Festvortrag

Filmreif: Altersbilder in Bewegung. Altern, Übergänge und die Ambivalenzen von Neuanfängen im zeitgenössischen Film

Thomas Küpper

Filme zeigen in jedem Sinne des Wortes Altersbilder in Bewegung. Der demographische Wandel ist längst beim Figurenarsenal des zeitgenössischen Spielfilms angekommen. Alte Figuren bevölkern Genres wie Sciencefiction, Liebeskomödie, Roadmovie und Actionthriller. Wir sehen zu, wie Jack Nicholson, Diane Keaton und Clint Eastwood altern und wie die von ihnen gespielten Figuren über das Alter reflektieren. Gemeinsam ist vielen der Filme über das Alter(n) der Topos vom Altern als Übergang: Ihre Protagonisten wollen oder müssen aus einem gesetzten, routinierten Leben aufbrechen, um noch einmal etwas völlig Neues zu beginnen. Bei ihrer Suche nach neuer Lebensqualität spielen Ambivalenzen des Alterns eine große Rolle: Einseitige Bewertungen des Lebens, so als ließe es sich als gut oder schlecht, als sinnvoll oder sinnlos einordnen, werden unterlaufen. Durch die Ambivalenzen in der filmischen Erfahrung kommt das Schwanken zwischen den Wertungspolen nicht zum Stillstand; in diesem ‚Dazwischen‘ ergeben sich neue Perspektiven auf das Alter(n), die nicht im Positiv-oder-Negativ aufgehen. Solche Ambivalenzen werden beispielsweise an Alexander Paynes „About Schmidt“ deutlich: Als Tragikomödie legt der Film Weinen und Lachen zugleich als emotionale Reaktionen auf die alternde Hauptfigur nahe. Auch durch das Spiel mit der Farbe Grau, die unentschieden zwischen Schwarz und Weiß changiert, bringt der Film Ambivalenzen ins Spiel. An diesem Beispiel zeigt der Vortrag, wie Filme wirkungsmächtige performative Skripte für den Umgang mit Ambivalenzen des Alter(n)s entwerfen, die es kulturwissenschaftlich zu analysieren gilt.

Thomas Küpper

Dr. Thomas Küpper
Literatur- und Medienwissenschaftler an der Heinrich Heine Universität Düsseldorf, Abteilung für Neuere Deutsche Literaturwissenschaft

Termin:
Während der Eröffnungsveranstaltung am 08.09.2016, 19:30 Uhr in der König-Karl-Halle