Symposium Geriatrie
Freitag, 09.09.2016
10:45 - 12:15
Raum Mannheim
S325
Demenzsensibles Krankenhaus

Moderation: T. Zieschang, Heidelberg; W. Hofmann, Neumünster

Rund 1,6 Millionen Menschen sind in Deutschland an Demenz erkrankt – Tendenz steigend. Dies spiegelt sich in den Krankenhäusern, insbesondere die geriatrischen Abteilungen, mit einer steigenden Anzahl an Patienten mit kognitiver Einschränkung wieder. Die Herausforderung Menschenmit Demenz im Krankenhaus adäquat zu versorgen, ist in den letzten Jahren zunehmend in den Fokus gerückt. So gab es z.B. schon zweimalig eine Ausschreibung der Robert Bosch Stiftung zur Förderung von Projekten in Akutkrankhäusern, die sich das Ziel einer verbesserte Versorgung für dieses vulnerable Kollektiv gesetzt hatten. In dem Symposium werden Erfahrungen aus verschiedenen Projekten vorgestellt: Delirprophylaxe im stationären, auch im peri-operativen Bereich, die Integration ehrenamtlicher Helfer und andere spezielle Betreuungskonzepte, sowie architektonische Maßnahmen, die den Patienten Halt und Orientierung geben können, sowie die Mitarbeiter im Krankenhaus entlasten können. Die Übertragbarkeit dieser Erfahrungen auf andere Einrichtungen wird ein spannendes Diskussionsthema sein.

10:45
Delirprophylaxe HELP
S325-01 

C. Thomas; Stuttgart

11:05
Delirprophylaxe perioperativ
S325-02 

S. Gurlit; Münster

Vor dem Hintergrund wesentlicher Fortschritte in Narkoseführung und operativer Versorgung werden zunehmend auch hochaltrige Patienten operativ versorgt, die bis vor einigen Jahren noch aufgrund „eingeschränkter Narkosefähigkeit“ konservativ behandelt worden wären.
Viele dieser Patienten haben ein hohes Risiko, perioperativ ein Delir zu erleiden, was in der Folge trotz zunächst unkomplizierter chirurgischer Versorgung das Ergebnis ungünstig beeinflusst – es drohen kognitive Verschlechterungen bis hin zur Demenz sowie letztlich eine erhöhte Mortalität.
Im Beitrag werden interdisziplinäre Maßnahmen vorgestellt, die sich - nach Identifikation von Risikopatienten - zur Vermeidung eines Delirs beim geriatrischen Patienten in der klinischen Routine als effektiv erwiesen haben. Besonderes Augenmerk gilt der Elektivchirurgie, bei der gerade einer optimierten präoperativen Vorbereitung ein hoher Stellenwert beigemessen werden sollte.

11:25
Architektonische Konzepte für demenzsensible Akutkrankenhäuser
S325-03 

G. Marquardt, K. Büter, T. Motzek; Dresden

Im Krankenhaussetting wird den Patienten überwiegend eine passive Rolle zugewiesen. Dies führt bei älteren Patienten, insbesondere bei Menschen mit Demenz, zu Verlusten ihrer Alltagskompetenz. Dadurch kann die Rückkehr in die eigene Häuslichkeit nach dem Krankenhausaufenthalt unmöglich werden. Es ist deshalb von hoher Bedeutung, dass Patienten mit Demenz während ihres Krankenhausaufenthaltes geschützte Bereiche sowie Möglichkeiten der Aktivierung geboten werden, die sie auch selbständig nutzen können. Hierfür sind geeignete Grundrissstrukturen wie auch ein intuitiv nutzbares Orientierungssystem notwendig. Damit soll nicht nur das Zurechtfinden auf der Station, sondern auch das richtige Einordnen in die räumliche und situative Situation unterstützt werden.
Wie die entsprechende Architektur aussehen kann, zeigen Erkenntnisse zweier Projekte, die im Rahmen des Programms „Menschen mit Demenz im Akutkrankenhaus“ von der Robert Bosch Stiftung gefördert wurden. Dabei wurden Konzepte für eine Notaufnahme und für eine Station der Inneren Medizin entwickelt. In der wissenschaftlichen Evaluation wurden durch ein Behavior Mapping sowie Patienten- und Personalbefragungen Daten vor und nach den Umgestaltungsmaßnahmen erhoben, die einen Aufschluss über die Wirksamkeit der baulichen Interventionen geben.
Besondere Bedeutung kommt demnach auf den Stationen der Nutzbarmachung der Flure als Aktivitäts- und Kommunikationszone sowie dem Einbringen eines Orientierungssystems zu. In der Notaufnahme müssen flexible Raumkonzepte geschaffen werden. Besondere Herausforderungen bestehen in der Notwendigkeit des Erzeugens einer Ästhetik, die allen Patienten, und nicht nur älteren Menschen bzw. Menschen mit Demenz, eine ansprechende Atmosphäre bietet.

11:45
TANDEM: Integration der ehrenamtlichen Helfer in die geriatrische stationäre Rehabilitationsbehandlung
S325-04 

S. Günzel, K. Maron; Bad Kreuznach

Im Krankenhaus sowie in der Rehabilitation müssen die Bedarfe der Patienten mit Demenz und ihrer Angehörigen besser als bisher berücksichtigt werden. In der Geriatrischen Fachklinik Rheinhessen-Nahe in Bad Kreuznach wurde im November 2012 für Patienten mit der Nebendiagnose Demenz die „Tandem-Station“ eröffnet, die sich konzeptionell auf die speziellen Bedürfnissen der Patienten mit Demenz ausgerichtet hat. Um den Kranken mehr Sicherheit zu vermitteln, gleichzeitig zu Nachhaltigkeit der Behandlung und zur Entlastung der Angehörigen beizutragen, können Angehörige mit aufgenommen werden.
Die begleitenden Angehörigen werden durch Fachpersonal angeleitet, erhalten Informationen und Supervision in den Bereichen Pflege, Kommunikation, Mobilisation, Ernährung sowie zu weiterführenden Hilfen in ihrer Umgebung. Während des Aufenthalts können die Angehörigen unter psychologischer Betreuung ihre seelischen und psychischen Belastungen im Alltag ansprechen, den Austausch finden und für sich selbst ebenso auch Hilfe suchen.
Neben den Therapien zur Behandlung der Rehabilitationsdiagnose (z.B. Schenkelhalsfraktur), die an die Biographie angepasst sind, gibt es zusätzliche Angebote der Tagesstrukturierung. Dies ist möglich, weil neben den speziell qualifizierten Mitarbeitern auch zehn geschulte ehrenamtliche Helfer arbeiten und helfen therapiefreie Zeit zu überbrücken durch: u.a. kreatives Gestalten, Aktivierungen, Erinnerungsarbeit, Bewegungsgeschichten. Zusätzlich kommen regelmäßig Klinik-Clowns und ein Therapie-Hund. Die Ehrenamtlichen sind ausgebildete Demenzbetreuer, werden regelmäßig fortgebildet und erhalten zusätzlich wertschätzende Freizeitangebote.
Durch das Konzept kann der Zugang zum Patienten schneller gebahnt werden und Rehabilitation da möglich werden, wo sie vorher kaum denkbar war.

Diskutantin: B. Romero, Berlin

Symposium der AG Demenz

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