Poster
Donnerstag, 08.09.2016
14:30 - 15:30
Poster Eyth-Saal
P01
Poster: Demenz / Delir / Kasuistiken (P001-P010)

Moderation: T. Zieschang, Heidelberg; D. Kopf, Hamburg

14:30
Sehstörungen als Symptome einer Alzheimer-Erkrankung - drei Fallbeispiele einer parietookzipitalen Demenz
P001 

K. Hager, P. Landwehr, A. Niesen, F. Heidenreich, M. Kenklies; Hannover

Einleitung: Bei einer Alzheimer-Krankheit können unterschiedliche Symptome im Vordergrund stehen. Kurzzeitgedächtnisstörungen oder Desorientiertheit sind geläufig. Bei einer ausgeprägten optischen Wahrnehmungsstörung hingegen wird hingegen eher an eine Augenerkrankung gedacht.
Methoden: Drei Patienten aus der Gedächtnissprechstunde Hannover aus 2014 wurden analysiert, bei denen optische Wahrnehmungsstörungen im Vordergrund standen.
Resultate: Ein Mann, geb. 1954, entwickelte Probleme beim Lesen, mehrere Brillen wurden gekauft und auch ein Sehtraining wurde verordnet. Eine Frau, geb. 1958, kann die Töpfe auf dem Herd nicht mehr übersehen, sie greift ins Leere und muss auf der Treppe geführt werden. Ein Mann, geb. 1957, hat ebenfalls diverse Brillen gekauft, tastet sich an den Möbeln entlang und kann seine Arbeit (zuletzt eine Putzstelle, bei der es natürlich auf die optischen Fähigkeiten ankommt) nicht mehr ausfüllen.
In den neuropsychologischen Testungen wurden bei allen die Aufgaben mit visuellen Inhalten (z.B. Zahlensymboltest, Zahlenverbindung, Benton-Test) kaum mehr bewältigt. Im Hirn-SPECT fanden sich in allen Fällen parietookzipitale Perfusionsminderungen. Im MRT bestand zum Teil eine auffällige biparietookzipitale Hirnvolumenminderung. Bei der Liquorpunktion waren in einem Fall Tau und Phospho-Tau erhöht, das Beta-Amyloid 1-42 vermindert und die Amyloid ratio ebenso, in einem anderen Fall lediglich das Beta-1-42 Amlyoid verringert.
Folgerung: Eine Alzheimer-Krankheit kann mit Betonung der parietookzipitalen Region auffällig werden, so dass dann Störungen der Verarbeitung optischer Eindrücke auftreten und die klinische Diagnose, primär auf eine Augenerkrankung oder eine falsche Brille gelenkt wird.

14:30
Multiprofessioneller Standard zur Delirprophylaxe und -behandlung in der Alterstraumatologie
P002 

B. Meyjohann, C. Thomas, A. Leischker, S. Gurlit, S. Riem; Illertissen, Stuttgart, Krefeld, Münster

Das Delir ist eine häufige psychiatrische Komplikation bei der Erkrankungen des älteren Menschen in allen Fachbereichen. Erleidet ein Patient ein Delir, so sind damit ein erhöhtes Sterblichkeitsrisiko und ein schlechteres funktionelles Ergebnis verbunden, wie dieses insbesondere im Bereich der Alterstraumatologie in den vergangenen Jahren identifiziert wurde. Es wird beim Delir eine hypo- und eine hyperdyname Form unterschieden. Insbesondere Patienten mit hypodynamem Delir werden aufgrund ihres oligosymptomatischen Verlaufes oftmals nicht erkannt und haben eine besondere Gefährdung.
Um Patienten mit Delir komplikationsarm und mit gutem Ergebnis führen zu können, bedarf es spezifischer Prozess- und Strukturvoraussetzungen, die folgende Maßnahmen umfassen:
(a) frühzeitige Erfassung Delir-prädisponierender Risikofaktoren in der Aufnahmesituation,
(b) bei Prädisposition Einleitung entsprechender prophylaktischer Maßnahmen,
(c) regelmäßige Durchführung eines Delir-Verlaufsscreenings und
(d) eine im Bedarfsfall frühzeitig einsetzenden Delir-Behandlung.
Durch solche interdisziplinäre Interventionsprogramme lassen sich beispielsweise bei coxaler Femurfraktur die Häufigkeit, die Schwere und die Dauer eines perioperativen Delirs signifikant senken.
Um proaktiv die Delirrate des hochaltrigen Traumapatienten und damit das funktionelle Outcome substanziell zu verbessern, erfolgte für den Bereich ‚Alterstraumatologie‘ interdisziplinär die Erarbeitung des 'Standard Delirprophylaxe und -behandlung in der Alterstraumatologie'.
Regelmäßige Schulungen der beteiligten Berufsgruppen sind erforderlich, um für das Thema ‚Delir‘ zu sensibilisieren und durch konsequente Umsetzung entsprechender Behandlungsmaßnahmen Delirien bestmöglich verhindern.

