Poster
Donnerstag, 08.09.2016
14:30 - 15:30
Poster Turm A
P10
Poster: Wohnen & Quartier (P091-P097)

Moderation: M. Alisch, Fulda

14:30
Nachbarschaftlichkeit im Alter - Nachbarschaftshilfe und Verbundenheit mit dem Wohnumfeld
P091 

A. Seifert; Zürich/CH

In den aktuellen Debatten zum demografischen Wandel wird häufig nach Versorgungsressourcen für die zunehmend ältere Bevölkerung gesucht. Neben den professionellen Unterstützungsangeboten stellt sich die Frage, ob und inwieweit nicht auch die Bevölkerung selbst als Ressource für die Unterstützung älterer Menschen berücksichtigt werden sollte. Gerade die kleineren und weniger sichtbaren informellen Hilfen aus der Nachbarschaft sind hierbei interessant. Doch wie sehen diese informellen Hilfeleistungen konkret aus und inwieweit beeinflussen diese das Gefühl der Quartier-Verbundenheit? Anhand von repräsentativen Befragungsstudien aus der Schweiz (Studie 1: N = 1586; ab 70 Jahren / Studie 2: N = 707; ab 50 Jahren) und Daten der Bevölkerungsbefragungen der Stadt Zürich (1999-2015) versucht der Beitrag die Dimensionen "Nachbarschaftskontakte", "Nachbarschaftshilfe" und "Verbundenheit mit dem Quartier" zu analysieren und zur Diskussion zu stellen. Anhand der vorliegenden Daten kann festgestellt werden, dass sich gerade ältere Menschen mit ihrem Wohnumfeld stark verbunden fühlen und bei einem allfälligen Umzug das eigene Quartier bevorzugen. Das Gefühl der Verbundenheit mit dem Wohnumfeld wird am stärksten durch die Zufriedenheit mit den Sozialkontakten in der Nachbarschaft beeinflusst. Neben den engeren Familienmitgliedern bestehen insbesondere zu den Nachbarn häufig Kontakte. Nachbarn werden gerne für informelle kleinere Hilfen angefragt, jedoch müssen die Nachbarschaftsbeziehungen bereits bestehen, um diese als Ressource zu nutzen. Die Bedürfnisse der älteren Bevölkerung nach Quartier-Gebundenheit sollten z.B. bei der Frage des Umzugs in eine stationäre Alterspflegeinstitution berücksichtigt werden. Für die sozialwissenschaftliche Forschung wird es in Zukunft immer wichtiger werden, brauchbare Messmethoden für die tagtägliche informelle Nachbarschaftshilfe im individuellen Lebensweltkontext zu entwickeln.

14:30
Pilotprojekt: Alleinlebende Männer im Alter - Neue Geschlechterverhältnisse im Alter? Eine erste Bestandsaufnahme in der Stadt Frankfurt am Main
P092 

M. Leontowitsch, I. Fooken, F. Oswald, N. Kramer; Frankfurt a. M.

Die Pilotstudie hat zum Ziel, die sich allseits andeutende und zukünftig zunehmende Evidenz zu Lebens- und Wohnformen des Alleinlebens von Männern im Alter hinsichtlich ihrer Relevanz und den daraus abzuleitenden Konsequenzen für kommunale Strukturen (Risiken / Ressourcen im Lebensverlauf) zu untersuchen. Dies soll in zwei Schritten exemplarisch am Beispiel der Stadt Frankfurt am Main und ihrer Infrastruktur erfolgen. Konkret soll in einem ersten Schritt der Themengenerierung die bereits vorhandene Expertise auf der Leitungsebene öffentlicher, ehrenamtlicher sowie sozialpolitisch engagierter Organisationen in Frankfurt am Main eingeholt werden. Es wird davon ausgegangen, dass sich aus diesen Erkenntnissen auch Ansätze für eine mögliche zukünftige Neubestimmung der Geschlechterverhältnisse im Alter ableiten lassen. Im zweiten Schritt werden alleinlebende ältere Männer als die hier interessierende Zielgruppe zu ihrer Biographie und ihrer Identität als Mann (Stichwort: Maskulinitäten im Alter auf dem Hintergrund bisheriger Lebensverläufe), mit Bezug auf zeithistorische Einflussgrößen, befragt. Die Ergebnisse der Pilotstudie dienen der Beschreibung zukünftiger Versorgungsbedarfe und einer ersten potentiellen Risiko/Ressource-Erwartung, aber insbesondere auch zur Vorbereitung eines größeren Forschungsprojekts (Arbeitstitel: ALMA – „Alleinlebende Männer im Alter in Frankfurt am Main“). Die in den Experteninterviews und narrativ-problemgenerierenden Interviews gewonnenen Erkenntnisse über biographische Faktoren und momentane Lebensverhältnisse alleinlebender Männer im Alter dienen der Identifizierung möglicher Risikogruppen, der Erfassung von Organisations- und Austauschformen dieser Personengruppe, des Inanspruchnahme-Verhaltens sowohl von Pflege- und Unterstützungsangeboten als auch von Kultur- und Bildungsangeboten. Diese vorläufige erste Bestandsaufnahme soll als Grundlage für eine Evaluation sowohl bestehender als auch zukünftig notwendiger Infrastrukturen dienen, die auf den Bedarf der wachsenden Gruppe alleinlebender Männer im Alter in Frankfurt am Main zugeschnitten sein müssten.

