Symposium Soziologie & Psychologie
Donnerstag, 08.09.2016
15:30 - 17:00
Raum Ulm
S236
Intergenerationelle Produktivität -Wie sich Fähigkeiten von jungen und sehr alten Menschen schaffen lassen-

Moderation: S. Ehret, Heidelberg

Im Mittelpunkt des Projekts Echo der Generationen, das an fünf Modellstandorten durchgeführt wird, stehen Initiierungen von Kontakten zwischen Menschen, die 85 Jahre oder älter sind, sowie Kindern und Jugendlichen im Alter von sechs bis 18 Jahren. Ziel ist es, Angehörige der beiden Generationen anzuregen, sich auszutauschen und sich gegenseitig zu unterstützen sowie Teile des Alltags miteinander zu gestalten. Die gemeinsamen Aktivitäten sowie deren subjektive Bewertung werden sowohl mit Interview- und Gesprächsanalysen als auch durch teilnehmende Beobachtung und die Analyse von Tagebüchern erfasst. Die Beziehungen zeichnen sich durch eine Vielzahl von psychologischen Merkmalen und eine große Kontinuität aus. Jung und Alt berichten sich gegenseitig von ihrer Biographie, von Hoffnungen, Wünschen und Sorgen. Sie sprechen über historische und politische Entwicklungen oder teilen sich Zeit im gemeinsamen Spiel. Es zeichnen sich fördernde Einflüsse auf die individuelle Entwicklung sowohl der jungen als auch der alten Menschen ab. Handlungsempfehlungen für Kommunen sollen daraus abgeleitet werden.

13:30
Dialog und intergenerationelle Entwicklung zwischen Jung und Alt
S236-01 

S. Ehret; Heidelberg

Wie gut gelingt es jungen und sehr alten Menschen zu kommunizieren und schließlich in einen Dialog oder eine Tätigkeit einzutreten? Welche Fähigkeiten und Voraussetzungen müssen gegeben sein, damit gegenseitiges Verstehen und Verständnis zu voller Blüte gelangen? Und welche Entwicklungsprozesse kommen in den intergenerationellen Begegnungen in Gang?
In den Jung-Alt-Tandems,-Triaden und -Quartetts des Projekts Echo der Generationen zeigt sich intersubjektive Anerkennung und gegenseitiges Interesse in vielseitiger Weise und sehr deutlich im daseinsthematischen Gespräch und in den Tagebüchern. Wenn es zu kommunikativem Handeln von Jung und Alt kommt, entstehen starke Bindungskräfte, die sich entwicklungspsychologisch auf beide Generationen auswirken. Die Kraft der Sprache ist ein Interaktionsmagnet für Jung und Alt. Ehrlichkeit, Ernsthaftigkeit und Offenheit des alten Menschen verbindet sich mit Neugierde und Verstehenwollen der Jüngeren zu einem lebendigen Gemisch sprachlicher Dynamik, das sich bis hin zu intersubjektiv geteilten Wertorientierungen ausdehnt. In den Begegnungen von alten Menschen mit jungen Menschen unterschiedlicher Kulturen finden wir wie in einem Kaleidoskop besonders schöne Formen intergenerationellen Handelns.

13:50
Das Spiel von Jung und Alt - eine Fotoreportage
S236-02 

P. Kempf, S. Ehret; Heidelberg

Im Spieletreff für Jung und Alt in Lobbach treffen sich nun seit fast zwei Jahren einmal monatlich Kinder und Jugendliche von 6-12 Jahren und alte und sehr alte Menschen von 75-103 Jahren zum gemeinsamen Spiel. Die wissenschaftliche Begleitung untersucht mit der Methode der teilnehmender Beobachtung sowie mit Videoanalysen die reine Spielsphäre, die sich die Spielteilnehmer zu eigen machen, verzichtet dabei weitgehend auf Intervention oder Steuerung.
Die Fotoreportage soll eine Geschichte erzählen: die Spiel-Geschichte unserer Teilnehmer aus Lobbach. Zentrale Phänomene, wissenschaftstheoretisch aus dem Spielgeschehen abgeleitet, wurden überraschenderweise in Sekunden fotografisch dokumentiert und aneinandergereiht, so dass die Spieldynamik in kristallisierter Form nunmehr reflektiert werden kann. Auf Spieltheoretiker wird Bezug genommen.