14:30
Geringer zisterno-lumbaler Gradient von phosphoryliertem Tau-Protein im Liquor cerebrospinalis geriatrischer Patienten mit der Verdachtsdiagnose Normaldruckhydrozephalus
P003 

M. Djukic, A. Spreer, P. Lange, S. Bunkowski, J. Wiltfang, R. Nau; Göttingen

Hintergrund Die Zusammensetzung des Liquor cerebrospinalis ändert sich abhängig von der Region des Liquorkompartments. Wir untersuchten, ob dies die Analytik der üblichen Demenzmarker beeinflussen kann.
Methoden Bei 16 Patienten [Alter 82.5 (76/87) Jahre; Median (25./75. Perzentile)] wurde ein lumbaler Liquorablassversuch von 40ml durchgeführt. Der Liquor wurde sequentiell in 8 Fraktionen zu je 5ml gesammelt. Fraktion 1 enthielt lumbalen Liquor, Fraktion 8 sehr wahrscheinlich einen hohen Anteil zisternalen Liquors. Liquor-Gesamteiweiß und -Albumin-Quotient wurden nephelometrisch gemessen, Tau-Protein (Tau), phosphoryliertes Tau-Proten (pTau), Amyloid beta 1-42 (Aß 1-42) und Amyloid beta 1-40 (Aß1-40) mit Immunoassays.
Ergebnisse Die Konzentration von pTau war etwas höher in Fraktion 8 [27.5 (24.2/37.1) pg/ml] als in Fraktion 1 [26.2 (22.4/35.0) pg/ml] (p = 0.018, Wilcoxon Signed Rank Test). Dies wies auf einen leichten Abfall der pTau-Konzentration vom zisternalen zum lumbalen Liquor hin. Keine statistisch signifikanten Differenzen zwischen den Fraktionen 8 und 1 wurden für Aß1-40, Aß1-42 und Tau beobachtet. Auch der Aß1-42/Aß1-40-Quotient in den Fraktionen 8 und 1 unterschied sich nicht. Liquor-Protein- und Liquor-Albumin-Gehalt waren niedriger in Fraktion 8 [Protein: 353 (240/427)mg/l; Albumin: 202 (74/446)] als in Fraktion 1 [Protein: 433 (309/513)mg/l; Albumin: 253 (93/755)] (p < 0.0001). Die Quotienten Tau, pTau, Aß1-42 und Aß1-40/ jeweiliges Liquor-Gesamteiweiß (= Anteil des jeweiligen Demenzmarkers am Gesamteiweiß der Liquor-Fraktion) waren höher in Fraktion 8 als in Fraktion 1 (p < 0.001).
Schlussfolgerung Die Differenz zwischen den pTau-Konzentrationen in der ersten und der letzten Liquor-Fraktion eines spinalen Liquorablassversuches von 40ml war sehr gering. Der Anteil der Demenzmarker an der Eiweißkonzentration der jeweiligen Liquor-Fraktion war höher in den kranialen als in den kaudalen Fraktionen. Dies spricht für eine zunehmende Diffusion von Proteinen nicht-neuronalen Ursprungs in den Liquor entlang seines Flusses in den lumbalen Liquorraum. Für die klinische Demenzmarker-Analytik ist kein Einfluss der verwendeten Liquor-Fraktion (lumbaler bis zisternaler Liquor) auf Ergebnis und Interpretation der Messungen anzunehmen.

