht auf die Hospitalisierung von Pflegeheimbewohnern: Ergebnisse einer eigenen Studie und eines systematischen Reviews
S338-01 

F. Hoffmann; Oldenburg

Ziel: Der Beitrag hat zum Ziel, die Häufigkeit von Hospitalisierungen bei Pflegeheimbewohnern sowie den Einfluss von Alter und Geschlecht darzustellen.
Methoden: Es wurden einerseits Daten der “Inappropriate Medication in patients with REnal insufficiency in Nursing homes” (IMREN) Studie verwendet, die 10/2014-04/2015 in Pflegeheimen in Bremen und Niedersachsen durchgeführt wurde. Zusätzlich wurde eine systematische Literaturrecherche in PubMed, CINAHL Ebsco und Scopus nach Studien durchgeführt, die Daten zur Hospitalisierung von Pflegeheimbewohnern nach Alter und Geschlecht berichten (Suche am 29.07.2015).
Ergebnisse: In IMREN wurden von 852 Bewohnern aus 21 Pflegeheimen (durchschnittlich 83,5 Jahre; 76,5% weiblich) innerhalb der letzten 12 Monate 41,0% mindestens einmal hospitalisiert. Männer wurden häufiger stationär behandelt als Frauen (50,3% vs. 38,2%). Bei weiblichen Bewohnern fiel der Anteil Hospitalisierter mit zunehmendem Alter stetig (49,2%; 43,7% und 34,2% für die Altersgruppen <75; 75-84 und 85+ Jahre), bei männlichen fand sich dieser Trend so nicht (59,3%; 37,5% und 55,9%). In den systematischen Review schlossen wir 18 Studien ein, 12 davon wurden in den USA durchgeführt, nur eine kam aus Deutschland. Die Hospitalisierungsraten lagen zwischen 6,8-41,7% (bei Einjahreszeiträumen 11,6-32,1%). Alle Studien fanden, dass männliche Bewohner häufiger hospitalisiert wurden als weibliche (Odds Ratio [OR]: 1,22-1,67). Der Einfluss des Alters ist weniger klar. Einige Studien fanden häufigere Hospitalisierungen mit zunehmendem Alter, andere zeigten einen Rückgang ab einem Alter von 80-85 Jahren. Der Umgang mit Alter in den statistischen Analysen variierte jedoch stark. So waren die Altersklassen unterschiedlich und in manchen Modellen wurde Alter als stetige Variable berücksichtigt.
Diskussion: Deutsche Pflegeheimbewohner werden im internationalen Vergleich offenbar häufiger hospitalisiert. Unterschiede zwischen den Geschlechtern sind jedoch in allen Studien beschrieben, ohne dass Gründe dafür bisher detailliert untersucht wurden. Diese könnten mit dem Alter variieren. Weitere Studien zur Hospitalisierung von Pflegeheimbewohnern sollten ihre Ergebnisse nach Alter und Geschlecht stratifizieren.

16:17
Quality of life in nursing homes following the group-living principle. Empirical results on the subjective perspective of dependent-living elderly in 16 nursing homes
S338-02 

A. Simon; Stuttgart

Context. The growing societal costs and increasing concerns about the quality of care for the elderly as well as the changing policies on housing and care in Germany pose great challenges for the re-designing of the traditional care homes. Group living in home-like care environments constitute a new form of nursing home setting. They have evolved as a reaction to the hospital-like environment of some traditional nursing homes. So far only a few studies investigating subjective quality of life in older people exist. Moreover there is a complete lack of studies in group-living nursing homes residents in Germany or elsewhere.
Methods. The purpose of this study was to analyse the subjective quality of life in elderly people in16 nursing homes following the group-living principle. The Nottingham Health Profile was employed (NHP German Version, face-to-face interview) as well as the Happiness Scale (World Value Survey) and the Better Life Index. A comparison with the German representative sub-sample of elderly living independently age-group over 75 was conducted. Psychometric properties and appropriateness were analysed.
Results. Residents of group-living nursing homes perceived feeling of happiness and life satisfaction are on the same level as the German reverence values or higher (n=254). The mean NHP scale scores suggest an acceptable perception of residents’ quality of life. Although female residents perceive a higher quality of live than males. With the exception of the subscale social isolation, the results of the current study show that the NHP is suitable for assessing the subjective quality of life in nursing home environments.
Discussion. We believe that this study contributes useful information about the subjective quality of life in group-living nursing homes. Firstly, our study focused on very old people with age specific reduced physical and mental abilities. Secondly, the study includes participants diagnosed with dementia. Thirdly, it poses as the first comprehensive study in the research field of subjective quality of life in group-living nursing homes. The present study is intended to start a discussion, rather than a fixed and ideal concept of how to measure subjective quality of live in all nursing homes and for all elderly.