14:10
Auf dem Weg in die Stadt des langen und guten Lebens - Zusammenarbeit mit der Wissenschaft aus der Sicht der Praxis
S236-03 

M. Polenz; Arnsberg

Die Stadt Arnsberg beschäftigt sich seit den 1990er Jahren intensiv mit der Gestaltung des demografischen Wandels auf der lokalen Ebene. Als Stadt von ca. 75.000 Einwohnern ohne eigenen Hochschulstandort hat die örtliche Demografie- und Seniorenpolitik enorm profitiert von Kooperationsprojekten mit Universitäten und Hochschulen. Doch es gibt auch immer wieder Stolpersteine und Schwierigkeiten in der Zusammenarbeit mit der Wissenschaft. Nicht jede Forschungsfrage "passt" in die aktuelle Arbeit vor Ort, nicht jedes wissenschaftliche Erhebungsinstrument entspricht der Erwartungshaltung der Bürgerinnen und Bürger. Oft werden von Seiten der Forschungspartner spezifische Vorgaben gemacht, die nicht immer den Begebenheiten vor Ort entsprechen. Diese und andere Herausforderungen in der Zusammenarbeit mit der Wissenschaft werden aus Perspektive eines Umsetzungspartners skizziert. Gleichzeitig werden Erfolgsfaktoren vorgestellt, die sich in der Vergangenheit bewährt haben. Zudem gibt es Grundsituationen des Daseins, die Wissenschaft und Praxis transdisziplinär betreffen.

14:30
Intergenerationelles Studieren aus der Sicht junger und alter Studierender - Mit 90 in die Uni? Warum nicht?
S236-04 

I. Burck, M. Fehmann; Eppelheim, Heidelberg

Die Verletzlichkeit des hohen Alters verstellt häufig den Blick auf viele produktive, sorgende Potenziale, die bei den Älteren im Verborgenen walten. Das soziale und kulturelle Kapital der Ältesten ist jedoch reich vorhanden und wartet nur darauf, abgerufen und gewürdigt zu werden. Teil einer Sorgestruktur in der Welt zu sein und darin von Jüngeren ernstgenommen zu werden, wird im hohen Alter sogar als zentrales Motiv des Daseins empfunden. Das besondere gesellschaftliche Engagement, das in dieser Altersgruppe sichtbar wurde und deren gleichzeitig bestehende Bildungswünsche nahm Frau Dr. Sonja Ehret Im Rahmen einer hochschuldidaktischen Fortbildung zum Anlass, eine gerontologische Seminarreihe für Hochaltrige und Studierende ins Leben zu rufen und diese systematisch zu konzeptionieren und zu evaluieren.
Aus Sicht der jungen Gerontologie Studierenden wird aufgezeigt, welchen Gewinn und Erkenntnisse die Begegnungen mit den Hochaltrigen bringen. Aus der Sicht einer hochaltrigen Teilnehmerin werden die Inspirationen, die sie durch den Austausch mit den jungen Menschen erhält und ihre Motivation für den Zugang zur Universität aufgezeigt. Demzufolge möchten wir die drei klassischen Zugänge des intergenerationellen Lernens, das Voneinanderlernen, Übereinanderlernen und Miteinanderlernen (Meese 2005) um das Füreinanderlernen vorstellen, welches Sorgefunktionen enthält und damit das Erreichen des höchsten Lernziels nach der Bloomschen Taxonomie, das Erschaffen von Neuem aus der Synthese des Gelernten, bedeutet.
Daraus entstanden ist eine Handlungsempfehlungen für Hochschulen, die ebenfalls vorgestellt werden soll.

Diskutant: A. Kruse, Heidelberg

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