14:30
Cross-Sectional Analysis of Fasting Blood Glucose and Cognition in Geriatric Inpatients
P004 

M. Gogol; Coppenbrügge

Background: Diabetes mellitus affecting increasingly aging persons, alters mirco- and macrocirculation and foster ateriosclerosis, which play a role in accelerating aging and cognitive decline. Diabetes nowadays is recognized as a metabolic and vascular risk factor for cognitive decline including Alzheimer´s and vascular dementia.
Purpose: To prove the hypothesis that diabetes mellitus is an independent risk factor for cognitive decline.
Methods: Geriatric inpatients were tested in a prospective, cross-sectional design for cognition using the Mini Mental Status Examination (MMSE, range 0-30 points, higher results inidcating better cognitive function) and blood sugar day profiles. In accordance to guidelines we used following cut-offs: normal fasting blood glucose (NFG) < 100 mg%, impaired fasting blood glucose 100-125 mg%, and elevated fasting blood glucose (EFG) = 126 mg%. Pearson´s correlation and Student´s t-test were used for statistical calculations, p values were set to 0.05 or lower for significance.
Results: We examined 478 consecutive geriatric inpatients with a mean age of 78.89±8.06 years (197 men (m), 77.23±8.19, 287 women (w) 81.71±8.19, p=0.000). NFG were detected in 171 (67 m, 104 w, mean 91±6.8 mg%), IFG in 208 (80 m, 128 w, mean 110.7±7.3 mg%), and EFG in 99 (49 m, 50 w, mean 153.1±38.9 mg%) patients. Cognitive testing with MMSE revealed mean scores of 22.93±5.45 (m 23.25±5.54, w 22.71±5.39, p=0.28). Total MMSE scores and subscores for immediate and delayed recall as well as attention/calculation task revealed no correlation with fasting blood glucose levels. Pearson´s r for MMSE total was 0.0578 (m 0.0601, w 0.0558). In stratified groups for NFG, IFG, EFG including stratification for sex we found no significant correlation too.
Conclusion: In a cross-sectional analysis of geriatic inpatients we revealed no correlation between fasting blood glucose levels including stratification for NFG, IFG, and EFG and cognitive testing using the MMSE.

14:30
Eine multifaktorielle Intervention für kognitiv eingeschränkte Patienten mit Hüft-Beckenfrakturen: Studienprotokoll einer randomisiert-kontrollierten Studie
P005 

B. Abel, R. Kopp, K. Pfeiffer, A. Lacroix, T. Eckert, M. Groß, A. Dautel, U. Karle, I. Hendlmeier, S. Schäufele, K. Hauer; Heidelberg, Stuttgart, Mannheim

Zielsetzung: Hüft-/Beckenfrakturen sind folgenreiche sturzbedingte Verletzungen und stellen die Hauptursache für Krankenhauseinweisungen bei über 65-Jährigen dar. Bei gleichzeitig vorliegender kognitiver Einschränkung steigt das Risiko der Pflegebedürftigkeit und Mortalität. Bislang untersuchte keine Studie die Effekte eines Interventionsprogramms für Patienten mit Hüft-/Beckenfraktur und kognitiver Einschränkung nach stationärer Rehabilitation in häuslicher Umgebung. Ziel dieser Studie ist die Überprüfung der Effekte einer 4-monatigen multifaktoriellen Intervention zur Verbesserung der Versorgungsqualität dieser Zielgruppe. Zusätzlich wird die Situation betreuender Angehöriger betrachtet.
Methodik: 220 ältere Menschen (>65 Jahre) mit Hüft-/Beckenfraktur und kognitiver Einschränkung werden während der Rehabilitation randomisiert in eine Interventions- und Kontrollgruppe eingeteilt. Beide Gruppen erhalten die übliche Rehabilitationsbehandlung sowie eine Beratung hinsichtlich körperlicher Aktivität. Die Interventionsgruppe nimmt nach der Rehabilitation zusätzlich an einer 4-monatigen multifaktoriellen Intervention (Modul 1 „Körperliches Training“: angeleitetes Training 2x/Woche; Modul 2 „(Pflege-)Beratung“) teil. Während der Rehabilitation, vor und nach der Intervention sowie drei Monate später, werden motorische Aktivität/Leistungsfähigkeit (z.B. Gleichgewicht, Sit-to-Stand; primäre Endpunkte) sowie psychosoziale Faktoren (z.B. Sturzangst, Lebensqualität; sekundäre Endpunkte) erhoben. Bei pflegenden Angehörigen werden ebenfalls psychosoziale Komponenten erfasst. Außerdem erfolgt eine gesundheitsökonomische Evaluation des Gesamtprojekts.
Erwartete Ergebnisse und Diskussion: Es wird angenommen, dass sich die Routineversorgung in Kombination mit der multifaktoriellen Intervention, im Vergleich zur Routineversorgung, positiv auf die Parameter der motorischen Aktivität/Leistungsfähigkeit und alle weiteren sekundären Endpunkten auswirkt. Die vorgestellte Intervention kann einen relevanten Beitrag zur Verbesserung der Versorgungssituation von Patienten mit Hüft-/Beckenfraktur und gleichzeitiger kognitiver Einschränkung nach der Rehabilitation leisten. Zudem wird erwartet, dass sich das Programm als kosteneffektiver Zusatz zur üblichen Versorgung erweist.