14:30
„Hans Schneider, 83 Jahre alt, 3-Zimmer, Küche, Bad” - Risikokonstellationen und Entwicklungspotentiale im städtischen Alltag hochaltriger alleinlebender Männer
P093 

F. Wolf, S. Penger, F. Oswald; Frankfurt a. M.

Alleinleben im hohen Alter wird insbesondere bei Männern vorrangig mit Einsamkeit und sozialer Isolation verknüpft. Diese Studie betrachtet urban alleinlebende Männer im hohen Alter aus einer erziehungswissenschaftlichen Perspektive, (1) um etwaige Risikostrukturen aber auch (2) Entwicklungspotentiale hinsichtlich der Dimensionen Alltagsselbstständigkeit, Alltagsaktivitäten, sozialer Eingebundenheit und Wohlbefinden aufzuzeigen. Die Daten basieren auf der Frankfurter Studie BEWOHNT. Daraus wurden 35 privat wohnende hochaltrige alleinlebende Männer (M=83,2 Jahre alt, 85,3% verwitwet) ausgewählt und zu ihrer Gesundheit in zwei Hausbesuchen (von jeweils ca. 2 Stunden Dauer) befragt. Um für diese Gruppe charakteristische Risikokonstellationen und Entwicklungspotentiale aufzeigen zu können, wurde sie mit 86 im Paarhaushalt lebenden hochaltrigen Männern (M=83,5 Jahre alt) und 110 alleinlebenden hochaltrigen Frauen (M=84,55 Jahre alt) kontrastiert. Alltagsselbständigkeit wurde durch Aktivitäten des täglichen Lebens erfasst. Bei den Alltagsaktivitäten lag der Fokus auf außerhäuslichen Aktivitäten, die soziale Eingebundenheit wurde u.a. durch Nachbarschaftserleben und soziale Ressourcen der Person operationalisiert, während das Wohlbefinden anhand der Lebenszufriedenheit und der Bewertung des aktuellen Lebens gemessen wurde. (1) Potentielle Risikokonstellationen liegen in den beschriebenen Sozialkontakten. So geben ca. 1/4 der hochaltrigen Männer an, keinen Nachbarn für ein nettes Gespräch pro Woche zu haben und ca. 2/3 sagen, dass sie außerhäusliche Aktivitäten alleine zu bestreiten haben. Beide Vergleichsgruppen weisen hier entgegengesetzte Befunde auf. (2) Auf der Seite möglicher Entwicklungspotentiale zeigt sich eine hohe Lebenszufriedenheit und positive Bewertung des aktuellen Lebens. Unterschiede zu beiden Vergleichsgruppen sind nicht zu berichten. Zudem weisen die alleinlebenden hochaltrigen Männer eine höhere Funktionsfähigkeit in den Aktivitäten des Alltags als die Vergleichsgruppe der alleinlebenden Frauen auf. Im hohen Alter als Mann alleine zu leben geht demnach nicht zwangsläufig mit negativ erlebter sozialer Isolation einher und zeichnet sich durch ein hohes Maß an alltäglicher Selbständigkeit aus.

