Gemeinsamer Jahreskongress in Stuttgart war ein voller Erfolg

DGG-Kongresspräsident Prof. Dr. Jürgen M. Bauer und DGGG-Kongresspräsidentin Prof. Dr. Susanne Zank

1.060 Teilnehmer, 114 Symposien, 120 Poster, 7 Keynote-Speaker aus der ganzen Welt, 7 Preisträger, 2 Kongresspräsidenten, 4 Tage auf mehr als 3000 Quadratmetern – so präsentiert sich Stuttgart 2016 ganz nüchtern in Zahlen. Der wissenschaftliche Kongress war aber alles andere als nüchtern, sondern vielmehr mit vielen positiven Erlebnissen besetzt. Ein voller Erfolg! DGG-Kongresspräsident Prof. Dr. Jürgen M. Bauer und DGGG-Kongresspräsidentin Prof. Dr. Susanne Zank resümieren.

Was nehmen Sie nach diesem Kongress mit nach Hause?

Prof. Dr. Jürgen M. Bauer: Ein sehr positives Gefühl! Wir konnten uns gut darstellen – mit Blick auf unsere Mitglieder und alle fachlich Interessierten, aber auch hinsichtlich unserer Außenwirkung. Es war ein gut organisierter Kongress in einem modernen, leistungsfähigen Ambiente und – an erster Stelle zu nennen – offenbar für die breite Mehrheit der Besucher ein Kongress mit einer Vielzahl sehr interessanter Inhalte.

Prof. Dr. Susanne Zank: Das stimmt. Wir haben uns wirklich über die sehr gut besuchten Symposien und Keynotes gefreut. Außerdem sind wir besonders glücklich darüber, dass die Beiträge überwiegend auf höchstem Niveau waren.

Welche Take-Home-Massage gibt es für die Geriater?

Prof. Dr. Jürgen M. Bauer: Der rote Faden, der sich durch viele verschiedene Vorträge gezogen hat, war die Implementierung von Veränderungen. Veränderungen im Sinne der Patienten! Das war bei den geriatrischen Keynote-Lectures von Professor Finbarr Martin, Professor Susan Kurrle wie auch Professor Ian Cameron jeweils ein ganz entscheidendes Fazit: Erkenntnisse aus der Wissenschaft müssen jetzt umgesetzt werden!
Das zog sich weiter durch die politische Sitzung mit dem Beispiel Baden-Württemberg. Die Implementierung von Wissen, die Umsetzung im Patientensinne, dass es Strukturen braucht, die politisch fundamentiert sind – das sind Erkenntnisse, vor denen wir jetzt stehen und wo wir gefordert sind! Es gibt neue Erkenntnisse im Bereich der Rehabilitation und vor allem auch der Behandlung von Patienten mit kognitiven Störungen im Krankenhaus. Es ist Zeit, hier voran zu gehen und ich hoffe, dass es uns hierfür auch gelingen wird, die Politik zu gewinnen.
Es sollen alle erfahren: Der entscheidende Sprung, der sich seit zwei, drei Jahren auch jenseits der Geriatrie vollzieht, ist die Integration der Funktionalität des Menschen, insbesondere auch des älteren Menschen, in die Bewertung einer Erkrankungsbehandlung – also Therapie. Und diesen Sprung haben wir in der Geriatrie ganz wesentlich ermöglicht.

Welche Take-Home-Massage gibt es für die Gerontologen?

Prof. Dr. Susanne Zank: Wir haben das Gefühl, dass manche Themen mit Macht vorandrängen. Bei diesem Kongress war es das Themengebiet Technologie und Alter, das durch die Keynote und das Symposium von Sara Czaja vertreten war. Darüber hinaus hat unsere Gesellschaft einen Arbeitskreis für Technologie und Alter gegründet, der auf sehr großes Interesse stieß. Auch das Thema Hochaltrigkeit rückt weiter in den Fokus des Interesses. Die drastische Zunahme der sehr alten Menschen wird ein zentrales Thema der Zukunft sein – mit allen positiven und negativen Aspekten. Deswegen haben wir auch das Tabuthema Gewalt gegen Ältere mit Mark Lachs prominent platziert. Und wir haben uns natürlich auch über die beeindruckenden Beiträge des wissenschaftlichen Nachwuchses gefreut. Beispielsweise hat ein Doktorandenkolleg das Wohlbefinden bis ins hohe Alter unter ganz verschiedenen Blickwinkeln behandelt. Wir hatten generell sehr viele Nachwuchswissenschaftler auf dem Kongress.

