Symposium Geriatrie
Donnerstag, 08.09.2016
15:30 - 17:00
Raum Mannheim
S235
Freie Vorträge - Pharmakotherapie und klinische Themen

Moderation: W. Haefeli, Heidelberg; H. Burkhardt, Mannheim

15:30
FORTA-Liste 2015: Aktualisierung eines klinischen Hilfsmittels zur Optimierung der Arzneimitteltherapie
S235-01 

M. Wehling, F. Pazan; Mannheim

Die Effektivität und Sicherheit der Arzneimitteltherapie von älteren Patienten ist oft unzureichend durch klinische Studien belegt. Die nicht-evidenzbasierte Arzneimitteltherapie von multimorbiden Patienten birgt große Risiken und muss nicht zuletzt angesichts der demografischen Entwicklung angegangen werden. Als Lösung für dieses Problem hat unsere Gruppe die FORTA-Liste entwickelt. Die FORTA-Liste wurde 2012 von 20 Experten aus Deutschland und Österreich im Rahmen eines Delphi-Konsensus-Prozesses validiert. Damit die neu errungenen Kenntnisse und Erfahrungen der letzten 3 Jahre im Bereich der Gerontopharmakologie in dieser Liste berücksichtigt werden, haben wir eine erneute Konsensus-Validierung der FORTA-Liste durchgeführt. 21 Experten aus den Bereichen Geriatrie, Gerontopsychiatrie und Klinische Pharmakologie haben an diesem Delphi-Prozess teilgenommen und die Vorschläge von 4 Initiatoren bewertet. Die neue FORTA-Liste enthält jetzt insgesamt 273 Substanzen/Substanzgruppen (eine Erhöhung um 21% verglichen mit der Vorgängerversion) und 3 neue Indikationen (Übelkeit und Erbrechen, Hypothyreose, Obstipation) wurden hinzugefügt. Der mittlere Konsensus-Koeffizient für alle Substanzen/Substanzgruppen hat sich leicht erhöht (von 0,922 auf 0,938 = 1,7%). Dies bedeutet eine weiterhin hohe Qualität und Meinungs-Homogenität unter den Experten. Die neue FORTA-Liste beinhaltet jetzt mehr Wirkstoffe und Indikationen, die für die Arzneimitteltherapie älterer Patienten relevant sind.

15:47
Die Medikationsänderungen der Patienten in der VALFORTA-Studie mit dem Schwerpunkt Über- und Untertherapie
S235-02 

M. Wehling, F. Pazan; Mannheim

Die fehlende Evidenz für die Wirksamkeit und Sicherheit vieler Arzneimittel stellt ein großes Problem für die Arzneimitteltherapie älterer Patienten dar. Folglich werden Ärzte häufig mit dem Problem der nicht-evidenzbasierten Pharmakotherapie älterer Patienten konfrontiert. Die FORTA (Fit fOR The Aged)-Liste ermöglicht die Bewertung von Arzneimitteln hinsichtlich ihrer Alterstauglichkeit. Die häufig verwendeten Arzneimittel werden in Bezug auf ihre Alterstauglichkeit in 4 Kategorien von A bis D eingeteilt (A: Absolutely; B: Beneficial; C: Careful; D: Don’t). Die FORTA-Liste wurde bereits in einem Delphi-Prozess entwickelt und eine Pilotstudie hat ihre Effektivität bestätigt. Um die Nützlichkeit von FORTA weiter zu überprüfen, haben wir eine prospektive randomisierte bizentrische Studie mit insgesamt 409 Patienten durchgeführt. Die Hälfte der Patienten erhielt die Standardbehandlung und die andere Hälfte wurde noch zusätzlich nach FORTA-Empfehlungen therapiert. Die Über- und Untertherapien (basierend auf FORTA) wurden für alle Patienten bei Aufnahme und Entlassung bestimmt. Sowohl Über- als auch Untertherapien wurden durch die FORTA-Intervention signifikant reduziert (jeweils 4,6- und 1,3-fache Reduktion, p<0,0001). Als Nächstes möchten wir die Arzneimittel/Arzneimittelgruppen, die diese Verbesserungen maßgeblich beeinflusst haben, ermitteln. Außerdem werden wir die Arzneimitteltherapie der gesamten Kohorte und die Veränderungen zwischen Aufnahme und Entlassung insgesamt analysieren. Basierend auf unserer Studie ist FORTA die erste Positiv-Negativ-Liste für Wirkstoffe/Wirkstoffgruppen, die die Pharmakotherapie signifikant verbessert.