14:30
Summer in the City: Mobilität im Alter im Angesicht des Klimawandels
P094 

S. Penger, K. Conrad, F. Oswald, D. Wittowsky, S. Siedentop; Frankfurt a. M., Dortmund

Mobilität ist eine wichtige Voraussetzung, um so lange wie möglich im Alter selbstständig leben und an sozialen Aktivitäten teilhaben zu können und dient letztlich der Sicherstellung von Lebensqualität und Gesundheit. Der interdisziplinäre Forschungsverbund autonomMOBIL, gefördert von der Fritz und Hildegard Berg-Stiftung, geht der Frage nach, wie Alltagsmobilität im Angesicht von Urbanisierung, klimatischer und demographischer Veränderungen im Alter aufrechterhalten werden kann. Der vorliegende Beitrag als Zusammenarbeit zwischen der Psychologie und der Raum- und Verkehrswissenschaft zielt darauf, die vielseitigen Wechselbeziehungen zwischen mobilitätseinschränkenden und -fördernden Faktoren in der Person (z.B. Einstellungen) und der gebauten Umwelt (z.B. Ausstattung des Wohnquartiers) gemeinsam zu analysieren sowie zu verstehen, wie diese sich auf Selbständigkeit und Wohlbefinden privatwohnender Älterer auswirken. Stuttgart ist mit seiner klimatisch herausfordernden Talkessellage Untersuchungsort. Es wurde ein Instrument zur Erfassung der mobilitätsbezogenen Handlungsflexibilität sowie zum Erleben und Verhalten bei unterschiedlichen klimatischen Bedingungen entwickelt und in einer Pilotstudie an 331 Personen online getestet (21 bis 87 Jahre alt). Hinsichtlich der Handlungsflexibilität konnten faktorenanalytisch drei wesentliche Faktoren ausfindig gemacht werden: Flexibilität in Bezug auf Herausforderungen innerhalb der Umwelt (1), innerhalb der Person (2) und die Präferenz für Routinen (3). In Bezug auf das Klimaerleben und -verhalten zeigte sich, dass Teilnehmer ab 65 Jahre bei Hitze eine stärkere Belastung sowie mehr Anpassungsstrategien angaben, wohingegen sich dies bei Kälte umgekehrt verhielt. Das Instrument wird in einer aktuell laufenden Feldstudie in persönlichen standardisierten Interviews bei geplant 300 privatwohnenden Probanden ab 65 Jahren in drei Stuttgarter Stadtteilen eingesetzt. Die Auswahl der Stadtteile basiert auf einem Bevölkerungs-Klima-Index mittels GIS-Analyse zur Identifikation geographisch und klimatisch unterschiedlicher Gebiete. Erste Ergebnisse zur Mobilität außer Haus (siebentägiges Wegetagebuch) in Zusammenhang mit persönlichen (z.B. wahrgenommener Gesundheit) sowie Umweltaspekten (z.B. Erreichbarkeit) werden vorgestellt.

14:30
Demografiewerkstatt Kommunen (DWK) - Erste Ergebnisse der wissenschaftlichen Begleitung
P095 

V. Reuter, A.-K. Teichmüller, E. Olbermann, G. Naegele; Dortmund

Der demografische Wandel hat Auswirkungen auf nahezu alle Politikbereiche und stellt eine zentrale politische Gestaltungsaufgabe dar. Gleichzeitig ist zu berücksichtigen, dass die demografischen Entwicklungen kommunal und regional nicht einheitlich verlaufen und die jeweiligen Rahmenbedingungen sehr unterschiedlich sind. Daher bedarf es in der Kommune einer individuell abgestimmten Gesamtstrategie im Sinne einer Querschnittspolitik, mit deren Hilfe alle Akteure in den unterschiedlichen Handlungsfeldern gemeinsam daran arbeiten, Prozesse und Angebote an die demografischen Veränderungen anzupassen und zukünftige Entwicklungen positiv zu gestalten. Über einen Zeitraum von fünf Jahren ab 2016 werden im Rahmen des Projektes „Demografiewerkstatt Kommunen (DWK)“ (gefördert vom BMFSFJ) mindestens acht ausgewählte Kommunen (Städte, Gemeinden, Landkreise) bei der Gestaltung des demografischen Wandels vor Ort durch externe Beratungsteams begleitet und unterstützt. Dabei sollen passgenaue Konzepte entwickelt, konkrete Projekte angestoßen, bereits vorhandene Initiativen einbezogen und miteinander vernetzt werden. Die Prozesse und Strukturen werden durch das Institut für Gerontologie an der TU Dortmund systematisch beschrieben und evaluiert. Ziel der DWK ist unter anderem, dass sich die in den Kommunen eingeleiteten Prozesse nach der fünfjährigen Beratungs- und Unterstützungszeit nachhaltig etablieren und dass Handlungsansätze und ein methodischer „Werkzeugkoffer“ entwickelt werden, an denen sich andere Kommunen orientieren können. Beteilige Kommunen sind die Stadt Adorf /Vogtland, der Landkreis Dithmarschen, die Stadt Dortmund, der Kreis Düren, der Landkreis Emsland mit der Gemeinde Vrees, die Stadt Riesa, der Regionalverband Saarbrücken sowie die Stadt Grabow. Im Rahmen einer umfassenden Bestandsaufnahme werden zunächst für die beteiligten Kommunen „Kommunalprofile“ erstellt, welche die Grundlage für die anschließende Entwicklung von „Werkstattplänen“ und die Identifizierung des weiteren Beratungsbedarfes der jeweiligen Kommunen bilden. Erste Ergebnisse der Bestandsaufnahme sowie das weitere Vorgehen des Projektes werden in dem Poster vorgestellt.