16:34
Schulung und Fallbesprechungen zu Inkontinenz und Demenz in Pflegeheimen
S338-03 

M. Kohler, S. Saxer; St.Gallen/CH

16:51
Geriatrische Risikopatienten - Datenbasierte Vorselektion anhand geriatrietypischer Merkmalskomplexe in der Hausarztpraxis
S338-04 

R. Bölter, K. Krug, J. Szecsenyi, F. Peters-Klimm; Heidelberg

Hintergrund: Während geriatrische Assessments mit anschließender Behandlung im stationären Sektor wesentliche gesundheitliche Erfolge aufweisen, ist die Evidenzlage im unselektierten Patientengut in der Primärversorgung weniger eindeutig. Geriatrietypische Merkmalskomplexe (GtMK) werden als Prädiktoren für einen erhöhten Versorgungsbedarf diskutiert. Ziel dieser Untersuchung ist die Darstellung von Untermerkmalskomplexen (UMK) der GtMK auf Basis von Routinedaten in der Primärversorgung als Grundlage für die Identifikation geriatrischer Risikopatienten. die von einem GBA profitieren könnten.
Methode: In einer Querschnittsstudie der Daten aus 30 Hausarztpraxen aus dem CONTENT-Projekt (CONTinuous morbidity registration Epidemiologic NeTwork) im Raum Nordbaden wurden alle im Jahre 2014 vorstelligen Patienten im Alter von mindestens 65 Jahren im Hinblick auf GtMK analysiert. Hierzu wurden hausärztlich codierte ICD-Diagnosen den im online-Kodierleitfaden Altersmedizin 2010 angegebenen 41 UMK zugeordnet und in den 15 GtMK zusammengefasst.
Ergebnisse: Für 12.918 Patienten mit mindestens einem Praxiskontakt im Beobachtungsjahr lagen 46.980 unterschiedlichen ICD-Diagnosen vor, wovon nach Abzug der 11.258 doppelten Fälle 35.722 UMK bestimmt werden konnten. Im Mittel (Median) wiesen diese Patienten 2,8 (2) UMK ohne geschlechtsspezifische Häufigkeitsunterschiede auf. Es ließen sich 722 unterschiedliche Zweifachkombinationen der UMK identifizieren. Bei den Zweifachkombinationen (absolute Zahl) traten überzufällig häufig Ursachen für herabgesetzte Belastbarkeit/Gebrechlichkeit(7.076, 19,8%) mit Tumor- und tumorassoziierten Schmerzen(1.713), mit Schwindel und Synkopen (1.688), mit Rückenschmerzen/Wirbelsäulenerkrankungen(1.506) oder mit Arthropathien(1.299)auf.
Diskussion: Eine Vorselektion der Patienten könnte für eine effektivere Durchführung des GBAs in Hausarztpraxis führen, da nur bei Patienten mit wahrscheinlichem Nutzen der GBA durchgeführt, ein geriatrischer Behandlungsbedarf gezielter erfasst wird und somit Ressourcen geschont werden. Die genaue Abschätzung des Handlungsbedarfs bei geriatrischen Risikopatienten muss in einer folgenden diagnostischen Studie ermittelt werden.

17:08
Autofahren und Demenz - ein Thema für die Hausarztpraxis?!
S338-05 

V. Leve, K. Ilse, M. Ufert, S. Wilm, M. Pentzek; Düsseldorf

Hintergrund: Im Falle der häufigsten Demenzformen nimmt das Risiko für Verkehrsunfälle im mittleren Demenzstadium zu. Frühzeitiges Ansprechen der Fahrtätigkeit bei Demenz in der hausärztlichen Praxis kann helfen, die Gefahr zu reduzieren und die Mobilität zu erhalten. Hierbei müssen die Sichtweisen aller Beteiligten Berücksichtigung finden.
Fragestellung: Welche Aspekte zum Thema Autofahren und Demenz sind aus Sicht der Beteiligten für das Beratungssetting in der Hausarztpraxis bedeutsam?
Methoden: Im Rahmen eines von der Deutschen Alzheimer Gesellschaft geförderten Projekts wurden in sieben Fokusgruppen mit Menschen mit Demenz, Angehörigen und Hausärzten/innen die unterschiedlichen Bedarfslagen ermittelt. Die transkribierten Aufzeichnungen wurden in einem multiprofessionellen Team inhaltsanalytisch ausgewertet.
Ergebnisse: Insbesondere für Menschen mit Demenz ist der Autonomieerhalt über die eigene Mobilität von zentraler Bedeutung. Angehörige wie Hausärzte/innen erleben das Autofahren bei Demenz vor diesem Hintergrund als kritisch in der Ansprache. Der Einbezug der Angehörigen wird von Hausärzten/innen als wesentlich für den erfolgreichen Umgang mit dem Thema Fahrsicherheit bewertet. Zur Unterstützung werden klare Kriterien für den Zeitpunkt sowie Kommunikationshilfen für die Art und Weise der Ansprache, Informationen zu Kompensationsmöglichkeiten und Mobilitätsalternativen sowie Dokumentationshilfen gefordert. Das Engagement anderer Akteure (Fahrschulen, Verkehrssicherheitsbehörden etc.) wird als bedeutsam erachtet.
Diskussion: Die besondere Rolle der triadischen Beziehung wird bei dem sensiblen Thema Autofahren und Demenz hervorgehoben. Dies könnte z.B. in Form von Familienkonferenzen Berücksichtigung finden, womit eine ressourcenorientierte und partizipative Entwicklung von Umgangsstrategien mit Mobilitätseinschränkungen unterstützt wird. Die nötige Balance zwischen Dokumentation und Aufklärung sowie patientenzentrierter Allgemeinmedizin zu finden ist eine Herausforderung.

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