14:30
Wer wagt, der gewinnt!!
P006 

B. Schulze-Schilf; Weißenfels

Einleitung: Wir berichten von einer 100jährigen Patientin, die sowohl zur konservativen als auch zur operativen Therapie bei Coxarthrose in die Geriatrie verlegt wurde.
1. Aufenthalt: Die Patientin wurde zur konservativen Therapie einer Coxarthrose li von der Unfallchirurgie übernommen, da eine operative Versorgung aufgrund des hohen Lebensalter und der damit verbunden Morbiditäten abgelehnt wurde.
Zu Therapiebeginn erzielte die Patientin in der Komplexbehandlung einen Barthel- Index von 10 Punkten. Als schmerztherapeut. Einstellung wurde ein orales Hydromorphon und Novaminsulfon gewählt, da hier ein positives Wirkungsprofil zu erwarten war. Darunter war die hochbetagte Patientin schmerzarm und konnte die Therapieeinheiten gut umsetzen. Das erhöhte Sturzrisiko (Tinetti 11 Punkten) sowie das deutlich bestehende Mobilitätsdefizit (Time up &go 45 Sekunden) konnte abgebaut werden (Tinetti 14 Punkten, Time up & go 30 Sekunden). Eine Steigerung der Gehstrecke konnte von der Bettkante auf 10 Meter realisiert werden. Ebenso verzeichneten wir einen Anstieg im Barthel- Index bei Entlassung auf 25 Punkte.
2. Aufenthalt: 3 Monate später stürzte die Patientin im häuslichen Bereich und zog sich eine mediale Schenkelhalsfraktur zu. Nach intensiver Beratung im Team der Alterstraumatologie wurde eine operative Versorgung durchgeführt. Die Patientin bewältigte den Eingriff ohne weitere Komplikation. Anschließend erfolgte wieder die Einbindung ins geriatrische Komplexbehandlung, da ein erhebliches Mobilitäts- und Selbsthilfedefizit (Barthel- Index 15 Punkte, Tinetti 11 Punkte, Time up &go 50 Sekunden) bei der Patientin bestand.
Die begonnene Schmerztherapie wurde mit Hydromorphon und Novaminsulfon weitergeführt. Nach Beendigung des Programms konnte der Barthel- Index auf 50 Punkte gesteigert werden. Die Gehstrecke lag am Ende bei 50 Metern. Eine Entlassung war ins häusliche Milieu möglich.
Zusammenfassung: Die Patientin profitierte durch die operative Versorgung der Fraktur mehr als von der konservativen Therapie der Coxarthrose.
Der Fallbericht zeigt, dass eine enge Absprache im interdisziplinären Team für ältere und hochbetagte Patienten mit der operativen Versorgung von Frakturen von Vorteil ist und somit zu einer Verhinderung der Pflegebedürftigkeit führt.

14:30
Prolongierte schwere Hypothermie von 27,4 Grad Celsius bei einer 82- Jährigen Patientin- eine Kasuistik
P007 

