Symposium Geriatrie
Donnerstag, 08.09.2016
15:30 - 17:00
Studio B
S239
Freie Vorträge - Demenz und Bewegung

Moderation: R. Dodel, Marburg; T. Zieschang, Heidelberg

15:30
Validierung eines motorisch-kognitiven Assessmentverfahrens zur Beurteilung kompensatorischer Bewegungen beim Sitzen-Stehen-Transfer von Menschen mit Demenz
S239-01 

C. Werner, N. Lemke, S. Wiloth, F. Kronbach, K. Hauer; Heidelberg, Mannheim

Hintergrund: Menschen mit Demenz zeigen krankheitsspezifische Störungen im räumlich-zeitlichen Bewegungsablauf des Sitzen-Stehen-Transfers (STS), die mit kognitiven Schädigungen in der Planung, Initiierung und Kontrolle von motorischen Handlungen assoziiert sind. Zur Verbesserung des STS werden in der geriatrischen Rehabilitation spezifische, kompensatorische Bewegungsmanöver trainiert. Bislang fehlen jedoch klinische Assessmentverfahren, die solch qualitative Aspekte in der STS Bewegungsausführung abbilden. Zielstellung: Mit dem Ziel qualitative, motorische und kognitive Aspekte des STS zu erfassen, wurde ein beobachtungsbasiertes Assessmentinstrument für Menschen mit Demenz (ACSID) entwickelt und dessen psychometrische Eigenschaften untersucht.
Methodik: Der ACSID erfasst den Abruf, die Initiierung und die Umsetzung von kompensatorischen STS Bewegungsmanöver. Anhand von sekundären Daten (n=97) einer randomisierten, kontrollierten Studie zur Verbesserung motorisch-kognitiver Leistungen bei Demenz wurde die Inter-/Intrarater-Reliabilität, konkurrente Validität, Veränderungssensitivität innerhalb der Interventionsgruppe (n=37) und die Durchführbarkeit des ACSID untersucht. Teilnehmer waren geriatrische Patienten (Alter: 82,5±5,9 Jahre) mit beginnender bis mittelgradiger Demenz (Mini-Mental State Examination: 21,9±2,9). Die konkurrente Validität wurde anhand von Außenkriterien überprüft, die mittels einer 2D-videogestützten Bewegungsanalyse bestimmt wurden.
Ergebnisse: Die Reliabilitätsanalyse zeigte substantielle bis perfekte Kappa-Koeffizienten für die einzelnen ACSID-Items (Kappa_Inter=.64-1.00; Kappa_Intra=.77-1.00) und gute bis exzellente Intra-Klassen-Korrelationen für die ACSID-Scores (ICC_Inter=.74-.89; ICC_Intra=.66-.87). Die Überprüfung der konkurrenten Validität ergab hohe punktbiserale Korrelationen(r_pb=|.55|-|.84|). Die ACSID-Scores erwiesen sich als veränderungssensitiv und konnten Effekte eines demenzspezifischen STS-Trainings angemessen abbilden (d=.62-.98). Die Durchführbarkeit des ACSID war exzellent. Boden- oder Deckeneffekte traten nicht auf.
Fazit: Der ASCID weist gute bis sehr gute psychometrische Eigenschaften auf und eignet sich zur motorisch-kognitiven Erfassung kompensatorischer STS Bewegungsmanöver bei Menschen mit Demenz.

15:47
Effekte eines tagesstrukturierenden Trainingsprogrammes auf psychische und Verhaltenssymptome bei Demenzpatienten (BPSD) - Ergebnisse einer randomisiert kontrollierten Studie
S239-02 