14:30
Wohnerleben, sozialer Austausch und Wohlbefinden: - Einblick in ein Projekt gemeinschaftlichen Wohnens mit Demenz
P096 

S. Rühl, F. Oswald; Frankfurt a. M.

Die zu erwartende Zunahme von Menschen mit Demenz rückt die Frage nach angemessenen und alternativen Angeboten des Wohnens und des Begegnens in den Vordergrund. Neben dem Wohnen im klassischen Privathaushalt und dem Wohnen im Heim hat sich eine Vielzahl alternativer Wohnoptionen entwickelt. Ein aktuelles Beispiel für Wohnen mit Demenz ist das, von der Hans und Ilse Breuer Stiftung finanzierte Projekt StattHaus Offenbach. Es soll ein intergenerationeller und quartiersnaher Ort der Begegnung und des Wohnens sein. Daneben bietet es quartiersbezogene Angebote der Information, Beratung, Hilfe, Betreuung, und Unterstützung sowie nachbarschaftliche und ehrenamtliche Netzwerkarbeit. Im Projekt wird insbesondere die Frage verfolgt, wie sich das Wohnangebot im StattHaus Offenbach auf Prozesse des Wohnerlebens, des sozialen Austauschs und auf das psychische Wohlbefinden der Bewohner/innen und ihrer Angehörigen auswirkt. Ziel dieses Beitrags ist es (1) das Projekt StattHaus Offenbach und seine Aufgaben zu Wohnen und Begegnen für Menschen mit und ohne Demenz vorzustellen. Zudem sollen (2) erste deskriptive Befunde aus teilnehmenden Beobachtungen in der Wohngemeinschaft und der Umgebung des StattHauses berichtet werden. Die empirische Umsetzung erfolgt nach einer vertrauensbildenden Eingewöhnungsphase als regelmäßiger Gast der Wohngruppe über qualitative Interviews mit bis zu 7 Bewohnern/innen und Angehörigen und die Dokumentation teilnehmender Beobachtungen dieser Begegnungen. Erste Eindrücke lassen vermuten, dass die qualitativ erhobenen Daten ergiebig sind hinsichtlich der Beschreibung von Mustern der Wahrnehmung von Wohnen und Leben, des sozialen Austauschs und des Wohlbefindens von Bewohner/innen und deren Angehörigen. Die Befunde sollen insgesamt dazu dienen, passgenauere Angebote mit hoher Lebensqualität für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen zu gestalten.

14:30
Erste Sächsische Quartiers- und Generationsgenossenschaft Meine Zeit für Dich und später dann für mich!
P097 

L. Kasprick, N. Neu; Leipzig, Zwenkau

Die Quartiers- und Generationsgenossenschaft initiiert, organisiert und koordiniert Hilfestrukturen im ländlichen Raum. Es werden Versorgungslücken mit Hilfe der Genossenschaft passgenau regional geschlossen. Ziel ist es, die Lebensqualität im Alter zu steigern sowie die Selbstständigkeit zu erhalten, um somit einen möglichst langen Verbleib der Menschen in ihrer eigenen Häuslichkeit erzielen zu können. Durch einen regelmäßig stattfindenden Sozialen Runden Tisch, zu denen alle Quartiersakteure geladen sind, ist eine kontinuierliche Partizipation und zeitnahe Reaktion auf die Bedarfe im Quartier möglich. Ein Quartierseck dient als Begegnungs- und Lernstätte. Darüber hinaus fungiert es als zentrale Anlaufstelle für die Quartiersbewohner, um einen Zugang zu Informationen über Quartiersangebote und Veranstaltungen zu erleichtern. Die Quartiers- und Generationsgenossenschaft gestaltet die Nachbarschaftshilfe nachhaltig. Es werden Zeitsparkonten und Tauschbörsen angelegt. Im Sinne „Meine Zeit für dich und später dann für mich“ wird die geleistete Hilfe in Punktwerte umgerechnet, um sie selbst im Alter oder auch schon früher für die eigene Familie einsetzen zu können. Die wissenschaftliche Begleitforschung zeigt die Teilnahme der Gründungswilligen und deren ehrenamtlichen Engagement auf. Hier wird zum ersten Mal Ehrenamt und Wirtschaft in einem Aufsichtsrat verknüpft und dient der nachhaltigen Gestaltung der regionalen bevölkerungsspezifischen Anforderungen.

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