S. Wicklein, M. Gosch; Nürnberg

Wir berichten über eine 82-Jährige Patientin, die nach Wohnungseröffnung mit einer Temperatur von 27,4 Grad Celsius stationär aufgenommen wurde. Als Vorerkrankung war eine Multiple Sklerose mit Paraparese beider Beine bekannt. Trotz Rollstuhlpflichtigkeit sei die Patientin noch selbstversorgend gewesen.
Bei Aufnahme zeigte sich die Patientin deutlich vigilanzgemindert. Die CCT sowie EEG Untersuchungen waren ohne wegweisenden pathologischen Befund. Eine MRT Schädel Untersuchung wurde von den Angehörigen abgelehnt. Eine Liquorpunktion war aufgrund einer ausgeprägten Thombopenie nicht möglich. Die Patientin wurde mit einem palliativen Therapievorschlag von der Intensivstation auf unsere Station verlegt.
Bei anhaltender Hypothermie von 31° änderte das klinische Bild vorerst nicht. Auffällig waren des Weiteren eine hypothyreote Stoffwechsellage sowie rezidivierende Hypoglykämien. Ergänzend fand sich ein erniedrigter Cortisol- und ACTH-Spiegel, so dass wir einen Therapie mit Hydrocortisonperfusor begannen. Zusätzlich erhielt die Patientin gewärmte Infusionen sowie diverse supportive Maßnahmen wie Wärmedecken. Unter diesen Maßnahmen konnte schließlich eine Normothermie erzielt werden. Diese ging einher mit einer deutlichen Verbesserung des Allgemeinzustandes. Die Patientin zeigte sich durchgehend wach und orientiert bei wieder anhaltender Normothermie .Im Rahmen der physikalischen Therapie kam es zu täglichen Fortschritten, so dass wir letztendlich eine geriatrische Rehabiltation veranlassen konnten.
Zusammenfassend könnte diffentialdiagnostisch eine Thermoregulationstörung unklarerer Genese (DD ihm Rahmen der Multiplen Sklerose DD Shapiro Syndrom) sowie eine passagere Hypophysenvorderlappeninsuffizienz (i.e. traumatischer Genese nach häuslichen Sturz) in Betracht gezogen werden. Letztendlich muss auch für geriatrische Patienten der Grundsatz gelten, dass eine abschließende klinische Einschätzung erst bei Normothermie erfolgen kann.

14:30
Dementielles Syndrom mit prominenter Antriebsstörung und Parkinsonismus bei einer 69-jährigen Patientin mit einer Gefäßfehlbildung am hinteren Unterrand der Falx cerebri
P008 

F. Geser, K. Schneider, M. Geppert, W. Hewer; Göppingen

Ziel: Beschreibung einer Patientin mit einer Gefäßfehlbildung und einem komplexen neuropsychiatrischen Syndrom.
Ergebnisse: In 2010 wurde bei einer 69-jährigen Patientin eine Gefäßfehlbildung (Arteriovenöse Malformation/durale arteriovenöse Fistel) am hinteren Unterrand der Falx cerebri (Pinealisloge) diagnostiziert. Es erfolgte die Anlage eines ventrikulo-peritonealen Shunts bei Hydrocephalus occlusus, bedingt durch ein gestautes, wahrscheinlich venöses, Gefäß. Es wurden Therapieversuche (Embolisationen und Bestrahlung) durchgeführt. In 2014 zeigte sich eine erhebliche Leistungsminderung in den Bereichen Aufmerksamkeit, verbal-mnestische Lernfähigkeit und kognitive Flexibilität. In 2016 fanden sich, neben einer ausgeprägten Antriebsminderung, eine zeitlich nicht, und zu Ort/Situation unscharf orientierte Patientin. Sie zeigte Einschränkungen in Aufmerksamkeit, Auffassung, Arbeitsgedächtnis und Merkfähigkeit (Alt-/Neugedächtnis). Ihre Stimmung war nivelliert, die emotionale Reagibilität stark reduziert. Außerdem zeigten sich beidseits nach oben eingeschränkte Augenbewegungen, im Bereich der rechten oberen Extremität ein Ruhe-/Haltetremor und eine Bradydiadochokinese, Rigidität der oberen Extremitäten (rechts > links), eine mäßige posturale Instabilität und ein kleinschrittig-unsicheres Gangbild. Eine neuropsychologische Testung zeigte deutliche kognitive Beeinträchtigungen (Wortflüssigkeit, [non-]verbales Gedächtnis, stark reduzierte psychomotorische Geschwindigkeit, sowie eine Umstellungserschwernis). Eine Magnetresonanztomographie-Untersuchung fand zusätzlich zu dem Gefäßkonvolut und dilatierten Venen (inneren Hirnvenen/Vena Galeni) Signalauffälligkeiten im Bereich der linken Substantia nigra. Unter einer symptomorientierten Therapie (L-Dopa, Amantadin, Ergo- und Physiotherapie) kam es zu einer signifikanten Besserung der klinischen Symptomatik (bestätigt durch eine neuropsychologische Testung).
Schlussfolgerung: Eine Gefäßfehlbildung im Bereich der Pinealisloge ist, bedingt z. B. durch Steal-Phänomene oder venöse Stauung (und/oder Bestrahlung), in der Lage, ein ICD-10 und DSM-5 Kriterien erfüllendes dementielles Syndrom mit prominenter Antriebsstörung und Parkinsonismus mit signifikanter Besserung unter symptomorientierter Behandlung zu verursachen.