T. Fleiner, H. Dauth, W. Zijlstra, P. Häussermann; Köln

Fragestellung: Kliniker werden dazu angehalten, in erster Linie nicht-pharmakologische Maßnahmen zu der Behandlung von psychischen- und Verhaltenssymptomen bei Demenzpatienten (BPSD) anzuwenden. Dieses Projekt untersucht die Effekte eines tagesstrukturierenden Trainingspro-grammes auf psychische und Verhaltenssymptome in der klinischen Demenzversorgung.
Methode: Eine monozentrische RCT wurde in der LVR-Klinik Köln durchgeführt. Der Studiengruppe wurde über zwei Wochen an drei Tagen pro Woche jeweils vier Trainingseinheiten á 20 Minuten angeboten. In diesen im Tagesverlauf abgestimmten Trainingseinheiten wurde ein progressives Kraft- und Ausdauertraining durchgeführt. Die Vergleichsgruppe erhielt ein soziales Stimulationsprogramm. Die Effekte auf die BPSD wurden anhand der Clinical Global Impression of Change-Skala (CGIC) erfasst. Die Effekte auf einzelne BPSD-Dimensionen wurden anhand des Neuropsychiatric Inventory (NPI) und des Cohen-Mansfield Agitation Inventory (CMAI) untersucht.
Ergebnisse: 70 Patienten (M=80 Jahre; 47% weiblich; MMSE M=18 Punkte) haben die Prä- und Post-messung abgeschlossen. Die Patienten der Studiengruppe (n=35) nahmen an M=128 Min/Woche (SD=53 Min) teil. In Bezug auf die Vergleichsgruppe zeigen die Patienten der Studiengruppe signifikante Verbesserungen in den CGIC-Messungen der emotionalen Agi-tiertheit und der Labilität (p<.001) sowie in der psychomotorischen Agitiertheit (p<.01). Beide Gruppen zeigen keine Veränderungen der verbalen und physischen Aggressivität. Gesamt-werte und Einzeldimensionen des NPI und CMAI zeigen signifikante Verbesserungen der Studiengruppe.
Schlussfolgerung: Diese Ergebnisse zeigen eine gute Teilnahme der Patienten an den Trainingseinheiten sowie deutliche Effekte des Trainingsprogrammes in Bezug auf die BPSD. Diese Projektergebnisse tragen dazu bei, die körperliche Aktivierung der Patienten in der klinischen Demenz-versorgung weiter zu entwickeln. Dies kann eine geminderte Pflegebelastung sowie einem geringerem Einsatz von körperlichen Fixierungen und psychotropen Medikamenten bewirken.

16:04
Konstruktvalidität, Test-Retest Reliabilität, Veränderungssensitivität und Durchführbarkeit von Dual-Task Assessmentverfahren bei Menschen mit Demenz
S239-03 

N. Lemke, S. Wiloth, C. Werner, K. Hauer; Heidelberg

Hintergrund: Es besteht eine Vielzahl motorisch-kognitiver Testverfahren zur Erfassung von Dual-Task (DT) Leistungen im Alter. Diese sind mangelhaft hinsichtlich ihrer biometrischen Qualität untersucht, insbesondere bei Menschen mit Demenz, die überdurchschnittliche Defizite in DT-Leistungen aufweisen. Ziel der Studie war es, verschiedene DT-Tests hinsichtlich ihrer Testgütekriterien zu prüfen.
Methodik: Die Validierungsstudie wurde bei geriatrischen Patienten (n=105, Alter 82,7 ±5,9) mit Demenz (ø MMSE:21.9) durchgeführt. Folgende DT-Tests wurden untersucht:
- Gehen und Rechnen
- Gehen und verbale Flüssigkeitsaufgabe
- Krafttestung und verbale Flüssigkeitsaufgabe
Motorische und kognitive Leistung wurden als Single-Task (ST) und DTs erfasst. Die Leistungen unter DT verglichen zu der ST Leistung wurden als relative DT-Kosten (DTK) definiert.
Ergebnisse: Korrelationen zwischen den DTs waren moderat-hoch für motorische Aufgaben (rs=.29-.90), gering-hoch für kognitive Aufgaben (rs=.12-.55) und relative DTKs (motorische DTKs rs=.02-.61, kognitive DTKs rs=-.19-.06, kombinierte DTKs rs=-.11-.31). Korrelationen mit externen Assessments zeigten moderate-hohe Zusammenhänge für die motorische Aufgabe (rs=.25-.84) und geringe-moderate Zusammenhänge für kognitive Aufgaben (rs=-.10-.46) und relativen DTKs (motorische DTKs rs=-.09-.17, kognitive DTKs rs=-.03-.21, kombinierte DTKs rs=-.07-.26).
Die Test-Retest Reliabilität war exzellent für motorische Aufgaben (ICC=.75-.96), ausreichend-exzellent für kognitive Aufgaben (ICC=.51-.88) und gering-gut für relative DTKs (motorische DTKs ICC=.10-.74, kognitive DTKs ICC=.05-.65, kombinierte DTKs ICC=.15-.71).
Die Veränderungssensitivität zeigte akzeptable-exzellente Ergebnisse für trainierte DT-Tests (p≤.01). Die Effektstärken waren klein-hoch für Gangparameter (SRM=0.30-1.12), hoch für kognitive Aufgaben (SRM=0.82-0.95) und klein-hoch für relative DTKs (motorische DTKs SRM=0.15- -0.77, kognitive DTKs SRM=0.56-0.98, kombinierte DTKs SRM=0.40-1.10). Die Durchführungszeit reichte von 13.1min bis zu 16.9 min.
Schlussfolgerung: Alle DT Test zeigten eine akzeptable bis exzellente psychometrische Qualität bei Menschen mit Demenz.