Gibt es weitere Erkenntnisse nach Stuttgart?

Prof. Dr. Jürgen M. Bauer: Meine wichtigste Erkenntnis: Wir haben keinen großen Widerspruch erfahren mit der Internationalisierung des Kongresses. Es ist mit unseren Mitgliedern möglich, den Dialog jenseits der deutschsprachigen Grenzen zu suchen und das Wissen anderer, nicht deutschsprachiger Länder, zu integrieren. Denn ich bin weiterhin der Überzeugung, dass wir in der Geriatrie in Deutschland das Wissen anderer gut gebrauchen können, um voran zu kommen. Also: Auch in Zukunft internationale Sprecher.

Prof. Dr. Susanne Zank: Für die Attraktivität des Kongresses, aber auch für einzelne Disziplinen ist die Internationalisierung des Kongressprogrammes wirklich ganz zentral, da stimme ich Professor Bauer 150-prozentig zu. Wir sollten uns nicht nur auf den deutschsprachigen Raum konzentrieren, auch wenn wir gute Forschung machen. Für die Teilnehmer, deren English nicht ganz perfekt ist, haben wir extra zweisprachige Foliensätze produziert – auch wenn das für uns ein großer Aufwand war. In Zukunft sollten wir unseren Kongress wieder an die Universitäten holen. Wenn wir den Ausbau von Gerontologie und Geriatrie in Forschung und Lehre unterstützen wollen, dann müssen wir noch sichtbarer an den Universitäten werden.

In diesem Jahr war es ja ein gemeinsamer Kongress von DGG und DGGG. Ist der gemeinschaftliche Aspekt gelungen?

Prof. Dr. Susanne Zank: Die gemeinsamen Kongresse haben sich aus meiner Sicht sehr bewährt. In der Medizin ist der Mensch seit einigen Jahren als biopsychosoziales Wesen in den Vordergrund gerückt. Dieses Modell gilt für alte Menschen umso mehr. Gerade weil wir nicht alle Krankheiten verhindern können, kommt es sehr stark auf die Gestaltung der Umwelt an, auf die Kommunikation und auf vieles mehr. Das ist es, was wir aus der Psychologie, aus der Sozialpädagogik oder auch aus der Pflege zu bieten haben. Insofern ist diese Verzahnung ganz, ganz wichtig – sowohl für die Gerontologen als auch für die Geriater.

Prof. Dr. Jürgen M. Bauer: Aufgrund der Inhalte, die gewählt wurden ist aus meiner Sicht tatsächlich diese Verschmelzung der verschiedenen Aspekte des Alterns, wie es eben gerontologisch Standard ist, gut gelungen. Mediziner und Gerontologen haben gut zueinander gefunden. Das hat mich begeistert, dass das gelungen ist, die eigentlich aus recht unterschiedlichen Denkansätzen stammenden Wissenschaftler und Kollegen im Kontext Altern auf diesem Kongress zusammen zu bringen. Die Bruchstellen, die es manchmal gibt, waren kaum erkennbar. Gerontologen und Geriater gehören schon zusammen!
Es sollte unbedingt weiter daran gearbeitet werden, dass in dieser guten Kooperation alle zwei Jahre ein gemeinsamer Kongress stattfindet. Gerade dieses Muster – alle zwei Jahre – ein Jahr jeder für sich und ein Jahr alle zusammen, das ist sehr, sehr gut.

Was haben Sie von Teilnehmern an Rückmeldungen bekommen?

Prof. Dr. Jürgen M. Bauer: Ich habe tatsächlich unglaublich viele positive Rückmeldungen bekommen – für mich als Kongresspräsidenten wirklich beeindruckend! Das hat sich ebenfalls auf das Rahmenprogramm erstreckt. Ich hoffe, dass das auch der breiten Kongress-Öffentlichkeit entspricht, zumal man natürlich nicht jedermanns Interesse treffen kann. Aber bisher kam wirklich nur ganz viel Positives zurück!

Prof. Dr. Susanne Zank: Vor allem die Inhalte, unsere Keynotes, aber auch das soziale Programm wurden wirklich sehr gelobt. Sicher hätten wir für einige Präsentationen größere Räume gebraucht – aber insgesamt sind wir rundherum zufrieden, das kann man schon so sagen.

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