16:21
Aortenklappenersatz im Alter
S235-04 

S. Wicklein, F. Vogt, K. Singler, S. Pfeifer, J. Schwab, T. Fischlein, M. Pauschinger, M. Gosch, J. Jessl; Nürnberg

Die Therapie der symptomatischen Aortenklappenstenose durch einen konventionellen Aortenklappenersatz (AKE) oder mittels kathetergestützten Klappenimplantationen sog. TAVIs (engl.: Transcatheter Aortic Valve Implantation) hat auch für Patienten im fortgeschrittenen Alter eine gute Prognose. Eine leitliniengerechte Indikationsstellung sowie die Entscheidung zum richtigen Therapiepfad durch ein Heart-Team sind hierbei erfolgsentscheidend. Gerade bei älteren und zunehmend multimorbiden Patienten ist eine Erfassung der funktionellen Defizite nicht nur für die Mortalität sondern auch für peri- und postoperative Komplikationen sowie das funktionelle Outcome relevant. Im Rahmen einer interdisziplinären Arbeitsgruppe aus Kardiologen, Herzchirurgen und Geriatern wurde die aktuelle Literatur gesichtet und Empfehlungen für die Indikationsstellung und die medizinische Betreuung erarbeitet, insbesondere auch im Hinblick auf eine Einbindung der Geriatrie, u.a. mit den verschiedenen Verfahren des geriatrischen Assessments. Dieser Beitrags bietet einen Überblick über die aktuelle Praxis des Aortenklappenersatzes und fasst aktuelle Aspekte bei der Behandlung älterer Patienten zusammen.

16:38
Clostridium difficile Infektionen bei geriatrischen Patienten
S235-05 

R. Simmerlein, A. Basta, M. Gosch; Nürnberg

Fragestellung: Clostridium difficile (CD) ist der häufigste Erreger nosokomialer antibiotika-assoziierter Diarrhoen bei Erwachsenen in Europa und Nord-Amerika. Dabei tritt die Infektion typischerweise bei älteren Patienten mit Komorbiditäten sowie nach einer Antibiotikatherapie auf. Die Literaturrecherche befasste sich mit der Fragestellung bezüglich aktueller Diagnostik, Prävention und Therapieoptionen im Bereich der Clostridium difficle Infektion beim älteren Menschen.
Methodik: In Pubmed wurden Artikel mit dem Stichwörtern „Clostridium difficile“, „Clostridium difficile Infektion“, „Diarrhoe“, „Geriatrie/geriatrisch“, „ältere Menschen“, Diagnostik“ und „Therapie“ sowohl auf Deutsch als auch auf Englisch gesucht. Es wurden dabei 101 Artikel für die Fragestellung als relevant eingestuft. Ferner wurde auch die neue S2k-Leitlinie „Gastrointestinale Infektionen und Morbus Whipple“ der DGVS aus dem Jahr 2015 miteinbezogen.
Ergebnisse: In der Diagnostik ist weiterhin die Kultur als Goldstandard zu werten, im Alltag ist diese jedoch wenig praktikabel. Bewährte Methoden sind bisher Glutamatdehydrogenase (GLDH)- und Toxin A/B-Immunoassays sowie ggf. PCR. Bezüglich der Therapie zeigt sich hinsichtlich der Erstinfektion oder Rezidiv kein wesentlicher Unterschied. Dabei sollte eine antiinfektive Therapie mit Metronidazol 3x täglich für 10 Tage begonnen werden, während hingegen bei einer erneuten Reinfektion Vancomycin 125 mg per os 4x täglich für mind. 10 Tage an erster Stelle steht. Andere therapeutische Optionen wie Fidaxomycin, Rifaximin, Tigecyclin und die Stuhltransplantation stellen vielversprechende, wenn auch zum Teil teurere Alternativen dar. Als jüngste Neuentdeckung stellen monoklonale Antikörper, wenn auch aktuell erst in zwei Phase II-Studien vorgestellt, eine weitere hoffnungsvolle Therapiealternative dar.

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