16:21
Validierung eines computergestützten, spiele-basierten Assessmentverfahrens zur Erfassung motorisch-kognitiver Leistungen bei Menschen mit Demenz
S239-04 

S. Wiloth, N. Lemke, C. Werner, K. Hauer; Heidelberg

Hintergrund: Computerbasierte Bewegungsspiele erlauben grundsätzlich die Erhebung quantitativer Daten während des Spielverlaufs. Bislang existieren allerdings kaum Studien, die klinisch relevante Testkriterien solcher „exergames“ bei Menschen mit Demenz untersucht haben. Das Ziel war daher, eine Assessmentstrategie des Trainingsgeräts Physiomat® bei Menschen mit Demenz zu validieren.
Methodik: Das Physiomat®-Assessment beinhaltet motorisch-kognitive Aufgaben mit unterschiedlichen Schwierigkeitsstufen, welche kognitive Teilleistungen in Kombination mit Gleichgewichtskontrolle und -verlagerung beanspruchen. Die Konstruktvalidität (Berechnung von Spearman’s Korrelationskoeffizienten), Test-Retest Reliabilität (Berechnung von Intra-Klassen-Korrelations-Koeffizienten [ICC3,1]), die Veränderungssensitivität (Berechnung von T-Tests für gepaarte Stichproben und von Effektgrößen [Standardized Response Means: SRMs]) sowie die Durchführbarkeit (Berechnung von Abbruchraten und Durchführungszeit) wurden bei 105 geriatrischen Patienten (Durchschnittsalter 82.7±5.9) mit leichter mit mittelschwerer Demenz analysiert.
Ergebnisse: Moderate bis starke Korrelationen zwischen etablierten motorischen und kognitiven Tests und einfachen (rs=-.22-.68, P =.001-.03), mittelschweren (rs=-.33-.71, P =.001-.004), sowie komplexen motorisch-kognitiven Physiomat® Aufgaben (rs=-.22-.83, P =.001-.30) deuten auf eine gute Konstruktvalidität hin. Auf eine gute Test-Retest Reliabilität weisen moderate bis starke Korrelationen bei wiederholter Messung für einfache (ICC=.47-.73, P =.001), mittelschwere (ICC=.57-.79, P =.001) and komplexe Aufgaben (ICC=.32-.84, P =.001-.005. Die Veränderungssensitivität erwies sich aufgrund einer signifikanten Verbesserung bezüglich trainierter Physiomat® Aufgaben (P =.001) mit deutlichen Effektstärken (SRM=0.5-2.0) als gut bis exzellent Das gesamte Physiomat®-Assessment dauerte im Schnitt 25.8 Minuten. Die Aufgaben waren gut durchführbar, die Abbruchrate gering. Es gab keine Zwischenfälle wie z. B. Stürze.
Zusammenfassung: Physiomat® weist gute bis sehr gute Testkriterien bei Menschen mit Demenz auf und eignet sich daher zur Erfassung motorisch-kognitive Leistungen.

16:38
Cognitive-motor interference in younger adults, and older adults with and without probable mild cognitive impairment
S239-05 

N. Schott, T. Klotzbier; Stuttgart

Background Although several studies have shown that dual-tasking ability is impaired in Alzheimer's disease (AD), studies on the effects of DT conditions in Mild Cognitive Impairment (MCI) have not yielded unequivocal results. The objectives of the study were to (1) examine the effect of a concurrent task on fine and gross motor tasks in adults with cognitive impairment; and (2) determine whether the effect varied with different difficulty levels (easy vs. hard) of the concurrent task.
Methods: We examined dual-task performance of cognitive and sensorimotor tasks (trail tracing, walking) in 42 young adults (age 23.9 ± 1.98 [20–28] years; 18 women), and 43 older adults (age 68.2 ± 6.42 [60–81] years; 21 women). The age- and education adjusted MoCA was used to stratify the subjects into those with probable MCI and those without MCI based on a cutoff score of 25. Based on the idea of the paper-and-pencil Trail Making Test, participants walked along a fixed pathway, stepped on targets with increasing sequential numbers (i.e., 1-2-3), and increasing sequential numbers and letters (i.e., 1-A-2-B-3-C). Cognitive function was assessed with the seated version, the Trail-Making Test. Motor and cognitive dual-task costs were calculated for each task. Additionally, the following items were assessed: Activities-specific Balance Confidence Scale, the German Physical Activity Questionnaire 50+, exercise, and the number of falls.
Results: Regardless of the cognitive task, all participants performed equally well in and gross motor tasks, and were slower in the dual task conditions than under single task-conditions, with the effect greater in older adults with probable MCI. Increased cognitive task complexity resulted in slow trail walking as well as slower trail tracing. The motor interference for the fine and the gross motor tasks were least for the simplest conditions and greatest for the complex conditions in older adults with MCI more so than in comparison younger and healthy older adults.
Discussion: These results support previous studies suggesting that older adults with probable MCI are more cognitively dependent and allow us to state that they show a different approach to allocation of cognitive resources, and have difficulties making motor skills automatic.

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