14:30
Sensor-basierte Untersuchung des circadianen Bewegungsverhaltens in der klinischen Demenzversorgung - Machbarkeit und erste Ergebnisse
P009 

T. Fleiner, S. Mellone, P. Häussermann, W. Zijlstra; Köln, Bologna/I

Fragestellung: Störungen des circadianen Bewegungsverhaltens sind weit verbreitete Symptome der Demenzerkrankung. Die bislang in der klinischen Versorgung eingesetzten psychopathometrischen Messinstrumente ermöglichen nur eine ungenaue Erfassung dieser Symptome. In wie fern eine Sensor-basierte Erfassung des circadianen Bewegungsverhal-tens in der klinischen Demenzversorgung möglich ist und welche Parameter und Erkenntnisse hieraus abgeleitet werden können, soll dieses Projekt zeigen.
Methode: Diese Querschnittuntersuchung wurde auf drei spezialisierten Demenzstationen der LVR-Klinik Köln durchgeführt. An dem unteren Rücken der Patienten wurde ein hybrider Bewegungssensor (uSense) für jeweils 72 Stunden angebracht. Die Erfassung der Machbarkeit wurde per Protokoll realisiert. Die Analyse der Rohdaten fand anhand von Algorithmen statt, die eine Differenzierung zwischen den folgenden Körperpositionen und Aktivitätsphasen in Relation zu der Tageszeit liefern: Liegen, inaktives Sitzen und Stehen; aktives Sitzen und Stehen sowie Gehen.
Ergebnisse: 87 Patienten (M=80 Jahre; 48% weiblich; MMSE M=18 Punkte) wurden in dieser Untersuchung eingeschlossen. 88.5% der Erfassungszeiträume wurden vollständig durchgeführt. Eine Zwischenauswertung (n=40) liefert folgende Ergebnisse: Liegen M=10.9h/Tag (45%); inaktives Sitzen und Stehen M=9.7h/Tag (41%); aktives Sitzen und Stehen M=1.7h/Tag (7%); Gehen M=1.7h/Tag (7%); Gesamtzahl an Schritten/Tag M=8829. Detaillierte Ergebnisse zu dem circadianen Bewegungsverhalten der gesamten Patienten werden im Rahmen des Kongresses präsentiert.
Schlussfolgerung: Die Ergebnisse deuten auf eine gute Machbarkeit der Sensor-basierten Erfassung des circadianen Bewegungsverhaltens in der klinischen Demenzversorgung hin. Diese Methode liefert eine differenzierte Erfassung der Symptome als bislang eingesetzte Instrumente. Diese innovative Methode kann als Grundlage für die Entwicklung und Evaluation personalisierter Interventionen für die Behandlung von Störungen des circadianen Bewegungsverhaltens von Patienten mit Demenzerkrankung dienen.

14:40
Nur ein Delir bei Exsikkose?
P010 

M. K. Modreker, A. Healy; Wismar

Einleitung: Übernahme eines Patienten bei Z.n. Wirbelkörperfraktur. Bei Aufnahme schläfriger Patient mit Wortfindungsstörungen (CCT: Ausschluss zerebrale Ischämie), Zeichen eines akuten Nierenversagens, a.e. multifaktoriell bei Exsikkose, medikamentös.
Verlauf: Trotz umgehende Einleitung einer bilanzierte Flüssigkeitssubstitution imponiert ein meist hyperaktives Delir.
Bei laborchemisch im Normbereich liegende Calciumwerte mit jedoch Hypalbuminämie, kann die Diagnose einer symptomatischen Hypercalciämie gestellt werden.
Bei weiterbestehendem Nierenversagen erfolgt die Einleitung einer Hämodialyse.
Zur weiteren Abklärung der Hypercalciämie kann durch die Labordiagnostik der V.a. ein Plasmocytom gestellt werden.
Zusammenfassung: Auch wenn Symptome eines Delirs bei geriatrischen Patienten im Rahmen einer Exsikkose nicht selten sind, sollten auch weitere Differentialdiagnosen als Genese unbedingt in Betracht gezogen werden.
Anhand dieses Fallbeispiels wird die Bedeutung der Hypercalciämie in der Geriatrie, incl. Klinik mit Therapieoptionen, verdeutlicht und die Wichtigkeit der der erweiterten differentialdiagnostischen Überlegungen dargestellt.

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